Wie viel Süßes dürfen Babys?

Schon als Babys sind wir dem süßen Geschmack verfallen. Und das hat einen ganz einfachen Grund. Welcher das ist und warum sich Eltern bei der Auswahl der Lebensmittel für ihr Baby davon trotzdem nicht beirren lassen sollten.


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden

Süß heißt: nicht giftig!


Babys lieben Süßes von Geburt an, schließlich schmeckt auch schon die Muttermilch leicht süßlich. Und der Grund dafür liegt in der Evolution: „Süß ist ein 'Sicherheitsgeschmack': Süße Lebensmittel, wie sie in der Natur vorkommen, sind in der Regel nicht giftig“, erklärt Ernährungsexpertin Petra Schuritz. Unsere Vorfahren konnten anhand der Süße eines Lebensmittels also entscheiden, ob es sich um etwas Verträgliches oder etwas Unverträgliches handelt. Praktisch!

Wie viel Süßes dürfen Babys?

Dürfen Babys schon Kekse essen?


© iStock
Das Problem ist nur: Der „Sicherheitsgeschmack Süß“ ist nicht mit der Süße von industriell gesüßten Lebensmitteln zu vergleichen. Künstlich gesüßte Lebensmittel schmecken um ein Vielfaches intensiver. Wer schon früh und regelmäßig in den Genuss solcher Speisen kommt, gewöhnt sich schnell an den künstlichen Süß-Geschmack. Dem wird die natürliche Süße in Lebensmitteln bald nicht mehr ausreichen, um die Lust auf Süßes zu befriedigen – er braucht Zucker. „Das Bedürfnis nach übersüßen Produkten wird leider früh regelrecht antrainiert“, sagt Petra Schuritz.
Zuviel Zucker ist ungesund

Zuviel Zucker ist ungesund, das sollte jedem klar sein. Zucker schadet nicht nur den Zähnen, er macht dick und krank. Typ-2-Diabetes ist nur eine Folge übertriebenen Zuckerkonsums, ebenso wie Übergewicht und ein vielfach erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Da liegt es doch nahe, unseren Kindern künstlich gesüßte Lebensmittel solange wie möglich vorzuenthalten, um sie gar nicht erst auf den ungesunden „Zuckertrip“ kommen zu lassen. Natürlich ist ein Leben ohne künstliche Zuckerzusätze heute kaum denkbar. In fast jedem industriell hergestellten Lebensmittel, vor allem in denen speziell für Babys und Kinder, steckt jede Menge Zucker. Und früher oder später, spätestens aber im Kindergarten wird Ihr Kind die große bunte Welt der Süßigkeiten kennenlernen und Naschzeugs einfordern. Aber bis es soweit ist, können wir Eltern dafür sorgen, unsere Kinder solange und soweit wie möglich von künstlichen Zuckerzusätzen fernzuhalten. Das gilt übrigens auch für Süß- und  Zuckeraustauschstoffe.
Deshalb möglichst keine Süßigkeiten im ersten Jahr
Denn: Was Ihr Baby nicht kennt, wird es nicht vermissen. Fangen Sie also gar nicht erst mit Süßkram an, wird Ihr Kind auch nicht danach verlangen. Um den Süßbedarf Ihres Babys zu decken, reicht Obst vollkommen aus.

Achtung bei Fertigbreien, Babygläschen und Babykeksen: Hier sind häufig versteckte Zucker* oder Aromastoffe enthalten. Zwar darf industriell hergestellte Babynahrung nicht per se verteufelt werden, immerhin gibt es auch vollkommen unbedenkliche Produkte. Aber auf der sicheren Seite sind Sie natürlich, wenn Sie so viel wie möglichst selbst kochen oder backen, zum Beispiel natürlich süße Babykekse zum Knabbern.

* Eine Auswahl der vielen verschiedenen Bezeichnungen für Zucker: Saccharose, Glukose, Fruktose, Lactose, Dextrose, Maltose, Maltodextrin, Süßmolkenpulver, Sirup...


