Muttermilch: Das Geheimnis gesunder Babys

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Muttermilch: Das Geheimnis gesunder Babys

Unbestritten und wissenschaftlich immer wieder belegt: Muttermilch ist und bleibt das Beste fürs Baby. Keine künstlich hergestellte Ersatznahrung kommt in ihrer Zusammenstellung an diesen Trank der Natur heran.

Das Stillen ist die natürlichste Art, das Baby zu ernähren. Mütter können ihre Kinder sofort stillen und müssen nicht erst Milch erwärmen. Und die Muttermilch ist das Gesündeste, was du deinem Kind an Nahrung anbieten kannst.

Muttermilch bietet viele Vorteile für dein Baby.

Muttermilch: Der gesunde Start ins Leben

Mal ganz abgesehen von den offensichtlichen Vorteilen des Stillens gegenüber dem Füttern mit industriell hergestellter Ersatzmilch, wie

  • ständige Verfügbarkeit

  • Keimfreiheit

  • richtige Temperatur zum Füttern

  • Zeit- und Geldersparnis

enthält Muttermilch über 200 Bestandteile, die alle perfekt auf die Bedürfnisse des Babys zugeschnitten sind. Deshalb empfiehlt die Nationale Stillkommission auch, das Baby die ersten vier bis sechs Monate voll zu stillen, bevor mit dem Zufüttern von Beikost begonnen wird. Untersuchungen zeigen außerdem, dass gestillte Kinder gegenüber Kindern, die mit industriell hergestellter Säuglingsnahrung gefüttert werden, weniger an Mittelohrentzündungen und Magen-Darm- und Atemwegsinfektionen erkranken sowie später seltener an Übergewicht und Diabetes mellitus Typ 2 leiden.

 

Muttermilch-Zusammensetzung: Was ist drin?

Das Besondere an der Muttermilch sind ihre Bestandteile, die sich stets dem Ernährungsbedürfnis des wachsenden Säuglings anpassen. Sie enthält Wasser, Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate, Vitamine, Spurenelemente und Mineralien. Dazu kommen Immunstoffe für den Infektionsschutz, Enyzme für eine leichtere Verdauung und Hormone, die das Wachstum fördern.
Die Zusammensetzung der einzelnen Bestandteile variiert täglich, von Mahlzeit zu Mahlzeit und sogar während einer Stillmahlzeit. Insgesamt lassen sich aber drei große Phasen der Muttermilch ausmachen:

Phase 1: Kolostrum

Das ist die erste Muttermilch, die schon während der Schwangerschaft gebildet wird und dem Baby die ersten zwei bis drei Tage nach der Geburt zur Verfügung steht. Kolostrum ist leicht gelblich und dickflüssig und enthält jede Menge Abwehrstoffe, die das Baby vor Infektionen schützen und sein Immunsystem anregen. Außerdem stecken in dieser ersten Muttermilch viel Eiweiß, Vitamine und Spurenelemente. Dafür enthält sie weniger Fett und Kohlenhydrate als die spätere Muttermilch. Das macht sie besonders leicht verdaulich. Zudem wirkt die Milch abführend und unterstützt Babys ersten Stuhlgang (Kindspech).

Phase 2: Übergangsmilch

Ungefähr drei Tage nach der Geburt verändert sich die Muttermilch vom Kolostrum zur Übergangsmilch. Die Milch wird dünnflüssiger und die Milchmenge nimmt zu. Das ist auch der Grund, warum die Brüste der Mama jetzt häufig anschwellen und der Milcheinschuss von manchen Frauen als unangenehm empfunden wird. Der Anteil an Abwehrstoffen und Eiweiß in der Übergangsmilch sinkt, dafür enthält sie immer mehr Fett und Zucker. Die Phase der Übergangsmilch dauert ungefähr 14 Tage.

