Wie wichtig Sport für Kinder tatsächlich ist

Sport ist für die Entwicklung von Kindern ganz entscheident. Doch oft bleibt er auf der Strecke. So vermitteln Sie Ihren Kindern Spaß an Bewegung.


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden

Kinder und Sport: Die Zahlen für Deutschland


Die gute Nachricht: Um die Bewegung unserer Kinder ist es gar nicht so schlecht bestellt. 95 Prozent der Vier- bis 17-jährigen Kinder treiben Sport, mehr als die Hälfte sind sogar in einem Verein. Und wer die Hofpause in einer Grundschule miterlebt, wird feststellen: Auch im Jahr 2007* toben, rennen, hüpfen Kinder sehr, sehr gern. Diese positiven Prozentzahlen über die Bewegung von Kindern kommen vom Robert-Koch-Institut und wurden im Rahmen einer Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen (Kinder- und Jugend-Gesundheits-Survey KiGGS) ermittelt. Prima, denn wenn Kinder Sport treiben fördert das die Entwicklung der Motorik, und damit Reaktionsvermögen, Gleichgewichtssinn und Bewegungskoordination.

Junge spielt Baskettball auf der Straße


© iStock
Heißt das, um die motorischen Fähigkeiten der Kinder muss man sich keine Sorgen mehr machen? Leider nein. „Es stimmt schon, dass viele Kinder in einem Sportverein angemeldet sind, doch nur 13,6 Prozent von ihnen trainieren dreimal oder häufiger die Woche. Noch problematischer ist, dass die Kinder sich im Alltag immer weniger bewegen. Das kann auch eine Stunde Vereinssport in der Woche nicht ausgleichen“, sagt Dr. Elke Opper von der Universität Karlsruhe, die am Motorik-Modul (MoMo) der KiGGS-Studie mitarbeitet.

So zeigten sich bei den über 4500 untersuchten Kindern und Jugendlichen auch motorische Defizite: Fast die Hälfte kommt bei der Rumpfbeuge mit gestreckten Beinen nicht mehr mit den Fingerspitzen bis zum Boden. Und 86 Prozent schaffen es nicht, eine Minute einbeinig auf einer Schiene zu balancieren, ohne den Boden zu berühren.
Draußen Spielen - Gesundheit fördern
Was kann der Grund sein? Auch wenn viele Kinder angeben, Sport zu treiben: Es geht vor allem um die Intensität, mit der sie etwas tun. So geben nur 21 Prozent der Kinder an, sich beim Sport so stark anzustrengen, dass sie auch ins Schwitzen kommen. Und erst dann zeigt die Bewegung Wirkung, baut zum Beispiel Muskeln für eine gute Körperhaltung auf und sorgt für gute Ausdauer. Mindestens eine Stunde pro Tag sollten Kinder sich so stark bewegen, das  sie ins Schwitzen kommen, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation. Das tut gerade einmal ein Drittel der Kinder und Jugendlichen. Und auch die Bewegung unter freiem Himmel kommt bei Kindern zu kurz. „Mit dem Schuleintritt spielen Kinder immer weniger im Freien“, sagt Opper. So sind Vier- bis Fünfjährige noch an sechs Tagen pro Woche draußen aktiv, Schulkinder einen Tag weniger. Den Tagesablauf von Grundschülern hat Frank Obst von der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung (BAG) dokumentiert: „Von 24 Stunden verbringen die Kinder zehn Stunden mit Schlafen, neun Stunden im Sitzen in der Schule, bei Hausaufgaben, Essen, Computer und Fernsehen, vier Stunden mit Stehen und normalem Gehen“, sagt der Diplom-Sportwissenschaftler.

Bleibt noch eine Stunde am Tag für Bewegung und Sport. „Und die wichtige intensive Bewegungszeit, in der sich Kinder wirklich anstrengen, liegt gerade mal bei 15 bis 30 Minuten.“ Diese kurze Zeit in der Kinder Sport treiben reicht nicht aus, um motorische Basiskompetenzen wie Ausdauer, Beweglichkeit und Koordinationsvermögen zu trainieren.
Mit gutem Vorbild voran
Also hilft nur: Weg vom Computer und Fernseher? „Der erste Schritt für eine Bewegungsförderung ist tatsächlich, den Medienkonsum einzuschränken“, rät Obst. Zum Beispiel Fernsehen direkt nach der Schule oder aus reiner Langeweile. Aber Playstation, Gameboy & Co. sind nicht allein Schuld am Bewegungsmangel. „Früher eroberten sich Kinder ihre Umgebung in konzentrischen Kreisen“, sagt der Experte für motorische Entwicklung. So haben sie zuerst in der Nähe des Elternhauses gespielt, dann in der weiteren Nachbarschaft und haben schließlich den ganzen Ort erkundet. „Heute lebt das Kind auf verschiedenen ,Inseln': Wohnung, Schule, Musikunterricht, Freunde. Die Brücken zwischen diesen Inseln sind inhaltslos, weil meistens jemand das Kind fährt“, sagt Obst. Früher verabredeten sich Kinder auf dem Schulweg oder gingen einfach raus, es fand sich ja meist ein Spielkamerad in der Nachbarschaft. „Heute muss ein Kind nach der Schule erst einmal telefonieren. Und nicht immer haben seine Freunde Zeit, weil die auch einen Terminplan mit Musikschule, Verein etc. haben.“

Was Kindern sicher zu mehr Bewegung im Alltag verhilft: gute Vorbilder. Da sind Eltern gefragt! Egal, ob es bequemer ist, schnell mit dem Auto zum Einkaufen zu fahren oder den Feierabend auf der Fernsehcouch zu verbringen: Gehen Sie lieber zu Fuß, fahren Sie mit dem Rad und spielen Sie nach dem Abendessen noch eine Runde Federball mit Ihren Kleinen. Das macht Spaß - nicht nur Kindern!

 Das könnte Sie interessieren: Kinderfüße brauchen Bewegung

Denn Bewegung ist das beste Mittel um Fußfehlstellungen bei Kindern vorzubeugen und entgegenzuwirken.



____________
* von 2009 bis 2012 fand eine zweite Datenerhebung statt. Die Ergebnisse:
"Mehr als drei Viertel (77,5 Prozent) der drei bis 17-Jährigen  treiben regelmäßig Sport. Knapp 60 Prozent davon sind in einem Sportverein aktiv. Etwas mehr als ein Viertel erreichen die WHO-Empfehlung und sind täglich mindestens 60 Minuten körperlich aktiv. Jüngere Kinder erfüllen diese Empfehlung eher als ältere Kinder und Jugendliche."- Pressemitteilung zur Verföffentlichung der KiGGS-Studie 2014.




Artikel kommentieren
Login