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Sauerei inklusive

Baby-led Weaning: Fingerfood statt Babybrei!

© Getty Images/ NataliaDeriabina
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Füttern war gestern! Jetzt darf euer Baby selbst entscheiden, was es essen will – beim sogenannten Baby-led Weaning (kurz BLW), der vom Baby selbst geführten Einführung der Beikost.

Erst Muttermilch (oder Fläschchen), dann Brei und irgendwann im ersten Jahr dann endlich richtig was zum Beißen. Diese Ernährungsformel für Babys und Kleinkinder war lange allgemeingültig und wird auch heute oft noch so praktiziert. Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Wer aber Lust hat, beziehungsweise so wie ich ein Baby hat, dass ganz heiß auf Mamis und Papis Essen ist, kann das mit dem Brei auch überspringen und direkt mit Fingerfood einsteigen. Beim sogenannten Baby-led Weaning, was übersetzt so viel bedeutet wie "Baby geführte Entwöhnung", kurz BLW, darf euer Baby selbst bestimmen, wann es was probieren möchte. Und Selbstbestimmung finden Kinder immer gut – auch schon die ganz Kleinen!

Baby-led Waening als Revolution in der Kinderernährung?

Mit dem Ratgeber "Baby-led Weaning" von Gill Rapley und Tracey Murkett fing die kleine Ernährungsrevolution für Babys an. Dieser neue Ansatz wurde in vielen Familien die vom Baby bestimmte Beikost aber schon seit langem ohne Plan und ganz nebenbei praktiziert – nur hatte es keinen Namen. Vor allem wenn bei euch auch noch ein älteres Geschwisterchen mit am Familientisch sitzt, lässt sich BLW kaum verhindern. Denn bei Kindern ist es nun mal meist so, dass das Kleine will, was das Große isst. Und warum soll dann der Junior nicht auch mal probieren, wie ein Stückchen Brokkoli schmeckt?

Wer Baby-Led Weaning aber noch nicht kennt oder genauer wissen will, wie diese Methode funktioniert, für den haben wir hier alle Informationen auf einen Blick.

Wie funktioniert Baby-led Weaning?

Nichts einfacher als BLW! Euer Baby sitzt mit am Familientisch und darf selbst bestimmen, was es probieren möchte – natürlich nur für Babys geeignete Speisen mit wenig (besser ohne) Salz, Zucker oder Gewürze. Anfangs wird es nur mit dem Essen spielen, ein bisschen lutschen – satt wird es davon natürlich noch nicht werden. Deshalb ist nach wie vor wichtig zu stillen oder mit Milchnahrung zuzufüttern. Auch BLW ist nur Beikost!

Nach und nach wird euer Baby dann von selbst seine Milchmahlzeiten reduzieren. Richtig an den Familienmahlzeiten teilnehmen, kann euer Kind ab einem Jahr und älter. Aber auch dann reichen die gegessenen Mengen oft noch nicht aus, um auf Muttermilch oder Fläschchen zu verzichten. Im Gegensatz zur Brei-Beikost gibt es beim Baby-led Weaning, aber keinen konkreten Beikostplan. Bei BWL richtet sich alles individuell nach dem Interesse des Kindes.

 

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Unsere Erfahrungen mit Baby-led Weaning

Bei unserem ersten Kind haben wir ganz klassisch mit Brei angefangen – auch weil wir gar nicht wussten, dass es sowas wie Baby-led Weaning überhaupt gibt. Baby Nummer Zwei durfte dann selbst entscheiden, ob es Brei oder Fingerfood mag und die Wahl viel ganz eindeutig auf das Selberessen. Und ja, es ist eine große Schweinerei. Unsere Küche sieht nach vielen Mahlzeiten jetzt aus, als hätte sich ein irrer Actionskünstler ausgetobt. Spaß an BLW hat definitiv nur, wer keinen Angst vor Dreck auf Böden und an Wänden hat und wer herzhaft darüber lachen kann, wenn ihn oder sie eine Ladung Brokkoli voll ins Auge trifft.

