Ehegattensplitting – sinnvoll oder unfair?

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Ehegattensplitting – sinnvoll oder unfair?

Seit einiger Zeit wird mit dem Ehegattensplitting immer wieder hart ins Gericht gegangen. Es sei diskriminierend und würde vor allem Frauen in alte Geschlechterrollen drängen. Wir haben uns das Splittingmodell näher angesehen.

Durch das Ehegattensplitting kann sich ein Steuervorteil ergeben – vorausgesetzt, die Höhe der Einkommen unterscheidet sich genügend.

Heiraten liegt wieder voll im Trend. Sank die Anzahl der Eheschließungen im Jahr 2007 auf einen Niedrigstand von 396.000, so waren es 2018 wieder fast 450.000 Paare, die sich das Ja-Wort gaben. Wollen wir mal ganz ehrlich sein: Für eine Heirat gibt es viele verschiedene Gründe: Neben Punkten wie der automatischen Erlangung des Sorgerechts, einer medizinischen und gesetzlichen Vollmacht oder dem Erhalt eines legalen Status stehen für die meisten Paare romantische aber auch finanzielle Punkte im Vordergrund.

Die Schließung der Ehe bedeutet das öffentliche Bekenntnis zueinander. Man gibt sich vor den Freunden, der Familie, den eigenen Kindern, manchmal auch vor Gott aber auch vor allem vor sich selbst das Versprechen, der Partnerin oder dem Partner immer zur Seite zu stehen, füreinander Sorge zu tragen und sich in guten wie in schlechten Zeiten zu lieben. Es ist etwas Offizielles, ein wichtiges Lebensereignis: ab diesem Zeitpunkt ist ein Paar anerkannt als Ehefrau und Ehemann, bzw. Ehefrau und Ehefrau oder Ehemann und Ehemann. Nicht umsonst wird es für viele Paare zu einem der schönsten Tage im Leben, der mit einem rauschenden Fest gekrönt wird.

Die finanziellen Gründe für eine Eheschließung sind dagegen weniger romantisch, oft spielen sie bei der Entscheidung für eine Ehe eine nicht geringe Rolle. Der Vorteil einer Heirat: durch das Ehegattensplitting bekommen Ehepartner steuerliche Vorteile, was beispielsweise bei der Gründung einer Familie unterstützend wirken soll. Doch das Splitting-Verfahren gerät immer wieder ins Kreuzfeuer der öffentlichen Kritik. Es sei unfair und würde den Gender-Pay-Gap weiter befeuern. Wir haben das Ehegattensplitting genauer unter die Lupe genommen.

Was ist das Ehegattensplitting?

Wenn Ehegatten steuerpflichtig sind, können sie sie sich für eine Zusammenveranlagung ihrer Einkommensteuer entscheiden. Dabei kommt dann das Splittingverfahren zum Einsatz: Beim Ehegattensplitting werden die Einkommen beider addiert und dann durch zwei geteilt. Der Steuerbetrag, der sich für dieses Einkommen berechnet, wird dann wieder mit zwei multipliziert. Heraus kommt der Steuerbetrag, den beide Partner gemeinsam zahlen müssen. Durch das Splitting kann sich ein Steuervorteil ergeben – vorausgesetzt, die Höhe der Einkommen unterscheidet sich genügend.

Zur Veranschaulichung ein Beispiel: Benjamin ist Angestellter und hat ein zu versteuerndes Einkommen von 55.000 €, bei seiner seiner Frau Johanna sind es 15.000 €. Beim Ehegattensplitting werden beide Einkommen nun zusammengerechnet und durch zwei geteilt. 70.000 € geteilt durch zwei ergibt 35.000 €, wofür (2019) eine Steuer von 7.245 € zu entrichten ist. Zum Schluss wird dieser Betrag wieder mit zwei multipliziert und so ergibt sich für das Ehepaar eine Einkommensteuer von 14.490 €. Bei getrennter Veranlagung wären für beide zusammen 16.287 € abzuführen.

Rechnen wir das Ganze jedoch mal für ein Paar aus, bei dem der Einkommensunterschied nicht so groß ist und beide Geringverdiener sind: Verdient Johanna 26.000€ im Jahr und Benjamin 24.000 € im Jahr, so müssten sie, ohne Ehegattensplitting im Jahr 2019 insgesamt 8.002 € Einkommensteuer zahlen. Nutzen sie dieses nicht, fallen für sie insgesamt 7.998 € Einkommensteuer an. Es wird deutlich: Für einkommensschwache Paare, bei denen beide Partner ähnlich verdienen, geht die Auswirkung des Ehegattensplittings gen Null. Den bestmöglichen Vorteil erlangt man dann, wenn einer der Partner Alleinverdiener ist.

