Italien führt die Impfpflicht ein

Nach einer Masernepidemie hat Italien jetzt die Impfpflicht gegen insgesamt zwölf Krankheiten eingeführt. Aber auch bei uns sind die Masern noch längst nicht ausgerottet!


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Während hierzulande noch immer über die Einführung einer Impfpflicht diskutiert wird, haben unsere Nachbarn in Italien jetzt klare Fakten geschaffen: Ministerpräsident Paolo Gentiloni hat die Impfpflicht für insgesamt zwölf Krankheiten eingeführt.

Italien: Wer sein Kind nicht impfen lässt, muss künftig mit Strafen rechnen.


© iStock
Wer sein Kind zukünftig nicht gegen Krankheiten wie Masern, Mumps, Keuchhusten, Windpocken, Hirnhautentzündung, Tetanus und Kinderlähmung impfen lässt, muss mit harten Strafen und Konsequenzen rechnen: Nicht geimpfte Kinder unter sechs Jahren sollen von diesem Herbst an nicht mehr in Krippen und Kindergärten aufgenommen werden. Wenn Kinder im Schulalter nicht geimpft sind, drohen den Eltern empfindliche Geldstrafen.
Grund für die Gesetzesänderung ist eine Masernepidemie Anfang 2017. Bis Mitte Mai wurden 2.395 Fälle registriert, das sind 860 mehr als im gesamten vergangenen Jahr 2016. Dabei waren neun von zehn der Erkrankten nicht geimpft.*
Masern in Deutschland
Auch in Deutschland sind in diesem Jahr die Masernzahlen wieder angestiegen. Mitverantwortlich dafür ist die Tatsache, dass in Deutschland zu wenige Kinder geimpft, bzw. nicht vollständig geimpft werden. Die erste Masernimpfung wird für Kinder im Alter von 11 bis 14 Monaten empfohlen, die zweite Impfung zwischen dem 15. und 23. Lebensmonat. "Schlimm, dass Deutschland inzwischen in Europa das Schlusslicht der Masernelimination darstellt", beklagt Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts, die momentane Impfsituation bei Masern in Deutschland.

➤ Erwachsene sollten ihren Impfstatus überprüfen, wenn sie nach 1970 geboren sind, denn viele jungen Erwachsenen fehlt die zweite Masernimpfung und damit der vollständige Schutz. Bei nur einmaliger Masernimpfung wird zu einer Auffrischung geraten.

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Impfpflicht in Deutschland?

Eine Impfpflicht wird in Deutschland immer wieder diskutiert, zuletzt hatte sich die FDP im April 2017 für eine allgemeine Impfpflicht für Kinder unter 14 Jahren ausgesprochen. Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) ist gegen eine allgemeine Impfpflicht: „Eine allgemeine Impfpflicht bedeutet einen erheblichen Eingriff in das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit und bei Kindern in das Sorgerecht der Eltern. Sie sollte deshalb nur als Ultima Ratio in Erwägung gezogen werden, wenn andere Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg bringen. Überzeugung ist besser als Zwang. Deshalb setze ich auf intensive Beratung und Aufklärung." Diese Uneinigkeit zieht sich durch die Parteien und durch die Bevölkerung, was auch die familie.de-Umfrage zum Thema Impfen zeigt. Hier sprechen sich 42 Prozent für die Impfpflicht aus, 51 Prozent lehen diese ab. 48 Prozent finden es gerechtfertigt, einen Impfnachweis für Kita und Schule zu erbringen, 52 Prozent der Umfrageteilnehmer geht das zu weit. Was denken Sie? Stimmen Sie ab:


Angst vor Nebenwirkungen oft unbegründet

Nur in den seltensten Fällen kann eine Impfung Krankheitssymptome verursachen. Ebenso wenig gibt es einen wissenschaftlichen Bewies dafür, dass Autismus, Diabetes oder Multiple Sklerose durch eine vorangegangene Impfung ausgelöst werden - auch wenn das immer wieder in Frage gestellt wird. Nicht nachgewiesen werden konnte zudem, dass Allergien oder Asthmaerkrankungen wegen den Schutzimpfungen häufiger auftreten. Zwar ist es tatsächlich so, dass es heute mehr Allergiker gibt, doch sind die Ursachen dafür vielfältig. Faktoren wie Ernährung, andere Umwelteinflüsse oder genetische Komponenten spielen hier eine größere Rolle.

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Richtig ist, dass Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle häufig auftreten, auch Fieber oder leichtes Krankheitsgefühl können eine Reaktion auf die Impfung sein. Diese Nebenwirkungen sind harmlos und klingen in der Regel nach ein paar Tagen ab. Die Angst vor schweren Nebenwirkungen sollten die Überlegungen zum Thema Impfen also nicht beeinträchtigen.

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* Quelle: www.zeit.de



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