Kinder und Medien

Wie Medien auf Kinder wirken und was Sie tun können, damit Ihr Kind einen sinnvollen und verantwortungsbewussten Umgang mit Medien lernt.


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Wie wirken Medien auf Kinder?

Eine Studie der Universität Hamburg kommt zu dem Ergebnis: „Würden Kinder keine Massenmedien konsumieren, würde man ihnen die Möglichkeit nehmen, Erfahrungen damit zu sammeln und somit Medienkompetenz zu erwerben.“  Und immerhin haben Forscher bisher keine Beweise gefunden, dass Medien einen Einfluss auf das Wertesystem bzw. das materielle Denken von Kindern haben. Kinder werden auch heute noch stärker von ihren Spielkameraden und Eltern als von den Massenmedien beeinflusst.  Und das, obwohl viele Kinder inzwischen mehr Zeit vor dem Fernseher als mit ihren Freunden verbringen.

Fakt ist… - Zahlen aus der Mediennutzung
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    Fast jedes fünfte Kind im Grundschulalter beschäftigt sich heute schon mehr als eine Stunde täglich mit dem Smartphone, Computer und/oder Tablet. (Quelle: Allensbach-Studie)

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    Das Fernsehen ist das von Kleinkindern am meisten genutzte Medium. (Quelle: Common Sense Media)

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    In jedem dritten Haushalt belasten Konflikte über den Umgang mit dem Computer das Familienleben. (Quelle: forsa-Studie von scoyo)

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    Fast die Hälfte der Kinder zwischen zwei und fünf Jahren (44 %) sieht jeden oder fast jeden Tag fern. 43 Prozent beschäftigen sich (fast) täglich mit einem Buch. (Quelle: miniKIM-Studie 2014)

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    In den USA werden knapp 40 Prozent aller Kinder unter zwei Jahren mit Tablets, Smartphones oder eReadern vertröstet. (Quelle: Common Sense Media)

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    Ein Tablet-PC ist in 19 Prozent der Haushalte mit Kindern zwischen sechs und 13 Jahren vorhanden (2012: 12 %). (Quelle: KIM-Studie 2014)

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    79 Prozent der Kinder zwischen sechs und 13 Jahren schauen täglich fern. (Quelle: KIM-Studie 2014)



Kinder werden zu Medien-Experten
In den 70-ern und 80-ern, als die heute Elterngeneration Kind war, gab es drei Fernsehprogramme, heute jonglieren Kinder mit Smartphones, Spielekonsolen und DVDs, schalten mit der Fernbedienung zwischen bis zu hundert Kanälen hin und her - und kennen sich in Sachen schöne, neue Digitalwelt meist besser aus als ihre Eltern. Während die jungen Eltern von heute die letzte Generation sein werden, die den Umgang mit Computern erst als Teenies oder Erwachsene gelernt hat, werden ihre Kinder längst in diese Welt hineingeboren.

