Die Zukunft unserer Kinder

Wie wird die Welt 2030 sein, wenn unsere Kinder erwachsen sind? Und wie können wir sie schon heute optimal auf morgen vorbereiten?


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Die Zukunft unserer Kinder

Foto: Thinkstock


Natürlich wissen weder wir noch die Experten, was geschehen wird – was die Zukunft bringen könnte, das lässt sich aber zumindest erahnen: Für diesen Beitrag standen die drei anerkannten Zukunftsforscher Matthias Horx, Sven Gábor Jánszky und Corinna Langwieser Rede und Antwort.

Technologie - Von der Intelligenz der Dinge


Die zukünftige Technologie

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Was uns morgen erwartet: Sven Gábor Jánszky ist Trendforscher und Leiter der deutschen Denkfabrik „2b Ahead Think Tank“, seit neun Jahren diskutiert er mit Führungspersönlichkeiten aus der Wirtschaft über unsere Zukunft. Seine Prognose ist eine optimistische. Denn die Technologie, die uns erwartet, wird vor allem eines: uns vieles abnehmen. „Geräte werden unsere Assistenten sein, keine Partner. Sie werden uns vorschlagen, was zu tun ist, welche Lebensmittel gekauft werden müssen, dass wir die Heizung runterdrehen sollten oder den Ofen ausschalten müssen, aber sie werden keine selbstständigen Entscheidungen treffen.“ In Jánszkys Zukunft werden wir morgens als erstes den Badezimmerspiegel anschalten. Spiegel anschalten? Ja, richtig gelesen. Der Spiegel wird uns aktuelle Verkehrsinformationen mitteilen und auch gleich empfehlen, welche Route wir ins Büro nehmen sollen, er wird uns auf unsere Lieblingssendung hinweisen und uns Gespräche mit Freunden oder Verwandten ermöglichen. Futurologen gehen davon aus, dass wir in zwanzig Jahren von allerhand intelligenten Alltagsgegenständen umgeben sind, die miteinander kommunizieren können. Die zentrale Steuereinheit wird etwas sein wie eine Uhr, das Handy oder auch eine Sonnenbrille, also etwas, das wir immer mit uns führen. „Schon 2020 werden Informationen, Bilder, Filme, Musik, Töne und Texte in Echtzeit per Internettechnologie verbreitet. Das ist keine Sensation, aber eine wesentliche Voraussetzung für die neue Lebenswelt“, erklärt Sven Jánszky. „Denn mit der Fokussierung auf den Internetstandard entfallen heutige Machtgefüge von Frequenzen, Lizenzen und Empfangsgeräten. Medien sind damit nicht mehr nur auf dem Fernseher, Computer oder Radio empfangbar, sondern auf jedem denkbaren Gerät: dem Badezimmerspiegel, dem Kinderzimmerbett, dem Kühlschrank oder der Sonnenbrille. Zudem sorgt die Internetanbindung für einen Rückkanal, so dass man mit den Geräten kommunizieren kann – so wie wir das heute mit dem Computer oder Handy tun.“ Rechner, wie wir sie heute nutzen, werden in Zukunft kaum noch eine Rolle spielen. Stattdessen wird alles andere um uns herum intelligent. Denkbar ist zum Beispiel hochkomplexe Kleidung, die als gewebter Computer fungiert, alle elektronischen Bausteine sitzen unsichtbar in ihrem Stoff – übrigens eine Technik, die heute schon funktionsfähig ist. Kleidung aus solchen Materialien kann Daten wie Blutdruck oder Pulsfrequenz überwachen, auswerten und übertragen. Und sie kann noch mehr: Sensoren in der Kleidung der Kinder können Eltern wissen lassen, wo der Nachwuchs gerade steckt. Was das heute bedeutet: Technologie beeinflusst schon heute unser Leben – das unserer Kinder wird noch stärker von ihr abhängig sein. Wenn das Internet den Computer verlässt und Alltagsgegenstände intelligent werden, ist es umso wichtiger, dass die Menschen lernen, ihr Leben dennoch selbstbestimmt zu gestalten. Das heißt: Medienkompetenz wird wichtiger denn je. Kinder müssen schon heute lernen, souverän mit Technologie umzugehen und sie auszuschalten, wenn sie nicht mehr gebraucht wird. Dann können sie sich auch als Erwachsene problemlos damit zurechtfinden. Sie müssen lernen, dass wir Technik nur bis zu einem gewissen Grad vertrauen können und dass wir uns nicht vollends von ihr abhängig machen sollten. Schalten Sie also zu Hause den Fernseher aus, wenn die Sendung vorbei ist, die Sie gesehen haben, vertrauen Sie neben dem Navi auch dem Straßenatlas und nehmen Sie statt der Mikrowelle ruhig mal den Topf, um Milch aufzuwärmen. Auf der anderen Seite werden sich viele Diskussionen, die heute in Familien alltäglich sind, einfach erledigt haben: Ob ein Kind ein Handy haben soll oder nicht, ist dann z.B. keine Frage, es wird selbstverständlich sein. Schon die Kinder heute wachsen mit Computern auf und werden auch als Erwachsene souverän mit Medien umgehen können. Wohnen - Das Haus denkt mit

