Kuckuckskind: Schwanger von einem anderen – was ist zu bedenken?

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Kuckuckskind: Schwanger von einem anderen – was ist zu bedenken?

Ein Baby kommt, aber der Vater ist ein anderer als erwartet. Was das für alle Beteiligten bedeutet.

Kuckuckskinder nennt man all jene Kinder, die von einem Vater aufgezogen werden, der zunächst einmal nicht ahnt, dass er nicht der biologische Erzeuger war. Ob Affäre oder einmaliger Seitensprung – immer wieder kommt es vor, dass Frauen außerhalb ihrer Beziehung oder Ehe schwanger werden. Wie oft kommt das vor und welche Folgen kann das haben?

Kuckuckskind: Seltener als vermutet

Während lange Zeit Vermutungen kursierten, dass zehn oder gar 20 % aller Kinder nicht vom offiziellen Vater gezeugt wurden, hat man diese Zahl mittlerweile deutlich nach unten korrigiert. Eine aktuelle Studie kommt zu Werten um die ein bis zwei %.

Die Sorge, möglicherweise ein Kuckuckskind großzuziehen, lässt die Wahrscheinlichkeit also möglicherweise größer aussehen, als es ist. Ein Vaterschaftstest verschafft Klarheit und kann die Grundlage für eine Aberkennung der Vaterschaft sein.

Kuckuckskinder aus rechtlicher Sicht

Wenn die Mutter verheiratet ist, gilt vor dem Gesetz automatisch der Ehemann als der Vater des Kindes – egal, ober es selbst gezeugt hat oder nicht. Der sogenannte Scheinvater hat alle Rechte und Pflichten, die auch ein leiblicher Vater hat.

Hat er begründete Zweifel daran, dass er wirklich der biologische Vater ist, weil er zum Beispiel um eine Affäre seiner Frau wusste, kann er die Vaterschaft anfechten. Damit das Familiengericht eine entsprechende Klage anerkennt und prüft, sind jedoch Belege nötig, zum Beispiel Beweise, dass es zum mutmaßlichen Zeugungszeitpunkt keine sexuellen Kontakte gab. Wird die Klage zugelassen, ordnet das Gericht einen Vaterschaftstest an.

Kommen dem Vater erst im Laufe der ihre Zweifel, kann es zu spät sein: Nur in den ersten zwei Lebensjahren des Kindes kann der Scheinvater die Aberkennung der Vaterschaft anstreben. Danach bliebt er der offizielle Vater. Dies soll vor allem dem Kindeswohl dienen.

Sollte sich womöglich später herausstellen, dass ein anderer Vater des Kindes ist, das man großzieht, kann man als Scheinvater auch nur noch Aufwendungen und Unterhalt für die letzten zwei Jahre vom biologischen Erzeuger zurückfordern.

Hat der biologische Vater Rechte?

Wenn die Vaterschaft nicht durch den Scheinvater angefochten wird, ist es für den biologischen Vater nicht einfach, seine eigene Vaterschaft anzuerkennen – das Kind hat schließlich schon einen Vater. Einen Vaterschaftstest vorzulegen reicht nicht aus, solange der Scheinvater nichts unternimmt.

Aussichten, die Vaterschaft zuerkannt zu bekommen, gibt es dennoch – zum Beispiel, wenn die Mutter und der Scheinvater bereits geschieden sind und der biologische Vater mit der Mutter und dem Kind zusammenlebt. Bilden sie bereits eine Familieneinheit, könnte das Gericht befinden, dass es im Interesse des Kindes ist, dass sein biologischer Vater auch der offizielle wird.

Muss die Mutter den wahren Vater nennen?

Ein direkter Rechtsanspruch des Scheinvaters besteht aktuell nicht (Stand: Oktober 2019). Allerdings sind Gesetzesentwürfe in Arbeit, die die Mutter zur Auskunft über Sexpartner und mögliche Kindsväter verpflichten sollen. Bislang können Gerichte darauf unter Berufung auf Schutz der Intimsphäre der Frau verzichten. Ändert sich die Gesetzeslage entsprechend, werden die Rechte von Scheinvätern von Kuckuckskindern gestärkt.

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