Und noch zwei Tipps, die wir auf die harte Tour lernen mussten:

1. Das Kind erst nach dem Essen baden (das Essen landet wirklich überall, auch gerne in den Haaren) .

2. Reis und Nudeln erstmal auf dem Boden kleben lassen. Beides lässt sich viel leichter entfernen, nämlich einfach weg kehren, wenn es getrocknet ist.

Sauerei inklusive!

Ein wichtiger Punkt bei Baby-led Weaning: Es darf gemantscht und experimentiert werden! Und was das mit sich bringt, ist klar: Es wird eine kleine (vermutliche aber eher eine größere) Sauerei geben. Das Essen landet auf dem Boden, im Gesicht, in den Haaren, den Ohren und der Nase, der Kleidung und ganz oft auch auf euch (Stichwort "Erste Wurftechniken"). Da heißt es: so cool bleiben wie es eben geht!

Mit einem Lätzchen, einer abwaschbaren Unterlage und einer bunten oder transparenten Bodenschutzmatte unten drunter lässt sich das Chaos etwas eindämmen und hinterher leichter entfernen. Auch wichtig und praktisch: bruchsicheres Kindergeschirr mit Saugnapf aus Silkon. So kann das Kind den Teller nicht so einfach vom Tisch fegen (und das wird es versuchen!). Etwas mehr Arbeit und Sauerei als klassische Breifütterei macht BLW aber schon – dafür sorgt es aber auch für viele süße und witzige Momente, die das Experimentieren mit Essen so mit sich bringt.

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Wann sollte man mit BLW anfangen?

Die meisten Babys zeigen ungefähr ab dem sechsten Monat Interesse an Essen. Wenn euer Baby interessiert zu sieht, wie ihr euch Nahrung in den Mund schiebt und dabei selbst den Mund aufreißt oder gar versucht, nach eurem Essen zu schnappen, dann ist es bereit für Baby-Led Weaning. Ist euer Baby jünger als sechs Monate und zeigt noch keine Beikostreifezeichen, dann solltet ihr ihm noch kein Fingerfood in die Hand geben, da das Verdauungssystem noch nicht in der Lage ist, die Nährstoffe zu verwerten. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO rät, Babys bis zum sechsten Monat voll zu stillen oder ausschließlich mit Milchnahrung zu füttern und erst dann allmählich mit der Umstellung zu starten.

Was spricht für Baby-led Weaning?

Babys lieben es, Dinge selbst zu entdecken. Und sie lieben es, genau das zu machen, was die Großen am Tisch auch tun. Beim Füttern mit dem Löffel ist aber Mama oder Papa der Chef. Sie bestimmen, wann das nächste Löffelchen auf den kleinen Mund zugeflogen kommt. Und wenn die Hälfte wieder rauskommt, schauen sie manchmal leicht säuerlich. Außerdem fehlt das Haptische, das Anfassen, einer der wichtigsten Sinne eures Babys in diesem Alter. Dazu kommt: Die Erwachsenen essen ganz andere, viel spannendere Dinge. Für euer Baby ist es eine tolle sinnliche Erfahrung, zu lernen, wie unterschiedlich sich Nahrung im Mund und in den Händen anfühlt.

Charoline Bauer

Theorie und Praxis

Angeblich probieren Kinder bis etwa zum ersten Geburtstag nahezu alles – was ich persönlich allerdings nicht unbedingt bestätigen kann.

Erst im zweiten Lebensjahr werden sie – so die Theorie – langsam wählerisch. BLW ist also eine gute Chance, eurem Kind im ersten Lebensjahr interessante, wohlschmeckende und gesunde Nahrungsmittel kennenlernen zu lassen!

Was spricht gegen Baby-led Weaning?

Wenn Babys vom sechsten Monat an als kleine Selber-Esser mit am Familientisch sitzen, ist eines sicher: Ordentlich und gesittet geht es dabei nicht zu. Denn anfangs wird das meiste der Nahrung nur probiert und angematscht, aber nicht gegessen – und muss nach der Fingerfood-Party oft weggeschmissen werden.

