G8 oder G9 - Was ist besser für mein Kind?

Neun Jahre nach der Verkürzung der Schulzeit auf acht Gymnasialjahre ist die Debatte um G8 oder G9 nicht abgeebbt. Im Gegenteil, durch die teilweise Rückkehr vieler Bundesländer zum neunjährigen Gymnasium stehen viele Eltern vor der Qual der Wahl. Soll ich mein Kind mit Turboantrieb in 8 Jahren zum Abitur schicken, oder doch lieber gemütlich in 9 Jahren?


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Eine Emnid-Umfrage aus dem Jahr 2012 kommt zu dem Ergebnis, dass acht von zehn Eltern (79 Prozent) mit schulpflichtigen Kindern G9 dem verkürzten Gymnasium vorziehen. Verständlich, schließlich ist die Schulzeit nicht nur ein Etappenziel auf dem Weg zur beruflichen oder akademischen Ausbildung, sondern auch prägend für die Persönlichkeitsentwicklung und das eigene Verhältnis zur Bildung. Dennoch gibt es auch gute Gründe für G8, beispielsweise eine bessere Vorbereitung der Schüler auf den späteren Leistungsdruck in der Uni und der Arbeitswelt. familie.de gibt einen Überblick über Vor- und Nachteile der beiden Schulformen in verschiedenen Bereichen.

1. Das Alter


Eines der wichtigsten Argumente für die Einführung der verkürzten Schulzeit war, dass die deutschen Abiturienten im internationalen Vergleich zu alt und deshalb nicht wettbewerbsfähig sind. Doch macht ein Jahr weniger tatsächlich so viel aus? Zudem durch die Abschaffung der Wehrpflicht in Deutschland nun auch der einjährige Wehr- oder Zivildienst für die Jungen wegfallen? Seit der Einführung von G8 hat sich das Alter der Absolventen international angeglichen. Zum Teil mag das allerdings auch an der Einführung des Bachelor-Abschlusses an den deutschen Universitäten liegen. Damit ist ein früherer Eintritt ins Berufsleben möglich, der bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt eröffnen soll. Ein Jahr mehr Lebensarbeitszeit bedeutet auch, ein Jahr früher Geld zu verdienen und in die eigene Rente einzuzahlen. Mit G8 ein Jahr früher das Abitur in der Tasche zu haben, ermöglicht eine Auszeit nach dem Abi, ohne Zeit zu verlieren. Zum Jobben, zum Reisen, zum Nachdenken, für die persönliche Entwicklung.

Schüler in der Klasse

Die Qual der Wahl - G8 oder G9?


© Thinkstock
Dennoch, im G9-System haben die deutschen Schüler mehr Zeit im Ausland verbracht. Möglicherweise, weil der schulische Druck nicht so hoch war, oder weil die Stoffdichte Platz ließ für den Schüleraustausch oder das Auslandsjahr. Von Arbeitgebern werden Auslandserfahrungen als Katalysator für persönliche Entwicklung und Reife positiv bewertet. Denn nicht nur das Alter und die Abschlussnote spielen eine Rolle, sondern auch die Persönlichkeit.

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Mit G9 war das Abitur auch ein Reifezeugnis, die meisten Abiturienten waren volljährig. Durch G8 machen viele Schüler den Schulabschluss unter 18 Jahren. Folgt die Einschreibung an der Uni im gleichen Jahr, starten sie minderjährig ins Studentenleben. Ob es der Selbstständigkeit eines jungen Menschen dient, das Einschreibeformular und den ersten eigenen Mietvertrag noch von den Eltern unterschreiben lassen zu müssen?

von Evelyn Hosse




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