Phase 3: Reife Frauenmilch

Zwischen der zweiten und der dritten Lebenswoche entwickelt sich aus der Übergangsmilch die Reife Frauenmilch. Sie enthält weiterhin alle Nährstoffe, die der Säugling für eine gesunde Entwicklung braucht: Fett, Eiweiß, Zucker, Vitamine und Mineralstoffe. Da sie überwiegend Wasser enthält, ist sie nun aber dünnflüssiger. Die Reife Frauenmilch verändert sich während einer Stillmahlzeit: Zuerst fließt die Vormilch, die sehr viel Wasser enthält und vorrangig den Durst des Säuglings stillt. Nach den ersten Zügen an der Brust wird die Milch ein wenig dickflüssiger, ihr Fettgehalt nimmt zu und der Zuckergehalt nimmt ab. Diese Nachmilch sättigt das Baby. Daher ist es wichtig, das Baby mindestens zehn Minuten an einer Brust trinken zu lassen, damit es nicht nur die Vor- sondern auch die Nachmilch bekommt.

Muttermilch kann aber noch mehr!

Muttermilch kann aufgrund ihrer antiinfektiösen und entzündungshemmenden Wirkung auch bei Krankheiten des Babys helfen. Hebammen empfehlen zum Beispiel die wunden Stellen bei einer Windeldermatitis mit Muttermilch zu betupfen. Auch bei Schnupfen und einer Bindehautentzündung können einige Tropfen Muttermilch in Nase bzw. Auge des Babys die Schleimhäute beruhigen und die Heilung unterstützen.

Wie du siehst, kann Muttermilch ein tolles Allzweckmittel sein, ob sie nun getrunken oder aufgetragen wird.

Muttermilch-Alternativen: Ersatzmilch oder Muttermilchbörse?

Manchen Müttern bleibt das Stillen aus medizinischen Gründen verwehrt, andere entscheiden sich bewusst dagegen. Solltest du zur künstlichen Ersatzmilch greifen oder sind Muttermilchbörsen die bessere Alternative?

Muttermilch ist einzigartig und kann nicht kopiert werden

Das sagt die Nationale Stillkommission. Und die Experten gehen noch einen Schritt weiter, indem sie sich für ein Verbot „irreführender“ Werbung aussprechen: Die Begriffe

  • "nach dem Vorbild der Muttermilch" und

  • "nach dem Vorbild der Natur" sowie

  • "muttermilchnah"

idealisieren Säuglingsanfangs- und Folgenahrungen und sind sachlich falsch. Aus Sicht der Nationalen Stillkommission am BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung, Anm. d. Red.) sind Produkte, die mit diesen Begriffen gekennzeichnet sind, nicht verkehrsfähig. (1)

Ist Ersatzmilch also ein Tabu?

Nein! Muttermilch ist in ihrer Einzigartigkeit zwar nicht kopierbar. Für Mütter, die nicht stillen können oder nicht stillen möchten, ist industriell hergestellte Säuglingsanfangs- und Folgenahrung aber die richtige Alternative. Wie diese Produkte zusammengestellt sind und welche Anforderungen sie erfüllen müssen, ist in der Diätenverordnung gesetzlich festgelegt. Das Füttern mit Ersatzmilch schadet also keinem Baby. Gestillte Kinder scheinen Untersuchungen zufolge nur einen gesundheitlichen Vorteil zu haben.

Ersatzmilch schadet nicht - ihr fehlt nur das gewisse Extra.

Muttermilchbörsen: Warum Experten davon abraten

Die Idee der Muttermilchbörsen ist keine neue. Es gab schon immer Frauen, die gern Muttermilch abgeben sowie Mütter, die selbst nicht stillen können, ihr Baby aber trotzdem mit Muttermilch versorgen möchten. Früher geschah dies über Milchbanken in Krankenhäusern. In Zeiten von Social Media und Internet-Foren finden sich Spenderinnen und Abnehmerinnen aber selbst und es entstehen schnell sogenannte Muttermilchbörsen. Die Idee dahinter klingt gut und findet Anklang.

Findet es kontrolliert statt, kann gespendete Muttermilch helfen:

Jedoch warnt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) vor dem Muttermilch-Handel über das Internet: „Spenderinnen können Medikamente oder Drogen nehmen, ansteckende Krankheiten wie AIDS oder Hepatitis haben. Keine Mutter kann kontrollieren, ob die fremde Muttermilch für das eigene Kind unbedenklich ist. Auch der Transport kann die Qualität der Muttermilch beeinträchtigen und ungenießbar machen. Anders als bei Lebensmitteln, die man im Laden kauft, gibt es beim Handel mit Muttermilch keinerlei amtliche unabhängige Kontrollen.“ so Dr. Wolfram Hartmann, Präsident des BVKJ.
Professor Bernd Koletzko, Kinderarzt am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität in München, bezeichnet den unkontrollierten Handel von Muttermilch gar als „gemeingefährlich“ und „absolut unverantwortlich.“(2)

