Elternbeirat im Kindergarten: Kita ist auch Elternsache

Den Kita-Alltag mitprägen: Das erfordert Einsatz, doch dieser Einsatz lohnt sich. Denn Kinder haben optimale Entwicklungschancen, wenn sich Eltern und Erzieher miteinander abstimmen.


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Elternbeirat im Kindergarten


© Thinkstock
Wie kommt mein Kind in der Kita zurecht, was könnte besser laufen – und wie kann man als Mama oder Papa dazu beitragen? Wir Eltern haben in Kindertagsstätten viele  Mitwirkungsmöglichkeiten, meist deutlich mehr als später an der Schule. Doch diese Chance wird längst nicht von allen genutzt. Oft deshalb, weil uns die Zeit fehlt. Manchmal bloß, weil man zufrieden ist, solange keine echten Probleme auftauchen.

Zugegeben, auch mein Engagement in der Kita meiner Kinder hielt sich in Grenzen. Doch inzwischen muss ich sagen: Wir Eltern tun unseren Kindern einen Gefallen, wenn wir unsere Rechte wahrnehmen und uns aktiv in den Kita-Alltag einbringen. Jeder natürlich nur in dem Maße, wie es machbar ist.

Und keine Angst: Indem wir eigene Wünsche und Vorstellungen äußern, zweifeln wir nicht die Kompetenz der Erzieher an. Indem wir ihnen von privaten Schwierigkeiten berichten, machen wir uns nicht angreifbar. Im Gegenteil, wir helfen den Erziehern, besser auf die Bedürfnisse unserer Kinder einzugehen. Nur so ist es möglich, die individuellen Erziehungsziele miteinander abzustimmen, jedes Kind und jede Familie ist schließlich anders.

Eltern haben was zu sagen


Je enger und vertrauensvoller Eltern und Erzieher zusammenarbeiten, desto stimmiger verläuft der Alltag des einzelnen Kindes. Das Ziel ist eine Erziehungspartnerschaft, „bei der sich Familie und Kindertageseinrichtung füreinander öffnen, ihre Erziehungsvorstellungen austauschen und zum Wohl der ihnen anvertrauten Kinder kooperieren. Sie erkennen die Bedeutung der jeweils anderen Lebenswelt für das Kind an und teilen ihre gemeinsame Verantwortung für die Erziehung des Kindes.“

Was der Bayerische Bildungs- und Erziehungsplan vorsieht, klingt selbstverständlich. Es bedeutet aber, dass Eltern und Erzieher miteinander sprechen, diskutieren und manchmal abweichende Meinungen ertragen müssen. Für beide Seiten kann das anstrengend und manchmal auch frustrierend sein. Wichtig sind deshalb eine respektvolle Grundhaltung, ein freundlicher Ton – und letztlich auch Verständnis dafür, dass nicht jeder Wunsch umsetzbar ist.

Im Kindergarten meiner Tochter etwa hatte sich eine Mutter für die Umstellung des Speiseplans auf Biokost eingesetzt. Das wäre teuer gewesen, nicht alle Eltern zogen mit. Anstatt sich zu zerstreiten, einigte man sich: Milch und Brot wurden künftig in Bioqualität gekauft. Damit konnten alle leben. Und die Kinder lernten nebenbei, dass es bei Auseinandersetzungen keinen beleidigten Verlierer geben muss.  

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Eigene Stärken einbringen

Erziehung ist wichtig, Betreuung ist Pflicht – vielseitige Bildungsangebote aber sind heute die Kür in der Kita. Auch hierzu können wir Mütter und Väter beitragen. Der Bayerische Bildungsplan formuliert es zutreffend so: „Wenn Eltern eingeladen werden, ihr Wissen, ihre Kompetenzen oder ihre Interessen in die Kindertageseinrichtung einzubringen, erweitert sich das Bildungsangebot. Wenn Eltern mit Kindern diskutieren, in Kleingruppen oder  inzelgesprächen, bringen sie andere Sichtweisen und Bildungsperspektiven ein.“