Das sagen die Gegner des Ehegattensplittings

Was an der Rechnung deutlich geworden ist, kritisieren die Gegner des Ehegattensplittings. Frauen verdienen in unserer Gesellschaft nach wie vor oft schlechter als Männer. Das liegt nicht nur daran, dass sie seltener in Führungspositionen arbeiten oder öfter eine Teilzeitarbeit aufnehmen. Auch für gleiche Arbeit wird Frauen heute oft noch ein schlechteres Gehalt gezahlt als Männern. Das Ehegattensplitting, so die Kritiker, stärken genau diesem ungleichen Lohnsystem den Rücken. Es lohnt sich eben vor allem für Paare, bei denen einer deutlich mehr verdient als der andere. Und das ist leider auch heute noch meist der Mann. Somit läuft das Ehegattensplitting Gefahr, die sogenannte Versorgerehe weiterhin zu stützen – der Mann als Versorger, die Frau als Hausfrau. Tatsächlich entstammt das Steuermodell aus genau der Zeit, in der das “Male-Breadwinner-Model” (im Westen) noch das allgemein vertretene System war: es wurde am 18. Juli 1958 eingeführt. Das Besteuerungsmodell baut also eigentlich noch auf dem Weltbild der 1960iger-Jahre auf.

Ein weiteres Argument der Gegner des Ehegattensplittings: Kommt es zu einer Scheidung gibt es damit auch ein hohes finanzielles Risiko für den geringer verdienenden Partner, also oftmals für Frauen. Zudem diskriminiere das Ehegattensplitting Menschen, die lange in einer Partnerschaft leben, sich aber gegen eine Ehe entscheiden. Auch sei das Splitting kein wirklich hilfreiches Mittel zur Förderung von Familien, da Ehepaare schließlich immer profitieren, egal ob sie Kinder haben, oder nicht.

Das spricht für das Ehegattensplitting

Befürworter des Ehegattensplittings führen vor allem die Förderung von Ehepaaren und Familien als Hauptargumente an. In Deutschland haben Ehe und Familie einen sehr hohen Stellenwert und dieser solle durch das Ehegattensplitting auch weiter geschützt und gefördert werden. Die privilegierte Stellung der Institution Ehe soll sich auch weiterhin in einer steuerlichen Besserbehandlung von Ehepartnern ausdrücken. Für die Befürworter besonders wichtig: Das Ehegattensplitting berücksichtigt das steuerliche Leistungsprinzip. Weil die Einkommen der Partner zusammengezogen werden, wird die gemeinsame Leistung der Eheleute für die Steuer herangezogen, nicht die einzelne.

Für Familien – so die Befürworter – ist das Ehegattensplitting eine wertvolle Unterstützung, da es im Alltag mit Baby und Kleinkind oft nicht möglich ist, dass beide Elternteile einer Vollzeitarbeit nachgehen. Dadurch, dass ein Partner in Teilzeit arbeiten muss, also auch deutlich weniger verdient, wirkt sich das Splitting recht stark aus und wirkt so stark finanziell unterstützend.

Meine Meinung zum Ehegattensplitting

Ich persönlich halte nicht viel vom Ehegattensplitting, doch das tut an dieser Stelle nicht viel zur Sache. Was mich stört, ist die Argumentation, das Ehegattensplitting sei schlecht, da es Frauen als tendenziell schlechter Verdienende zurück an den Herd dränge. Ja, das mag sein. Bei Homosexuellen Paaren, die seit der Einführung der Ehe für alle nun endlich auch in den genuss des Ehegattensplittings kommen dürfen, funktioniert diese Argumentation allerdings nicht mehr. Hier gibt es keinen Gender-Pay-Gap mehr. Und das zeigt doch ganz klar, dass das Problem nicht das Ehegattensplitting ist, sondern vielmehr die nach wie vor bestehende Diskriminierung von Frauen, die auch heute noch wesentlich seltener in Führungspositionen sitzen und für gleiche Arbeit weniger Geld verdienen als ihre männlichen Kollegen. Das muss bekämpft werden –  nicht das Ehegattensplitting.

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