Wohin mit dem Kind, wenn die Kita streikt?

Wohin mit dem Kind, wenn der Job ruft? Erwerbstätige Eltern haben gewisse Pflichten, aber auch Rechte. Hier erfahren Sie, ob Ihr Arbeitgeber Sie freistellen muss, wenn die Kita geschlossen ist.


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden
Die Gewerkschaft ver.di hat diese Woche wieder mit Warnstreiks begonnen. Bislang beschränken sich die Streiks nur auf Hamburg und Bayern, München selbst ist nicht betroffen. Der Donnerstag (24. April 2016) und der Freitag (25. April 2016) sollen die "Hauptstreiktage" werden. Nähere Angaben gibt es dazu noch nicht. Hintergrund: Die Gewerkschaft ver.di fordert sechs Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes.  

Wohin mit dem Kind, wenn die Kita streikt?


Warnstreiks für gute Arbeitsbedingungen sind legitim. Und allermeist haben wir als Eltern Verständnis für den Streik im Kindergarten oder der Kinderkrippe: Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen verdienen nicht viel. Aber für betroffene Eltern ist es eine große Herausforderung, wenn es ohne große Vorankündigung heißt: "Morgen ist die Kita leider wegen Streiks geschlossen." Wie lässt sich auf die Schnelle eine Ersatzbetreuung organisieren? Wir informieren Sie hier, welche Rechte, Pflichten und Möglichkeiten Sie haben, wenn die Kita Ihres Kindes streikt.


© Thinkstock
Wichtig: Informieren Sie Ihren Chef so schnell wie möglich und bleiben Sie auf keinen Fall unentschuldigt der Arbeit fern. Das könnte eine Abmahnung zur Folge haben. Allermeist findet sich eine Lösung, die für beide Seiten praktikabel ist. Vielleicht können Sie die wichtigsten Aufgaben von zu Hause aus erledigen. Oder Ihr Kind für ein paar Stunden mit zur Arbeit nehmen. Oder Sie wechseln sich mit Ihrem Partner ab und jeder übernimmt für ein paar Stunden die Kinderbetreuung.

Nicht vergessen: Den anderen Eltern geht es in dieser Situation nicht anders: Fragen Sie bei befreundeten Eltern und den Eltern von Freunden Ihres Kindes nach, ob Sie nicht gemeinsam eine Notbetreuung auf die Beine stellen können. Vielleicht kann ein Elternteil problemlos daheim bleiben und zwei, drei andere Kinder mitbetreuen. Oder eine Mama übernimmt den Vormittag - und wird am Nachmittag von einem anderen Elternteil abgelöst. Und oft ist die einfachste Lösung die beste: Sie nehmen einen Tag Urlaub - und unternehmen mit Ihrem Kind etwas Schönes.

Übrigens: In manchen Städten und Gemeinden wird auch teilweise eine Notbetreuung organisiert. Nachfragen kostet nichts!
Rechte und Pflichten, wenn Kindergarten streikt
1. Muss der Arbeitgeber Eltern von der Arbeit freistellen?


Die rechtliche Regelung lautet: Ein Arbeitnehmer hat Anspruch auf Entgeltfortzahlung durch seinen Arbeitgeber nach § 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs, wenn er „für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden an der Dienstleistung verhindert ist“, im Klartext: nicht arbeiten kann.

 Das könnte Sie interessieren: So gründen Sie die eigene Kita

Wer eine Kita gründen will, braucht Mut und Energie. Doch die Mühe lohnt sich - warum es sich gerade jetzt lohnt, eine Kita zu gründen.


Ein solcher persönlicher Grund ist zum Beispiel eine Krankheit, egal ob von den Eltern oder vom Kind. Wenn aber die öffentlichen Verkehrsbetriebe streiken oder man wegen Schnee und Eis später zur Arbeit kommt, gilt diese Regelung nicht. Und das gilt - leider - auch für den Fall, dass die Kita streikt: Rechtlich gesehen muss der Arbeitgeber Eltern nicht von der Arbeit freistellen, auch nicht unbezahlt. Aber Arbeitsrechtler geben trotzdem Entwarnung: Wenn es keine alternative Unterbringungsmöglichkeit gibt, sei das ein wichtiger Grund, der Arbeit an diesem Tag fernzubleiben. Eine Abmahnung oder Kündigung muss nicht befürchtet werden.

Die wahrscheinlich fairste Lösung ist, wenn Sie bei Ihrem Chef einen Tag Urlaub beantragen. Und vielleicht drückt Ihr Chef beide Augen zu und gewährt ihnen eine unbezahlte Freistellung für diesen Tag.

