Tolle Weihnachts­bräuche aus anderen Ländern

So feiert Europa

Tolle Weihnachts­bräuche aus anderen Ländern

Andere Länder, andere Sitten. Das gilt auch und vor allem an Weihnachten. In Europa hat nahezu jedes Land seine eigenen Festtagsbräuche, vom Essen über den Tag der Bescherung bis ihn zum Überbringer der Geschenke.

Die Weihnachtsbräuche mögen unterschiedlich sein, eines ist überall gleich: Für die Geschenkübergabe hat man seine Leute. Männer in roten Mänteln, schwarze Gestalten mit Ruten, Heilige und Hexen – überall in Europa sind Boten unterwegs, um den Kindern ihre Weihnachtsgeschenke zu bringen. Ihre Terminkalender sehen ganz unterschiedliche Einsatzpläne für die Bescherung vor: 6. Dezember, 24./25. Dezember, Silvester/Neujahr, 6. Januar. Bis zu diesem Tag, und damit am längsten, müssen die Kinder in Spanien und Italien warten. Als erstes, nämlich schon Anfang Dezember, können sich die niederländischen Kinder über ihre Weihnachtsgeschenke freuen.

Nikolaus, Sinterklaas oder Weihnachtsmann - Hauptsache, er bringt die Geschenke

Weihnachtsbräuche in Europa

Von Skandinavien über Großbritannien und das Mittelmeer bis hin zum größten Land der Erde, von Nord nach Süd, von Ost nach West:

So feiert man in Europa das Weihnachtsfest

Skandinavien
"Fest der Liebe" nennt man in Skandinavien das Weihnachtsfest. Schon während der ganzen Vorweihnachtszeit werden die Festvorbereitungen besonders traditionsreich und liebevoll zelebriert, man schmückt die Wohnung, Tische, Fenster und Fensterbänke mit Weihnachtsdeko und holt das Weihnachtsgeschirr hervor. Zur Vorweihnachtszeit in Skandinavien gehört ganz unbedingt das Luciafest. Ursprünglich gab es das nur in Schweden; mittlerweile haben es auch Norwegen, Dänemark und Finnland für sich entdeckt. Das Luciafest wird am 13. Dezember in gefeiert. Auf diesen Tag fiel in früheren Jahrhunderten die Wintersonnenwende in Schweden. Die heilige Lucia gilt als diejenige, die Licht in die Dunkelheit bringt. Sie ist die Namensgeberin. Obwohl vom Namen her eigentlich ein Heiligenfest ist das Luciafest heutzutage wenig kirchlich geprägt. Die Luciafeiern beginnen schon am Morgen. Ein Mädchen, in der Familie traditionell die älteste Tochter, spielt die Lucia – in einem weißen Gewand, mit einem roten Band um die Taille und einem Kerzenkranz auf dem Kopf. Es begleiten sie oft weitere Mädchen mit Kerzen in den Händen, manchmal auch Sternenknaben (Stjärngossar), Pfefferkuchenmännchen (Pepparkaksgubbar) und Wichtel (Tomtar). Au Sicherheitsgründen wegen der Verbrennungsgefahr sind die Kerzen heutzutage überwiegend batteriebetrieben.

Eine lange skandinavische Tradition: das Luciafest

Noch etwas ist auch in Skandinavien weit verbreitet: gemeinsamer Medienkonsum an Weihnachten. In Dänemark etwa schauen viele Familien am Nachmittag gemeinsam das Weihnachtsfernsehprogramm. Nach dem Festmahl am Abend singt man Weihnachtslieder und tanzt Hand in Hand um den geschmückten Weihnachtsbaum. Der Weihnachtsbaum ist bevorzugt natürlich geschmückt mit geflochtenen Weihnachtsherzen (Julehjerter) oder kleinen Täschchen aus Papier (Kræmmerhuse). Auf den Dachboden oder vor die Tür stellt man gern eine Schüssel Grütze für den Weihnachtsnisse. Die Nisser sind nordische Wichtel, die dem Weihnachtsmann helfen.

Gemeinsames Fernsehen mit der Familie am frühen Heiligabend ist auch in Norwegen ein beliebtes Unterhaltungsprogramm. In Familien mit Kindern bringt die Geschenke der Julenissen. Ansonsten ist es übliche Praxis, dass die Geschenke unter den Weihnachtsbaum gelegt und vom Jüngsten der Anwesenden verteilt werden.

Fernsehen steht auch in Schweden auf dem Weihnachtsprogramm. Zu einer üblichen schwedischen Weihnacht gehört es, dass der Heiligabend um 15 Uhr mit dem Schauen einer Donald-Duck-Sendung beginnt. Nach dem Weihnachtsessen werden dann die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum ausgepackt. Ausschlafen an Weihnachten ist nicht. Schon früh um 6 oder 7 Uhr am 25. Dezember gehen viele Schweden zur Frühmesse in die Kirche.

