Ein Baby profitiert von beiden Eltern

Papa oder Mama - zu einem Elternteil fühlt sich das Baby meist mehr hingezogen. Wir erklären Ihnen, wie das Baby von beiden Eltern gleichermaßen profitiert.


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Ein Baby lernt früh, die Eltern zu unterscheiden


Jedes Baby fühlt sich zunächst bei der Mama wohler. Auf ihrem dem Arm riecht es vertraut, hier gibt es Wärme, Geborgenheit und Nahrung. „Beide sind psychisch aufs Engste miteinander verbunden. Das Baby empfindet die Mutter als Teil seiner selbst“, sagt die Freiburger Psychologin Ursula Kodjoe. Doch schon ab dem 4. oder 5. Monat fängt das Baby an, sich umzuschauen, was es sonst noch so gibt auf der Welt, und findet - im Idealfall - seinen Papa. Der ist ganz anders als die Mama: die Hände sind kräftiger, die Stimme tiefer und die Bewegungen meist schneller und wilder. Trotzdem ist er vertraut.

Papa, Mutter, Baby: Baby profitiert von beiden Eltern


© Thinkstock
Langsame Abgrenzung von der Mama - Papa hilft dabei

Um selbstständig zu werden, muss das Baby sich von seiner Mama abgrenzen. „Dieser wichtige Entwicklungsschritt hin zur eigenen Persönlichkeit fängt bereits im Alter von sechs Monaten an und wird dann sozusagen zur Hauptaufgabe des 2. und 3. Lebensjahres“, so Ursula Kodjoe. Den sicheren Hafen jedoch ganz allein zu verlassen, das ist ganz schön unheimlich. Und so ist es für Kinder sehr beruhigend, wenn sie hier einen starken, verlässlichen Partner an der Seite haben: Papa. Zumal der Papa oft der bessere Tobe- und Spielkumpane ist, weil er seinen Kindern meist schneller zutraut, ganz allein die obersten Sprossen des Klettergerüsts zu erklimmen oder die volle Milchflasche zum Esstisch zu tragen.

Papa ist auch ein gutes Vorbild bei dem riesigen Problem, dem sich ein Baby in seinem Unabhängigkeitsstreben stellen muss: Wie löse ich mich von der Mama, ohne sie zu verlieren? Doch wenn die Eltern sich gut verstehen und liebevoll miteinander umgehen, kann sich das Baby abgucken, dass es durchaus möglich ist, eng mit Mama verbunden zu bleiben und trotzdem eine unabhängige Person zu sein. So wie Papa eben.

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„Die meisten Kinder merken früh, was sie von Mama oder Papa erwarten können, und wenden sich, je nach Anlass, mal an den einen, mal an den anderen“, erklärt der Hamburger Psychologe Michael Thiel. So wird meist Mama zum sicheren Hafen und zur emotionalen Tankstelle. Papa hingegen steht in den meisten Familien für Spaß, Abenteuer und Unabhängigkeit. Natürlich gibt es auch Familien, in denen der Papa umsorgt, während die Mama eher für Action gut ist. Doch egal wie: Kinder teilen die Rollen gern sehr genau zwischen beiden Eltern auf. Mit dem einen wird mehr geschmust und gemalt, der andere muss als Klettergerüst und Welterklärer herhalten. Als Folge wird, je nach Entwicklungsschritt, mal Mama und mal der Papa wichtiger.
Die Abnabelung ist eine schwere Zeit für Mamas

Doch auch, wenn man das alles weiß und wichtig findet, kann das Gefühl, plötzlich abgemeldet zu sein, ziemlich am Selbstbewusstsein der Mama nagen. Vom Zentrum des Universums in die Statistenrolle zu wechseln, ist hart. Vor allem, wenn sich der andere den Spitzenplatz im Kinderherz mit scheinbarem Minimaleinsatz als abendlicher Pausenclown erobert. „Es ist nicht die Zeit, sondern die Qualität, die zählt“, sagt die Leiterin des Staatsinstituts für Frühpädagogik, Fabienne Becker-Stoll. „Die 2, 3 Stunden am Abend, die ein Vater nach der Arbeit mit dem Kind spielt, reichen aus, um eine sichere Bindung aufzubauen.“ Außerdem geht es Kindern ebenso wie Erwachsenen: „Wenn Sie stundenlang mit derselben Person zusammen sind und jemand Neues kommt dazu, würden Sie sich doch auch erst mal mit dem beschäftigen wollen, oder?“, sagt Baby&Co-Experte Michael Thiel.

Statt also eifersüchtig zu sein, wenn das Baby plötzlich nur noch Papa will, sollte Mama sich lieber entspannt zurücklehnen, eine Pause machen und sich für ihr Baby freuen, raten die Psychologen. Vor allem, weil dieses abendliche Herumtollen auf dem Wohnzimmerteppich für die Entwicklung immens wichtig ist. Früher dachte man, dass der Papa für Kinder bis zum Grundschulalter eher eine Nebenrolle spielt. Das stimmt nicht, haben die Regensburger Bindungsforscher Klaus und Karin Grossmann inzwischen in ihrer Langzeitstudie bewiesen. 

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Mamakinder und Papakinder

Jungen und Mädchen, die schon als Baby eine sichere Bindung zu ihrem Papa aufbauen konnten, fällt es später leichter, eine positive Einstellung zu ihrer Rolle als Mann bzw. Frau zu entwickeln. Daher haben sie es in ihren eigenen Beziehungen viel leichter als Kinder, die ohne Papa aufgewachsen sind.

„Man weiß doch, dass Mädchen eher Papakinder werden. Für ein Mamakind hätte ich mir einen Sohn zulegen müssen“, tröstet sich Diana Becker gern. Doch so passend dieser Spruch auch oft erscheinen mag, laut Forschung ist er ein Mythos. Absolute Papakinder, ganz gleich ob Mädchen oder Jungs, sind nämlich sehr selten. In Untersuchungen, wem sie sich bis zum Alter von 12 Jahren näher gefühlt haben, bezeichneten sich 70 Prozent der befragten Mädchen und Jungen als Mamakinder und nur knapp 15 Prozent als Papakinder.

Wer am meisten Zeit mit dem Kind verbringt, steht in seiner Gunst am höchsten - könnte man meinen, aber so einfach ist die Rechnung nicht. Es ist, wie bei Erwachsenen auch, eine Typfrage. Ein Baby kommt bereits mit seinem ureigenen Temperament auf die Welt und sucht sich, wenn es die Möglichkeit hat, oft den Teil der Eltern als Favoriten aus, der ihm am ähnlichsten ist. Ist Mama temperamentvoll, Papa und Tochter aber eher still und zurückhaltend, werden sich die beiden wahrscheinlich auf Dauer besser verstehen. Ist die Mama zugewandt und geduldig, während der aufbrausende Papa gern auf schnelle Leistung setzt, wird sich der tollpatschige Sohn wohl eher an seine Mama halten. Auch kommt es auf die Zahl der Geschwister an. Wenn ein neues Baby den Platz auf dem Schoß der Mama besetzt, wird sich das große Kind oft umso enger an den Papa schmiegen, sofern es die Gelegenheit dazu bekommt.

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