Das zukünftige Wohnen

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Was uns morgen erwartet: Wenn Technologie mitdenken kann, hat das natürlich auch Einfluss auf unsere Wohnung: sprechende Badezimmerspiegel, intelligente Kühlschränke, neue Beleuchtungssysteme, eine Kleiderschrankfront mit Bildschirm. In zwanzig Jahren erkennt ein Haus, wer hinein darf und wer nicht, es kann uns mitteilen, ob wir zu viel Strom verbrauchen, die Heizung angelassen haben und dass die Milch leer ist. Eingebaute Sensoren, Module und Bewegungsmelder registrieren, was geschieht. Schon heute gibt es „lebende“ Tapeten, die das Licht, die Heizung oder die Stereoanlage anschalten können. Zudem wird es möglich sein, von unterwegs mit der Wohnung zu kommunizieren. Aber nicht nur das Haus ist engmaschig vernetzt, die gesamte Stadt wird mit einem komplexen Datennetz miteinander verknüpft sein. In der ZDF-Zukunftsversion „2057“ hat das auch negative Seiten: Über ausgespuckten Zahnpastaschaum oder Urin ist es möglich, medizinische Daten zu erhalten. Auf diese Weise könnte etwa die Krankenversicherung überwachen, wer ungesund lebt und dementsprechend ihre Beiträge anpassen. Ansonsten werden wir aber viel Spaß mit unserem intelligenten Haus haben. Die Wohnung der Zukunft wird technisch nach Funktionen zusammengesetzt sein: Schlafen, Duschen, Putzen, Essen. Wir können dann Befehle aussprechen wie „Ich möchte Schlafengehen“, und die Technik erledigt den Rest: Die Jalousien werden hinuntergefahren, die Geräte auf Stand-by geschaltet, die Heizung gedrosselt. Aber nicht nur wie, sondern auch wo wir wohnen, ist von Bedeutung, sagt die Trend- und Zukunftsforscherin Corinna Langwieser: „Die Vielfalt wird größer und die Tendenz zu mehr Wohnfläche pro Mensch nimmt weiter zu. Generell gelten die Deutschen als sehr heimatverbunden, die Bereitschaft, den Heimatort zu verlassen ist aber hoch, wenn man dadurch die Chancen für die Kinder erhöhen kann.“ Sowohl Städte als auch ländliche Regionen werden sich etwas einfallen lassen müssen, um Familien zu gewinnen. In 20 Jahren wird es deutlich weniger junge Leute geben und die vielen älteren Menschen werden die Nähe der Städte suchen, da sie mehr Dienstleistungen und bessere Infrastruktur bieten. Damit die Städte nicht überaltern, muss man Familien Anreize schaffen, um ihnen ein entspanntes Leben zu ermöglichen. Ein weiteres großes Thema wird auch in Zukunft die Energiebilanz der Häuser sein. Peter Wippermann ist Leiter des Trendbüros für gesellschaftlichen Wandel in Hamburg. Er sagt: „Auch in Zukunft wird die Energiebilanz eines Hauses vor allem unter ökonomischen Gesichtspunkten wichtig sein. Das heißt, Länder und Kommunen werden dann Nachhaltigkeit und Ökologie vorantreiben, wenn es sich finanziell für sie lohnt.“ Was das heute bedeutet: Die vernetzte Stadt und das intelligente Haus werden zwar das Leben unserer Kinder vereinfachen, sie aber auch abhängiger machen. Aber sie haben einen entscheidenden Vorteil: Sie werden als Erwachsene viel mehr wissen über Umweltgefahren, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit, als wir das heute tun. Sie werden Hintergründe verstehen und Chancen und Risiken daher viel besser einordnen können. In der Zukunft ist, die Technologie betreffend, sehr viel möglich, was einen nachhaltigen Lebensstil angeht; aber auch 2030 gilt: Jeder Einzelne muss sich umstellen, damit die Nachfrage überhaupt entsteht. Wenn Energiesparen wirklich einfach, praktisch und effizient wird, dann macht es jeder. Für uns heißt das: Kinder sollten heute schon lernen, wie wichtig Nachhaltigkeit ist und wie ein bewusster Lebensstil funktioniert. Das ist für die Eltern von heute ganz einfach: Leben Sie ihnen eine gesunde, umweltbewusste Lebensweise vor. Klug einkaufen etwa kann man lernen – Kinder, die die Nachhaltigkeit mit der Muttermilch aufsaugen, sind die cleveren Konsumenten von morgen.




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