Viele Eltern entscheiden sich auch für ein gemischtes Modell, bei dem es Brei und Fingerfood gibt. Am Ende müsst ihr einfach selbst entscheiden, was für euch und euer Baby am praktikabelsten ist. Manche Babys verschlucken sich leichter als andere und manche Eltern versetzt dies leichter in Panik als andere. Auch kann oder will sich nicht jeder die Zeit zum ständigen Putzen der Küche und des Kindes nehmen. Schaut also einfach wie es für euch als Familie am besten passt und lasst es euch dann schmecken, egal ob als BLW oder Brei.

Was kommt auf den Tisch?

Ganz so einfach wie Baby-Led Weaning klingt, ist es dann aber doch nicht. Denn nicht alle Speisen von euerem Tisch sind für euer Baby geeignet. Wir verraten euch, was ihr ohne Bedenken in den Mund eure Kindern wandern lassen dürft und von was euer Baby lieber die Patschhändchen lassen sollte:

Gut geeignet für den BLW-Start

  • Vorgegartes weiches Gemüse (z.B. Karotte, Zucchini, Pastinake, Kürbis)
  • Reife Apfel- oder Birnenschnitze (Tipp: du kannst auch Apfelschnitze kurz in die Mikrowelle legen, um sie weicher zu machen. Vorsicht, sehr heiß! Abkühlen lassen.)
  • Melonenstücke
  • Gekochte Kartoffelstücke
  • Weich gekochte Nudeln
  • Bananenstücke
  • Salatgurke (am Anfang besser nur das weiche Innere)
  • Trauben (geviertelt)
  • Babymais (angedrückt)
  • Zuckererbsen (angedrückt)
  • Blumenkohl- und Brokkoliröschen (vorgegart)
  • Spezielle Snacks für Babys

Nicht geeignet für den BLW-Start

  • Nüsse (erst ab dem vierten Lebensjahr!)
  • Gesalzene Speisen
  • Stark gewürzte Gerichte
  • Fertiggerichte
  • Aromatisierte und gewürzte Snacks
  • Räucherfleisch und Fisch
  • Gezuckerte Lebensmittel
  • Honig (erst ab dem 1. Geburtstag)

Verschluckt sich das Baby nicht?

Untersuchung haben gezeigt, dass die Gefahr des Verschluckens nicht größer ist, als wenn das Baby mit Brei gefüttert wird. Ob sich ein Kind leicht verschluckt, ist vom Kind abhängig. Wenn sich euer Kind superleicht verschluckt und beim Baby-Led Weaning nicht mehr aus dem Husten herauskommt, solltet ihr mit dem Fingerfood vielleicht noch etwas warten. Mir hat es viel Sicherheit gegeben, einen speziellen Erste-Hilfe-Kurs für Babys und Kinder zu besuchen, in dem man auch gelernt hat, auf solche Situationen zu reagieren.

Interessant! Bei Erwachsenen wird der Würgereiz ganz hinten auf der Zunge ausgelöst. Bei Babys liegt der Punkt des Würgereizes viel weiter vorne im Mund. Das heißt, ein Baby beginnt viel zu früher zu würgen – lange bevor die Gefahr besteht, dass sich ein Stück Nahrung vor der Speiseröhre querlegt. Durch den Würgereiz lernen Babys früh, sich nicht zu verschlucken. Manche Babys verschlucken sich natürlich dennoch, während andere beim BLW permanent am Würgen sind. In beiden Fällen würden wir mit dem Fingerfood noch etwas warten.

Muss ein Baby Zähne haben, um mit BLW zu beginnen?

Manches Baby hat mit sechs Monaten schon die ersten Beißerchen, andere wiederum noch nicht. Aber auch zahnlosen Babys könnt ihr schon Fingerfood in die Hand geben, wenn es Interesse daran zeigt. Es wird nicht mit den Zähnen, sondern mit dem Gaumen "kauen" – und das ist völlig in Ordnung. Wichtig ist nur, dass euer Baby bereits die Beikostreifezeichen zeigt, dann kann es mit oder ohne Zähne losgehen.

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