Baby-led Weaning: Fingerfood statt Babybrei!

Sauerei inklusive

Baby-led Weaning: Fingerfood statt Babybrei!

Füttern war gestern! Jetzt darf euer Baby selbst entscheiden, was es essen will  – beim sogenannten Baby-led Weaning (kurz BLW), der vom Baby selbst geführten Einführung der Beikost.

Baby-Led Weaning, kurz BLW, ist eine tolle Erfahrung für euer Kind und eine große Sauerei für euch.

Erst Muttermilch (oder Fläschchen), dann Brei und irgendwann im ersten Jahr dann endlich richtig was zum Beißen. Diese Ernährungsformel für Babys und Kleinkinder war lange allgemeingültig und wird auch heute oft noch so praktiziert. Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Wer aber Lust hat, beziehungsweise so wie ich ein Baby hat, dass ganz heiß auf Mamis und Papis Essen ist, kann das mit dem Brei auch überspringen und direkt mit Fingerfood einsteigen. Beim sogenannten Baby-led Weaning, was übersetzt so viel bedeutet wie "Baby geführte Entwöhnung", kurz BLW, darf euer Baby selbst bestimmen, wann es was probieren möchte. Und Selbstbestimmung finden Kinder immer gut  – auch schon die ganz Kleinen!

Baby-led Waening als Revolution in der Kinderernährung?

Mit dem Ratgeber "Baby-led Weaning" von Gill Rapley und Tracey Murkett, für 22 € z. B. über Amazon* fing die kleine Ernährungsrevolution für Babys an. Dieser neue Ansatz wurde in vielen Familien die vom Baby bestimmte Beikost aber schon seit langem ohne Plan und ganz nebenbei praktiziert  –  nur hatte es keinen Namen. Vor allem wenn bei euch auch noch ein älteres Geschwisterchen mit am Familientisch sitzt, lässt sich BLW kaum verhindern. Denn bei Kindern ist es nunmal meist so, dass das Kleine will, was das Große isst. Und warum soll dann der Junior nicht auch mal probieren, wie ein Stückchen Brokkoli schmeckt?

Wer Baby-Led Weaning aber noch nicht kennt oder genauer wissen will, wie diese Methode funtioniert, für den haben wir hier alle Infomartionen auf einen Blick:

Wie funktioniert Baby-led Weaning?

Nichts einfacher als das! Euer Baby sitzt mit am Familientisch und darf selbst bestimmen, was es probieren möchte  – natürlich nur für Babys geeignete Speisen mit wenig (besser ohne) Salz, Zucker oder Gewürze. Anfangs wird es nur mit dem Essen spielen, ein bisschen lutschen – satt wird es davon am Anfang natürlich noch nicht werden. Deshalb ist nach wie vor wichtig zu stillen oder mit Milchnahrung zuzufüttern. Auch BLW ist nur Beikost! Nach und nach wird euer Baby dann von selbst seine Milchmahlzeiten reduzieren. Richtig an den Familienmahlzeiten teilnehmen, kann euer Kind ab einem Jahr und älter. Aber auch dann reichen die gegessenen Mengen oft noch nicht aus, um auf Muttermilch oder Fläschchen zu verzichten.

Sauerei inklusive!

Ein wichtiger Punkt bei Baby-led Weaning: Es darf gemantscht und experimentiert werden! Und was das mit sich bringt, ist klar: Es wird eine kleine (vermutliche aber eher eine größere) Sauerei geben. Das Essen landet auf dem Boden, im Gesicht, in den Haaren, den Ohren und der Nase, der Kleidung und ganz oft auch auf euch (Stichwort "Erste Wurftechniken"). Da heißt es: cool bleiben! Mit einem Lätzchen, z. B. dem süßen dreier Set für 14 €*, einer abwaschbaren Unterlage auf dem Tisch, z. B. das lässig Little Monster Set für ca. 14 €* und einer bunten oder transparenten Bodenschutzmatte unten drunter, z. B. ab 25 €* lässt sich das Chaos etwas eindämmen und hinterher leichter entfernen. Auch wichtig: bruchsicheres Kindergeschirr, z. B. das süße Geschirrset Lalavi für ca. 20 €* Etwas mehr Arbeit und Sauerei als klassische Breifütterei macht BLW aber schon –  dafür sorgt es aber auch für viele süße und witzige Momente, die das Experimentieren mit Essen so mit sich bringt.

Wann sollte man mit BLW anfangen?

Die meisten Babys zeigen ungefähr ab dem sechsten Monat Interesse an Essen. Wenn euer Baby interessiert zu sieht, wie ihr euch Nahrung in den Mund schiebt und dabei selbst den Mund aufreißt oder gar versucht, nach eurem Essen zu schnappen, dann ist es bereit für Baby-Led Weaning. Ist euer Baby jünger als sechs Monate und zeigt noch keine Beikostreifezeichen, dann solltet ihr ihmnoch kein Fingerfood in die Hand geben, da das Verdauungssystem noch nicht in der Lage ist, die Nährstoffe zu verwerten. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO rät, Babys bis zum sechsten Monat voll zu stillen oder ausschließlich mit Milchnahrung zu füttern und erst dann allmählich mit der Umstellung zu starten.

Was spricht für Baby-led Weaning?

