Präventionsgesetz: Beratungspflicht statt Impfpflicht

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Beratungspflicht statt Impfpflicht


Seit Donnerstag (18. Juni 2015) ist es beschlossen: Der Bundestag hat dem Präventionsgesetz zugestimmt, im Sommer soll es in Kraft treten. Die neue schärfere Impfregelung setzt weiterhin auf Prävention. So ist für Eltern, deren Kind in die Kita gehen soll, eine Impfberatung verpflichtend. Auch sollen bei einem Masernausbruch ungeimpfte Kinder leichter von der Kinderbetreuung ausgeschlossen werden können.

Bei Erwachsenen soll zudem im Rahmen jeder Routineuntersuchung der aktuelle Impfstatus überprüft werden, um Impflücken zu schließen. Plus: In Zukunft soll jeder Arzt Impfungen abrechnen können - auch Betriebsärzte.

Den meisten Kinderärzten gehen die Maßnahmen nicht weit genug. "Wir glauben nicht, dass damit ein neuer Masernausbruch verhindert werden kann", so Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte im Hamburger Abendblatt.

(19. Juni 2015/zk)

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In Berlin nimmt zur Zeit die Zahl der Maserninfektionen erneut zu. Was Sie wissen sollten.


Gröhe: "Wir müssen auch der Panikmache einiger Impfgegner entgegentreten."

Das Thema Masern ist in Berlin immer noch aktuell, mittlerweile wurden über 1.400 Masernfälle in der Hauptstadt gemeldet. Ein Ende der Welle ist noch nicht in Sicht. Knapp ein Fünftel der Patienten musste bisher im Krankenhaus behandelt werden, über 300 Kinder wurden in Berlin zeitweilig von Schule und Kita ausgeschlossen.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will Impfgegnern konsequent entgegen treten. Im Hinblick auf die aktuelle Anzahl der Masern-Infektionen könne das Thema Impflicht kein Tabu mehr sein. "Wer ohne medizinische Notwendigkeit seinem Kind den Impfschutz verweigert, schadet nicht nur diesem Kind, sondern auch Kindern, die zum Beispiel zu klein sind, um geimpft zu werden, oder Kindern, die tatsächlich aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können.", sagte er dem NDR.

"Wir werden diese Fragen sorgfältig, aber konsequent im Rahmen der jetzt anstehenden parlamentarischen Beratungen zum Präventionsgesetzes debattieren und dann entscheiden.", so Gröhe weiter.

Im Präventionsgesetz soll eine verpflichtende Impfberatung für Eltern festgehalten werden, sowie regelmäßige Überprüfungen des Impfstatus bei den Jugend- und Erwachsenenuntersuchungen. Inwieweit Impfgegner mit Konsequenzen im Hinblick auf die Kinderbetreuung rechnen müssen, ist noch nicht geklärt. Das geplante Präventionsgesetz wurde am 20. März im Bundestag in einer ersten Lesung beraten, weitere Debatten folgen.

(14. April 2015/zk)
Bishere Entwicklung zum Thema Impfpflicht
Die Diskussion um eine allgemeine Impfpflicht rückt derzeit wieder in den Vordergrund. Politiker der großen Koalition befürworten angesichts der aktuellen Masernwelle eine allgemeine Impfpflicht als nächsten Schritt: "Wenn wir es nicht schaffen, mit verstärkter Aufklärung und Beratung die Impfraten bald zu steigern, sollten wir über eine Impfpflicht in Kindergärten und Schulen nachdenken", so CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn in der Welt am Sonntag. Auch der Gesundheitspolitiker der Bundestagsfraktion Karl Lauterbach schließt sich dieser Aussage an. Als Grund für die Impfmüdigkeit wird unter anderen die Argumentation von Impfgegnern angesehen, Impfungen würden zu schweren gesundheitlichen Folgen führen. Gesundheitsminister Gröhe verurteilt diese in der Welt am Sonntag scharf: "Die irrationale Angstmacherei mancher Impfgegner ist verantwortungslos. Wer seinem Kind den Impfschutz verweigert, gefährdet nicht nur das eigene Kind, sondern auch andere - das kann zu schweren Gesundheitsschäden führen."

Impfpflicht stimmt keine Impfgegner um


Den Grünen und der Linkspartei geht eine Einführung der Impfpflicht dagegen zu weit. Zwar solle alles getan werden, um die Impfbereitschaft zu erhöhen, der richtige Weg sei jedoch eine bessere Aufklärung und Beratung. Denn mit Zwang könne man Impfskeptiker nicht umstimmen. Allerdings solle, sobald es um die Kinderbetreuung gehe, eine Nachweispflicht seitens der Eltern bestehen, dass eine Impfberatung in Anspruch genommen wurde, so die stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Katja Dörner in der Zeitung Die Welt.

