Samenzellen einfrieren: Die wichtigsten Fakten zur Kryokonservierung

Samenzellen einfrieren zu lassen ist für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch ein wichtiges Backup. Auch Eizellen lassen sich schockfrosten. Die wichtigsten Fakten zur Kryokonservierung.


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Krykonservierung: Samenzellen einfrieren


© iStock
Im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung besteht die Möglichkeit Samenzellen einfrieren zu lassen. Da häufig mehrere Behandlungszyklen notwendig sind, bevor die Maßnahmen (Leibes-)Früchte tragen, ist die sogenannte Kryokonservierung von Samenzellen oder von Eizellen ein entscheidender Schritt zum Wunschkind. Je nachdem, welche Behandlung für ein Paar in Frage kommt, werden die Samenzellen eingefroren oder bereits befruchtete Eizellen. Letzteres ist vor allem bei einer ICSI sinnvoll. Auch nach einer TESE oder MESA werden die Samenzellen häufig eingefroren. Denn so können Frau ebenso wie Mann eine erneute Hormonbehandlung sowie der operative Eingriff zur Entnahme der Samen- bzw. Eizellen erspart bleiben.

Neben der Unfruchtbarkeit, gibt es natürlich noch andere Gründe, warum Keimzellen kryokonserviert werden. Häufig ist zum Beispiel eine Krebserkrankung  und die bevorstehende Chemotherapie der Anlass. Die starken Medikamente können die reproduktiven Zellen schädigen und die Fruchtbarkeit damit stören. Nach Absprache mit dem behandelnden Onkologen wird gegebenenfalls dazu geraten, noch vor Beginn der Therapie Spermien oder Eizellen als Sicherheit einzufrieren.

Ein Risiko besteht immer

Welche Auswirkungen die Kältestarre für die Keimzellen hat, das kann derzeit keine Studie eindeutig sagen. So gibt es durchaus Forschungsergebnisse, die belegen, dass die Keimzellen durch das Einfrieren einen gewissen Qualitätsverlust davontragen. Doch ebenso gibt es Ergebnisse die zeigen, dass auch nach einer künstlichen Befruchtung durch kryokonservierte Keimzellen das Missbildungsrisiko des Embryos nicht erhöht ist und auch kein größeres Fehlgeburtenrisiko besteht. Erst jüngst (Aug. 2016) stellten chinesische Wissenschaftler dazu ihre Forschung vor, nach der die Baby-Take-Home-Rate nach einer künstlichen Befruchtung mit tiefgefrorenen Embryonen sogar höher ist als mit „frischen“.  Und sieht man die positiven Bilanzen der Kinderwunschkliniken, so kann das einen durchaus optimistisch stimmen. Dennoch gibt es keine stichfesten Langzeitstudien, die alle Zweifel eindeutig aus dem Weg räumen könnten. Hinzu kommen schwierige ethische Fragen, über die viel diskutiert wird und die Sie sich natürlich auch stellen sollten. Die Entscheidung, ob Sie Keimzellen einfrieren lassen, sollte also wohl überlegt sein. Zumal die Lagerung nicht billig ist und Sie dafür auch keinen Anspruch auf einen Unterstützung durch die Krankenkassen haben. Diese zahlen nur für die künstliche Befruchtung an sich. Weitere Details zu der Kostenübernahme für die künstliche Befruchtung lesen Sie hier ➤ Kinderwunschbehandlung: Die Kosten
So funktioniert die Kryokonservierung  
Eine Kryokonservierung von Körperzellen ist im Grunde recht simpel. Ei – oder Samenzellen werden auf bis zu -196 Grad Celsius herunter gekühlt und dann in flüssigem Stickstoff gelagert. Durch dieses Schockfrosten sterben die Zellen aber nicht ab. Sie stellen nur ihren Stoffwechsel ein. Werden sie wieder aufgetaut, dann kehren auch die Vitalfunktionen zurück.

Eizellen dürfen in Deutschland nur im sogenannten Vorkernstadium eingefroren werden. Das bedeutet, dass die Samenzelle zwar schon in die Eizelle eingedrungen ist, die Erbanlagen aber noch nicht verschmolzen sind. Das ist im Embryonenschutzgesetz so vorgeschrieben. In anderen Ländern, zum Beispiel in den USA, darf die befruchtete Eizellen länger reifen, um zu sehen, wie sich der Embryo entwickelt. Nur wenn er überlebensfähig ist, wird er der Frau eingesetzt. Ein Vorgehen, das nach wie vor scharf kritisiert wird.

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Ein Ziel, verschiedene Methoden: Welche Behandlung wann sinnvoll ist, wie viel sie kostet und welche Risiken es gibt.


Sociel Freezing - freiwilliger Winterschlaf für die Eizellen

Seit den letzten Jahren immer wieder in der Diskussion: Social Freezing. Dafür lassen jungen Frauen ihre Eizellen freiwillig einfrieren und konservieren. So soll jederzeit eine Schwangerschaft mit einer jugendlichen Eizelle möglich sein. Und damit sollen eben typische Fruchtbarkeitsprobleme künstlich umgangen werden. Das heißt, fernab von der Kryokonservierung im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung, ist das auch ohne akuten Kinderwunsch möglich. Doch an dieser Stelle sei erwähnt, dass die Überlebensrate nach dem Auftauen bei unbefruchteten Eizellen niedriger ist, als bei befruchteten Eizellen. Allerdings konnte diese Rate durch ein gesondertes Verfahren des Tiefkühlens, die sogenannte Vitrifikation, verbessert werden. Dabei wird die Eizelle noch schneller auf die -196 Grad Celsius herunter gekühlt. Trotzdem: Die ultimative Lösung ist Social Freezing also nicht. Bedenkt man zudem, dass eine Schwangerschaft in jungen Jahren grundsätzlich immer problemloser verläuft als in den Dreißigern bzw. in den Vierzigern.

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