Kleine Suppenkasper: Tipps von der Ernährungsexpertin

Interview mit Dagmar von Cramm, Ernährungswissenschaftlerin und Autorin mehrerer Kinderkochbücher zur Ernährungserziehung.


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Dagmar von Cramm zum das Essverhalten von Kindern



Warum Kinder manchmal nicht essen

Kinder erforschen ihr Essen mit allen Sinnen.


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baby&co: Welche Rolle spielt das Essverhalten der Eltern, damit Kinder wichtige Lebensmittel wie Gemüse akzeptieren?

Dagmar von Cramm: Eltern sind Vorbilder – und ein negatives Vorbild wirkt stärker als ein positives. Wenn also der Papa übers „Kaninchenfutter“ die Nase rümpft, dann kann die Mami noch so begeistert sein von Kohl & Co. – die Kinder werden es eher ablehnen.

Was können Eltern tun, um gute Vorbilder zu sein?

Zunächst einmal sollten sie sich einig sein. Und dann sollten sie auch selber mal etwas Neues ausprobieren und neugierig sein – gemeinsam mit dem Kind. Zudem gilt: Nicht mauern und nicht schummeln!

Wie hilfreich sind Ermahnungen oder Argumente wie „Das ist so gesund!“?


Sie bewirken eher das Gegenteil. Gesund ist kein Ziel für Kinder, sondern der Normalzustand. Die Devise sollte vielmehr lauten: Weniger reden, mehr handeln. Zum Beispiel gegen den ersten Hunger nach der Kita Knabbergemüse auf den Tisch stellen, pürieren oder überbacken – alles ist erlaubt. Auch sollte eine wichtige Grundregel durchgehalten werden: Es wird möglichst alles probiert!

Sind Belohnungen für gutes Essverhalten sinnvoll?


Die Freude der Eltern, wenn es dem Kind gut geht und es gut isst, spürt das Kind von selber. Da braucht es kein extra Lob. Denn Essen ist keine Leistung. Andererseits: Wenn schlechte Esser besonders viel Aufmerksamkeit bekommen, verstärkt sich das negative Verhalten. Notwendig für ein gesundes Essverhalten ist die frühe Gewöhnung an Vielfalt. Denn der Mensch mag, was er isst. Und da helfen Rituale und Regeln. Man kann ja nicht jeden Tag alles neu verhandeln. Das kostet einfach zu viel Kraft. 


Warum Kinder manchmal nicht essen

Machen Sie das Essen für Kinder auch optisch attraktiv.


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Tipps und Tricks, damit's noch besser schmeckt


Sollen die Mahlzeiten stressfrei verlaufen, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Diese Maßnahmen helfen:

Feste Tischzeiten
: Achten Sie auf regelmäßige Mahlzeiten und nehmen Sie diese möglichst gemeinsam ein. Denn in Gesellschaft schmeckt es den Kleinen besser und sie lernen, dass Essen zum Wohlbefinden beiträgt.

Keine Ablenkung: Essens- und Spielzeiten sollten klar getrennt sein. Das heißt: Kein Fernseher, kein Radio, keine Spiele bei Tisch. Nur so kann sich das Kind richtig auf seinen Teller konzentrieren und lernen, genussvoll zu essen.

Vorsicht mit Snacks: Wer sich zwischendurch schon satt nascht, kann es sich leisten, bei Tisch wählerisch zu werden. Und das ist doppelt schade. Denn: Hunger macht mutig!

Kindgerecht servieren: Bieten Sie Speisen so an, dass sie für Kinder attraktiv sind: in kleinen Portionen, spielerisch angerichtet, in lustigen Formen oder mundgerechten Happen. Auch ein nett gedeckter Tisch fördert den Appetit. Kein Druck oder Zwang: Der Teller muss nicht leer gegessen werden. Beachten Sie vielmehr Hunger- und Sättigungssignale des Kindes. Auch muss niemand alles mögen. Es ist normal, wenn Kinder einige Speisen ablehnen. Das sollte man akzeptieren.

Nicht diskutieren: Sie bestimmen, was auf den Tisch kommt. Verweigert der Knirps das Gericht: Bieten Sie ihm zum Sattwerden Brot an oder – wenn gar nichts geht – beenden Sie freundlich die Mahlzeit. Versuchen Sie dabei möglichst ohne Vorwürfe oder Enttäuschungsbekundungen auszukommen.

Mitmachen lassen: Spannen Sie den Nachwuchs beim Einkaufen und Kochen ein. Das fördert das Interesse an Nahrungsmitteln. Einmal die Woche darf sich Ihr Kind sein Leibgericht wünschen.

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