In Finnland dreht sich an Weihnachten alles um den 24. Dezember. Die weiteren Weihnachtstage spielen keine so große Rolle. Es beginnt bereits um 12 Uhr mittags mit der feierlichen Ausrufung des Weihnachtsfriedens in Turku, der früheren finnischen Hauptstadt – eine Tradition, die bereits seit mehr als 500 Jahren gepflegt und im ganzen Land in den Medien verfolgt wird. Am Nachmittag oder  frühen Abend ist in Finnland die Zeit für Friedhofbesuche. Die Gräber werden mit sehr vielen Kerzen und Kränzen weihnachtlich geschmückt. Nach dem Weihnachtsessen versammelt man sich um den Weihnachtsbaum und packt die Geschenk aus, die der Weihnachtsmann gebracht hat. In Finnland heißt er Joulupukki.

Joulupukki ist gleichbedeutend mit dem schwedischen Julbock, dem dänischen  Julebuk und dem norwegischen Julebukk. Heute ist es "nur" noch eine Ziegenbockfigur aus Stroh und ein beliebter Weihnachtsschmuck. Früher brachte der Julbock die Geschenke, bevor er vom Weihnachtsmann (dänisch: Julemand, norwegisch: Julenisse, schwedisch: Jultomte) ersetzt wurde.

Ein beliebter skandinavischer Tannenbaumschmuck: der Julbock aus Stroh

Großbritannien
Im Vereinigten Königreich kommt Father Christmas in der Nacht zum 25. Dezember. Am Abend davor, also an Heiligabend, gehen viele Menschen in die Mitternachtsmesse. Die Kinder haben vor dem Zubettgehen ihre Socken am Kamin oder an ihrem Bett aufgehängt – und am Weihnachtsmorgen finden sie darin dann ihre Geschenke – zumindest diejenigen, die hineinpassen eben. Die größeren Gaben liegen unter dem Weihnachtsbaum. Am 25. kommt man mit der Familie zusammen, mittags gibt es ein großes, ausgedehntes Essen. Dabei werden, einer alten Weihnachtstradition folgend, bunte Papierkrönchen aufgesetzt. Es geht also sehr lustig zu an Weihnachten bei den Briten. Aber auch feierlich: Viele Briten verfolgen auch heute noch die jährliche Weihnachtsansprache der Königin. Und eine der meist gehörten Radiosendungen ist der nachmittägliche Gottesdienst "Nine Lessons and Carols" aus dem King's College, Cambridge, der seit Jahrzehnten live übertragen wird.

Freude am Weihnachtsmorgen: Father Christmas hat die Strümpfe gefüllt

Niederlande / Belgien
Wenn bei uns Weihnachten gefeiert wird, haben die Kinder in Belgien und den Niederlanden das Fest der Feste schon fast wieder vergessen. Denn ihre Bescherung war bereits Anfang Dezember. Nicht Heiligabend, sondern der 6. Dezember, also der Nikolaustag, steht hier im Mittelpunkt des Weihnachtsfestes. An diesem Tag verteilt der Sinterklaas, also Sankt Nikolaus, die Geschenke, zusammen mit seinem Gehilfen, dem Zwarte Piet, dem Schwarzen Peter. An den Weihnachtstagen, 24. bis 26. Dezember, geht es in Holland und Belgien dann eher ruhig zu.

Österreich / Schweiz / Deutschland
In Österreich kommt an Heiligabend das Christkind, im Gegensatz zu den meisten Nationen, bei denen der Weihnachtsmann kommt. Dafür bringt Nikolaus im roten Mantel am 6. Dezember schon Geschenke – in Begleitung von Krampus, der den unartigen Kindern die Leviten liest. Auch in einigen Gegenden der Schweiz hat Sankt Nikolaus einen solchen Begleiter, den Knecht, auch Schmutzli oder Butzli genannt. In Deutschland kennt man an dieser Stelle Knecht Ruprecht. Auch die sonstigen Weihnachtsbräuche und Traditionen sind im deutschen Sprachraum nahezu gleich: Es werden die gleichen oder ähnliche Lieder gesungen, man schmückt die Wohnung mit Tannenbaum und Krippe, die Bescherung ist an Heiligabend, also am 24. Dezember. Vorausgegangen ist eine vierwöchige Adventszeit mit Adventskranz, Adventskalender und Weihnachtsmärkten. Den Weg in die Kirche finden zu Weihnachten selbst seltene Kirchgänger. Die Christmette und sämtliche Gottesdienste an Heiligabend und allen Weihnachtstagen sind immer sehr gut besucht.

Frankreich
Geschenke bringt in Frankreich der Père Noël. Er hat einen langen roten Mantel mit Kapuze an und trägt auf dem Rücken einen Korb mit den Präsenten. Am Abend des 24. Dezember stellen die französischen Kinder ihre Schuhe für ihn bereit. Nachts kommt dann Père Noël und steckt die Gaben in die Schuhe. Am 25. Dezember können die Kinder dann ihre Geschenke auspacken.