Das gesunde Maß an Süßem finden

Das klingt jetzt alles sehr drastisch, das geben wir zu. Sie sollen natürlich nicht in Panik verfallen, wenn Ihr Baby im ersten Lebensjahr doch mal etwas künstlichen Zucker zu sich nimmt. Bei größeren Geschwisterkindern lässt es sich kaum vermeiden, dass der eine oder andere süße Happen auch in Babys Mund verschwindet. Achten Sie einfach darauf, dass sich die Menge in Grenzen hält und es wirklich nur seltene Ausnahmen bleiben. Nehmen Sie sich zum Ziel, die Genussschwelle für Süßes möglichst lange möglichst niedrig zu halten.

Später werden Sie nicht mehr darum herum kommen, Ihrem Kind auch künstlich gesüßte Lebensmittel zu geben. Damit es von Anfang an ein gesundes Verhältnis dazu bekommt, sollten Sie darauf achten, dass Süßigkeiten weiterhin die Ausnahme bleiben und nicht zur Regel werden. Es braucht zum Beispiel nach dem Mittagessen keinen süßen Nachtisch, nur weil wir Erwachsene das vielleicht so mögen. Ebenso braucht es keine Kekse oder süßen Milchprodukte (Joghurt oder Quarkspeisen) als Zwischenmahlzeit. Bieten Sie lieber zuckerarme Snacks an und achten Sie auf die Zutatenlisten.

Übrigens: Ab dem 2. Lebensjahr dürfen – müssen aber nicht! – zuckerhaltige Lebensmittel den täglichen Energiebedarf zu maximal zehn Prozent decken. Für Einjährige sind das etwa 95 kcal, für Zwei- bis Dreijährige etwa 110 kcal. Einfacher Maßstab: "So viel, wie in die Kinderhand passt“, sagt die Ernährungsexpertin Petra Schuritz.

 Das könnte Sie interessieren: Wieviel Zucker ist ok für mein Kind?

Gummibärchen, Bonbons und Schokolade gehören zu den Lieblingssnacks vieler Kinder. Wieviel Naschen ist in Ordnung?


Ach ja, und das soll an dieser Stelle auch noch einmal erwähnt werden: Nach dem Essen Zähneputzen nicht vergessen! Das gilt insbesondere für den Verzehr von Süßigkeiten. 
Süßigkeiten sollten keine Belohnung sein
Noch ein wichtiger Tipp: Setzen Sie Süßigkeiten nicht als Belohnung ein. In diese Falle tappen früher oder später fast alle Eltern. Allzu schnell rutscht ein Versprechen wie dieses über die Lippen:  „Wenn du dein Gemüse schön aufisst, essen wir nachher noch ein Eis zusammen!“. Klingt fair, aber was vermittelt dieses Versprechen? Dass Gemüse die lästige Pflicht ist, etwas Schlechtes, das überwunden werden muss, um an das Schöne, um an das Süße zu kommen. So heben Sie süße Belohnungen ganz schnell auf einen Thron, die sie nur noch reizvoller machen. Gleichzeitig wächst jedoch das Misstrauen gegenüber der gesunden Speise. Essen sollte niemals als Bestrafung oder Belohnung eingesetzt werden, nur so entwickelt Ihr Kind ein gesundes Verhältnis dazu.

 Das könnte Sie interessieren: Gesunde Baby-Ernährung

Bei der Baby-Ernährung stellen Eltern viele Weichen für die Zukunft. Unser Ratgeber fasst die wichtigsten Punkte zusammen.






mehr zum Thema
Kinderernährung Leben mit Baby Beikost
Artikel kommentieren
Login
Kommentare
  • Erziehungheute

    Eltern sollten zudem bedenken, dass auch in Getränken Zucker enthalten ist. Deshalb ist es sinnvoll, Babys Tee statt Saft anzubieten. Besonders gefährlich ist die Nuckelflasche, wenn sie mit einer süßen Schorle gefüllt ist. Hier besteht die Gefahr von Kariesbildung. Vor allem das Dauernuckeln ist sehr ungesund. LG von Papaspausenblog.de