Rotaviren: Behandlung und Impfung für Babys

Kinder haben ein anfälliges Immunsystem, deshalb haben Rotaviren als Auslöser heftiger Brechdurchfälle leichtes Spiel. Gefährlich werden die Brechdurchfälle, wenn die Kinder zu viel Wasser verlieren. Hier erfahren Sie, wie Sie eine Rotaviren-Infektion erkennen und behandeln. Plus: Alles rund um die Rotaviren-Impfung, die von der STIKO empfohlen wird.


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Heftiges Erbrechen und Durchfall: Rotaviren bei Kindern


Eine Infektion mit Rotaviren ist die häufigste Ursache für Magen-Darm-Erkrankungen bei Babys und Kleinkindern. Die kleinen Patienten leiden unter häufigem Erbrechen, starkem Durchfall, Bauchschmerzen und Fieber. Nicht ungewöhnlich sind gleichzeitige Erkältungssymptome wie Husten, Schnupfen oder Gliederschmerzen. Meist treten die starken Brechdurchfälle zwischen Oktober und März auf, die Erkrankung dauert zwischen drei und fünf Tagen.

Rotaviren bei Kindern


© iStock
Die Inkubationszeit (= Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch) liegt bei zwölf Stunden bis vier Tagen. Auch nach Abklingen der Symptome kann die Infektion noch bis zu acht Tage lang übertragen werden.
Ansteckung über Schmierinfektion
Rotaviren sind extrem ansteckend, wenige Viruspartikel reichen für eine Infektion aus. Ein Grund, warum sich in den Wintermonaten so viele Kinder mit "Magen-Darm" anstecken. Dazu kommt: Die Viren sind äußerst resistent und überleben auf Wickelablagen, Türgriffen und Spielsachen manchmal sogar über Tage hinweg. Übertragen werden Rotaviren meist durch Schmierinfektionen (d.h. die Erreger werden über den Mund aufgenommen), aber auch eine Weitergabe durch Tröpfcheninfektion ist möglich. Der Rotavirus ist eine Übung für das kindliche Immunsystem: Wer den Virus einmal hatte, bleibt in der Zukunft zwar nicht gänzlich unbehelligt, die Chancen zu erkranken, sinken aber mit jedem Infekt.
Behandlung einer Rotaviren-Infektion
Gegen die Erkrankung selbst können Sie leider nichts machen – wichtig ist es aber, die Symptome zu bekämpfen. ➤ Das Allerwichtigste: Schützen Sie Ihr Kind vor Austrocknung! Bieten Sie Ihm so oft wie möglich Wasser oder Tee in kleinen Schlucken oder sogar mit dem Löffel an. Gegen hohes Fieber sind Ibuprofen und Paracetamol bei Kindern die Mittel der Wahl, bei Erwachsenen Azetylsalizylsäure (ASS).

Wenn Sie Ihr Baby noch stillen, stillen Sie in jedem Fall weiter, legen Sie Ihr Kind aber häufiger an als sonst. Zusätzlich empfiehlt es sich, dem kranken Baby Tee zu geben.

Für Kinder, die schon wieder Nahrung bei sich behalten können
, eignen sich gekochtes Gemüse, Zwieback, geriebener Apfel (mit Schale), zerdrückte Bananen oder auch Naturjoghurt als Schonkost. Fett und eiweißreiche Lebensmittel verträgt Ihr Kind jetzt schlecht. Wurst, Früchte (außer Äpfel und Bananen) und sämtliche Milchprodukte sollten Sie für einige Tage vom Speiseplan streichen.
Wann zum Arzt bei Brechdurchfällen?

Handelt es sich um eine leichte Infektion, müssen Sie nicht unbedingt sofort zum Kinderarzt. Ausschlaggebend für die Frage "Arzt ja oder nein?" ist der Flüssigkeitsmangel: Häufig erbrechen erkrankte Kinder so häufig und heftig, dass sie die durchs Trinken aufgenommene Flüssigkeit gar nicht bei sich behalten können. In diesen Fällen droht eine lebensbedrohliche Austrocknung (Dehydration). Bei einem schweren Brechdurchfall sollten Sie mit Ihrem Kind direkt ins Krankenhaus fahren. Bei einer stationären Behandlung bekommen die erkrankten Kinder Flüssigkeit und Elektrolyte per Infusion, die nur im Krankenhaus verabreicht werden können.

➤ Rotaviren bei Säuglingen:
Wenn Ihr Baby sich häufig erbricht oder unter starkem Durchfall leidet, sollten Sie in jedem Fall den Kinderarzt oder gleich das Krankenhaus aufsuchen! Je kleiner das Kind ist, umso leichter kann es zu einer Dehydration kommen.
Wie merke ich, dass mein Kind dehydriert?
● Wenn Sie die Haut am Bauch Ihres Kindes zusammendrücken, bleiben Fältchen zurück.

