Familienreport 2017: Das Armutsrisiko von Kindern nimmt zu

Der "Familienreport 2017" verrät: Ungleichheit ist nach wie vor ein Thema in Deutschland. Denn etwa 2,8 Millionen Kinder gelten als armutsgefährdet. Alle Ergebnisse in der Zusammenfassung.


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15.09.2017: Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) stellt an diesem Freitag den "Familienreport 2017" in Berlin vor. Die Süddeutsche hat bereits jetzt die Ergebnisse des Berichts veröffentlicht. In einem Satz lässt sich der Report wohl wie folgt zusammenfassen: Die Chancen von Kindern in Deutschland sind immer noch zu ungleich verteilt.

Das Armutsrisiko von Kindern hat zugenommen


Ein Vergleich mit dem letzten Familienreport, der 2014 erschienen ist, zeigt zwar, dass sich viel in der Familienpolitik getan hat, doch gibt es immer noch viel zu viele Kinder, die der Staat mit seinen Angeboten nicht erreicht. Das Armutsrisiko für Kinder ist im Vergleich zu 2014 sogar gestiegen. Besonders davon betroffen sind Kinder von Alleinerziehenden. So liegt das Armutsrisiko von Alleinerziehenden mit einem Kind bei 46 Prozent und bei Alleinerziehenden mit mehreren Kindern bereits bei 54 Prozent. In Paarfamilien ist das Risiko dagegen nur bei zehn Prozent – steigt allerdings deutlich an, wenn eine Familie drei oder mehr Kinder hat.

Kinderamut steigt

Die Ergebnisse des "Familienreports 2017" machen traurig: Immer mehr Kinder sind von Armut bedroht


© iStock
Laut Mikrozensus lag das Armutsrisiko von unter 18-Jährigen 2015 bei 19,7 Prozent. Damit gelten rund 2,8 Millionen Kinder und Jugendliche als armutsgefährdet – 1,5 Prozent mehr als im Jahr 2010. Grund dafür ist unter anderem auch der Zuzug von Kindern aus Migrantenfamilien nach Deutschland. Zusammenhängend damit sind auch die Ganztagsangebote in Deutschland noch nicht adäquat genug ausgebaut. Frühkindliche Bildung und Betreuung nehmen noch einen zu geringen Stellenwert ein – das Angebot ist noch viel zu lückenhaft. 
Mehr unverheiratete Paare, weniger Scheidungen

Weitere Ergebnisse des Familienreports zeigen auch, wie sich unser Bild von Familien im Laufe der Zeit wandelt. Es ist deutlich eine größere Gelassenheit angesichts familiärer Vielfalt zu spüren. Auch gibt es immer mehr unverheiratete Paare: Die Zahl nicht-ehelicher Lebensgemeinschaften hat sich in den letzten 20 Jahren fast verdoppelt. In den neuen Bundesländern ist nur noch gut jedes zweite Elternpaar verheiratet, in den alten Ländern sind es drei von vier. Die Zahl der Kinder, die bei einem alleinerziehenden Elternteil aufwachsen ist deutlich gestiegen: von rund 1,9 Millionen im Jahr 1996 auf 2,3 Millionen im Jahr 2016. In neun von zehn Fällen ist das alleinerziehende Elternteil die Mutter.

Schöne Nachrichten: Die Deutschen bekommen wieder mehr Kinder und lassen sich weniger häufig scheiden.

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Väter im Fokus

Der Report zeigt auch, dass sich das Rollenverständnis von Vätern immer mehr verändert. Mehr und mehr Väter möchten aktiver am Familienleben teilnehmen. 46 Prozent aller jungen Väter - doppelt so viele wie 2015 - sagten beispielsweise sie würden gern bis zu 20 Prozent ihrer Arbeitszeit reduzieren.

Beim Thema Väter kommt auch ein wichtiger Grund auf, der laut Ergebnissen des Berichts Mitverursacher von Armut und Bildungsdefiziten ist: Väter als Alleinverdiener. Stemmt der Vater allein das Familieneinkommen, ist das Armutsrisiko ungleich höher.

Doch auch hier ist ein Wandel zu sehen: Die Zustimmung zur partnerschaftlichen Arbeitsteilung nimmt bei den jüngeren Generationen immer mehr zu. In einer Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung von 2013 waren 84,5 Prozent der Befragten zwischen 20 und 39 Jahren dafür, dass auch Mütter von Kleinkindern arbeiten gehen sollten. Nur 13 Prozent der Männer waren noch Haupternährer der Familie. Der Report kommt zu dem Ergebnis: "Der beste Schutz vor Armut ist die Erwerbstätigkeit beider Elternteile".
Wir brauchen bessere Kinderbetreuung

Aufbauend auf die Ergebnisse des Familienreports fordert Barley: "Das beste Mittel, um bestehende Ungerechtigkeiten zu beseitigen, ist eine gute, verlässliche und kostenfreie Kinderbetreuung". Sie fügt hinzu: "Jeder Euro, den wir in gute Kitas, Ganztagsschulen und Horte investieren, zahlt sich mehrfach aus." Die Bundesfamilienministerin fordert einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für alle Grundschüler. Außerdem sollen neben Alleinerziehenden, kinderreichen Familien und berufstätigen Müttern auch Väter stärker unterstützt werden.

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von Nicole Metz




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