Mein Sohn durfte mit seiner Kita-Gruppe einmal den Hamburger Gemüsegroßmarkt besuchen. Organisiert wurde der Ausflug von einer Mutter, die ein Restaurant leitet. Die schiere Größe und der Trubel beeindruckten die Supermarkt-erprobten Jungs und Mädels nachhaltig. Eine andere Mama ermöglichte der ganzen Gruppe einen Besuch hinter den Kulissen des Theaters, für das sie jobbt. Und einen kompetenten Vater gab es auch: Er brachte den Kindern das Laubsägen bei.
Sprachrohr Elternbeirat
Eltern können auch ganz offiziell über die Situation in der Gruppe und der ganzen Kita mitbestimmen: Indem sie sich zum Elternvertreter wählen lassen. Die Konkurrenz ist meist überschaubar, man braucht auf dem Elternabend eigentlich nur den Finger zu heben, anstatt auf den Tisch zu starren und zu hoffen, dass der Kelch vorüberzieht. Elternvertreter erfahren vieles, was uns anderen Eltern verborgen bleibt. Das ist oft anstrengend, aber immer interessant.

Also ran ans Ehrenamt Elternvertreter! Anstatt aus Angst vor den Aufgaben schon vorher einzuknicken, sollte man es einmal versuchen. Neben den seltenen Treffen des Elternbeirats leiten Elternvertreter vor allem Mails der Leitung weiter, kümmern sich zu wichtigen Anlässen um Geschenke für die Erzieher und helfen bei der Organisation von Ausflügen und Festen. Da es immer mindestens zwei Elternvertreter gibt, lässt sich die Arbeit aufteilen. Der Vorteil des Ehrenamts für einen selbst: Man schaut hinter die Kulissen – und hat echte Gestaltungsmöglichkeiten.

Egal, ob im Tür-und-Angel-Gespräch, bei einzelnen Aktionen oder im Amt des Elternvertreters – Einmischung in den Kita-Alltag ist erlaubt, erwünscht und wirklich wichtig. Nutzen wir die Chance!

➤ Das Ziel der Elternvertretung

Den Anspruch der Kinder auf Bildung und Erziehung bestmöglich verwirklichen!

➤ Die Rechte der Elternvertreter

Bildung ist Ländersache, und das betrifft nicht nur Schulen, sondern auch Kitas. Die Kita-Gesetze der Bundesländer regeln, wie die Elternvertreter gewählt werden und welche Rechte sie haben. Von Bundesland zu Bundesland ist das unterschiedlich, selbst die Bezeichnungen für die Elternvertretung reichen von „Elternrat“ über „Elternausschuss“ bis hin zu „Kindergartenbeirat“.

Dies ist in jedem Bundesland gleich:

1.   Die Elternvertreter werden von den Eltern gewählt.
2.   Sie sind Ansprechpartner für alle Eltern der Einrichtung, umgekehrt auch der
      Kita-Leitung sowie der Träger der Einrichtung.
3.   Die Elternvertretung hat ein Informations-, Anhörungs- und Beratungsrecht.
      Das heißt: Kita-Leitung und Träger müssen den Elternrat über alles Wichtige
      auf dem Laufenden halten und seine Meinung anhören. Der Elternbeirat hat
      jedoch keine Entscheidungsbefugnisse.
4.   Der Elternbeirat hält mindestens zweimal im Jahr Versammlungen ab. Dabei
      geht’s um die räumliche Ausstattung der Kita und neue Einrichtungs- und
      Spielgeräte; finanzielle und organisatorische Dinge (Öffnungszeiten,
      Gruppengrößen, Betreuungsangebote …); die Einführung neuer pädagogischer
      Konzepte und pädagogische Zusatzangebote wie Tanzkurs, Sprachkurs,
      Schwimmkurs.


(von Almut Wenge / erschienen in der familie&co 02/2016)

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