Smartphone, Tablet & Co. – wie viel Zeit dürfen Kinder mit digitalen Medien verbringen?

Eine Kindheit ohne digitale Medien? Kaum vorstellbar. Muss auch nicht sein! Aber welche Dosis Smartphone, Tablet, Computer & Co. ist für welches Alter okay?


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden
Eine aktuelle Studie zeigt: jeder zehnte Dreijährige nutzt bereits das Internet. Und immer mehr Apps und Smartphone-Spiele richtet sich explizit an Kinder unter drei Jahren. Gleichzeitig ändert sich aber auch die Mediennutzung von uns Eltern: Auf dem Weg zur Kita organisieren wir schnell noch den Frisörtermin, checken in der U-Bahn die politische Weltlage und mittags auf dem Spielplatz ordern wir via Smartphone neue Matschhosen.

Damit stellen sich völlig neue Fragen: Welche „Portion Digitale Medien“ ist für mein Kind die richtige? Ab wann geben wir unserem Kleinkind das Smartphone in die Hand? Welche Dosis TV ist okay? Darf der Junior schon Minecraft spielen? Und ab wann macht ein eigenes Handy Sinn?


© Thinkstock
Wer Eltern beobachtet, merkt schnell, wieviel Unsicherheit hier im Spiel ist. Auf der einen Seite daddeln schon viele Kleinstkinder selbstvergessen auf dem Smartphone, wenn Mama noch schnell die Waschmaschine ausräumt. Auf der anderen Seite äußert sich genau diese Elterngeneration wiederum teilweise sehr skeptisch und befürchtet, dass der Nachwuchs vor dem Computer vereinsamt und dass die heutige Generation Kinder zu wenige echte Abenteuer in der freien Natur erlebt. Digitale Medien gehören inzwischen zur Lebensrealität dazu. Unsere Kinder wachsen im Gegensatz zu uns mit Apps, Spielen, Online-Shopping – und damit mit dem Suchtpotenzial digitaler Welten - auf. Sie sind „Digital Natives“, wir Eltern nur „Digital Immigrants“ – Zuwanderer in einer neuen, faszinierenden, verstörenden und - egal wie sehr wir uns in die Materie einarbeiten - immer ein bisschen fremden Welt.

 Das könnte Sie interessieren: Kinder und Handys

Handys sind praktisch, keine Frage! Ab wann aber macht ein Handy für Kinder Sinn?


Zuhause in der digitalen Welt

Nicht wenige Kinder sind ihren Eltern im Umgang mit PC und Tablet bereits im Grundschulalter einen Schritt voraus. Ganz klar: Zu den vielen Herausforderungen im Erziehungsalltag von Schnuller abgewöhnen über Trotzphase bis Hausaufgaben erledigen ist eine neue, nicht zu kleine, hinzugekommen: Medienerziehung. Diplom-Sozialpädagogin Katia Saalfrank meint dazu: „Damit Kinder lernen, verantwortungsvoll mit digitalen und sozialen Medien umzugehen, ist es entscheidend, dass die Eltern eine klare Haltung hierzu entwickeln: Poste ich Bilder von meinen Kindern im Netz oder nicht? Bin ich permanent online oder nehme ich mir Offline-Zeiten? Viele Eltern sind hier sehr verunsichert.“ 

Wichtige Leitsätze im Umgang mit digitalen Medien
  • 1 / 12

    Ganz wichtig! Bewegung, gemeinsame Familienzeit und herkömmliches Spielen dürfen nicht zu kurz kommen.

  • 2 / 12

    Kinder müssen schrittweise an den Umgang mit Smartphone & Co. herangeführt werden. Nehmen Sie sich die Zeit, die digitale Welt gemeinsam mit Ihrem Kind zu entdecken.

  • 3 / 12

    Eltern dürfen ihre Vorbildfunktion nicht vergessen. Hinterfragen Sie kritisch, ob Sie Ihr Handy nicht öfter mal einfach ausmachen oder ignorieren möchten.

  • 4 / 12

    Eltern dürfen ihre Kinder mit den Medien nicht alleine lassen. Achten Sie darauf, dass Sie immer im Bilde sind und wissen, was Ihr Nachwuchs am Bildschirm tatsächlich macht.

  • 5 / 12

    Wenn digitale Medien nicht verboten sind, lässt ihre Anziehungskraft ganz automatisch nach.

  • 6 / 12

    Eine Stunde vor dem Schlafen gehen: Abschalten. Das Gerät und den Kopf!

  • 7 / 12

    Beobachten Sie Ihr Kind, wie es sich nach der Medienzeit verhält. Wirkt es abwesend, unmotiviert oder sogar leicht aggressiv? Dann auf jeden Fall gegensteuern.

  • 8 / 12

    Richten Sie mindestens zwei medienfreie Tage in der Woche ein. Planen Sie an diesen Tagen vermehrt Familienaktivitäten ein.

  • 9 / 12

    Smartphones, Tablets und Fernseher haben im Kinderzimmer nichts verloren. Zumindest nicht bei Grundschulkindern.

  • 10 / 12

    Digitale Medien sind nicht gleich digitale Medien. Soll heißen: Es gibt viele, viele tolle Spiele und Apps, die beim Lesen, Schreiben, Rechnen lernen helfen.

  • 11 / 12

    Achten Sie darauf, dass bei sämtlichen Geräte die Sicherheitseinstellungen altersgerecht sind. Für weitere Infos: www.schau-hin.info

  • 12 / 12

    Tauschen Sie sich regelmäßig mit den Eltern der Freunde Ihrer Kinder aus. So können Sie gemeinsam besprechen, welche Regeln gelten, wenn Freunde zu Besuch sind oder Ihr Kind bei einem Freund ist.


