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Zaubertrank

Kolostrum: Was die Vormilch für Babys alles kann

Kolostrum: Mama stillt neugeborenes Baby
© Getty Images/golubovy

Meistens hören wir den Begriff Kolostrum das erste Mal in der Schwangerschaft. Die Vormilch, die Babys nach der Geburt trinken, ist die erste Nahrung außerhalb von Mamas Bauch und ist durchaus mit einem kleinen Zaubertrank vergleichbar. Was die erste Muttermilch so besonders macht.

Was ist Kolostrum?

Kolostrum ist die allererste Muttermilch, die aus der Brust austritt. Es ist eher dickflüssig, schleimig und hat eine gelbliche Farbe. Dazu ist es auch nur eine kleine Menge an Kolostrum, die produziert wird. Durch diese konzentrierte und kleinvolumige Form bekommt dein Baby alle Nährstoffe, die es braucht, da sein Verdauungssystem noch unausgereift ist.

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Was steckt alles im Kolostrum drin?

  • Die Vormilch ist ein echtes Superfood und enthält Milcheiweiß, Enzyme, Wachstumsfaktoren, Vitamine, Aminosäuren und Mineralstoffe.
  • Zudem enthält es Antikörper von der Mama, damit das Neugeborene gestärkt und sein Immunsystem aufgebaut wird.
  • Der Fettgehalt ist geringer als in der Milch. Sehr wichtig für die Babys, denn somit lässt sich das Kolostrum auch besser für die Kleinen verdauen.
  • Eine wichtige Synergie liefert die Erstmilch auch hinsichtlich der Vermeidung von Neugeborenengelbsucht. Sie hat einen leichten abführenden Effekt und hilft damit, das Kindspech auszuscheiden und ebenfalls den Überschuss an Bilirubin im Darm zu reduzieren.

Viele Mamas haben in dieser Zeit Angst, dass ihr Baby verhungern könnte, weil das Kolostrum nur in sehr kleiner Menge aus der Brust kommt – und Neugeborene am Anfang noch wenig stillen. Aber: Die kleine Menge an Kolostrum, die dein Baby in den ersten Tagen trinkt, ist völlig ausreichend für seine Entwicklung und sein Bäuchlein.

Das Neugeborene möchte in den ersten 24h oft nur zwei- bis dreimal gestillt werden, zwischen dem Anlegen begnügt es sich mit einem kurzen Saugen an seinem Finger oder dem seiner Mutter. Natürlich gibt es Babys, die öfter nuckeln möchten.
Hebamme Ingeborg Stadelmann, "Die Hebammensprechstunde"

Wie lange kommt Kolostrum?

Deine Brust produziert Kolostrum für drei bis fünf Tage nach der Geburt deines Babys. Die Milchdrüsen für die Muttermilch sind bereits aktiviert. Millionen Drüsenläppchen schwellen dafür an. Etwa 36 h nach der Geburt verändert sich die Erstmilch in ihrer Zusammensetzung und wird nach spätestens fünf Tagen von der “normalen” Muttermilch ersetzt, die auch "reife Milch" genannt wird. Der Milcheinschuss setzt ein und du merkst, wie deine Brust praller wird und sich voller anfühlt.

Stadelmann: Hebammensprechstunde

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Wann kommt das Kolostrum aus der Brust?

Die Geburt der Plazenta setzt Hormone frei, die deinen Milchfluss und somit dein Kolostrum anregen. Die meisten Babys haben vor allem in der ersten Stunde nach der Geburt ein besonders großes Saugbedürfnis, deshalb ist jetzt der beste Zeitpunkt für ein erstes Stillen.

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Intensiver Hautkontakt, Ruhe und Zweisamkeit unterstützen das erste Anlegen und Stillen. Auch wenn es sich nach sehr wenig anfühlt: Die wenigen Tropfen, die Neugeborene in den wenigen Minuten trinken, bevor sie wieder einschlafen, sind extrem konzentriert und geben ihnen alles, was sie brauchen.

“In der ersten Stunde nach der Geburt sind die meisten Babys recht aktiv. Daher ist es in der Regel nicht nötig, dass Dein gesundes und reif geborenes Kind durch eine dritte Person angelegt wird. Mit Hilfe seiner angeborenen Reflexe sucht und findet es die Brust alleine, saugt optimal an und trinkt seine ersten Tropfen Muttermilch. Hierzu reicht es, wenn Du Dein Baby auf Deinen Bauch in die Nähe der Brustwarze legst.