Italien
Bis zum 6. Januar, dem Dreikönigstag, müssen die Kinder in Italien auf ihre Geschenke warten – und auf die gute Hexe Befana. Die Legende besagt, dass die Heiligen Drei Könige ihr angeboten hatten, mit zur Geburtsstätte des Christuskindes zu kommen. Befana hatte das Angebot abgelehnt – und es bereut. So flog sie auf ihrem Besen den Heiligen Drei Königen hinterher, fand aber weder die Könige, noch das Christkind. Seither geht sie jedes Jahr am Dreikönigstag wieder auf die Suche und verteilt dabei Süßigkeiten in den Schuhen der Kinder, in der Hoffnung, eines davon sei Jesus Christus. Befanas Konkurrenz schläft aber auch nicht. In letzter Zeit hört man immer häufiger von Babbo Natale, der schon am 25. die Geschenke verteilt. Er ist eine Abwandlung des Weihnachtsmanns und wird immer populärer in Italien.

Durch die Luft kommen die Geschenk in Italien

Spanien
Auch in Spanien gibt es Weihnachtsgeschenke erst am 6. Januar. Die Kinder bekommen sie aber nicht vom Nikolaus, dem Weihnachtsmann oder vom Christkind. Vielmehr sind es die Heiligen Drei Könige, die den Kindern die Geschenke bringen. Am Tag davor, am 5. Januar, gibt es in Spanien überall Prozessionen. Die Karawanen der heiligen Könige ziehen durch die Straßen, winken und zeigen den Kindern, dass sie schon in der Stadt angekommen sind. Ganz typisch für Weihnachten in Spanien ist es auch, dass Kinder um den Aguinaldo, ein Geldgeschenk, bitten. Sie singen den  Passanten auf der Straße Weihnachtslieder vor, begleitet von einem Tamburin, und bitten um den Aguinaldo, indem sie das Tamburin umdrehen, damit dort einige Münzen hineingeworfen werden können. Der 24. Dezember ist in Spanien eigentlich nur ein kirchlicher Feiertag, an dem man mit Verwandten isst und gemeinsam in die Kirche geht. Statt mit einem Weihnachtsbaum ist es üblich, die Wohnungen mit einer Krippen zu schmücken. In jüngster Zeit werden allerdings mitteleuropäische und angelsächsische Traditionen wie Weihnachtsbaum und Bescherung am 24. Dezember immer populärer. Nicht zuletzt weil es viel kinderfreundlicher ist, wenn die Kleinen die Geschenke zu Beginn der Ferien bekommen und nicht erst von den Heiligen Drei Königen am letzten Ferientag.

Von den Kindern sehnsüchtig erwartet: Die Heiligen Drei Könige

Griechenland
Weihnachten in Griechenland ist weit entfernt von einer "Stillen Nacht". Am 24. Dezember ziehen die Kinder durch die Straßen. Mit Trommeln und Glocken machen sie ordentlich Krach und wollen die Häuser segnen. Sie singen die so genannten Kalanda, das sind Lobgesänge, die Glück bringen sollen. Als Dankeschön bekommen sie Süßigkeiten, Feigen und Gebäck. Geschenke gibt es erst viel später. Die bringt in Griechenland der Heilige Basilius – jedoch nicht an Weihnachten, wie bei uns, sondern in der Neujahrsnacht. Zwischen dem 31. Dezember und dem 1. Januar kommt er zu den Kindern nach Hause und hinterlässt ganz heimlich die Geschenke. Am Neujahrstag ziehen die Kinder dann noch einmal mit ihren Musikinstrumenten durch die Straßen und wünschen den Bewohnern Glück.

Viel und laut gesungen wird in Griechenland zu Weihnachten

Russland
Weihnachten im größten Land der Erde ist das zweitwichtigste religiöse Fest nach Ostern. Nach der Oktoberrevolution 1917 in Russland durfte man Weihnachten, wie viele andere religiöse Feste auch, nicht mehr feiern. Zum offiziellen Feiertag wurde das Fest erst wieder 1991. Gefeiert wird Weihnachten am 7. Januar, wenn in der russisch-orthodoxen Kirche der Geburt Christi gedacht wird. Der 7. Januar entspricht im alten Julianischen Kalender, nach dem die russisch-orthodoxe Kirche die Feiertag festlegt, dem 25. Dezember. Das bedeutet, dass in Russland quasi Weihnachten und und Silvester/Neujahr die Plätze getauscht haben. Geschenke gibt es auch zu Silvester, und nicht zu Weihnachten. Dann kommt Ded Moroz, Väterchen Frost mit seiner Enkelin Snegurotschka, zu Deutsch: Schneeflöckchen oder auch Schneemädchen genannt, und verteilt die guten Gaben. Der Legende nach kommt er aus Sibirien in einer Troika, einem Schlitten, der von drei Pferden gezogen wird. Väterchen Frost ist ein alter Mann mit Rauschebart. Er hat einen schön verzierten blauen oder weißen Mantel an und eine Mütze auf. In der Hand hält er ein Zepter, dessen Spitze alles zu Eis gefrieren lässt.

Egal, wer auch immer die Geschenke bringt, ob Sinterklaas, Basilius, Befana, Väterchen Frost oder Joulupukki – wir wünschen allseits eine schöne Bescherung und ein friedvolles Weihnachten!

Bildquelle:

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