Rechtzeitig vorbeugen: Das können Sie tun

Das Smartphone hat für Teenager eine ganz wichtige Bedeutung und es wird exzessiv genutzt. Aber zwischen Leidenschaft und Sucht liegt ein weiter Graben. Damit die Anhängigkeit dennoch nicht zu groß wird, müssen auch Eltern sich an die eigene Nase fassen. Sind Sie ein gutes Vorbild?


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Internetsucht: Junge surft am Esstisch mit dem Smartphone


© Thinkstock
Wie bei jeder anderen psychischen Störung ist die Frage nicht leicht zu beantworten. Eine genaue zeitliche Grenze, die keinesfalls überschritten werden darf, gibt es nicht. Aus Expertensicht ist eine regelmäßige und aktive Dauernutzung des Internets über acht bis zwölf Stunden hinweg mehr als bedenklich. Aber: Dieser Wert gilt vor allem für ältere Jugendliche und junge Erwachsene. Bei Kindern, die gerade erst in die Pubertät gekommen sind, sollten Sie schon vorher genauer hinschauen.

Viele Jugendliche reagieren bei "Entzug" mit extremer Reizbarkeit und Aufmerksamkeitsstörungen. Auch Schlafprobleme und ein deutlicher Leistungsabfall in der Schule sind deutliche Anzeichen. „Professionelle Hilfe wird aber erst dann notwendig, wenn Jugendliche aufgrund von exzessiver Internetnutzung Schule, Freunde und Pflichten vernachlässigen und selbst bei negativen Konsequenzen davon nicht Abstand nehmen können“, erklärt Müller.

So können Sie vorbeugen


Damit sich eine so starke Abhängigkeit zum Internet und zum Smartphone erst gar nicht entwickelt, sind Sie als Eltern gefragt. Denn wie das Internet genutzt wird, ist letztlich eine Frage der Erziehung. Und da müssen Sie sich selbst an die Nase fassen und das eigene Nutzungsverhalten einmal kritisch hinterfragen.

Das Smartphone als treuer Dauerbegleiter ist immer dabei und oft greifen wir ganz unbewusst danach. Dabei ist auch hier die Vorbildfunktion der Eltern wichtig. Vermitteln Sie Ihrem Kind, dass wir nicht ständig erreichbar sein müssen. Auch für das Smartphone sollten gewisse Nutzungsbedingungen gelten. Am besten Sie legen diese in konkreten Nutzungsverträgen fest. Dazu rät auch der Medienratgeber „SCHAU HIN!“, eine Initiative der Bundes Familien-Ministeriums, des öffentlich rechtlichen Fernsehens und Vodafone, und hat dazu 10 goldene Regeln aufgestellt. Legen Sie in diesen Verträgen Benimm-Regeln fest: Im Schulunterricht muss das Schmartphone weggepackt werden, beim gemeinsamen Essen sollte es tabu sein und auch nicht am Tisch liegen, ebenso wie bei den Hausaufgaben. Nachts hat das Smartphone ohnehin Sendepause. Sie können auch handyfreie Tage einführen.

Und wie lange sollte das Smartphone jetzt konkret genutzt werden dürfen? „Rund eine Stunde effektive Nutzung sind zwischen elf und 13 Jahren genug“, erklärt „Schau hin!“-Mediencouch Kristin Langer. Ein eigenes Smartphone empfiehlt sie daher erst ab zwölf Jahren.

Anzeichen für eine Internetsucht
  • Tägliche Nutzungszeiten von 12 Stunden über einen längeren Zeitraum
  • Kein Interesse mehr an anderen Lebensbereichen (Freunde, Familie, Hobbys)
  • Der Konsum kann nicht mehr willentlich eingeschränkt werden
  • Negative Konsequenzen durch den Konsum (Schulnoten, Ausbildung, Arbeit)

Ob Ihr Kind dann aber wirklich reif für ein Smartphone ist, hängt auch von Ihnen ab. Fragen Sie sich also: Ist mein Kind digital aufgeklärt? Weiß es über Datenschutz im Internet Bescheid und dass es vorsichtig mit privaten Daten umgehen muss? Kann es auch soziale Netzwerke verantwortungsvoll nutzen? Und weiß Ihr Kind, wie es gute von schlechten Webseiten unterscheiden kann?

Es ist also von vornherein nicht zu verurteilen, dass Kinder schon früh den Umgang mit den neuen Medien lernen. Schließlich wachsen sie damit auf und begegnen ihnen in vielen Lebensbereichen: zu Hause, über Freunde und später auch in der Schule. Jedoch muss das Bewusstsein für dieses Thema noch geschärft werden. „Denn wenn Kinder schon früh einen uneingeschränkten Zugang zum Internet haben, kann das durchaus einen späteren unkontrollierten Konsum befördern“, warnt Müller. Und so gehen heute immer mehr Jugendliche wegen ihrer Abhängigkeit vom Internet in psychiatrische Behandlung.
Internetsucht ist keine offizielle Krankheit

Doch genau hier liegt ein weiteres ganz zentrales Problem. Denn obwohl Smartphones und das Internet durchaus Suchtpotentiale haben, ist die Internetsucht noch keine offiziell anerkannte Krankheit. Und das bedeutet, dass es so gut wie keine Therapiemöglichkeiten dafür gibt. Ein Teufelskreis: Ohne eine offizielle Anerkennung der Krankheit, können Therapiezentren nicht finanziert und damit Patienten nicht behandelt werden. Psychologen wie Müller, die sich mit diesem Thema beschäftigen, gehen daher von einer sehr großen Dunkelziffer von Internet-Süchtigen aus.


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Dennoch sei nochmals erwähnt: Dass Jugendliche ihr Smartphone intensiv nutzen, ist durchaus normal und für die heutige Generation ein wichtiger Teil der Pubertät.

Erst wenn Schule, Freunde oder auch der Sportverein wegen des Internets vernachlässigt werden, die Nutzungszeiten immer länger werden und Ihre Kinder trotz negativer Konsequenzen davon nicht Abstand nehmen können, kann eine ernsthafte psychische Störung vorliegen. Ziehen Sie also zunächst keine voreiligen Schlüsse und machen Sie sich selbst keine Angst. Auch für Sie ist das Smartphone zu einem treuen Lebensbegleiter geworden, aber eben auch nicht mehr.