#SelfieWithDaughter: Mehr als nur ein Schnappschuss

Kein Tag ohne irgendwelche Selfies irgendwelcher Promis. Doch hinter dem Hashtag #SelfieWithDaughter verbirgt sich so viel mehr als ein spontaner Schnappschuss. Und er rückt endlich die in den Vordergrund, die die Aufmerksamkeit verdient haben.


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Ein Vater, der seine Tochter auf dem Arm trägt und in die Kamera lacht. Für unser Verständnis ein gewöhnliches Bild. Und doch liegt in diesem Bild von Sunil Jaglan eine große Aussage. In weiten Teilen Indiens gelten Mädchen immer noch als wertlos, überflüssig und als viel zu teuer. Sie sind ein Unglück für die Familie. Heimliche Abtreibungen oder Kindstötungen bei der Geburt sind daher grausamer Usus. Sunil Jaglan ist das nicht fremd. Er ist Vorsteher des Dorfes Biwipur im Bundesstaat Haryana. Nirgendwo anders im Land ist die Geburtenrate von Mädchen so niedrig wie hier. Auf 1000 Jungen kommen hier gerade einmal 877 Mädchen (weltweiter Durchschnitt sind 983). Sein Selfie mit seiner Tochter Nandini ist das erste Bild unter dem Hashtag #SelfieWithDaughter, der inzwischen weltweit in die Twitter-Timelines gespült wird. Indische Väter posten und twittern Vater-Tochter-Selfies und verbreiten damit eine klare Aussage: „Ich bin stolz auf meine Tochter“.

"Mein Geschenk Gottes"


Die Kommentare unter den Bildern zeugen von aufrechter Vaterliebe. So schreibt zum Beispiel ein Vater: „Ich vergesse all meine Probleme, wenn ich nur meine Süße sehe.“ Ein anderer: "Mein besonderes Geschenk Gottes in meinem Selfie."




Auch Schauspieler, Entertainer und Politiker – darunter Indiens Premierminister Narendra Modi - sind inzwischen auf die Hashtag-Welle aufgesprungen. Natürlich, und so viel Realismus muss sein, nicht ganz uneigennützig. Dennoch ist es auch ihnen und vielmehr den Reichweiten ihrer Twitter-Accounts zu verdanken, dass der Hashtag so hohe Wellen schlägt. Binnen kürzester Zeit hat es #SelfieWithDaughter aus der indischen Provinz auf die politische Agenda geschafft. Soll nicht heißen, dass das Thema bis dato in der Politik keine Rolle gespielt hat. Schon Anfang des Jahres hat Premier Modi die Initiative „Beti Bachao, Beti Padhao“ ins Leben gerufen. Frei übersetzt heißt das: „Schützt die Töchter, bildet die Töchter“. Ziel ist es, ein neues Bewusstsein für die schlechte Situation der Mädchen und Frauen in Indien zu schaffen und ihnen vor allem auch eine bessere Ausbildung zu ermöglichen. Zweifellos erlangte die Aktion aber erst durch #SelfieWithDaughter weltweite Aufmerksamkeit.


Kann #SelfieWithDaughter etwas bewirken?

Die Netz-Öffentlichkeit reagierte auf den neuen Hashtag vorwiegend positiv. Vorwiegend. Es gibt auch kritische Stimmen. Und das ist gut so. Denn noch besser als Sharen, Favorisieren und Retweeten ist es, eine konstruktive Diskussion in Gang zu bringen. So wird immer wieder die Kritik laut, dass ein Selfie die bestehenden Probleme im Land nicht ändern kann, dass Taten folgen müssen. Die Kritiker haben Recht. #SelfieWithDaughter allein wird die Situation der indischen Mädchen nicht ändern können, aber er setzt einen deutlichen Kurs, wohin Indien endlich aufbrechen soll: Mehr Wertschätzung für Mädchen und Frauen und eine gleichberechtigtes Dasein. {{SNIPPET_PH:}}




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