ICSI Behandlung und Kosten: So läuft die künstliche Befruchtung ab

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ICSI Behandlung und Kosten: So läuft die künstliche Befruchtung ab

Eine ICSI Behandlung kann als künstliche Befruchtung vor allem in Frage kommen, wenn die mögliche Ursache des unerfüllten Kinderwunsches nachweislich beim Mann liegt. Hier bekommt ihr einen Überblick zum Ablauf der Behandlung und Informationen zu den Erfolgschancen und Kosten.

Das versteht man unter ICSI Behandlung

ICSI steht für intracytoplasmatische Spermieninjektion und wird von allen Arten der künstlichen Befruchtung am häufigsten angewendet. Bei dieser Methode wird ein einzelnes Spermium mittels feiner Pinzette bzw. Hohlnadel direkt in das Innere der vorher entnommenen Eizelle übertragen. Dabei handelt es sich um die künstliche Nachahmung des natürlichen Eindringens von männlichem Samen in die weibliche Eizelle. Dies geschieht außerhalb des Körpers unter dem Mikroskop.

Die Zahlen von Paaren, die sich für eine künstliche Befruchtung entscheiden, nehmen von Jahr zu Jahr zu. Zwischen den Jahren 1997 und 2014 wurden 250.000 Kinder nach einer Befruchtung außerhalb des Körpers geboren. Allein im Jahr 2015 waren es sogar rund 20.000 Kinder, die nach einer IVF, ICSI und Auftauzyklen von befruchteten Eizellen geboren wurden.

Für diese Paare eignet sich die ICSI

Um herauszufinden, für welche Paare welche Art der künstlichen Befruchtung in Frage kommt, sind eine Reihe von Voruntersuchungen notwendig. Daher sollte man so früh wie möglich mit dem eigenen Gynäkologen über die Kinderwunschsituation sprechen und sich an eine spezielle Klinik oder Praxis für Reproduktionsmedizin wenden. Durch die immer höher werdende Zahl von Patienten mit unerfülltem Kinderwunsch sind Termine in diesen Praxen rar und oft für Wochen oder Monate ausgebucht.

Diese Paare kommen in Frage, wenn:

  • die Fruchtbarkeit des Mannes eingeschränkt ist und nur sehr wenige bis keine oder träge Spermien in der Samenflüssigkeit des Mannes vorhanden sind
  • die Frau einen regelmäßigen Monatszyklus mit Eisprung hat (Frauen mit Endometriose kommen selten in Frage)
  • die Ursache für den unerfüllten Kinderwunsch unklar ist
  • beide Partner eine Fruchtbarkeitsstörung haben
  • beide Partner bereits älter sind

Bevor der Kinderwunscharzt eine ICSI überhaupt vorschlägt, müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein, ohne die eine solche Behandlung nicht möglich ist.

Voraussetzungen für eine ICSI Behandlung:

  • Das Alter der Frau muss zwischen 25 und 40 Jahren liegen. Das des Mannes zwischen 25 und 50 Jahren.
  • Der HIV-Test beider Partner muss negativ sein.
  • Das Paar sollte verheiratet sein oder in einer festen Partnerschaft leben. Ersteres ist für die Finanzierung über die Krankenkasse ausschlaggebend.
  • Eine IVF hat keine Aussicht auf Erfolg oder war nicht erfolgreich.

Kann ein lesbisches Paar eine ICSI durchführen lassen?

Leider ist es in Deutschland noch immer nicht einfach, als lesbisches Paar eine künstliche Befruchtung durchführen zu lassen. Ursache sind die bisher noch lückenhaften gesetzlichen Grundlagen, die es Ärzten schwer machen, eine Befruchtung mittels Samenspende durchzuführen. Ihr solltet euch genau informieren, in welchen Bundesländern dies möglich ist. Viele Reproduktionsmediziner dürfen lesbische Paare aus ethischen Gründen ablehnen. Auch die Finanzierung einer solchen künstlichen Befruchtung mittels anonymer Samenspende gestaltet sich in Deutschland schwierig. Daher begeben sich viele lesbische Paare ins Ausland, wenn sie das nötige Geld zur Finanzierung haben. Weitere Informationen findet ihr zu diesem Thema beim Portal Fertila.

ICSI Behandlung Kosten Risiken Erfolgschancen
Eine ICSI dauert mehrere Wochen und orientiert sich am Zyklus der Frau.

Der Ablauf einer ICSI-Behandlung

1. Voruntersuchungen und Spermiogramm

Ein solcher Prozess beginnt mit einigen Voruntersuchungen und der Blutabnahme bei Mann und Frau, um HIV auszuschließen. Der Mann kann vor der Behandlung bereits ein Spermiogramm bei einem Andrologen durchführen lassen, das Aufschluss über die Spermienqualität gibt. Ihr erhaltet dafür von eurem Gynäkologen oder dem Kinderwunscharzt eine Überweisung.