Das Problem sehen die Experten in der fehlenden Kontrolle. Zwar müssen Spenderinnen gesundheitliche Auskünfte machen, diese sind aber in der Regel freiwillig und müssen in den seltensten Fällen bewiesen werden. Bei Muttermilchbörsen, vor allem wenn sie einer privaten Initiative entstammen, ist also Vorsicht geboten. Der BVKJ rät Müttern daher von Muttermilchbörsen ab und empfiehlt stattdessen industriell hergestellte Säuglingsnahrung.(3) Die kommt zwar in der Zusammensetzung der Inhaltsstoffe nicht an die Muttermilch heran, kann aber bedenkenlos gefüttert werden.
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Quellen: (1) Stellungnahme der Nationalen Stillkommission, (2) sueddeutsche.de, (3) deutsche-startups.de

Muttermilch auf Vorrat: Abpumpen, Lagern und Erwärmen

Um Milchstau vorzubeugen und um einen Vorrat an Muttermilch parat zu haben, kannst du Muttermilch abpumpen und lagern. Was es dabei zu beachten gibt und wie du (gefrorene) Muttermilch schonend erwärmen kannst.

Muttermilch abpumpen

Zum Abpumpen der Muttermilch kannst du elektrische Milchpumpen* nutzen oder auf einfach einfache Hand-Milchpumpen zurückgreifen. Wichtig beim Abpumpen ist der richtige Zeitpunkt und eine möglichst hohe Keimfreiheit. Ausführliche Informationen und Tipps dazu findest du in unserem Artikel zum Thema: Abpumpen.

Muttermilch aufbewahren: Milchpumpen helfen mit der Milchmenge.

Muttermilch im Kühlschrank lagern

Die folgenden Angaben zur Lagerung von Muttermilch-Vorräten beziehen sich auf gesunde und altersgerecht entwickelte Babys.
Abgepumpte Muttermilch kann bis zu 48 Stunden bei maximal 4°C im Kühlschrank gelagert werden. Dafür füllst du die Milch in ein sauberes Gefäß, das sich luftdicht verschließen lässt. Wenn du die Milch in einem Baby-Fläschchen lagern wollen, reicht es nicht, nur den Sauger oben aufzuschrauben! Beschrifte das Gefäß mit dem Datum und die Uhrzeit, als die Milch abgepumpt wurde. Wenn du mehrere Portionen Muttermilch auf Vorrat hast, verbrauchst du zuerst immer die älteste.
Du kannst auch Muttermilch aus zwei Pumpsitzungen miteinander mischen. Dafür muss die wärmere Milch aber erst auf die Temperatur der anderen Milch heruntergekühlt werden. Stelle sie dafür zum Beispiel eine Stunde in den Kühlschrank.

Muttermilch einfrieren

Muttermilch kannst du bedenkenlos einfrieren. Haben Sie eine Gefriertruhe, die konstant eine Temperatur von -20°C hält, ist die Muttermilch mindestens sechs Monate haltbar. Da das Gefrierfach eines handelsüblichen Kühlschranks diese Temperatur in der Regel nicht erreicht, sollte die eingefrorene Milch darin nicht länger als 14 Tage gelagert werden.
Zum Einfrieren bieten sich Portionen von 60 ml bis 120 ml an.

Muttermilch erwärmen

Wenn du Muttermilch auftauen willst, ist es wichtig, dass dies langsam geschieht. Lasse die gefrorene Muttermilch zum Beispiel über Nacht im Kühlschrank auftauen oder erwärme sie langsam im Wasserbad. Aufgetaute Milch solltest du innerhalb von zwölf Stunden verbrauchen und nicht erneut einfrieren.
Aufgetaute Muttermilch kannst du ebenfalls im Wasserbad erwärmen oder du nutzt einen Flaschenwärmer. Eine Erwärmung der Muttermilch in der Mikrowelle ist eher nicht zu empfehlen, da die Milch dabei nicht gleichmäßig erwärmt wird und wichtige Enzyme bei zu starker Erhitzung zerstört werden.

*gesponserter Link

Bildquelle:

Getty Images,Thinsktock

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