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Spermiogramm: Ablauf und Auswertung der Spermauntersuchung

Fertilitätstest

Spermiogramm: Ablauf und Auswertung der Spermauntersuchung

Wenn es mit dem Schwanger werden einfach nicht klappen will, kommen verschiedene Ursachen bei Mann und Frau dafür in Frage. Ein Spermiogramm gibt Aufschluss darüber, wie es um die Spermienzahl und -qualität bestellt ist. Das solltet ihr darüber wissen.

Wann ist ein Spermiogramm sinnvoll?

Wenn ihr bereits seit einiger Zeit versucht, schwanger zu werden und es auf natürlichem Wege nicht klappt, kann das verschiedene Gründe haben. Um herauszufinden, woran es liegt, sind Untersuchungen der Frau sowie des Mannes nötig. Ein Kinderwunscharzt oder eine -Ärztin wird vor einer möglichen Behandlung immer ein Spermiogramm anfordern. Dieses kann jedoch auch bereits vor dem bestehenden Kinderwunsch Aufschluss darüber geben, wie es um die Spermienqualität und die Zeugungsfähigkeit des Mannes bestellt ist. Je früher man das Sperma untersuchen lässt, umso mehr Zeit und Möglichkeiten hat man später, eventuelle Kinderwunschbehandlungen durchzuführen. Ein Spermiogramm kann aber auch dann nötig sein, wenn man nach einer Vasektomie prüfen will, ob die Sterilisation erfolgreich war.

Wer führt den Fruchtbarkeitstest beim Mann durch?

Das Spermiogramm führt in der Regel ein Urologe oder Androloge, Facharzt für Zeugungsfähigkeit beim Mann, durch. Dieser Arzt untersucht das Ejakulat des Mannes auf verschiedenste Faktoren wie Volumen und Beweglichkeit. Dazu ist eine frische Samenprobe notwendig, die in der Praxis abgegeben wird. Viele Kinderwunschpraxen bieten jedoch auch ebenfalls die Analyse des Spermas an. Wer sich also bereits in eine Kinderwunschpraxis begeben hat, wird dort alle notwendigen Untersuchungen bekommen. Ein Mann kann jedoch auch ohne Kinderwunsch vom Andrologen feststellen lassen, ob er fruchtbar ist.

Spermiogramm-Kosten: Wer zahlt für die Untersuchung?

Ein Spermiogramm kostet zwischen 60 und 90 Euro. Ist der Fruchtbarkeitstest im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung notwendig, wird er von der Krankenkasse meist übernommen. Möchte ein Mann unabhängig von einem Kinderwunsch seine Fruchtbarkeit testen lassen, muss er das Spermiogramm selbst zahlen. Bei einer Kinderwunschbehandlung fordert die Krankenkasse vorher einen Behandlungsantrag ein, den sie schriftlich genehmigen muss. Danach kann die Behandlung beginnen und die Kosten werden anteilig übernommen. Am besten kontaktiert ihr in diesem Fall vorher selbst einmal eure Krankenkasse.

Ablauf eines Spermiogramms beim Urologen

Um das Ejakulat untersuchen zu können, ist eine Samenprobe notwendig. Diese wird im Normalfall in der Praxis in einem extra dafür eingerichteten Raum durch Masturbation gewonnen. Der Samen wird dabei direkt in ein dafür vorgesehenes steriles Gefäß gewonnen und innerhalb kurzer Zeit untersucht. Da der Samen bei der Untersuchung möglichst frisch sein muss und die Karenzzeit nur eine Stunde beträgt, ist es nicht ratsam ihn zu Hause zu gewinnen. Manche Praxen bieten dies an, wenn der Mann in unmittelbarer Nähe wohnt und beim Samentransport auf Hygiene achtet und den Samen bei Körpertemperatur lagert. Sollte die Samenprobe falsch gewonnen oder transportiert worden sein, kann es zu Abweichungen in der Auswertung kommen. Im Labor wird das Ejakulat mikroskopisch auf das Volumen, die Spermienzahl, die Spermienkonzentration, die Beweglichkeit, die Morphologie und die Vitalität untersucht. Die Ergebnisse erhält man einige Tage später bei einem persönlichen Gespräch oder auf Wunsch auch per Post nach Hause.

Hinweis: Wichtig ist, dass der Mann vor der Untersuchung drei bis sieben Tage keinen Sex hatte bzw. keinen Samenerguss hatte. Auch dies kann die Auswertungsergebnisse negativ beeinflussen. Daher solltet ihr einige Tage enthaltsam sein, um ein genaues Ergebnis zu erhalten.

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Auswertung des Spermiogramms

Neben den wichtigsten Werten zur Fruchtbarkeit können auch Entzündungswerte, eine Fructose-Messung sowie eine immunologische Untersuchung erfolgen. Zusätzlich wird die Samenprobe auf Bakterien und Leukozyten untersucht. Beim sogenannten MAR-Test wird nach den Autoantikörpern geschaut, die dafür sorgen können, dass die Spermien schlechter durch die Gebärmutterschleimhaut schwimmen.

