Fremdeln beim Baby ist ein Zeichen von Reife

Fremdeln beim Baby ist ein Zeichen von Reife und ein völlig normales Verhalten. Erfahren Sie, wann die Fremdel-Phase Ihren Höhepunkt erreicht und wie Sie auf das Misstrauen Ihres Kindes entspannt reagieren.


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Fremdeln: "Achtmonatsangst"



Fremdeln beim Baby


© Thinkstock
Vor kurzem noch wurden Oma und Opa, Gäste, der Postbote und die Nachbarin im Hausflur freundlich angelächelt, doch plötzlich reagiert Ihr Baby ungewohnt skeptisch und verängstigt auf fremde Personen, ja selbst auf den Papa (oder die Mama). Es versteckt sich hinter Ihnen oder will auf Ihren Arm ...

Herzlichen Glückwunsch, Ihr Baby fremdelt!

Was es da zu gratulieren gibt? Mit dem Eintritt in die Fremdel-Phase hat Ihr Baby einen wichtigen Schritt in seiner Entwicklung gemacht: Es kann nun zwischen Bekannten und Unbekannten unterscheiden. Und es hat Sie zu seiner engsten Bezugsperson auserkoren. Das sollten Sie als großes Kompliment auffassen! In der Regel beginnt das Fremdeln im 8. Monat. Daher wird in der Fachliteratur auch oft von der "Achtmonatsangst" gesprochen. Den Höhepunkt hat das Fremdeln meistens im 2. Lebensjahr und nimmt ab dem 3. Lebensjahr allmählich wieder ab.

Typisches Verhalten eines fremdelnden Kindes:

• ängstliches Anstarren oder Versteifen
• naher Körperkontakt zur engsten Bezugsperson, regelrechtes "Kleben"
   an der Mutter bzw. dem Vater
• abweisendes Verhalten
• Kontaktverweigerung
• weinen und schreien
• schlechte Laune, wenn andere Personen anwesend sind

Aber auch ein positives Interesse und eine Neugier auf die vermeintlich fremden Personen sind typisch für das Fremdeln. Sobald sich Ihr Kind sicher auf Ihrem Arm fühlt, wird es die unbekannte Person genau betrachten und sich nach einer Weile auch auf sie einlassen.
Fremdeln ist kein Ergebnis falscher Erziehung
Fremdeln entsteht nicht durch Kindererziehungsfehler, sondern ist eben Ausdruck eines wichtigen neuen Entwicklungsschrittes. "Die Sinneswahrnehmung der Kinder wird in dieser Zeit differenzierter", erklärt Diplom-Psychologin Sybille Weber. "Das Kind ist von nun an fähig, zwischen Vertrautem und Fremdem zu unterscheiden. Nicht mehr jedes Lächeln wird darum freudig erwidert. Das reifere Kind wechselt vom blinden Vertrauen zu einem gesunden Misstrauen gegenüber Neuem."

Dieses Misstrauen ist zugleich eine pfiffige Kindersicherung der Natur. Denn die neu erwachten Ängste sorgen dafür, dass das Baby stets in der Nähe von vertrauten Menschen bleibt. Eine Bezugsperson, meist ist es die Mutter, fungiert dabei als sicherer Hafen. Diese Rettungsinsel darf anfangs nie ganz außer Sichtweite sein. Das kann Sie als Mama oder Papa ganz schön fordern, schützt Ihr gerade mobil gewordenes Baby aber vor Situationen, denen es allein nicht gewachsen ist.

Typisch fürs Fremdeln: Das Baby versteckt sich

"Wer nicht meine Mutti ist, muss erstmal skeptisch abgecheckt werden"


© Thinkstock
Kinder fremdeln unterschiedlich

Nahezu jedes Kind macht eine Phase des Fremdelns durch. Unterschiedlich ist nur die Art und Weise sowie die Intensität mit der gefremdelt wird. Einige überwinden die Angst vor fremden Personen und neuen Situation recht schnell, andere sind über Jahre hinweg vorsichtig bei allem, was neu ist. Oft hängt die Aufgeschlossenheit des Kindes auch mit seiner aktuellen Befindlichkeit und seinen Erfahrungen zusammen. Abhängig ist das Fremdeln z.B. auch davon, wie sich die fremden Personen dem Kind nähern (zu laut, zu schnell, zu aufdringlich?) und wie Sie als Bindungsperson mit den unbekannten Menschen umgehen. Kinder von kontaktfreudigen Müttern fremdeln daher oft weniger, als Kinder, deren Mütter selbst eher zurückhaltend sind. 
➤ Auf der nächsten Seite: Wie reagieren Sie am besten auf das Fremdeln?




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