Weihnachtsspezialitäten – so genießt man in Europa

Weihnachten, die Zeit der Besinnlichkeit - und der Schlemmerei. Wohin man auch sieht in Europa: Gutes und reichliches Essen steht überall im Vordergrund. Ob süß oder deftig, es darf gern ein bisschen mehr sein.

Weihnachten wird zwar ganz unterschiedlich gefeiert und auch an verschiedenen Tagen – eines aber ist überall in Europa, ja sogar in der Welt, gleich: Es gibt ein ganz besonderes Essen zum Fest. Jedes Land hat seine eigenen Traditionen und Rezepte, nach denen die besonderen Köstlichkeiten zubereitet werden.

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Das Weihnachtsglöckchen bittet zu Tisch


Zum Feste nur das Beste

Ob Truthahn, Hummer oder Rentier, ob Milchreis, Plumpudding oder Weihnachtskuchen – an Weihnachten kommen in allen Ländern nur die feinsten Köstlichkeiten auf den Teller.  

Großbritannien

Beim Weihnachts-Dinner auf der grünen Insel muss vor allem ein gehaltvoller Braten auf dem Tisch stehen: Truthahn, Rind, Huhn oder Gans, manchmal auch Fisch – und mit einer deftigen Füllung. Neben reichlich Bratensoße wird zu den Beilagen gern Preiselbeergelee serviert. Beliebt sind auch Gerichte mit so lustigen Namen wie pigs in blankets (Würstchen im Speckmantel) und devils on horseback (Datteln im Speckmantel). In Irland wird gern “spiced beef“ (dünn geschnittenes gekochtes Rindfleisch, scharf gewürzt) serviert, oder Räucherlachs mit Sodabrot und Garnelencocktail. Zutaten des traditionellen Sodabrotes sind Mehl, Backpulver, Salz und Buttermilch, als Backtriebmittel wird anstatt Hefe Natriumbicarbonat verwendet. Auf gar keinen Fall vergessen werden darf der Weihnachtspudding, das klassischste aller klassischen britischen Desserts: der berühmte Plumpudding*. Er wird sowohl in England, als auch in Irland gerne gegessen – und teilweise bereits im Oktober hergestellt, damit er bis Weihnachten gut durchziehen kann. Dann wird der Christmaspudding mit Brandy oder Cognac übergossen, flambiert und mit Orangensauce serviert. Überhaupt fließt zu allem dabei reichlich Alkohol. Ein britisches Weihnachtsfest ist ohnehin eher eine Party als ein besinnliches kirchliches Fest.

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Plumpudding - der klassische englische Weihnachtskuchen


Frankreich

Gar nicht so viel anders isst man in Frankreich. Denn traditionell gibt es dort den Dinde aux Marrons, einen mit Maronen garnierten Truthahn. Schon das Jahr hindurch essen die Franzosen bekanntlich gern und gut, an Weihnachten natürlich erst recht. Mit der ganzen Familie genießt man am 24. Dezember ein langes réveillon, also ein üppiges Menü, das den ganzen Abend dauern kann. Auf dem Tisch stehen auch Austern, Hummer, Muscheln, Schnecken, Gänseleber oder Pasteten und oftmals Maronen, speziell geröstete Esskastanien. Dazu wird natürlich Champagner getrunken. Ein Höhepunkt in jedem Jahr ist auch immer der Bûche de Noël, übersetzt: "Weihnachtsholzscheit", aus gelbem Biskuit mit einer Schokoladen-Buttercreme- Füllung. Mit einer Gabel wird in die Glasur eine rindenartige Struktur geritzt. Dieses spezielle Weihnachtsdessert geht auf die Tradition zurück, zu Weihnachten tagelang einen Holzscheit im Kamin brennen zu lassen. In früheren Jahrhunderten war das ein symbolischer Dank an die Sonne, wenn die Tage wieder länger werden. Die Asche des Holzscheits wurde später auf dem Feld verteilt und sollte im nächsten Jahr für eine gute Ernte sorgen. Als die Kamine aus den Häusern verschwanden, entwickelte sich in Frankreich aus diesem Brauch die Weihnachtsspezialität Bûche de Noël.

Italien

Süßes und Kuchen werden zu Weihnachten auch in Italien ganz groß geschrieben. Da gibt es vor allem einen besonderen Kuchen, der der ganze Stolz der Italiener ist und bei keinem Weihnachtsfest fehlen darf: der Panettone*. Die charakteristischen Zutaten für diese Kuchenspezialität sind kandierte Früchte und Rosinen. Der Panettone wird traditionell in Papiermanschetten gebacken, wodurch der Kuchen in einer Kuppelform etwa 20 Zentimeter hoch wird. Klassisch italienisch genießt man ihn prickelnd mit Spumante oder mit süßem Wein. Und das Allerschönste: Den Panettone kann man auch noch 6 Wochen später genießen, denn so lange hält er sich. Ansonsten isst man in Italien am 24. Dezember traditionell kein Fleisch. Das Weihnachtsessen Pranzo della Vigilia besteht aus Meeresfrüchten und Fisch in allen Variationen. Sehr viel üppiger ist dann das Pranzo della Natale am 25. Dezember mit Gemüsesuppe, Huhn, Lamm und frischen Würstchen. Zum Abschluss wird natürlich der starke italienische Kaffee serviert, zusammen mit einem Amaro (Magenbitter), einem Likör aus Zitronen, genannt Limoncello, oder dem Nocino. Der Nocino ist ein Walnusslikör, dessen Nüsse traditionell exakt 6 Monate zuvor geerntet wurden, in der Nacht zum 24. Juni.

