Eine kinderlose Zukunft mit zwei Kindern

Das Thema "Kinder" war für Anja noch gar nicht aktuell, da erfuhr sie, dass sie vielleicht nie welche bekommen könnte. Es hatten sich Krebszellen in ihrer Gebärmutter gebildet #insidemom.


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Wie schwer es manchmal sein kann, überhaupt eine Mutter sein zu können, glauben viele Frauen oder auch Paare gar nicht. Nach ein bis drei Zyklen schwanger zu werden - davon träumte ich auch. Mein Schicksal wollte es aber anders.


„Was mir die Ärzte nach der OP zu sagen hatten, verursachte in mir ein regelrechtes Gefühlschaos. Es wurden bösartige Zellen entfernt - viele davon. Zunächst freute ich mich, die Entscheidung für die OP war absolut richtig. Aber ...nein, ich wollte kein ABER hören ...”

von Anja

Das Thema Familienplanung war bei mir noch gar nicht aktuell, als ich bei einer Routine-Vorsorge-Untersuchung beim Frauenarzt erfuhr, dass mein Abstrich ein auffälliges Ergebnis zeigt. Im schlimmsten Fall bedeutet das: „Vorstufe von Gebärmutterhalskrebs“. Doch noch bestand die Hoffnung, dass andere Viren die Ursache sind, die sich selbst innerhalb eines Jahres zurückbilden.

Jetzt hieß es warten. Wochenlang machte ich mir Gedanken über eine Krebsdiagnose. Allein das Wort KREBS verursachte mir eine Gänsehaut. Ach was, beruhigte ich mein Gewissen nach einiger Zeit, ich spüre ja nichts und hab keine Blutungen. Da wird schon nichts sein. Und so verblassten die Sorgen im Alltag und waren fast vergessen …

...bis ich wieder zur Vorsorgeuntersuchung ging. Der Abstrich zeigte erneut das gleiche Ergebnis. Nichts hatte sich von alleine zurückgebildet. Ich sollte einen HPV-Test machen lassen. Damit kann man eine prozentuale Wahrscheinlichkeit von bösartigen Zellen ermitteln. Also ließ ich den Test machen. Das Ergebnis: 70 % - high risk.

Diagnose Krebs: Aber ich wollte doch Kinder!


Der Arzt riet mir zu einer Operation, bei der man eine hauchdünne Scheibe vom Gebärmutterhals wegschneiden würde. Dann könne man ganz genau sehen, ob bösartiges Gewebe dabei wäre. Ich ließ den Eingriff machen, eine sogenannte Konisation. Hatte dabei aber ein sehr mulmiges Gefühl. Ich fühlte mich doch eigentlich gesund - wieso ließ ich mich operieren? War mein zukünftiger Kinderwunsch in Gefahr? Hielt unsere Beziehung die lange, gezwungene Sex-Pause aus? All solche Gedanken schossen mir auf dem OP-Tisch durch den Kopf.

Was mir die Ärzte nach der OP zu sagen hatten, verursachte in mir ein regelrechtes Gefühlschaos. Es wurden bösartige Zellen entfernt - viele davon. Zunächst freute ich mich, die Entscheidung für die OP war absolut richtig. Aber …

Nein, ich wollte kein ABER hören. In ganz seltenen Fällen sind am Rand der Scheibe noch bösartige Zellen. Ich sei einer dieser seltenen Fälle. Und das bedeutet, dass nicht ausgeschlossen werden kann, dass sich noch mehr Krebszellen im Gebärmutterhals befinden könnten. Schluck! Mein damaliger Freund und jetziger Ehemann gab mir Vertrauen und der Rest meiner Familie war für mich da. Das gab mir den Halt, das durchzustehen. Ich wollte doch Kinder haben!!! Zwei, mindestens!! Die Zeit rannte uns davon.

Eine zweite OP war nötig und ich ließ sie wenige Monate nach der ersten machen. Die Ärzte mussten erneut eine Scheibe vom Gebärmutterhals abschneiden und waren sich sicher, kein verändertes Gewebe am Rand mehr entdeckt zu haben. Doch die Heilung der physischen und psychischen Wunden dauerte mehrere Monate. Mehrere Jahre musste ich halbjährlich zur Nachkontrolle. Eine schwerwiegende Folge der OP: erschwerte Bedingungen für eine Schwangerschaft. Trotzdem nahmen wir es so schnell wie möglich in Angriff, schwanger zu werden. Die ganze Sache hatte uns zusammen geschweißt und wir waren uns sicher, es gäbe nichts Schöneres als eine Mischung aus uns beiden im Arm halten zu dürfen. Aber nichts passierte!
Es wurde Zeit, die Träume loszulassen

Dann kam die traurige Gewissheit. Der Frauenarzt, ein Oberarzt der Klinik und ein Operateur meiner Bauchspiegelung prophezeiten mir eine kinderlose Zukunft. Der Gebärmutterhals sei sehr stark vernarbt, so dass kaum Sperma den Weg durchbrechen könne und falls doch, bestünde durch den inzwischen extrem kurzen Gebärmutterhals ein erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt. Es brach eine Welt für mich zusammen! Das durfte nicht wahr sein!

Es vergingen vier Jahre. Und dann war ich plötzlich schwanger. Ich war schwanger. Ich blickte heulend auf die zwei Striche des Tests und war zittrig gerührt. Es war Heiligabend! Das schönste Geschenk. Doch nur wenige Wochen darauf verlor ich leider mein "Pünktchen". Eine Welt brach für mich zusammen. Die Trauer war kaum aushaltbar.

Liebes Pünktchen, du warst zwar nur kurz bei uns, aber du hast uns Hoffnung auf eine Zukunft mit einem Baby gemacht. Dafür danke ich dir ganz doll. Du bist immer in meinem Herzen!

Im selben Jahr heirateten wir – in der voraussichtlichen Geburtswoche des Pünktchens. Nach ein paar weiteren Jahren orientierten wir uns langsam um. Wir reisten wieder viel und fuhren schöne Motorradtouren. Auch beruflich veränderten wir uns, sodass wir uns schleichend von einer Familie mit zwei Wunschkindern verabschiedeten.

Und plötzlich weißt du:
Es ist Zeit, etwas Neues zu beginnen
und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen.
- unbekannt

Unverhofft aber umso erfreulicher meldete sich daher 2012 unser erstes Kind "Räuber" an. Nach einer komplizierten Schwangerschaft waren wir alle froh dieses "Wunder" im Arm halten zu können. Jetzt strapazierten wir unser Glück und wünschten uns noch ein Geschwisterchen. Mein Körper machte noch mal mit und so kam 2014 der "Junikäfer" auf die Welt.

In diesem Sinne:
Betrachte immer die helle Seite der Dinge!
Und wenn sie keine haben?
Dann reibe die dunkle bis sie glänzt!
- aus Skandinavien

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#insidemom: Anja Kellerbande


© Anja von Kellerbande
Hier schreibt:
Anja

Mein Name ist Anja von der Kellerbande mit Herz und Seele. In meinem Familienblog schreibe ich über den Alltag mit zwei Kleinkindern. Mein Sohn (2012) und meine Tochter (2014) halten mich auf Trab. Da ist immer was los, das könnt ihr mir glauben.

Ich freu mich ein Teil von #insidemom zu sein. Jede Frau und jede Familie erlebt die Geburt und den Weg dorthin anders. Jedes Schicksal ist es wert, gelebt zu werden. Auch um damit anderen vielleicht Mut zu machen.


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