Tik Tok App: Eine Gefahr für Kinder?

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Tik Tok App: Eine Gefahr für Kinder?

Ist Tik Tok nur eine harmlose Musik-App für Kids? Oder wird das lustige Musikprogramm, ohne dass sie oder ihre Eltern es ahnen, zum Einfallstor für Mobbing, Grooming und Missbrauch? Was du über die Sicherheit von Tik Tok wissen solltest.

 

Viele Erwachsene kennen die App Tik Tok vermutlich gar nicht, dabei hat sich der Nachfolger von Musical.ly inzwischen zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz für die klassischen Social-Media-Apps gemausert. In den USA wurde sie im Herbst 2018 bereits häufiger auf den Mobiltelefonen von Teenagern installiert als Instagram, Facebook, Snapchat oder YouTube. Doch nicht nur Jugendliche nutzen Tik Tok – auch Cyberbullies (Menschen, die andere mit Kritik und Häme überschütten) und Pädophile könnten die App für ihre Zwecke missbrauchen.

Tik Tok macht jungern Nutzern Spaß - aber kann die App auch gefährlich für sie werden?

Was ist Tik Tok eigentlich?

Die App Tik Tok, die dem chinesischen Startup-Unternehmen Bytedance gehört, entwickelte die bei Kids beliebte Playback- und Tanz-App Musical.ly weiter. Dabei wurden die Einsatzmöglichkeiten erweitert und das leicht trashige Image von Musical.ly aufpoliert. Mit Erfolg: Im Herbst 2018 legten die Nutzerzahlen von 100 Millionen auf 130 Millionen enorm zu.

Während anfangs selbstgedrehte Musikvideos und Playback-Funktionen im Mittelpunkt standen, bietet Tik Tok inzwischen auch Pranks (Streiche), Comedy-Clips, Mini-Tutorials (Anleitungen) und Memes (lustige Bewegtbilder). Weil sich mehr mit der App machen lässt und sie mehr zum Anschauen bietet, erhöht sich die Verweildauer – die junge Zielgruppe liebt Tik Tok!
 
Die App ist für Jugendliche ab 13 Jahren konzipiert, wird aber auch von deutlich jüngeren Kindern genutzt. Das Herunterladen von Tik Tok auf Android und iPhones kostet nichts, allerdings kann man innerhalb der App Käufe tätigen. Werbeeinblendungen sind eine weitere Einnahmequelle der Betreiber.

Warum Tik Tok: Was finden Kinder und Jugendliche an der App?

  • Selbstdarstellung: Nutzer können einen Tik-Tok-Namen wählen, an Profil und Bildern arbeiten und so eine Online-Persönlichkeit kreieren, die ihrem eigenen Ideal entspricht. Sie können sich selbst filmen und fotografieren, dies posten und sich darüber austauschen und miteinander vergleichen. 

  • Rollenspiel: Die jungen Nutzer können sich nicht nur grüne Haare und einen Wunsch-Teint zaubern, Optionen wie die Playback-Funktion ermöglichen ihnen das Ausleben von Träumen – inzwischen möchten viele sicher nicht nur ihren Idolen nacheifern und Popstars werden, auch Influencer zu sein klingt verlockend!

  • Anerkennung: Wer beispielsweise sein zu Playback gesungenes Musikvideo postet, wird zum so genannten Muser und wird bei Gefallen mit Herzchen belohnt. Vielseitigkeit: Anders als bei Musical.ly geht es nicht mehr nur um Musik. Auch Comedy-Talente oder andere Interessen kann man hier erfolgreich ausleben.

  • Trends: Tik Tok bringt neue Jugendtrends hervor und macht beispielsweise neue Dance Moves populär.

  • Challenges (Herausforderungen): Immer wieder kursieren neue Challenges im Tik-Tok-Universum. Diese kleinen Aufgaben oder Mutproben verleiten dazu, sich selbst bei mehr oder weniger verrückten Aktivitäten zu filmen und diese Filme zu posten. Das verspricht Anerkennung und das Gefühl, zu einer Gemeinschaft zu gehören. Ein Beispiel: Für die Lip Challenge malt man sich mit einem Lippenstift einen senkrechten Strich mittig auf Ober- und Unterlippe und versucht dann, durch akrobatische Lippenbewegungen die Farbe auf dem gesamten Mund zu verteilen.

Risiken von Tik Tok: Was junge Nutzer und ihre Eltern über Tik Tok wissen sollten

Auf den ersten Blick wirkt Tik Tok tatsächlich kinder- und jugendtauglicher als beispielsweise YouTube. Politische Hetze oder Verschwörungstheorien findet man hier nicht, das Hochladen von Pornografie oder Cybermobbing ist in den Nutzungsrichtlinien zumindest untersagt. Einen gänzlich sicheren Raum bietet die App allerdings nicht. Wo liegen die Gefahren?

Datenschutz: Tik Tok liest eifrig Daten aus, beispielsweise den Aufenthaltsort des Nutzers sowie all seine Telefonkontakte. Was mit den Daten geschieht und wo sie liegen, das weiß man nicht so genau. Damit die jungen Nutzer viele Likes und Herzchen für ihre Postings bekommen können, sind ihre Profile als öffentlich voreingestellt – allerdings behält sich Tik Tok auch vor, diese privat erstellten Filmchen auch auf anderen Plattformen abzuspielen. Wer dies unterbinden möchte, kann seinen Zuschauerkreis auf ausgewählte Kontakte beschränken. Datenschützer kritisieren außerdem, dass die Datenschutzerklärung nur auf Englisch hinterlegt ist.

