Lesen lernen - So gelingt der Lesestart

"Alle Kinder lernen lesen ..." – so beginnt ein beliebtes Erstklässlerlied. Etwas Wahres ist dran – aber ganz so leicht wie es das Lied vermuten lässt, ist es nicht, das Lesen lernen. Wie es funktioniert und wie Sie Ihrem Kind dabei helfen können, das erfahren Sie hier.


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden

Lesen lernen: Eine schwierige Angelegenheit


© iStock
Lesen eröffnet Kindern völlig neue Welten. Lesen ist zudem eine wichtige Grundkompetenz fürs Lernen allgemein. Wer schnell liest und begreift, was er gerade gelesen hat, hat - egal in welchem Schulfach – einen großen Vorteil, der sich oft noch im Erwachsenenalter zeigt. Bei der Überlegung, welche weiterführende Schule zu einem Kind passt, fällt der Blick schnell auf die Lesefähigkeit. Wer hier keine Probleme hat, hat gute Chancen, im text- und literaturreichen Gymnasium gut zu Recht zu kommen. Durch das Lesen vergrößert sich der Wortschatz, die Allgemeinbildung und Konzentrationsfähigkeit wird verbessert – außerdem lernen Kinder in Bücher viel über das Leben und den Umgang mit Problemen. Für Kinder ist das Lesen lernen ein großer Schritt: Die Freiheit erscheint grenzenlos, wenn man plötzlich all die vielen Buchstaben um sich herum verstehen kann. Lesen lernen ist aber auch immens schwierig. 

Lesen lernen – Schritt für Schritt


Bis Kinder flüssig lesen und den Sinn des Gelesenen erkennen, vergehen viele Wochen und Monate. Anfangs hangeln sich die Erstklässler mühsam von Buchstaben zu Buchstaben. Und irgendwann macht es „Klick“: Die Wörter werden schnell und auf einen Blick erfasst. Und: verstanden. Das sogenannte Wortbildgedächtnis funktioniert. Jetzt wird das Lesetempo von ganz alleine schneller. Bei den einen funktioniert das Lesen lernen ganz fix, sie können schon erste Texte lesen, kaum dass die erste Klasse begonnen hat. Andere wiederum tun sich in der dritten Klasse noch schwer, flüssig zu lesen und dabei die Worte richtig zu betonen.

Die einzelnen Schritte des Lesen Lernens:


● Grundvoraussetzung: Alle Buchstaben kennen
● Einzelne Buchstaben verbinden
● Silben lesen und verbinden
● Kurze Wörter auf einen Blick erfassen
● Längere Wörter auf einen Blick erfassen
● Abspeichern der Worte und Aufbau eines immer größer werdenden Wortschatzes
● Aufbau eines Grundverständnisses für die deutsche Grammatik
Lesen lernen mit der Anlauttabelle
Es gibt unterschiedliche Methoden das Lesen zu lernen. Auf die detaillierten Unterschiede wollen wir hier nicht weiter eingehen, die Wahl der Methode ist Entscheidung der Schule und kann von Ihnen als Eltern nicht beeinflusst werden. Ein wichtiges Hilfsmittel bei den allermeisten Schulen ist die Anlauttabelle. Kinder sehen hier ihnen bekannte Dinge und daneben den Anfangsbuchstaben des Wortes: A und a für Apfel, E und e für Elefant usw. Mit Hilfe dieser Anlaute die ersten Worte selbst zusammensetzen: O wie Ofen, P wie Pilz, A wie Apfel = Opa
Das hilft beim Lesen lernen
Übung macht den Meister! Die Lehrerin wird es immer wieder predigen – und das zu recht: Tägliches Üben ist wichtig, damit es beim Lesen auch voran geht. Als Eltern sollten Sie nicht vergessen: Lesen erfordert anfangs eine immense Konzentration, fünf Minuten pro Leseeinheit reichen völlig aus.

➤ Ihr Kind ist stolz, dass es schon einzelne Worte lesen kann? Dann üben Sie im Alltag an Hand von Schildern, Überschriften in der Zeitung oder mit kleinen Botschaften, die Sie ihm in die Frühstücksbox legen.

➤ Auch wenn Ihr Kind schon ein bisschen selbst lesen kann: Lesen Sie ihm weiterhin vor. Für Kinder ist es wichtig, dass Bücher für sie ganz selbstverständlich zum Alltag dazu gehören. Beim Vorlesen erleben sie Bücher als etwas Schönes, sie genießen das Zusammensein mit Mama oder Papa, während das Selberlesen erstmal anstrengend und frustrierend ist. 
➤ Wunderbar, wenn Ihr Kind gerne liest! Wichtig ist allerdings, dass es nicht nur leise für sich alleine liest, sondern dass es auch laut liest. Sie haben gerade keine Zeit? Dann sind auch die kleine Schwester, der beste Freund oder der Teddybär sicher wunderbare Zuhörer.
Wie finde ich das richtige Buch für mein Kind?
Nur wer Lektüre hat, die ihn interessiert und die ihn nicht über- oder unterfordert, liest gerne. Das kennen wir ja von uns selbst. Das sind die acht Schritte zum passenden Buch für Ihr Kind: 

So finden Sie das richtige Buch für Ihr Kind
  • 1 / 8

    Achten Sie auf die passende Lesestufe. Ein Kind, das gerade die ersten Wörter lesen kann, ist mit einem Buch mit viel Text schnell überfordert. Bei den allermeisten Verlagen gibt es eigene Erstlesebücher in verschiedenen Lesestufen: Leselöwen, Büchersterne, Leserabe, Leseprofi, Erst ich ein Stück, dann Du etc.