2. Darf ich mein Kind mit ins Büro nehmen?


Eine rechtliche Regelung gibt es hierzu nicht - aber fragen Sie doch einfach mal Ihren Chef, ob Sie Ihr Kind nicht ausnahmsweise einen Tag mit in die Arbeit nehmen dürfen. Funktioniert natürlich nur, wenn Sie im Büro arbeiten, Ihr Kind dort keinen Gefahren ausgesetzt ist und die Kollegen nicht gestört werden.

Tipps, wenn Sie Ihr Kind mit ins Büro nehmen
  • 1 / 8

    Gut vorbereitet überbrücken Sie mindestens einen halben Tag im Büro mit Kind. Allerdings müssen Sie ein bisschen vorplanen – wir helfen Ihnen!

  • 2 / 8

    Unbedingt einpacken für den Büro-Ausflug: Die allerliebsten Kuscheltiere Ihres Kindes und eine weiche Decke, damit es sich neben Ihrem Bürostuhl gemütlich einrichten kann.

  • 3 / 8

    Mit Stiften, Papier, einem Malbuch und ein paar schönen Mandala-Malvorlagen starten Sie und Ihr Kind gut in den Mama-Kind-Arbeitstag.

  • 4 / 8

    Wenn der erste Durchhänger in Form von „Mama, mir ist langweilig!“ kommt, starten Sie eine kleine Runde durch die Nachbarbüros und stellen Sie Ihr Kind vor. Und vielleicht findet sich dabei eine nette Kollegin, die Zeit hat für ein Viertelstündchen Vorlesen oder Plaudern!

  • 5 / 8

    Speichern Sie die Lieblingshörspiele Ihres Kindes auf dem Handy oder dem MP3-Player. So lässt sich eine Stunde locker überbrücken.
     

  • 6 / 8

    Und danach heißt’s: Brotzeit! Kleine Obststücke, ein paar Salzstangen und etwas zum Trinken sorgen für gute Laune und dafür, dass wieder ein Viertelstündchen geschafft ist.
     

  • 7 / 8

    An Tagen wie diesen sind Ausnahmen erlaubt: Überlassen Sie Ihrem Kind Ihr Handy noch ein bisschen länger. Denn: Es gibt tolle Apps für Kinder. Hier unsere App-Empfehlungen!

  • 8 / 8

    Schon wieder ist von Langeweile die Rede? Dann lassen Sie Ihr Kind ein bisschen mithelfen: Die Büropflanzen müssen gegossen werden, altes Papier muss zerrissen und in den Papierkorb geworfen werden. Die Bücher im Regal müssen dringend der Größe nach geordnet werden. Und so langsam heißt's dann: Alle Spielsachen einpacken - und ab nach Hause!


3. Arbeitspflicht contra Aufsichtspflicht

Wenn Sie trotz aller Bemühungen keine Ersatzbetreuung für Ihr Kind organisieren können und es auch nicht möglich ist, Ihren Sprössling zur Arbeit mitzunehmen, sind Sie gezwungen, zu Hause zu bleiben. Ansonsten würden Sie Ihre Aufsichtspflicht verletzen.

4. Müssen die Kindergartengebühren anteilig erstattet werden?


Ein Erstattungsanspruch von Gebühren für den Kindergarten besteht nicht. Es handelt sich für die Betreiber der Einrichtungen praktisch um „höhere Gewalt“, zumal Streiks grundgesetzlich erlaubt sind. Wenn Kosten für einen Babysitter oder die Tagesmutter anfallen, müssen die Eltern diese selbst tragen.
5. Droht mir die Kündigung?
Gekündigt werden kann Ihnen in der Regel nicht - im Zweifel müssen Sie aber nachweisen, dass Sie sich um eine alternative Unterbringung für Ihr Kind bemüht haben. Die beste Lösung ist aber natürlich sich mit dem Arbeitgeber zu einigen und Streit zu vermeiden.






mehr zum Thema
Kinderbetreuung Vereinbarkeit
Artikel kommentieren
Login
Kommentare
  • DerTerraner

    Unter Punkt 4 steht das es um höhere Gewalt handelt ? Ist das wirklich so ? Die Deutsche Bahn hat ebenso damit Argumentiert und wurde vom Gericht 2013 abgeschmettert, weil es keine höhere Gewalt ist. Denn der Arbeitgeben könnte ja einfach das Geld bezahlen.

  • DerTerraner

    Unter Punkt 4 steht das es um höhere Gewalt handelt ? Ist das wirklich so ? Die Deutsche Bahn hat ebenso damit Argumentiert und wurde vom Gericht 2013 abgeschmettert, weil es keine höhere Gewalt ist. Denn der Arbeitgeben könnte ja einfach das Geld bezahlen.