Viren und Hacker: Manche Kinder erhalten Spam-Nachrichten, in denen ihnen beispielsweise mehr Follower oder Likes versprochen werden. Klicken sie auf entsprechende Links, landen Viren auf dem Handy.

Kontaktaufnahme von Unbekannten sperren: Wenn dein Kind Tik Tok nutzt, schau dir die Einstellung zur Privatsphäre in Tik Tok an – dort kannst du festlegen, dass Fremde nicht Kontakt aufnehmen können. Damit kannst du dein Kind besser vor Mobbing und Grooming schützen.

Begrenze die Kontakte auf bekannte Personen: Das Profil deines Kindes sollte nicht öffentlich sein, denn jedes Video, das es in Tik Tok postet, kann dann nicht nur von sämtlichen Usern betrachtet, sondern auch gespeichert und weitergegeben werden. Lass dein Kind die Videos lieber nur mit seinen echten Freunden austauschen – auch wenn es womöglich lieber ein öffentliches Profil hätte, um mehr Follower und Likes zu bekommen.

Animation zur Selbstdarstellung: Tik Tok ist nicht die einzige App, die dazu verleitet, Bilder und Filme von sich zu posten. Allerdings ist Tik Tok perfekt auf die Bedürfnisse von jungen und sehr jungen Nutzern zugeschnitten und präsentiert sie möglichen Tätern auf dem Silberteller als potentielle Opfer. Gerade Mädchen lieben es, die Tänzerinnen von Musikvideos nachzuahmen und tanzen dabei – mal absichtlich, mal unwissentlich – sehr aufreizend. In der Geborgenheit des eigenen Zimmers zeigen Kinder sich freier als in der Welt draußen – und niemand weiß so genau, wer zuschaut, wenn das Profil deines Kindes öffentlich ist. Hashtags wie #bellydanc (Bauchtanz, oft bewusst falsch geschrieben) liefern jede Menge Treffer von Kindern, die in Unterwäsche tanzen.

Grooming: Gerade, wenn Fremde, auch Erwachsene, die Möglichkeit haben, Kinder in Tik Tok anzusprechen, besteht die Gefahr des Groomings. Das bedeutet, dass diese Menschen das Vertrauen von Kindern gewinnen, um außerhalb der App mit ihnen in Kontakt treten zu können und sie womöglich sogar persönlich zu treffen. Manche geben sich beispielsweise als Talentsucher aus. Dies kann der erste Schritt zu späterem Missbrauch werden.

Mobbing: Kinder und Jugendliche sind stets auf der Suche nach Anerkennung. In Tik Tok posten sie Bilder und Filme von sich und nehmen an Challenges teil. Wunderbar, wenn es jede Menge Herzchen regnet – aber wenn dein Kind zur Zielscheibe von gezieltem Spott wird, kann es sehr darunter leiden. Cyberbullies suchen sich eine Person aus, um sie einfach zum Spaß fertigzumachen oder um ihnen für junge Nutzer völlig ungeeignete Videos zuzusenden, die beispielsweise selbstverletzendes Verhalten oder Suizidanleitungen zeigen. Es soll sogar schon vereinzelt Selbstmordfälle von Jugendlichen gegeben haben, die auf Mobbing in Tik Tok zurückzuführen sein sollen. Zwar verspricht Tik Tok Moderatoren und Sicherheitsfunktionen, sagt aber selbst, dass es keinen hundertprozentigen Schutz vor Mobbing und Grooming bieten könne.

Kostenfalle: Je nachdem, wie die Einstellungen auf dem genutzten Handy aussehen, könnte dein Kind ohne dein Wissen In-App-Käufe tätigen, beispielsweise um jemand anders ein virtuelles Geschenk zu schicken, oder über Werbung online shoppen gehen. Experten mahnen zudem, dass Copyright-Fragen bezüglich der aktuellen Popsongs noch nicht abschließend geklärt sind – sollte die Verantwortung für die Verwendung von urheberrechtlich geschütztem Material am Ende beim einzelnen Nutzer landen, könnte das teuer werden.

Experten warnen vor Tik Tok

Fazit: Kids lieben Tik Tok, aber die Nutzung ist nicht ohne Gefahren. Die Internetseite mobilsicher.de, die vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz gefördert wird, hält Musical.ly/TikTok nicht für kindertauglich. Der Datenschutz und eine sichere Nutzung seien nicht gewährleistet, heißt es.

Wenn dein Kind unbedingt Tik Tok benutzen möchte und du es ihm erlaubst, dann solltest du seine Privatsphäre durch entsprechende Einstellungen möglichst gut schützen. Richtet die App gemeinsam ein und seht sie euch an. Sprich mit deinem Kind über die beschriebenen Gefahren. Warne es davor, Informationen wie Wohnort oder Schule öffentlich preiszugeben. Und bleib mit deinem Kind über das, was sich bei Tik Tok tut und was es dort sieht, im Gespräch – zeig dich interessiert und fordere dein Kind auf, dir verstörende Inhalte oder Kommentare zu zeigen und sie auch in Tik Tok zu melden. So kannst du hoffentlich verhindern, dass es unbemerkt zum Grooming- oder Mobbing-Opfer wird.

Bildquelle:

Getty Images

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