Babys lieben es, Dinge selbst zu entdecken. Und sie lieben es, genau das zu machen, was die Großen am Tisch auch tun. Beim Füttern mit dem Löffel ist aber Mama oder Papa der Chef. Sie bestimmen, wann das nächste Löffelchen auf den kleinen Mund zugeflogen kommt. Und wenn die Hälfte wieder rauskommt, schauen sie manchmal leicht säuerlich. Außerdem fehlt das haptisch, das Anfassen, einer der wichtigsten Sinne eures Babys in diesem Alter. Dazu kommt: Die Erwachsenen essen ganz andere, viel spannendere Dinge. Für euer Bab ist es eine tolle sinnliche Erfahrung, zu lernen, wie unterschiedlich sich Nahrung im Mund und in den Händen anfühlt.
Angeblich probieren Kinder bis etwa zum ersten Geburtstag nahezu alles – was ich persönlich allerdings nicht bestätigen kann –  erst im zweiten Lebensjahr werden sie langsam wählerisch. BLW ist also eine gute Chance, eurem Kind im ersten Lebensjahr interessante, wohlschmeckende und gesunde Nahrungsmittel kennenlernen zu lassen!

Babybrei Rezepte zum Nachkochen

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Was spricht gegen Baby-led Weaning?

Wenn Babys vom sechsten Monat an als kleine Selber-Esser mit am Familientisch sitzen, ist eines sicher: Ordentlich und gesittet geht es dabei nicht zu. Denn anfangs wird das meiste der Nahrung nur probiert und angematscht, aber nicht gegessen – und muss nach der Fingerfood-Party oft weggeschmissen werden.

Viele Eltern entscheiden sich auch für ein gemischtes Modell, bei dem es Brei und Fingerfood gibt. Am Ende muss müsst ihr einfach selbst entscheiden, was für euch und euer Baby am Prakitkabelsten ist. Manche Babys verschucken sich leichter als andere und manche Eltern versetzt dies leichter in Panik als andere. Auch kann oder will sich nicht jeder die Zeit zum ständigen Putzen der Küche und des Kindes nehmen. Schaut also einfach wie es für euch als Familie am besten passt und lasst es euch dann schmecken, egal ob als BLW oder Brei.

Fingerfood für Baby-Led Weaning: Frisches Obst und Gemüse in handgerechten Stücken.

Was kommt auf den Tisch?

Ganz so einfach wie Baby-Led weaning klingt, ist es dann aber doch nicht. Denn nicht alle Speisen von euerem Tisch sind für euer Baby geeignet. Wir verraten euch, was ihr ohne Bedenken in den Mund eure Kindern wandern lassen dürft und von was euer Baby lieber die Patschehändchen lassen sollte:

Gut geeignet für den BLW-Start:

  • Vorgegartes weiches Gemüse (z.B. Karotte, Kartoffel, Zucchini, Pastinake, Kürbis)
  • Reife Apfel- oder Birnenschnitze (Tipp: du kannst auch Apfelschnitze kurz in die Mikrowelle legen, um sie weicher zu machen)
  • Melonenstücke
  • Bananenstücke
  • Rohe Salatgurke
  • Trauben (halbiert)
  • Babymais
  • Zuckererbsten
  • Blumenkohl- und Brokkoliröschen (roh oder vorgegart)
  • Spezielle Snacks für Babys

Nicht geeignet für den BLW-Start:

  • Nüsse (erst ab dem dritten Lebensjahr!)
  • Gesalzene Speisen
  • Stark gewürzte Gerichte
  • Fertiggerichte
  • Aromatisierte und gewürzte Snacks
  • Räucherfleisch und Fisch
  • Gezuckerte Lebensmittel
  • Honig (erst ab dem ersten Lebensjahr)

Verschluckt sich das Baby nicht?

Untersuchung haben gezeigt, dass die Gefahr des Verschluckens ist nicht größer ist, als wenn das Baby mit Brei gefüttert wird. Ob sich ein Kind leicht verschluckt, ist von Kind zu Kind sehr unterschiedlich. Wenn sich euer Kind superleicht verschluckt und beim Baby-Led Weaning nich mehr aus dem Husten herauskommt, solltet ihr mit dem Fingerfood vielleicht nocht etwas warten. Mir hat es viel Sicherheit gegeben, einen speziellen Erste-Hilfe-Kurs für Babys und Kinder zu besuchen, in dem man auch gelernt hat, auf solche Situationen zu reagieren.
Interessant: Bei Erwachsenen wird der Würgereiz ganz hinten auf der Zunge ausgelöst. Bei Babys liegt der Punkt des Würgereizes viel weiter vorne im Mund. Das heißt, ein Baby beginnt viel zu früher zu würgen – lange bevor die Gefahr besteht, dass sich ein Stück Nahrung vor der Speiseröhre querlegt. Durch den Würgereiz lernen Babys früh, sich nicht zu verschlucken. Manche Babys verschlucken sich natürlich dennoch, während andere beim BLW permanent am Würgen sind. In beiden Fällen würden wir mit dem Fingerfood noch etwas warten.

Muss ein Baby Zähne haben, um mit BLW zu beginnen?

Manches Baby hat mit sechs Monaten schon die ersten Beißerchen, andere wiederum noch nicht. Aber auch zahnlosen Babys könnt ihr schon Fingerfood in die Hand geben, wenn es Interesse daran zeigt. Es wird nicht mit den Zähnen, sondern mit dem Gaumen "kauen" – und das ist völlig in Ordnung. Wichtig ist nur, dass euer Baby bereits die Beikostreifezeichen zeigt, dann kann es mit oder ohne Zähne losgehen.

Weitere Buchtipps zum Thema Baby-led Weaning

Baby-led Weaning - Das Grundlagenbuch: Der stressfreie Beikostweg von Gill Rapley und Tracey Murkett für 22 €*

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Bildquelle: Getty Images

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