La Leche Liga Deutschland, "Grundlagen des Stillens"

Bei anfänglichen Stillproblemen kannst du dein Kolostrum sanft ausstreichen oder abpumpen und deinem Baby mit einer Spritze oder einem Löffel geben, die du von den Hebammen in der Klinik bekommst. Es ist aber völlig normal, dass dein Baby am ersten Tag sehr wenig und selten trinkt.

Warum verliere ich Kolostrum in der Schwangerschaft?

Die Brust produziert Kolostrum bereits während der Schwangerschaft, ab der 16. SSW. Für manche Frauen werden jetzt nur die Brüste größer, bei anderen kommt das Kolostrum direkt ab dem 5. Monat aus den Brustwarzen. Das können ein paar Tropfen, aber auch eine größere Menge sein, die einen nassen Fleck auf der Kleidung hinterlässt. Hier helfen schon jetzt Stilleinlagen, damit die Kleidung nicht durchnässt wird. Wichtig ist, die feuchten Stilleinlagen regelmäßig zu wechseln, sonst steigt das Infektionsrisiko bei gereizten oder verletzten Brustwarzen.

Übrigens können manche Situationen eher dafür sorgen, dass die Brust in der Schwangerschaft ausläuft: ein weinendes Baby, aber auch Kuscheln und Sex lösen oft den Milchspendereflex aus. 

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Auch gut zu wissen: Wenn du in der Schwangerschaft schon viel Kolostrum verlierst oder vielleicht bereits ein Kind in der Schwangerschaft weiterstillst, muss du dir keine Sorgen machen, es "aufzubrauchen". Kolostrum wird bis zur Geburt immer wieder neu gebildet.

Sollte ich Kolostrum in der Schwangerschaft ausstreichen?

Du kannst deine Brust ab der 37. SSW ein bis zwei Mal täglich ausstreichen. Das ist aber nur nötig, wenn dir deine Ärztin oder Hebamme dir das aus medizinischen Gründen empfehlen. Das ist z. B. bei Diabetes, Schwangerschaftsdiabetes oder anderen Risikofaktoren der Fall, die dir oder deinem Baby das Stillen in den ersten Tagen erschweren könnten. Manche Schwangere fangen auch einfach ihr auslaufendes Kolostrum in Becherchen/Spritzen auf und frieren es vorsorglich ein. 

Vor einem Kaiserschnitt brauchst du in der Regel kein Kolostrum ausstreichen. Allerdings ist es gut, vorher zu üben, wie du deine Brust richtig ausstreichst. Nach einem Kaiserschnitt sind Stillprobleme etwas wahrscheinlicher, sodass du so Kolostrum gewinnen und deine Milchbildung aufrechterhalten kannst.

Wie du Kolostrum ausstreichen kannst, zeigen wir dir hier:

Wie kann ich Kolostrum in der Schwangerschaft aufbewahren?

  • Du kannst das Kolostrum sanft ausstreichen und direkt mit einer 1-bis 2ml-Spritze oder in einem Becherchen auffangen und danach mit der Spritze aufziehen.
  • Da jeweils nur wenige Tröpfchen kommen, kannst du das Kolostrum bis zu 24h im Kühlschrank aufbewahren und sammeln.
  • Danach kannst du das Kolostrum direkt in der Spritze einfrieren. Du bekommst sie in der Apotheke oder hier:
  • Am besten steckst du die Spritze in einen Plastikbeutel mit Datum.
  • Für den Transport in die Klinik brauchst du eine kleine Kühltasche, die mit mehreren Kühlakkus gefüllt ist.
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Fun Fact: Kolostrum ist so vollgepackt mit Gesundheitsboostern, dass Kapseln zur Nahrungsergänzung für Erwachsene erhältlich sind. Sie sollen gegen sämtliche Beschwerden, von Immunschwäche über Eisenmangel zu Arthrose, helfen und enthalten Erstmilch von Kühen, Schafen oder Ziegen.

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Vor allem beim ersten Baby ist noch vieles neu und man ist eventuell etwas überfordert. Falls du noch nicht ganz sicher bist, wie das Wickeln am besten klappt, haben wir im Video einige Tipps:

Babys richtig wickeln: Die 5 besten Tipps Abonniere uns
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Still-Quiz: Was weißt du über Muttermilch und das Stillen?

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