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Kinder bekommen zu viele Medien-Eindrücke
Das Tempo, das Kinder bei der Mediennutzung an den Tag legen, ist ungeheuerlich. Das weiß jeder, der einer Elfjährigen beim SMS-Tippen zuschaut. Oder beobachtet, mit welcher Geschwindigkeit Kinder am Computer spielen und problemlos schnell geschnittene Videoclips verfolgen. Das ist in der Tat eine Kompetenz, aber eine mit Nebenwirkungen: Die jungen Medienkonsumenten können die aufgenommenen Eindrücke nicht wirklich verarbeiten: Im Gedächtnis bleiben oft nur diffuse emotionale Eindrücke  haften. „Es findet in solchen Abläufen keine Selbstreflexion statt“, sagt der Medienpsychologe Wolfgang Bergmann („Die Welt der neuen Kinder - Erziehen im Informationszeitalter“, dtv, 9,50 Euro). Und so bedeutet Medienkompetenz nicht, am schnellsten mit der Maus zu sein. „Medienkompetenz bedeutet, kritisch denken zu können. Und die Voraussetzung dafür ist eine hohe Sprachkompetenz“, sagt der Computerwissenschaftler Joseph Weizenbaum.
Sprache muss sich früh entwickeln
Und wer nicht als Kind seine Sprache entwickelt, tut es auch als Erwachsener nicht mehr. Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich das Zeitfenster, in dem die Sprachentwicklung besonders gut verläuft, schon mit etwa acht Jahren schließt. Wenn Kinder fernsehen, ist es sinnvoll, eine Auswahl an guten Kinder-DVDs anzuschaffen, die dann immer wieder gesehen und unterbrochen werden können. So kann man das Diktat des Fernsehprogramms umgehen. Weiterer Vorteil von DVDs: Kinder werden mit viel weniger Werbung bombardiert - im Vorschulalter sind sie in der Regel noch nicht in der Lage, Werbung vom Programm zu unterscheiden. Allgemein gilt: Internetangebote, CD-ROMs, Videos und auch Bücher mit gewalttätigen Inhalten oder sexuellen Darstellungen, die Kinder verstören könnten, sollten für sie so unerreichbar sein wie Arzneimittel.
Der richtige Umgang mit den Medien
Computer und Bewegung - die Mischung macht's! Darin sind sich alle Experten einig. Es geht nicht darum, Fernsehen, Filme oder Computer zu verteufeln, sondern darum, einen gesunden, klugen Umgang damit zu finden. Kindgerechte, gute Software kann durchaus Kombinationsfähigkeit, Gedächtnis, Wahrnehmung und schlussfolgerndes Denken fördern. Aber im virtuellen Raum und vor dem Fernsehgerät lassen sich zum Beispiel keine Körpererfahrungen machen - und um die sollten wir unsere Kinder keinesfalls bringen: Treppen hochflitzen, auf Bäume klettern, schwitzen, durch den Baggersee schwimmen und bei einem heraufziehenden Gewitter in Rekordgeschwindigkeit nach Hause radeln. Oder Bälle gegen die Hauswand donnern. Die Erkenntnisse, die Kinder bei diesen ganz normalen Spielen nebenbei gewinnen, nennen Experten „intuitive Physik“. Ein sozial kompetenter, kommunikativer Mensch zu werden gelingt leichter, wenn Kinder miteinander (und natürlich mit Erwachsenen) spielen, sich streiten, sich wieder vertragen und ganz viel gequasselt und geplappert wird, gelegentlich auch über die Sendung mit der Maus oder Yakari. PC und Fernseher als Hauptgesprächspartner? Auf keinen Fall. Sie geben zwar auch Geräusche von sich - aber sie sind doch recht emotionslose Gesellen, mit denen Gespräche ziemlich einseitig verlaufen.
Die ganz normale Kindheit? Oft mühsam...

Lesen, Sport treiben oder sich selbst ein Spiel auszudenken ist im ersten Moment mühevoller und anstrengender als sich dem Sofort-Spaß der elektronischen Medien hinzugeben. Das geht Erwachsenen nicht anders. Man muss sich durchaus überwinden - aber dafür verschafft es einem hinterher ein größeres Erfolgsgefühl. Kindern, die diesen Zusammenhang von klein auf erleben, die gelernt haben, Langeweile hinzunehmen und zu überwinden, gelingt es leichter, sich für Malen, Basteln, Lesen oder Legospielen zu begeistern und weniger an Bildschirmen zu daddeln. Experten wie Thomas Feibel oder Jan-Uwe Rogge raten aus diesem Grund von Computer und Fernseher im Kinderzimmer ab. „Das falsche Signal“, finden beide.

Mit Kindern gemeinsam eine Alternative zu Fernsehen und Computer zu schaffen kostet vor allen Dingen eines: Zeit. Und die fehlt im Alltag häufig. Sich am frühen Sonntagmorgen aufzuraffen und etwas mit dem quicklebendigen Nachwuchs zu unternehmen, statt das „Ja“ zum Video zu geben - eine Herkules-Aufgabe. Dennoch: Der Platz vor dem Bildschirm sollte möglichst nur in Ausnahmefällen „Parkplatz“ für Kinder sein. Wenn der Kopf eines Kindes zu früh und zu viel mit „fremden Bildern“ überschwemmt wird, fällt es ihm viel schwerer, aus sich selbst heraus eigene zu erzeugen.




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