Cybermobbing: Was tun, wenn mein Kind gemobbt wird?

"Früher haben wir doch auch auf dem Schulhof gelästert, jetzt macht das der Nachwuchs eben im Netz. Ist doch nich so schlimm." Würden Sie diesen Satz so unterschreiben? Hoffentlich nicht, denn Cybermobbing ist ein ernstes Problem. Was genau unter Cybermobbing zu verstehen ist, wie man betroffenen Kinder und Teenagern helfen kann und ob es Vorbeugungs- und Schutzmöglichkeiten gibt - darüber haben wir mit dem Psychiater und Mobbing-Experten Dr. Peter Teuschel gesprochen.


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Was ist Cybermobbing und wie verbreitet ist das "Phänomen"?



Cybermobbing


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Unter Cybermobbing versteht man das bewusste und geplante Beleidigen, Bloßstellen und Schikanieren einzelner Personen in so genannten "modernen Medien". Hierzu zählen das Internet, vor allem soziale Netzwerke wie Facebook, aber auch Twitter, Foren, Chatrooms und nicht zuletzt auch Handy-Technologien wie SMS. Auch über Email kann Cybermobbing ausgeübt werden.

Die Cyber-Attacken finden statt in Form von Schmähungen, Beleidigungen und Bedrohungen, dem Verbreiten von Gerüchten und Verleumdungen, der Zurschaustellung von kompromittierenden Fotos und Filmen ohne Einverständnis des Mobbing-Opfers. Genaue Zahlen zur Häufigkeit existieren noch nicht. Aber eine wichtige Untersuchung aus dem Jahr 2009 (Riebel et al.) gibt zumindest eine Richtung an: Demnach wurden 5,4 % der Schüler (von Klasse 1 bis 13) schon einmal Opfer von Cybermobbing.

➤ Wann spricht man eigentlich von Cybermobbing? Was ist nur "Lästerei" und wann wird eine Grenze überschritten?

Die Grenze ist nicht scharf gezogen. Was der eine noch als lästern empfindet, wird den anderen schon schwer kränken. Eindeutiges Mobbing ist immer erkennbar bösartig, auf größtmöglichen Schaden bedacht und zielgerichtet. Meist bleibt es nicht bei einer Attacke, sondern es wird systematisch und wiederholt schikaniert. Besonders Gemeinheiten "unter der Gürtellinie" sind als Mobbing erkennbar. Gleiches gilt für Aussagen wie "Bring dich lieber gleich um." und ähnliche Boshaftigkeiten.

➤ Sind nur Kinder und Jugendliche betroffen, die besonders schüchtern sind? Gibt es überhaupt bestimmte Merkmale, die Kinder eher zu Opfern oder Tätern machen?


Cybermobbing: Es kann jeden treffen


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Im Falle von Mobbing gilt: Es kann jeden treffen!
Also sind nicht nur besonders schüchterne Kinder und Jugendliche in Gefahr. Zur Zielscheibe kann man auf verschiedene Weise werden, Schüchternheit ist da nur ein Punkt. Einzelgängertum, "uncooles" Verhalten, sichtbare Krankheiten oder Behinderungen können das Kind oder den Jugendlichen isolieren und in die Opferrolle drängen. Aber auch Neid, Eifersucht oder Missgunst sind Motive, die dann meist erfolgreiche oder beliebte Kinder zum Opfer machen.

➤ Wer sind die Täter? Warum wird überhaupt im Netz gemobbt?


In den allermeisten Fällen ist Cybermobbing nur die Fortsetzung realen Mobbings im virtuellen Raum. Das heißt, Täter und Opfer kennen sich meist persönlich. Die Täter sind übrigens häufig beliebte und an der Spitze der Klassengemeinschaft stehende "Kings" und "Queens", die das Mobbing zur Demonstration ihrer Macht nutzen.

Cybermobbing bietet aufgrund der damit verbundenen Anonymität aber auch allen anderen Personen die Möglichkeit, mit ein paar Mausklicks einen anderen fertig zu machen. Durch ein zahlenmäßig nicht begrenztes Publikum ist die größtmögliche Effektivität der Attacken gewährleistet. Der Zugriff auf das Opfer ist rund um die Uhr möglich.

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Was sind die Folgen von Cybermobbing?

Cybermobbing kann katastrophale Folgen haben. Die öffentliche Bloßstellung und die Ohnmacht, sich nicht direkt wehren zu können, können zu schweren seelischen Krisen führen. Depressionen, Angststörungen, Schlafstörungen, Schulversagen, sozialer Rückzug sind mögliche Folgen. Am dramatischsten sind natürlich Suizidversuche oder gar Suizide als Folge von Cybermobbing. Einige Studien belegen auch ein erhöhtes Auftreten von Depressionen bei Erwachsenen, die als Mädchen oder Jungen gemobbt wurden.




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