Künstliche Befruchtung: Wer übernimmt die Kosten?

Nachgehakt!

Künstliche Befruchtung: Wer übernimmt die Kosten?

“Kinder sind teuer”: Diese Floskel bekommt in Hinblick auf künstliche Befruchtung einen ganz neuen Beigeschmack. Denn mit medizinischer Hilfe schwanger zu werden, kann ganz schön kostenintensiv sein. 

Ein Paar hat den wunderbaren Entschluss gefasst, ein Baby zu bekommen. In ihren Köpfen sehen sie sich schon das Kinderzimmer einrichten, mit dem Nachwuchs auf dem Spielplatz spielen oder als Familie gemeinsam beim täglichen Abendbrot. Doch die Monate verstreichen und trotz regelmäßigem Sex bleibt der Schwangerschaftstest negativ. Diese Geschichte wird tatsächlich einigen Paaren mit Kinderwunsch bekannt vorkommen. Etwa jedes siebte Paar in Deutschland hofft vergeblich auf Nachwuchs. Die Gründe, wieso es mit dem Schwangerwerden einfach nicht klappen will, sind sehr vielfältig. Neben psychischen Faktoren wie Stress können auch hormonelle Störungen die Ursache sein, die mit Medikamenten behandelt werden können. Doch häufig sind die Ursachen körperlich und Paare sind bei der Erfüllung ihres Kinderwunschs auf medizinische Hilfe angewiesen. Mittlerweile gibt es eine Menge Kinderwunschbehandlungen, die sehr erfolgversprechend sind.

So entscheiden sich viele Paare nach Monaten bzw. Jahren des vergeblichen Versuchs, ein Kind zu zeugen, und natürlich auch nach Untersuchungen und Rücksprachen mit einer Ärztin oder einem Arzt, für eine künstliche Befruchtung. Vorausgesetzt, sie können es sich leisten, schließlich sind Kinderwunschbehandlungen sehr kostenintensiv. Sind jedoch bestimmte Voraussetzungen erfüllt, stehen die Chancen gut, finanzielle Unterstützung von Krankenkasse und Staat zu erhalten.

Künstliche Befruchtung: Voraussetzungen für die Kostenbeteiligung

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in der Regel 50 % der Behandlungs- und Medikamentenkosten für eine künstliche Befruchtung (meist für maximal drei Behandlungszyklen). Dafür müssen Paare jedoch einige Voraussetzungen erfüllen:

  • Das Paar muss verheiratet sein.
  • Es werden ausschließlich Ei- und Samenzellen der Ehepartner verwendet.
  • Beide Ehepartner müssen mindestens 25 Jahre alt sein. Die Frau darf jedoch maximal 40 Jahre und der Mann höchstens 50 Jahre alt sein.
  • Es muss eine medizinische Notwendigkeit einer künstlichen Befruchtung vorliegen: So ist beispielsweise für das ICSI-Verfahren genau festgelegt, welche Grenzwerte im Spermiogramm unterschritten sein müssen, damit die Krankenkassen sich an den Kosten beteiligen.
  • Beide Partner haben sich zur künstlichen Befruchtung beraten lassen.
  • Es muss vonseiten eines Arztes bestätigt werden, dass es gute Chancen auf eine erfolgreiche Befruchtung gibt.
  • Beide Partner haben vor der Behandlung einen HIV-Test machen lassen, der negativ ist.

Sind diese Punkte erfüllt, beteiligen sich die gesetzlichen Krankenkassen an den Kosten. Manche Kassen zahlen auch weitere Zuschüsse als die gängigen 50 %, in seltenen Fällen wird die künstliche Befruchtung auch komplett erstattet. Informiert euch daher direkt bei eurer jeweiligen Krankenversicherungen online oder noch besser in einem Beratungsgespräch.

Künstliche Befruchtung: Kosten bei Privatversicherten

Für private Krankenversicherungen gibt es keine pauschale Regelung zur Kostenbeteiligung, die Regelungen sind hier sehr verschieden. Voraussetzung für eine Kostenübernahme oder -beteiligung ist auch hier, dass beim Paar eine organische Ursache für den unerfüllten Kinderwunsch vorliegt. Je nach Versicherung gelten keine Altersgrenzen, verschiedene Höhen der Beteiligung und die Anzahl der Versuche ist, sofern es nicht anders im Vertrag geregelt wurde, nicht pauschal vorgegeben. Daher solltet ihr euch beim Wunsch einer künstlichen Befruchtung unbedingt direkt bei eurer Krankenversicherung informieren.

Künstliche Befruchtung: Kostenbeteiligung durch Bund und Länder

Trotz Kostenbeteiligung der Krankenkassen kann eine künstliche Befruchtung ganz schön teuer sein. Eine In-Vitro-Befruchtung z. B. kostet insgesamt etwa 3000 € pro Zyklus. Bei einer Kostenbeteiligung von 50 % der Krankenversicherungen bleibt also noch eine ganz schön hohe Summe übrig, für die das Paar selbst aufkommen muss. Und oft bleibt es nicht bei einem Versuch. Um kinderlose Paare bei ihrem Wunsch, ein Baby zu bekommen, zu unterstützen, beteiligt sich der Staat ebenfalls an den Kosten. Bund und Länder stellen die finanziellen Mittel dabei gemeinsam zur Verfügung. In jedem Bundesland gelten unterschiedliche Bedingungen, auch die Höhe der finanziellen Hilfen variiert, die Beteiligung liegt aber im Schnitt bei 25 % (auch hier müssen wieder bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden). Mittlerweile wurde die Richtlinie zur finanziellen Unterstützung von Kinderwunschpaaren erweitert. Seitdem können auch Paare, die in einer auf Dauer angelegten nicht ehelichen, heterosexuellen Lebensgemeinschaften leben, finanziell unterstützt werden. Wie euer Anspruch auf Kostenbeteiligung von Bund und Ländern aussieht, könnt ihr ganz einfach im Förder-Check des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend prüfen.

 

Bildquelle: Pexels

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