  • 2 / 8

    Bei Erstlesebüchern sollten Sie auf folgende Punkte achten:
    • Keine zu große Schrift
    • Keine zu langen Zeilen
    • Kein enger Zeilenabstand
    • Die Seiten dürfen nicht zu voll sein

  • 3 / 8

    Im zweiten Schritt ist das Thema das Allesentscheidende. Für was interessiert sich Ihr Kind? Welche Hobbys hat es? Und schon sind Sie dem passenden Buch einen Schritt näher.

  • 4 / 8

    Für Jungs – bekanntermaßen Lesemuffel -  eignen sich Comics oder Comic-Romane. Viele Bilder, viel Spaß, wenig zu lesen, perfekt für kleine Lesemuffel!
    ➤ Hier finden Sie die besten Comic-Romane: Comic-Romane für Kinder

  • 5 / 8

    Lesemuffel zeigen oft plötzlich Begeisterung, wenn sie ein elektronisches Buch in die Hände bekommen. Bei E-Books ist zudem die Schriftgröße einstellbar, für Leseanfänger ist das oft eine große Hilfe.

  • 6 / 8

    Kinder lieben Rätsel! Einige der Erstlesebücher haben nach jedem Kapitel Fragen zum Text, die motivieren. Oder sprechen Sie die Lehrerin Ihres Kindes auf Antolin.de an, ein Online-Portal zur Leseförderung von Klasse 1 bis 10. Hier finden die Kinder Quizfragen zu bekannten Kinder- und Jugendbüchern. Die (kostenlose) Anmeldung erfolgt über die Schulen.

  • 7 / 8

    Was liest der beste Freund oder die beste Freundin? Vielleicht wäre das auch für Ihr Kind die richtige Lektüre?

  • 8 / 8

    Der Appetit kommt mit dem Essen, die Leselust kommt in Bücherwelten! Lassen Sie sich also einfach mal gemeinsam mit Ihrem Kind in der Bücherei oder der Buchhandlung inspirieren.



 Das könnte Sie interessieren: Neue Vorlesegeschichte

In unserer Juni-Geschichte stürzt eine kleine Fee unverhofft ab. Hier lesen & downloaden.



Deutschland = Leseland?
"Jedes zweite Kind im Alter von sechs bis 13 Jahren liest regelmäßig Bücher."

"Mädchen zählen zu einem deutlich höheren Anteil zu den regelmäßigen Lesern (61 %) als Jungen (41 %). Und mit 28 Prozent ist der Anteil der Mädchen, die sehr gerne lesen, mehr als doppelt so hoch wie bei den Jungen (12 %)."

"Über die Hälfte der Kinder liest gerne oder sehr gerne."

"Jungen haben ein Faible für Comics. Während nur jedes dritte Mädchen regelmäßig Comics liest, liegt der Anteil bei den Jungen bei 47 Prozent."

Quelle: KIM-Studie 2014
  

Buchtipp: Leseglück - Wie lernt mein Kind lesen?


Wie lernen Kinder lesen? Warum ist Lesen lernen so schwer? Wie können Eltern und Erzieher sie dabei unterstützen?

"Leseglück" ist ein überaus hilfreicher Ratgeber
für Eltern von Leseanfängern, aber auch für Lesepaten und Pädagogen - und er macht richtig Spaß beim Lesen! Wer sich schon vor der Schulzeit mit dem Thema Lesen beschäftigen will, findet viele Informationen für die Auswahl guter Bilderbuch und Tipps fürs Vorlesen. Das Autorenteam erklärt mit vielen Beispielen, warum Lesen lernen für viele Kinder so schwierig ist - und wie Eltern ein gutes Erstlesbuch für ihr Kind finden. Toll: Alle bekannten Erstlesereihen werden im Überblickvorgestellt.
Leseglück - Wie lernt mein Kind lesen?
Nicola Bardola, Stefan Hauck u.a.
Arena Verlag
14,99 Euro
Das Buch ist über Amazon.de erhältlich.



 Das könnte Sie interessieren: Legasthenie und LRS

Wenn es mit dem Lesen- und Schreibenlernen in der Schule nicht klappt, können Legasthenie oder LRS die Ursachen sein.






mehr zum Thema
Schulanfang Schule lesen Förderung lernen
Artikel kommentieren
Login