2. Hormonelle Stimulation zur Eizellgewinnung

Zu Beginn müssen die weiblichen Eierstöcke hormonell stimuliert werden, damit genügend Eizellen zur Entnahme gewonnen werden können. Dazu bekommt die Frau Hormonspritzen, die sie sich an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen setzen muss. Je nach Patientin werden ebenfalls noch geeignete Schildrüsenhormone oder Eisenpräparate in Tablettenform verschrieben. Das hängt von den sonstigen Werten ab, die der Arzt durch ständige Blutabnahme regelmäßig im Blick hat.

3. Eizellentnahme und Samenprobe

Zur Überprüfung, ob genügend Eizellen vorhanden sind, wird die Patientin regelmäßig zum Ultraschall gebeten. Sind nach einiger Zeit genügen Eibläschen vorhanden und die Hormonspritzen wurden gut vertragen, wird der Eisprung durch eine spezielle Hormonspritze ausgelöst. Nach zwei weiteren Tagen erfolgt die Entnahme der Eizellen durch die Scheide, bei der die Patientin unter leichte Narkose gesetzt wird. Im Normalfall entstehen bei der sogenannten Punktion keine Schmerzen.

Am selben Tag der Punktion wird der Mann aufgefordert eine frische Samenprobe abzugeben. Diese wird untersucht und der Reproduktionsmediziner wählt geeignete Samenzellen unter dem Mikroskop aus. Sollten im Ejakulat keine geeigneten Samen vorhanden sein, gibt es Methoden, um diese zu gewinnen und bis zum Tag der Injektion einzufrieren („Kryokonservierung“).

4. Spermieninjektion im Labor und Brutzeit der Eizellen

Nach der Eizellgewinnung erfolgt die Injektion der frischen oder aufgetauten Samen in die Eizelle. Nun heißt es warten: Im Brutschrank zeigt sich nach zwei bis vier Tagen, ob die Befruchtung erfolgreich war und die Eizelle gut weiter entwickelt. Der Arzt teil dem Paar mit, wie viele erfolgreich befruchtete Eizellen gewonnen werden konnten und es wird besprochen, wie viele am Tag des Transfers eingesetzt werden sollen. Der Arzt gibt meist eine persönliche Empfehlung über die Zahl der einzusetzenden Eizellen und informiert über das Risiko für eine Mehrlingsschwangerschaft. Es ist möglich auch drei oder vier Eizellen einzusetzen, eine höhere Anzahl ist aus gesundheitlichen Gründen meist ausgeschlossen. Die Entscheidung über die Anzahl liegt jedoch bei den Eltern.

5. Kryokonservierung

Durch den Prozess der Kryokonservierung ist es möglich, überzählige gewonnene Eizellen über Jahre einzufrieren. So könnt ihr euch später entscheiden, ob ihr sie für weitere Versuche oder bei Erfolg auch für eine weiteren Kinderwunsch wieder einsetzen lassen wollt. Für die Lagerung fallen natürlich entsprechende Kosten an.

6. ICSI-Transfer des Embryos

Nach einem weiteren Ultraschall gibt der behandelnde Arzt einen geeigneten Tag für den Eizelltransfer an. Dieser richtet sich nach dem Zyklus der Frau. Am Transfertag wird über die Scheide schmerzfrei und bei vollem Bewusstsein lokal die Eizelle an die richtige Stelle in der Gebärmutter gesetzt. Das Paar kann diesen emotionalen Moment am Monitor mitverfolgen.

Jetzt heißt es warten. Nach drei bis fünf Wochen kann der Kinderwunscharzt via Bluttest feststellen, ob sich die befruchtete Eizelle erfolgreich eingenistet hat und eine Schwangerschaft besteht. Sollte der erste Schwangerschaftstest negativ sein, kann nach einer gewissen Wartezeit ein erneuter Versuch des Transfers stattfinden.

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Risiken und Erfolgschancen

Der Erfolg einer ICSI hängt wie bei einer normalen Schwangerschaft von vielen Faktoren ab. Zunächst auch vom Alter und körperlichen Zustand der Mutter. Daher gibt es nie eine Garantie auf Erfolg. Eine Schwangerschaft stellt sich meist bei ca. 20-25 % der Frauen ein. Diese Werte unterscheiden sich jedoch nicht von der Wahrscheinlichkeit einer natürlichen Schwangerschaft. Beim Einsetzen von mehr als einer Eizelle ist die Chance jedoch größer, dass es klappt (bis zu 60 %). Daher kommt es bei der künstlichen Befruchtung häufiger zu Zwillingsschwangerschaften. Man sollte sich vorher daher darüber im Klaren sein, dass dieser Fall eintreffen kann.