Wer hilft uns jetzt aber bei der Frage, ab wann welches Medium in welchem Umfang genutzt werden sollte? Starre Richtlinien machen hier keinen Sinn, da sind sich Experten einig. Schade eigentlich, denn danach sehnen wir uns Eltern. Klar ist: Je mehr wir Eltern versuchen, die Kinder von den digitalen Medien fernzuhalten, umso interessanter werden die kleinen Bildschirme. Entwicklungspsychologe Professor Dr. Malte Mienert ist der Meinung: „Kinder erlernen den Umgang mit der digitalen Welt nur, wenn sie mit den neuen Medien umgehen dürfen. Eltern sollten das zulassen und ihnen vertrauen.“ Auch Sozialpädagogin Katia Saalfrank stimmt dem zu: „Kinder lernen nur über Erfahrung. Wenn sie Kopfschmerzen bekommen, schlecht abschalten und einschlafen können, gehört das zum Lernprozess dazu. Die Aufgabe für uns Eltern ist, immer mit den Kindern in Kontakt zu bleiben und sie zu begleiten.“


© vision net ag
Die American Academy of Periadrics, eine Organisation amerikanischer Kinderärzte, warnt davor, Kinder unter zwei Jahren überhaupt vor den Bildschirm zu setzen, egal um welchen es sich dabei handelt. Und auch Entwicklungspsychologe Professor Dr. Malte Mienert gibt zu bedenken: „Momentan wird in der Forschung viel experimentiert – und wir können heute noch nicht wissen, wie sich die frühkindliche Mediennutzung in einigen Jahren auswirkt“.
In drei Schritten zur richtigen Regelung
1. Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Partner, was Sie Ihrem Kind erlauben möchten und was nicht. Klingt zu simpel? Ist es aber nicht. Voraussetzung ist, dass Sie als Eltern wissen, wie Ihre Einstellung zu digitalen Medien aussieht und dass Sie als Eltern hier einen gemeinsamen Nenner haben und den auch kommunizieren können.

2. Legen Sie Regeln fest. Am besten schriftlich. Was nicht heißt, dass es keine Ausnahmen geben darf. Zum Beispiel, wenn es regnet, wenn Ihr Kind krank ist – oder einfach mal so sind Ausnahmen völlig in Ordnung. Hier können Sie einen Nutzungsvertrag individuell gestalten und ausdrucken: www.mediennutzungsvertrag.de Und: Führen Sie Buch über die Mediennutzungszeiten Ihres Kindes.

➤ 3.
Beschäftigen Sie sich selbst mit digitalen Medien. Nichts ist fataler, als wenn Eltern den Anschluss verlieren und gar keinen Einblick mehr haben, was ihre Kinder am Bildschirm überhaupt machen.

Fakt ist… - Zahlen aus der Mediennutzung
  • 1 / 7

    Fast jedes fünfte Kind im Grundschulalter beschäftigt sich heute schon mehr als eine Stunde täglich mit dem Smartphone, Computer und/oder Tablet. (Quelle: Allensbach-Studie)

  • 2 / 7

    Das Fernsehen ist das von Kleinkindern am meisten genutzte Medium. (Quelle: Common Sense Media)

  • 3 / 7

    In jedem dritten Haushalt belasten Konflikte über den Umgang mit dem Computer das Familienleben. (Quelle: forsa-Studie von scoyo)

  • 4 / 7

    Fast die Hälfte der Kinder zwischen zwei und fünf Jahren (44 %) sieht jeden oder fast jeden Tag fern. 43 Prozent beschäftigen sich (fast) täglich mit einem Buch. (Quelle: miniKIM-Studie 2014)

  • 5 / 7

    In den USA werden knapp 40 Prozent aller Kinder unter zwei Jahren mit Tablets, Smartphones oder eReadern vertröstet. (Quelle: Common Sense Media)

  • 6 / 7

    Ein Tablet-PC ist in 19 Prozent der Haushalte mit Kindern zwischen sechs und 13 Jahren vorhanden (2012: 12 %). (Quelle: KIM-Studie 2014)

  • 7 / 7

    79 Prozent der Kinder zwischen sechs und 13 Jahren schauen täglich fern. (Quelle: KIM-Studie 2014)



Mögliche Regeln für die Mediennutzung

● Tägliche Mediennutzungszeit:
Das Kind darf täglich eine bestimmte Zeit mit digitalen Medien oder Fernsehen verbringen. Die Zeit kann dabei nicht „gesammelt“ und aufaddiert werden.

● Wöchentliche Medienzeit:
Das Kind bekommt eine wöchentliche Mediennutzungszeit – die kann es aufbrauchen wie es mag: Entweder jeden Tag ein bisschen – oder am Wochenende einmal ein längerer Zeitraum am Stück. Diese Variante eignet sich eher für Kinder ab neun Jahren, die schon besser planen können.

● Free Time:
Ältere Kinder bekommen täglich eine Stunde Zeit zur freien Verfügung – die dürfen sie nutzen, wie sie möchten – auch mit digitalen Medien. Hintergrund für diesen Ansatz: Durch den enormen Bildungsdruck, die zunehmende Ganztagsbetreuung und die durchgeplanten Nachmittage haben Kinder kaum mehr Zeitfenster, in denen sie machen dürfen, was sie möchten.






mehr zum Thema
Erziehung digital lernen Kinderfilme
Artikel kommentieren
Login