Zur Fruchtbarkeitsanalyse werden die ermittelten Werte der Spermauntersuchung mit den aktuellen Normwerten der WHO (2010) verglichen:

  • Ejakulatvolumen: Sollte pro Samenerguss mehr als 1,5 ml ergeben.
  • ph-Wert: Sollte zwischen 7,2 und 8 liegen.
  • Spermienkonzentration: Sollte über 15 Mio Spermien / ml Ejakulat liegen.
  • Spermiengesamtzahl: Sollte über 39 Mio Spermazoten betragen.
  • Beweglichkeit (Motilität): Es sollten mindestens 32 Prozent bewegliche d.h. progressive Spermien vorhanden sein. Unterschieden werden schnell progressive Vorwärtsbewegungen, langsame Vorwärtsbewegungen, nicht progressive kreisförmige oder lokale Bewegungen und fehlende immotile Bewegungen.
  • Morphologie: Mindestens 4 Prozent der Spermien sollten normal geformt sein und keine Abweichungen an Kopf, Mittelstück und Schwanz enthalten.
  • Vitalität: Mindestens 50 Prozent der Spermien sollten lebendig sein.

Mögliche Normabweichungen bei der Spermauntersuchung

  • Normozoospermie: Erreicht die Samenprobe eines Mannes die Referenzwerte der WHO, sprechen Mediziner von einer Normozoospermie, also einem unauffälligen Befund. Aber auch, wenn seine Probe unter einem oder mehreren Normwerten der WHO liegt, heißt das nicht automatisch, dass er unfruchtbar ist. Seine Fruchtbarkeit ist dann nur mehr oder weniger eingeschränkt. Die folgenden Diagnosen treten am häufigsten auf.
  • Oligozoospermie: Es befinden sich zu wenige Spermien im Ejakulat.
  • Asthenozoospermie: Es befinden sich zu wenig bewegliche Spermien im Ejakulat.
  • Teratozoospermie: Der Anteil der normal geformten Spermien ist zu gering.
  • Oligoasthenoteratozoospermie: Es liegt eine Kombination aus zu wenigen, zu wenig beweglichen und zu wenig normal geformten Spermien vor.
  • Azoospermie: Es befinden sich keine Spermazoten im Ejakulat.
  • Aspermie: Bei dieser Störung tritt trotz eines Orgasmus des Mannes kein Ejakulat aus.

Wann der Spermientest wiederholt werden sollte

Ein Spermiogramm ist immer eine Momentaufnahme. Erkrankungen, Stress oder ein Schlafdefizit können sich kurzzeitig negativ auf die Spermienqualität auswirken. Daher wird ein Spermiogramm in der Regel nach einigen Wochen wiederholt, um genaue Ergebnisse zu erhalten. Das ist auch ein Grund, weshalb sich eine Kinderwunschbehandlung etwas hinziehen kann. Daher ist es ratsam möglichst früh mit den ersten Untersuchungen zu beginnen und ein Spermiogramm durchführen zu lassen.
Sollten auch bei der zweiten und dritten Spermienuntersuchung Auffälligkeiten auftreten, bespricht man mit dem Kinderwunscharzt die Möglichkeiten einer künstlichen Befruchtung. Je nach Ergebnis können verschiedenste Verfahren wie ICSI oder IVF in Frage kommen. Da es jedoch für einen Kinderwunsch immer auf die Fruchtbarkeit beider Partner ankommt, kann es durchaus sein, dass man auch auf natürlichem Wege noch schwanger wird. Wenn nur der Mann eine eingeschränkte Fruchtbarkeit hat und es bei der Frau vielleicht eher psychische Gründe gibt, könnt ihr trotzdem noch natürlich schwanger werden. Wenn beide Partner physiologische Fertilitätsprobleme haben, kann eine künstliche Befruchtung helfen. Das ist von Paar zu Paar sehr individuell und sollte mit dem Kinderwunscharzt besprochen werden.

Spermientest für Zuhause: Ist ein Selbsttest empfehlenswert?

Mittlerweile gibt es in Apotheken sogar Selbsttests, mit denen man die Spermienqualität bequem zuhause messen können soll. Solche Tests gibt es von verschiedenen Anbietern mit Kosten um die 20 €. Jedoch geben sie lediglich Auskunft darüber, wie viele Spermien sich im Ejakulat befinden. Alle anderen Werte kann nur ein ausführlicher Test im Labor nachweisen. Eine wirkliche Fruchtbarkeitsstörung können sie nicht anzeigen und sind daher nicht zu empfehlen bzw. werden auch nicht von Krankenkassen für eine Kinderwunschbehandlung anerkannt.

Katja Nauck
Das sagtKatja Nauck:

Schafft Klarheit

Ein Spermiogramm kann immer hilfreich sein, um Klarheit zu gewinnen. Wenn ihr es schon ein halbes Jahr probiert und es passiert nichts auf natürlichem Wege, solltet ihr euch beide einmal untersuchen lassen. So habt ihr es Schwarz auf Weiß und könnt euch recht schnell überlegen, welche Schritte ihr gehen möchtet, um eurem Kinderwunsch näher zu kommen. Denn der psychische Stress wirkt sich auf negativ auf die Fruchtbarkeit aus und belastet eure Beziehung. Je länger man wartet und je älter beide Partner werden, um so schwieriger kann es mit dem Schwanger werden sein.

Bildquelle: Getty Images/Oleg Blokhin

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