Windpocken: Symptome, Bilder und Impfung

Und plötzlich sind da überall juckende Pusteln: Was Sie über Windpocken, ihren Verlauf und die Impfung wissen müssen, welche Symptome auftreten und wie die Krankheit aussieht.


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Was sind Windpocken überhaupt?



Kind mit Windpocken im Gesicht

Windpocken jucken ganz fürchterlich.


© www.kinderaerzte-im-netz.de
Bekannt sind Windpocken (eng. Chicken pocks) als „klassische“ Kinderkrankheit. Ausgelöst wird die Varizellen-Infektion durch den Herpes Zoster-Virus. Ist die Erkrankung einmal durchgestanden, besteht zwar eine lebenslange Immunität, aber ganz los wird man den Herpes-Virus trotzdem nicht. Der ruht nämlich in den Nervenenden und kann im Erwachsenenalter wieder aktiv werden - als schmerzende Gürtelrose. Windpocken sind trotz Impfempfehlung der STIKO immer noch weit verbreitet, was auch daran liegt, dass die Infektion von vielen Eltern als eher harmlos eingestuft wird und bei gesunden Kindern zwischen zwei und zehn Jahren meist schnell und ohne Folgen ausheilt. Bei Erwachsenen und Teenagern über 16 Jahren können Windpocken aber auch einen deutlich schwereren Verlauf nehmen.
Wie steckt man sich mit Windpocken an?
Der Name ist Programm: Windpocken sind hochansteckend, fast jede Person, die mit einem Patienten in Kontakt kommt, infiziert sich. Die Erreger können von Mensch zu Mensch durch Niesen, Sprechen und Atmen, aber auch durch verunreinigte Gegenstände übertragen werden. Hochansteckend ist die Wundflüssigkeit der Windpocken-Bläschen, wenn diese aufgekratzt werden oder von allein aufgehen. Übrigens: Die Gürtelrose ist nicht ganz so ansteckend, denn die Viren werden nicht über die Luft übertragen.

Windpocken treten meist am ganzen Körper auf


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Vom Tag der Ansteckung bis zum Ausbruch der Windpocken dauert es normalerweise 12 bis 16 Tage, die Inkubationszeit beträgt also etwa zwei Wochen. Ansteckend sind mit Windpocken-Erkrankte bereits bis zu zwei Tage vor dem Auftreten der ersten Krankheitszeichen und so lange, bis die letzten Bläschen verkrustet sind.

➤ Lassen Sie die Diagnose "Windpocken" von einem Arzt sichern. Rufen Sie mit Ihrem Verdacht aber vorher in der Praxis an, um die Ansteckung anderer mit Windpocken zu vermeiden - denn bei Babys und Schwangeren kann die Krankheit schwere Komplikationen verursachen.

➤ Hat Ihr Kind die Windpocken, darf es nicht in die Schule, den Kindergarten oder andere Gemeinschaftseinrichtungen (Infektionsschutzgesetz). Um Ansteckung zu vermeiden, sollten Sie Schule, Kita und Co. auf jeden Fall informieren.
Windpocken-Symptome
Am Anfang zeigen sich die Windpocken eher mit unspezifischen Symptomen, wie leichtem Fieber und Abgeschlagenheit. Erst zwischen dem 3. und 5. Krankheitstag bildet sich der typische Hautausschlag. Zunächst treten linsengroße rötliche Flecken auf, aus denen rasch wasserhaltige Bläschen werden. Die Bläschen platzen und verkrusten. In Schüben kommen neue Windpocken, so dass alle Stadien - Flecken, Bläschen, Krusten - gleichzeitig nebeneinander auftreten (so genannter "Sternenhimmel"). Dieser Ausschlag juckt stark. Neben der Haut sind auch die Kopfhaut und die Mundschleimhaut sowie die Genitalien von den Windpocken betroffen, die oft den am stärksten quälenden Juckreiz verursachen. Bis die letzten Bläschen verheilt sind dauert es ca. fünf bis zehn Tage. Fieber bei Windpocken ist möglich, steigt aber selten sehr hoch an. Beim Abheilen der eitrigen Bläschen entstehen kleine Narben, von denen die meisten nach einiger Zeit wieder verschwinden.