Vieles hängt zunächst von erfolgreich befruchteten Eizellen ab. Im Schnitt kommt es bei ca. 70 % zu einer Befruchtung. Wie viele Eizellen man gewinnen kann, ist von Patientin zu Patientin individuell. In manchen Fällen kann es zu einer Überstimulation kommen, die auch einige unangenehme Folgen mit sich bringt. Hier entscheidet der Arzt, ob und wann eine erneute Eizellstimulation erfolgen kann.

Psychische und physische Auswirkungen

Die Prozedur der Hormonbehandlung sowie die Eizellgewinnung bringen natürlich auch einige psychische und physische Risiken mit sich. Nicht jede Frau verträgt die Hormonspritzen gleich gut bzw. kann es zu Nebenwirkungen kommen. In diesem Fall wird der Arzt die Behandlung anpassen. Emotional durchlebt eine Frau eine sehr sensible Zeit und es benötigt einen einfühlsamen Partner oder Partnerin, die sie begleiten. Entscheidet man sich für mehrere Transferversuche, weil keine Schwangerschaft eintritt, ist dies auch eine Belastung für die Beziehung des Paares. Daher bieten viele Kinderwunschpraxen auch psychische Begleitung an oder ihr tauscht euch in Kinderwunschforen mit anderen Paaren aus. Mit diesen Erlebnissen und Erfahrungen seid ihr definitiv nicht allein!

Kosten einer ICSI Behandlung

Einen pauschalen Betrag, was eine ICSI genau kostet, kann man nicht nennen. Die Kosten einer künstlichen Befruchtung belaufen sich insgesamt auf mehrere tausend Euro und hängen von der Zahl der Einzeltransfere und dem Lagerungszeitraum der Eizellen ab.

Es fallen Kosten an für:

  • Medikamente (Tabletten und Hormonspritzen)
  • Spermaaufbereitung
  • Kryokonservierung
  • Kryotransfer
  • Narkose
  • Lagerung der Eizellen

Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland übernehmen 50 % der Kosten. Dies gilt für die ersten drei Versuche, wenn das Paar verheiratet ist und beide bei der gleichen Krankenkasse Mitglied sind. Vor der tatsächlichen Behandlung bekommt man vom Kinderwunscharzt einen Antrag auf Behandlung, der bei der Krankenkasse einzureichen ist. Der Arzt sichert sich zudem über seine Kosten durch einen Behandlungsvertrag ab, den ihr unterzeichnen müsst. Erst nach Freigabe der Finanzierung durch die Krankenkasse, kann der ICSI-Prozess beginnen. Nach dem Transfer müsst ihr die Kosten zunächst privat begleichen. Diese Rechnungen sowie Nachweise für alle Medikamente reicht ihr dann bei der Krankenkasse ein und bekommt euren gesetzlichen Anteil sowie den jeweiligen Zuschuss zurückerstattet.

Katja Nauck
Das sagtKatja Nauck:

So verlief meine ICSI

Ich selbst bin Mutter einer kleinen Tochter, die ich dank erfolgreicher ICSI bekommen habe. Glücklicherweise war bei uns lediglich ein Versuch ausreichend und ich wurde sofort schwanger. Das war eine wahnsinnig tolle Neuigkeit, denn ich hätte nie damit gerechnet, dass es auf Anhieb klappt. Denn ich weiß aus dem Freundeskreis, wie anstrengend der Weg bis zur Schwangerschaft nach einer künstlichen Befruchtung auch sein kann. Manchmal klappt es auch gar nicht. Da diese Zeit des Wartens, Hoffens und Versuchens sehr anstrengend sein kann, möchte ich euch sagen: Sprecht vorher darüber, was passiert, wenn es nicht klappt. Habt ihr die Nerven, weitere Maßnahmen einzuleiten und habt ihr die nötigen Kosten? Man kann vorher nie wissen, was passiert und sollte immer voller Hoffnung sein. Doch es ist wichtig, einmal darüber zu sprechen, wie man damit umgeht, wenn mehrere Versuche scheitern sollten. Insgesamt hab ich meine ICSI als angenehm erlebt, da ich die Hormone gut vertragen habe und es keine Komplikationen gab. Wichtig ist, dass ihr euch eine Praxis und einen Arzt heraussucht, in der ihr euch wohlfühlt und man genau auf eure Wünsche eingeht. Sprecht auch vorher mit eurer Krankenkasse über die Finanzierung und fragt den Arzt ruhig konkret nach den Kosten. Dann seid ihr besser vorbereitet und stürzt euch nicht in die finanzielle Unsicherheit. Ich wünsche euch allen viel Kraft, Ruhe und viel Glück!

Bildquelle: Getty Images/Irina Shatilova/Anna Derzhina

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