Cybermobbing: Hilfe, Schutz und Vorbeugung

Cybermobbing ist immer eine starke seelische Belastung, doch einfach zu erkennen ist es für Eltern nicht, ob das eigene Kind unter Mobbing leidet.


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Wie merke ich, ob mein Kind unter Mobbing zu leiden hat?


Jede Änderung im Verhalten eines Kindes kann ein Hinweis auf eine seelische Belastung und damit auf erfolgtes Mobbing sein. Insbesondere Einsilbigkeit, Rückzug, Angst, Schlafprobleme, scheinbar unmotiviertes Weinen, aber auch die Weigerung, in die Schule zu gehen bzw. häufig auftretende und den Eltern als vorgeschoben erscheinende Erkrankungen, die den Schulbesuch verhindern, sollten Anlass geben, nachzufragen. Insgesamt ist es aber oft sehr schwierig, von einem nicht auskunftsbereiten Teenager die ehrliche Antwort zu bekommen, dass er oder sie Opfer von Cybermobbing geworden ist. 
Wie kann ich mein Kind schützen?
Traurigerweise ist ein echter Schutz nicht möglich.
Sobald das Kind alleine im Netz unterwegs ist, Emails und SMS schreibt, kann es zum Opfer werden. Am besten ist es, schon frühzeitig über die Gefahren zu sprechen, die in den sozialen Medien lauern. Wem es gelingt, hier eine offene Gesprächsatmosphäre zu schaffen, der hat schon viel erreicht. Verteufle ich als Mutter oder Vater Facebook & Co. dagegen von vornherein, so kann ich kaum erwarten, von meinem Kind ins Vertrauen gezogen zu werden, wenn Probleme auftauchen. Es empfiehlt sich für Eltern, über alle Online-Aktivitäten des Kindes informiert zu sein.

Wie kann ich meinem Kind helfen, wenn es schon geschehen ist und es gemobbt wird?


In einer solchen Situation braucht das Kind echte Unterstützung. Vorwürfe wie "Ich habe dich ja gewarnt." bringen nichts. Gemeinsam sollte möglichst rasch die Schule informiert werden (weil hier oft die Täter zu finden sind). Wird in einem sozialen Netzwerk gemobbt, ist der Betreiber zu informieren, auf das Mobbing hinzuweisen und zur Löschung entsprechender Texte und Bilder aufzufordern (Tipp: vorher Screenshots als Beweismittel abspeichern). Bei besonders schlimmen Attacken sollte durchaus auch an eine Anzeige bei der Polizei gedacht werden. Ebenfalls sollte man als Elternteil nicht zögern, mit dem Kind zum Arzt - am besten zum Kinder- und Jugendlichenpsychiater - zu gehen, wenn die seelische Belastung so groß ist, dass das Kind professionelle Unterstützung braucht.

trauriger Junge lehnt an Wand


© Thinkstock


Über Dr. Teuschel
Dr. med. Peter Teuschel ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie in München und setzt sich beruflich intensiv mit dem Thema Mobbing auseinander. In Zusammenarbeit mit dem Kinder- und Jugendpsychiater Klaus Werner Heuschen erschien das Buch "Bullying. Mobbing bei Kindern und Jugendlichen".