WIndpocken Symptome

Windpocken-Symptome auf einen Blick



Behandlung von Windpocken
Da Windpocken durch einen Virus verursacht werden, beschränkt sich die Behandlung in den meisten Fällen auf die Linderung der Symptome. Die Ausnahme sind Kinder und Erwachsene mit einer angeborenen oder durch schwere Erkrankungen hervorgerufenen Immunschwäche - sie können innerhalb von vier Tagen nach einer Ansteckung durch die Gabe von Antikörpern (Hyperimmunglobulin) oder durch ein Medikament, das die Vermehrung von Viren verhindert (Virustatikum), geschützt werden.

Windpocken beim Baby und Kleinkind

Windpocken bei Baby und Kleinkind - oft weniger Pusteln


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Symptomlinderung heißt vor allem den Juckreiz bekämpfen. Denn der kann sehr stark sein und vom exzessiven Kratzen können später sichtbare Narben zurückbleiben. Gegen das Jucken der Pusteln ist zum Beispiel Zinksalbe hilfreich, aber auch eine Behandlung mit Antihistaminika (Anti-Allergie-Medikamente).

Was Sie sonst noch tun können?
Achten Sie darauf, dass die Haut des Kindes nicht warm und feucht ist, das verstärkt den quälenden Juckreiz. Kurze Fingernägel minimieren die Verletzungsgefahr (und damit auch die Gefahr einer zusätzlichen Infektion durch Bakterien), denn ganz lässt sich Kratzen oft nicht vermeiden.
Windpocken-Komplikationen
In vielen Fällen heilen Windpocken ohne Probleme aus. Vor dem ersten Lebensjahr und nach dem 16. Lebensjahr hat die Krankheit jedoch eine größere Komplikationsrate, das heißt es treten weitere Erkrankungen auf, zum Beispiel: eine Mittelohrentzündung, Lungenentzündung oder Bronchitis. Selten, aber sehr schwerwiegend neurologische Komplikationen wie Entzündungen des Groß - oder Kleinhirns. Besonders anfällig für sehr schwere Krankheitsverläufe sind:

• Babys, da ihr Immunsystem noch nicht ausgereift ist
• Schwangere, da Windpocken das Ungeborene anstecken können
• Menschen mit geschwächtem Immunsystem (z.B. chronisch Kranke, alte Menschen)

Sehr schwere Komplikationen sind bei Kindern mit Störungen des Immunsystems oder dessen Unterdrückung (zum Beispiel durch Chemotherapie) zu erwarten. So kann zum Beispiel bei diesen Kindern mit Windpocken durch die Gabe von Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin) eine lebensbedrohliche Systemerkrankung mit Krampfanfällen und Koma (so genanntes Reye-Syndrom) ausgelöst werden.

➤ Windpocken sind gefährlich für Schwangere: Lesen Sie hier ausführlich darüber!
Schutz durch Windpocken-Impfung
Die Windpocken-Impfung ist eine Lebendimpfung. Das bedeutet, dass eine abgeschwächte Form des Erregers gespitzt wird, die zwar nicht krankheitsauslösend ist, aber dennoch die Bildung spezifischer Antikörper gegen anregt. Um eine ausreichende  Immunität zu erreichen, sind zwei Impfungen notwendig: Die Grundimmunisierung erfolgt im Alter von elf bis 14 Monaten, die zweite Impfung folgt im Abstand von mindestens vier bis sechs Wochen - im Alter zwischen 15 und 23 Monaten. In der Regel ist die Windpocken-Impfung gut verträglich, Nebenwirkungen können aber trotzdem auftreten - wie bei jeder anderen Impfung auch. Rötungen, Schwellungen und Schmerzen an der Einstichstelle und erhöhte Temperatur bzw. leichtes Fieber zählen zu den normalen Begleiterscheinungen. Seltener kann es nach sieben Tagen bis einem Monat nach der Windpocken-Impfung zu sehr abgeschwächten Windpocken-Symptomen (leichtes Fieber, schwacher Hautauschlag) kommen.

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Seit 2004 empfiehlt die STIKO eine Impfung gegen Windpocken - vor dieser Zeit erkrankten pro Jahr etwa 750.000 Menschen an der Infektion. Im Jahr 20015 waren es nur noch 23.000 Fälle. Das ist ein deutlicher Rückgang, auch wenn man längst nicht von einer Ausrottung sprechen kann. In den USA wird seit 1995 flächendeckend gegen Windpocken geimpft, die Verbreitung ist hier schon um 80% zurückgegangen. Zu Gute kommt das vor allem den stark gefährdeten Risikogruppen. Denn je höher die Durchimpfungsrate ist, desto größer der Schutz von Schwangeren, Babys, chronisch Kranken und Senioren durch die Herdenimmunität. 

Windpocken im Gesicht

Windpocken im Gesicht


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