Wunschkaiserschnitt - alle Fakten für Ihre persönliche Entscheidung

Immer mehr Frauen möchten ihr Kind per Wunschkaiserschnitt entbinden. Ein Wunschkaiserschnitt meint einen Kaiserschnitt, der nicht aus medizinischen Gründen durchgeführt wird. Was für und gegen den Wunschkaiserschnitt spricht, erfahren Sie hier. Plus Tipps für Ihre eigene Entscheidung.


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Julia B. ist sich sicher: Sie möchte ihr Baby auf jeden Fall per Kaiserschnitt zur Welt bringen. „Ich habe entsetzliche Angst vor den Schmerzen. Und ich werde das Gefühl nicht los, diesem großen Ereignis körperlich und seelisch nicht gewachsen zu sein“, gibt die 33-Jährige zu. Die Entbindung per Kaiserschnitt erscheint ihr weniger riskant. Julias Ängste und ihr daraus resultierender Wunsch nach einem Kaiserschnitt sind kein Einzelfall. Die Diskussionen, die sich dazu im Freundes- oder Bekanntenkreis und vermehrt auch in Internet-Foren entwickeln, sind häufig von wenig Verständnis und Toleranz für die Meinung anderer geprägt. Fakten werden mit Vermutungen und Legenden vermischt und mit viel Empathie vertreten. Mütter, die sich für die Sectio caesarea (wie der Kaiserschitt medizinisch heißt) entscheiden, werden regelrecht verteufelt. 

Wir sind der Meinung: Die Entscheidung einer Schwangeren, wie sie ihr Kind zur Welt bringen möchte, ist eine ganz persönliche. Egal, wie sie ausfällt – Wertung und Kritik sind hier fehl am Platz. Deshalb möchten wir Ihnen hier mit sachlichen Informationen bei Ihrer ganz eigenen Entscheidung helfen.


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Bei der Kaisergeburt verringern zwei Minuten den Unterschied zwischen steriler Kaiserschnitt-OP und natürlicher Geburt.


Jedes dritte Baby kommt im OP zur Welt


Tatsache ist: Inzwischen kommt ungefähr jedes dritte Baby im OP-Saal zur Welt. Und die Zahl der Wunschkaiserschnitte (im Unterschied zu den medizinisch notwendigen) steigt. Der Kaiserschnitt auf Wunsch ist „in“ und gehört zum Lifestyle vieler Promis dazu. Fragt man „Nicht-Promis“ nach den Gründen für ihre Entscheidung für einen Wunschkaiserschnitt, werden als Gründe allermeist die Angst vor Schmerzen und dem Kontrollverlust genannt. Verbreitet ist auch der Irrglauben, ein Kaiserschnitt sei sicherer für Mutter und Kind.

Genaue Zahlen, wie viele der Kaiserschnitt-Geburten medizinisch wirklich notwendig sind und wie viele wiederum auf Wunsch der Schwangeren durchgeführt werden, gibt es nicht. Denn offiziell existiert der Wunschkaiserschnitt nicht: Er wird allermeist nicht von den Krankenkassen erstattet – deshalb wird in der Praxis die medizinische Notwendigkeit vom Arzt bestätigt.
Kaiserschnitt auf Wunsch: In Kliniken beliebt


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Die meisten Kliniken sind dem Wunsch der Schwangeren nach einem fixen Termin für einen Kaiserschnitt gegenüber allerdings aufgeschlossen: Für eine Schnittentbindung bekommen sie deutlich mehr Geld von der Krankenkasse honoriert. Zudem ist diese Art der Geburt für die Klinik besser planbar: Da der Termin bis auf die Minute fix ist, steht von vornerein fest, wann Arzt, Krankenschwester und Hebamme benötigt werden. Bei einer spontanen Geburt müssen Arzt und Hebammen die Schwangere eventuell viele Stunden begleiten – und das natürlich nicht nur zwischen 9 und 18 Uhr, sondern die ganze Nacht hindurch. Viele Hebammen kritisieren, dass die Ärzte immer häufiger und schneller zum Messer greifen und die Schwangeren nicht ausreichend aufklären über Möglichkeiten der Schmerzbehandlung bei einer natürlichen Geburt.

Medizinische Gründe für einen Kaiserschnitt können beispielsweise sein:


•    Das Baby liegt mit dem Kopf nach oben und dem Po nach unten (Steißlage)
•    Die Plazenta liegt vor dem Muttermund (Plazenta praevia)
•    Mehrlingsgeburt
•    Auffällige Herztöne
•    Probleme mit der Nabelschnur

Wenn Sie sich überlegen, Ihr Kind ohne medizinische Notwendigkeit per Kaiserschnitt auf die Welt zu bringen, sollten Sie sich auf jeden Fall mit den Risiken auseinandersetzen. Denn ganz so unkompliziert, wie diese Art der Geburt auf den ersten Blick erscheint, ist sie nicht. Auf der folgenden Seite haben wir die Vor- und Nachteile des Wunschkaiserschnitts für Sie zusammengefasst.

Übrigens: In Brasilien entscheidet sich schon mehr als die Hälfte aller Schwangeren für einen Kaiserschnitt. Mit 56% hat Brasilien damit die weltweit höchste Kaiserschnittrate. In Privatkliniken werden sogar acht von zehn Babys per Sectio geholt. So sind Geburten planungssicher, schneller und weniger betreuungsintensiv - kurzum, sie sind lukrativer. Diesen Trend beobachtet auch das Brasilianische Gesundheitsministerium mit Sorge und will der Entwicklung mit Aufklärungskampagnen entgegenwirken.




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