Die lange Liste der Mütterfehler

Du machst alles, aber auch alles total verkehrt: Willkommen in der Welt der Mütter. Hier gibt es kein "richtig" sondern nur Verfehlungen - zumindest wenn du die anderen fragst. Aber wo ist denn die Müttersolidarität geblieben?  #insidemom 


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Du wickelst Dein Kind mit Einmalwindeln? Ganz verkehrt. Gläschenkost? Oje. Du stillst noch nach zwei Jahren? Das ist doch nicht normal. Du gibst Fläschchenkost? Auch nicht gut. Plastikspielzeug? Das arme Kind. Holzspielzeug? Viel zu öko. Das Kind sitzt vorwärts im Auto? Falsch. Rückwärts? Auch falsch. Es geht nicht ins Babyschwimmen? Warum nicht? Du willst wieder arbeiten? Bist Du etwa eine Karrieremutter? Du willst daheim bleiben? Gehörst Du etwa zur Gluckenfraktion?

Du machst alles falsch!


Merkst Du es eigentlich nicht? Du machst alles, aber auch alles total verkehrt – willkommen in der Welt der Mütter. Es gilt vermutlich für jeden Menschen, aber für Mamas ganz besonders – wir wollen doch eigentlich alles richtig machen. Ich schließe mich da nicht aus. Spätestens als ich den zweiten positiven Schwangerschaftstest in den Händen hatte (wer glaubt schon dem ersten), wusste ich: Da ist noch ein kleines Lebewesen, für das ich jetzt verantwortlich bin. Das kleine Lebewesen, Hannah, ist heute fast drei Jahre alt. Und ich habe, was meine guten Vorsätze angeht, längst eines begriffen: Richtig gibt es nicht. Oder doch? Aber eben nur bei anderen Müttern.


„Denn perfiderweise sind die größten Kritiker an unseren Entscheidungen wir Mütter untereinander. Wir könnten uns den Rücken stärken, könnten einander zuhören, voneinander lernen und uns vor allem gegenseitig Mut machen und die andere auf ihrem Weg bestärken, auch wenn er nicht der unsrige ist. Stattdessen lästern wir ....”

von Nicole Leukhardt

Denn es ist völlig egal, ob Du stillst oder nicht, ob Dein Kind mit den Fingern isst oder Brei gefüttert bekommt, ob es im Auto vorwärts oder rückwärts fährt, Holz- oder Plastikspielzeug ansabbert: Wenn Du drei Mütter fragst, was sie für richtig halten, wirst Du drei unterschiedliche Antworten bekommen. Meistens bekommst Du sie sogar, ohne dass Du gefragt hast. Jede natürlich mit Brief, Siegel und Wahrheitsgarantie.

Das macht die Liste an potenziellen Mütterfehlern unendlich lang und Du kannst Dir die aussuchen, die Dir am besten gefallen. Hast Du Dich also für einen Erziehungsstil, für Windeln und für die richtige Ernährung entschieden, solltest Du das auf keinen Fall für Dich behalten: Der Sandkastenrand oder der Krabbelgruppenteppich bieten optimalen Nährboden für Mütterweisheiten und sind gleichzeitig eine beliebte Tauschbörse für grobe Erziehungsschnitzer.

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Der Vergleich mir anderen Müttern. Die Angst nicht zu genügen. Ja, die Müttermafia gibt es - doch anders als es Mareike gedacht hat. #insidemom


Müttertratsch statt Müttersolidarität

Wer noch warum stillt oder warum nicht mehr, wer das Kind bis zur Kindergartenpforte begluckt und wer mit seinem Teilzeitjob die eigene Karriere über das Kindswohl stellt, wessen Spross im Elternbett schlafen darf, warum das gut oder schlecht ist und wer tatsächlich noch ein viertes Kind plant – Müttertratsch ist oft harmlos, aber manchmal auch befeuert von Neid, Unsicherheit und fehlenden Informationen. Denn perfiderweise sind die größten Kritiker an unseren Entscheidungen wir Mütter untereinander. Wir könnten uns den Rücken stärken, könnten einander zuhören, voneinander lernen und uns vor allem gegenseitig Mut machen und die andere auf ihrem Weg bestärken, auch wenn er nicht der unsrige ist. Stattdessen lästern wir über arbeitende Mütter, Helikoptermütter, Stillmütter, Zufüttermütter, Öko- und Plastikmütter und eigentlich über jede, die etwas grundlegend anders macht, als wir selbst. Also falsch.

Ich habe mittlerweile gelernt, die Ohren auf Durchzug zu schalten, wenn mir eine andere Mutter ihre Wahrheit erklärt. Werde ich um Rat gefragt, versuche ich möglichst wertfrei zu erzählen, was bei uns gut funktioniert. Ohne Anspruch auf Patentlösung. Denn wenn ich in den knapp drei Jahren Mamasein eines gelernt habe, dann das: Richtige Erziehung ist eine Utopie und der nächste Fehler ist nur ein Feuchttuch entfernt.



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Hier schreibt: Nicole Leukhardt


Mein Name ist Nicole, ich bin 35 Jahre alt und lebe mit meinem Mann und meiner Tochter auf der Schwäbischen Alb. Ich bin Redakteurin und Bloggerin und erzähle auf www.dailydress.de Buntes, Bewegendes und manchmal auch Absurdes aus dem Alltag unserer kleinen Familie.

Eine gute Mutter zu sein, bedeutet nicht, perfekt zu sein – dafür steht die Aktion #insidemom. Ich kann das nur ganz dick unterstreichen und bin deswegen gerne ein Teil des Projekts.

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Das Ziel? Ein buntes Mosaik von Gedanken, Erfahrungen, Erlebnissen und Standpunkten. Jede Erfahrung am Mutter sein, jedes Thema ist willkommen und steht für sich selbst. Steht stellvertretend für einen Weg. Ohne Vergleiche und ohne Wertung.



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