● Geringe Urinmenge, der Urin ist dunkelgelb.

● Teilnahmslosigkeit

● Zunge und Lippen sind trocken.

● Eingesunkene Fontanelle bei Babys und Kindern im ersten Lebensjahr.

● Wenn das Kind weint, kommen keine Tränen.

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Vorbeugung, damit der Rest der Familie gesund bleibt

➤ Nach dem Toilettenbesuch und nach dem Wickeln des Kindes sorgfältig die Hände waschen!

➤ Desinfizieren Sie Toilette, Waschbecken, Türgriffe und das Spielzeug regelmäßig!

➤ Achten Sie bei der Wahl des Desinfektionsmittels darauf, dass es auch gegen Viren wirksam ist.

➤ Waschen Sie die Wäsche und Bettwäsche Ihres Kindes separat und bei hohen Temperaturen.

➤ Rotaviren können auch noch übertragen werden, wenn das Kind schon wieder beschwerdefrei ist. Deshalb: Die strengen Hygieneregeln noch einige Tage beibehalten!

Wichtig zu wissen: Rotaviren sind (wie auch Noroviren) meldepflichtig. Bei einem positiven Ergebnis der Stuhlprobe muss der Arzt die Infektion an das Gesundheitsamt melden. Da keine Nachuntersuchung oder ähnliches notwendig ist, hat diese Meldung für Sie als Eltern keine weiteren Folgen. Selbstverständlich dürfen erkrankte Kinder nicht in die Kita oder in die Schule gehen, und optimalerweise sollten sie erst zwei Tage nachdem die Durchfälle und das Erbrechen abgeklungen sind, wieder in die Betreuungseinrichtung gehen.

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Wie unterscheiden sich Norovirus und Rotaviren?

Beide Infektionen ähneln sich in ihrer Symptomatik stark und letztendlich lässt sich nur über eine Laboranalyse klären, welcher Virus vorliegt. Da bei beiden Viren die Ansteckung, die Krankheitszeichen und die Behandlung fast identisch sind, ist eine nähere Klärung allermeist nicht notwendig.
Ein paar Unterschiede gibt es dennoch: Babys und Kleinkinder leiden häufiger unter Rotaviren, die bei Erwachsenen oft nur eine leichte Form der Erkrankung auslösen. Erwachsene infizieren sich im dafür häufiger mit Noroviren. Die schwereren Krankheitsverläufe werden im Durchschnitt bei Rotaviren beobachtet. Aber: Gegen Rotaviren gibt es eine Impfung (Schluckimpfung), gegen Noroviren nicht.

Warum gegen Rotaviren impfen?


Der Rotavirus verursacht vor allem bei Babys und Kleinkindern Brechdurchfall und ist hoch ansteckend. Gerade bei Säuglingen kann eine Rota-Erkrankung ernsthafte Folgen haben, da die Kinder innerhalb von kürzester Zeit viel Flüssigkeit verlieren. Etwa 20.000 Babys im Jahr müssen nach Angaben des Robert-Koch-Instituts aufgrund des Flüssigkeitsverlustes in Deutschland stationär im Krankenhaus behandelt werden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt die Rotaviren-Impfung weltweit als Standard-Impfung für Säuglinge.
Rotaviren-Impfung: Am besten frühzeitig impfen

Eine Schluckimpfung (Lebendimpfstoff) kann einen schweren Krankheitsverlauf verhindern, auch wenn eine vollständige Immunität nicht gewährleistet ist, da es verschiedene Rotavirenstämme gibt. Je nach verwendetem Impfstoff werden dem Baby ab dem Alter von sechs Wochen zwei (Rotarix) bzw. drei Dosen (RotaTeq) in einem Mindestabstand von vier Wochen verabreicht.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch Institutes empfiehlt, die Impfserie frühzeitig - spätestens bis zum Alter von zwölf Wochen - zu beginnen und vorzugsweise bis zum Alter von 16 Wochen (Rotarix) bzw. von 20 - 22 Wochen (RotaTeq) abzuschließen. Grund dafür ist ein möglicherweise erhöhtes Risiko für Darmeinstülpungen innerhalb der ersten Woche nach der Impfung (1 bis 2 Fälle pro 100.000 geimpfte Kinder), das mit dem Alter des Kindes zunimmt.

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Wer trägt die Kosten für die Rotaviren-Impfung?

Bis vor einigen Jahren war die Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen noch nicht bundesweit einheitllich geregelt. Seit Dezember 2013 sind aber alle gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland verpflichtet, die Kosten für die Rotaviren-Impfung zu übernehmen.

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