Stress bei Kindern: Symptome, Ursachen und Hilfe

Zeitdruck, Erwartungsdruck, Leistungsdruck. Das sind die zentralen Faktoren, die Kinder unter Stress setzen. Mit körperlichen und psychischen Folgen.


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden


Woher kommt der Stress? Ursachen bei Kindern


Wenig freie Zeit ohne "Verpflichtungen", Termindruck und der Wunsch, die Erwartungen der Eltern immer zu erfüllen, das sind nach der Stress-Studie 2015* die wichtigsten Ursachen für ein hohes Stresslevel bei Kindern. Eltern nehmen den Stress des Sprösslings oft nicht als solchen wahr. Nur 20 Prozent der Eltern von Kindern mit hohen Stresslevel befürchten, ihr Kind eventuell zu überfordern. Professor Dr. Holger Ziegler von der Uni Bielefeld zieht nach der Studie ein trauriges Fazit: "Der insgesamt bedeutsamste Faktor für kindlichen Stress dürfte auf Leistung und mehr noch auf Erfolg orientierte Erziehungspraxis sein." Was nicht automatisch heißt, dass Eltern an allem "schuld" sind. Schulischer Leistungsdruck, mediale Reizüberflutung und vieles mehr tun ihr Übriges, aus gelegentlichen Belastungssituationen Dauerstress zu machen. Und der ist ungesund.
Was passiert bei Stress im Körper?

Der Körper produziert bei Stress verstärkt die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin, die sich über das Blut im ganzen Körper verteilen. Das bewirkt einen schnelleren Herzschlag und eine erhöhte Aufmerksamkeit, der ganze Körper wird in Alarmbereitschaft versetzt und ist bereit, Höchstleitungen zu erbringen. Die Muskeln spannen sich an, der Atem geht schneller. Der Körper verteilt außerdem seine Flüssigkeit anders: Man merkt es an feuchten Händen und einem trockenen Mund. Folgt nach der Anspannung eine Erholungsphase, wird die Energie wieder abgebaut und der Körper ist im Gleichgewicht. "Unser Körper ist auf Anspannung und Entspannung programmiert", erklärt Diplom-Psychologin Heike Oberlack-Nieß. „Bei ständiger Anspannung ohne Entspannung entstehen Stress-Symptome.“

 Psychotest Wie gestresst ist mein Kind?

Leidet Ihr Kind unter Stress? Wie geht es damit um? Machen Sie unseren Expertentest.


Körperliche und psychische Stress-Symptome


Stress bei Kindern- Was tun?

Mädchen neigen bei Stress zu Verschlossenheit


© Thinkstock
"Die häufigsten Stress-Symptome sind Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Gereiztheit und eine verringerte Fähigkeit, mit Niederlagen umzugehen“, erklärt Prof. Michael Schulte-Markwort, Leiter der Kinder- und Jugendpsychosomatik am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf.

Und körperlich? Herzklopfen, Verspannungen, Unruhe und ein trockener Mund können Symptome von Stress sein. Der Körper zeigt es, wenn er sich auf "Alarmstufe Stress" einstellt. Kann er sich danach entspannen, ist das kein Problem. "Stress ist eine biologische Fluchtreaktion des Körpers“, so Schulte-Markwort.

Dabei gilt: Je kleiner das Kind, desto körperlicher reagiert es auf Stress, also etwa mit Bauch- und Kopfschmerzen. Später kommen ein erhöhter Angstpegel und Anspannung bis zur Depression hinzu, wobei Mädchen sich eher verschließen und Jungen zur Agressivität neigen.
Was tun gegen den Stress?
Ein Patentrezept gibt es - wie so oft - leider nicht. Wenn Sie vermuten, dass Ihr Kind gestresst ist, forschen Sie nach den Ursachen. Selbstkritisch, aber ohne sich an allem die Schuld zu geben. Denn meistens sind es verschiedene Faktoren, die im Zusammenspiel den Stresspegel bei Kindern in die Höhe treiben. Wir haben ein paar grundlegende Fragen & Tipps zusammengetragen:

➤ Entschleunigung heißt das Zauberwort. Schauen Sie sich den "Terminplan" Ihres Kindes kritisch an: Ist er zu voll? Hat Ihr Kind genügend freie Zeit, um sich vielleicht auch mal zu langweilen?

➤ Wie sieht es in Umfeld aus: Gibt es Schulprobleme, Schul- und Versagensangst? Fragen Sie im Zweifel bei Lehrern und Erziehern nach.

➤ Hinterfragen Sie sich selbst: Wie gehen SIE mit Stress um? Gibt es im Alltag viel Hektik, Streit oder gar ernstere finanzielle Probleme?

➤ Ruhe und Rituale: ausreichend Schlaf, feste Rituale wie z.B. gemeinsame Mahlzeiten, Vorlesen beim Zubett-Gehen etc. schaffen einen Rahmen, der Kinder Orientierung bietet.

➤ Hilfreich können auch Antistress-Coachings und das Lernen von Entspannungstechniken sein, wie sind von vielen Krankenkassen angeboten werden. Das Ziel: Kinder lernen, mit Belastungen umzugehen und sie zu "managen". Fragen Sie gezielt bei Ihrer Krankenkasse danach.
 

 Psychotest Bin ich gestresst?

Ruhen Sie in sich selbst,oder sind Sie der Typ, der immerzu etwas tun muss und nie zur Ruhe kommt? Der Test verrät es ...



* Burn-Out im Kinderzimmer: Wie gestresst sind Kinder und Jugendliche in Deutschland?“ Eine Studie der Bepanthen-Kinderförderung in Zusammenarbeit mit der Universität Bielefeld



mehr zum Thema
Erziehung Entwicklung Psychologie kontrovers
Artikel kommentieren
Login