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In Sachsen-Anhalt sind sich einige private Kitas einig: Sie nehmen nur Kinder auf, die einen Impfausweis vorlegen können.


Den Präsidenten des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Wolfram Hartmann, überzeugt der Plan einer Beratungspflicht nicht: „Diese Regelung wird die niedrigen Impfungsraten nicht wesentlich erhöhen, denn wir beraten bereits immer im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen zu den notwendigen Impfungen." Allerdings ist auch er in Bezug auf die Impfpflicht skeptisch - in seinen Augen lässt sie sich nicht durchsetzen, vor allem weil es massive Widerstände in der Bevölkerung geben werde. "Wir fordern aber, dass alle Kinder beim Start in eine überwiegend staatlich finanzierte Kita oder Schule einen Impfnachweis vorweisen müssen." Sei ein Kind nicht gegen die Masern geimpft, müsse es dann in einer private Einrichtung betreut werden.

Die Meinungen sind also geteilt, ein ähnliches Bild zeigt sich in der familie.de-Umfrage zum Thema Impfen. Hier sprechen sich 45 Prozent für die Impfpflicht aus, 48 Prozent lehen diese ab. 49 Prozent finden es gerechtfertigt, einen Impfnachweis für Kita und Schule zu erbringen, 51 Prozent der Umfrageteilnehmer geht das zu weit. Was denken Sie? Stimmen Sie ab:


Impfmüdigkeit wächst aus Angst Impfschäden

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Masernerkrankungen rasant gestiegen. Über 400 Erkrankungen zählt man in Berlin seit Anfang des Jahres, das sind mehr als im gesamten letzten Jahr in ganz Deutschland gemeldet wurden. Auch in anderen Städten wie zum Beispiel Leipzig nehmen die Masern-Fälle zu. Der Grund ist eine zunehmende Impfmüdigkeit in der Bevölkerung, denn um die sogenannte Herdenimmunität zu erreichen, müssen 95 Prozent der Menschen geimpft sein, gegen die Masern wird dieser Anteil nicht erreicht. Ein Impfzwang wiederspreche den Menschenrechten und sei eine Art der Körperverletzung, heißt es aus den Reihen der Gegner. Viel entscheidender ist aber, dass sich die  Angst vor möglichen Nebenwirkungen einer Impfung hartnäckig hält.

Die aktuelle Masernwelle zeigt, dass eine grundsätzliche Skepsis gegen Impfungen auch durch eine mangelnde Aufklärung seitens der Ärzte und Krankenkassen bedingt ist. Fälschlicherweise gelten Masern immer noch als harmlose Kinderkrankheit, dabei ist die Krankheit höchst ansteckend und kann schwere Lungenentzündungen und sogar Gehirnhautentzündungen verursachen. Daher rät das Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI) zu zwei Schutz­impfungen bis zum Ende des zweiten Lebensjahres.

➤ Erwachsene sollten Ihren Impfstatus überprüfen, wenn Sie nach 1970 geboren sind, denn viele jungen Erwachsenen fehlt die zweite Masernimpfung und damit der vollständige Schutz. Bei nur einmaliger Masernimpfung wird zu einer Auffrischung geraten.
Angst vor Nebenwirkungen oft unbegründet
Nur in den seltensten Fällen kann eine Impfung Krankheitssymptome verursachen. Ebenso wenig gibt es einen wissenschaftlichen Bewies dafür, dass Autismus, Diabetes oder Multiple Sklerose durch eine vorangegangene Impfung ausgelöst werden - auch wenn das immer wieder in Frage gestellt wird. Nicht nachgewiesen werden konnte zudem, dass Allergien oder Asthmaerkrankungen wegen den Schutzimpfungen häufiger auftreten. Zwar ist es tatsächlich so, dass es heute mehr Allergiker gibt, doch sind die Ursachen dafür vielfältig. Faktoren wie Ernährung, andere Umwelteinflüsse oder genetische Komponenten spielen hier eine größere Rolle.

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Richtig ist, dass Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle häufig auftreten, auch Fieber oder leichtes Krankheitsgefühl können eine Reaktion auf die Impfung sein. Diese Nebenwirkungen sind harmlos und klingen in der Regel nach ein paar Tagen ab. Die Angst vor schweren Nebenwirkungen sollten die Überlegungen zum Thema Impfen also nicht beeinträchtigen.

(letzte Aktualisierung 19.6.2015, zk)




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