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20 Zentimeter hohes Kuchenglück - der italienische Panettone


Portugal

In Portugal kommt am Weihnachtsabend die ganze Familie zusammen. Das Traditionsgericht hier ist der Eintopf Cozido à Portuguesa (Gekochtes nach portugiesischer Art). Gerne wird auch Bacalhau serviert, also Stockfisch, mit Kartoffeln und Kohl oder Oktopus mit Gemüse. Zum Nachtisch kommt süßer Reis, der Milchreis Arroz doce, auf den Tisch sowie weitere Süßspeisen mit Zitrone und Zimt. Der portugiesische Weihnachtsklassiker ist bolo rei, der Dreikönigskuchen, mit kandierten Früchten und Nüssen, ähnlich unserem Weihnachtsstollen. Im bolo rei versteckt man gern eine Saubohne. Wer sie findet, muss den nächsten Königskuchen kaufen. Oft ist auch noch ein kleines Geschenk im Kuchen eingebacken. Es soll dem, der es in seinem Kuchenstück findet, Glück bringen und ist eine Erinnerung an die drei Weisen und ihre Gaben, die sie dem Jesuskind gebracht haben.

Polen

Heiligabend wird in Polen gefastet, und zwar bis Mitternacht. Wenn dann der erste Stern am Himmel erscheint, also gegen 17 Uhr, beginnt das Weihnachtsessen. In Polen ist Weihnachten hauptsächlich ein Fest der Familie, an dem alle Verwandten zusammen kommen. Neben jedem Teller liegt eine Oblate (ein kleines Gebäck), die angebrochen und mit allen Familienmitgliedern geteilt wird. Durch das Teilen sollen Liebe und Güte symbolisiert werden. Danach beginnt das eigentliche Essen. Zur Erinnerung an die zwölf Apostel stehen normalerweise zwölf Gerichte auf dem Tisch. Auf Fleisch wird bei den Gerichten verzichtet wird, da die Fastenzeit erst um Mitternacht endet, ebenso wie auf Alkohol. Typische polnische Weihnachtsgerichte sind Karpfen in Biersoße, Borschtsch, polnischer Gemüsesalat, Uszka (frittierte Teigtaschen mit Pilzfüllung), Krautgerichte und zum Nachtisch Mohnkuchen. Um Mitternacht geht man gemeinsam zur Hirtenmesse, der so genannten Pasterka, in die Kirche.

Island

Auch hoch im Norden gibt es kein Weihnachten ohne reichlich Süßgebäck. In jedem Haus wird gebacken – und verziert. Isländische Backwaren sind teilweise kleine Kunstwerke. Beim äußerst beliebten Laufabraud, dem „Laub- oder auch Schneeflockenbrot“, werden kunstvolle Muster, Ornamente und Bilder in dünnes Fladenweißbrot geschnitten, das dann frittiert wird. Beliebtestes Weihnachtsessen der Isländer ist meist Jolaar (Weihnachtslamm), manchmal gibt es auch rjúpa, Alpenschneehuhn, und seit einigen Jahren steht Rentier nicht nur als Pastete, sondern auch als Hauptgericht immer öfter auf dem Speiseplan.

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Rentier auf dem Speiseplan – der rotnasige Rudolf wäre wenig begeistert


Skandinavien

Bei den skandinavischen Ländern gleichen sich die Weihnachtstraditionen. Dazu gehört unter anderem, dass das Weihnachtsessen am 24. Dezember auch in Skandinavien besonders wichtig genommen wird.

Dänemark
Genascht wird in der Weihnachtszeit auch in Dänemark sehr gern, besonders die dänischen Weihnachtsplätzchen (Klejner) und Lebkuchen (Pepperkager). An Heiligabend werden Gans, Ente oder Schweinebraten mit Rotkohl serviert mit in Zucker braun glasierten Kartoffeln. Der klassische Weihnachtsnachtisch ist Mandelmilchreis (ris à l'amande), in den eine ganze Mandel untergerührt wird. Wer die Mandel in seiner Portion entdeckt, bekommt ein kleines Geschenk, Mandelgave genannt. Zum Dessert wird oft leichtes Wichtelbier (Nisseøl) getrunken.

Norwegen
Auch wenn es sich eher Deutsch anhört: Das traditionelle norwegische Weihnachtsmahl am Abend besteht aus Schweine- oder Lammrippchen mit Kartoffeln, norwegischem Sauerkraut und Steckrüben.

Schweden
In Schweden feiert fast jede Familie an Heiligabend mit einem weihnachtlichen Smörgåsbord, dem Julbord. Nicht fehlen dabei darf ein besonderer Schweineschinken, der Weihnachtsschinken (Julskinka). Typische Weihnachtssüßigkeiten sind Knäck ,ein traditioneller schwedischer Toffee, der immer zu Weihnachten zubereitet wird, oder auch Schokolade und Nüsse sowie Orangen, Feigen und Datteln.

Finnland
Weihnachtsschinken gehört auch in Finnland zum traditionellen Weihnachtsessen, außerdem Kartoffel- und Steckrübenauflauf sowie Rosolli-Salat (Rote-Bete-Salat). Klassisches Weihnachtsgebäck sind Piparkakut (Pfefferkuchen) und Joulutortut. Letztere sind sternförmige Blätterteigtaschen, die mit Pflaumenmus gefüllt werden.

In Schweden und Finnland ist außerdem ein gemeinsamer Saunabesuch nach dem Abendessen Tradition. Und auf jeden Fall fließen Bier und Schnaps reichlich. So wie auch der Glögg oder Glögi. Dieser Weihnachtspunsch ist eine Art Glühwein, mit oder ohne Alkohol, der in kleinen Bechern, zumeist mit Mandeln und Beeren serviert wird - eine gemeinsame Spezialität aller skandinavischen Länder.
Prosit! Auf ein fröhliches Weihnachtsfest!

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