Hilfe, mein Kind hört nicht!

Hände waschen, Zimmer aufräumen - aber ihr Kind hört nicht? Wenn Eltern um etwas bitten, werden sie von ihren Kindern oft einfach ignoriert. So finden Mamas und Papas mehr Gehör.


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden
Wer von den Kindern gehört werden möchte, der sollte vor allem eines beachten: Durch die Wohnung rufen nützt gar nichts, wenn das Kind nicht hört. „Wichtig ist, dass die Eltern präsent sind. Also hingehen, die Kinder ansehen, sich am besten auf Augenhöhe begeben. Das Kind muss merken: Ich beschäftige mich gerade nur mit dir!“, so Diplom-Psychologe Jürgen Plass, Leiter der Erziehungsberatungsstelle in Fulda. Kinder merken sofort, wenn man nicht ganz bei der Sache ist und tun weiter das, womit sie gerade so schön beschäftigt sind: Auf dem Sofa herumhüpfen, die Schwester ärgern und natürlich auch ganz friedlich spielen. Alles attraktiver als das, was Eltern von ihnen erwarten: sich beeilen, aufräumen, Zähne putzen, Hände waschen und lauter lästige Dinge mehr. Klar, dass Weghören verlockend ist.

Kind hört nicht auf Vater

"Muss ich denn alles dreimal sagen?"


© iStock

Das Kind hört nicht? So wirkt die Stimme


Hingehen ist das eine – aber was man dann sagt, ist natürlich genauso entscheidend. Und auch: Wie man es sagt. Stimme, Körpersprache und Worte müssen zueinander passen. „Die Worte und ihre Musik gehören zusammen“, sagt der dänische Familientherapeut Jesper Juul.

Wie wichtig die Stimme ist, erklärt Monika Kiel-Hinrichsen, Pädagogin und Ausbilderin von Tagesmüttern und -vätern. „Eine Stimme, die von oben nach unten geführt wird, vermittelt Klarheit und kommt beim Kind an. Doch oft ist die Stimmlage der Eltern dünn und wird unbewusst am Ende des Satzes nach oben geführt. Den Kindern wird damit signalisiert, dass die Eltern das Gesagte als Frage an sie richten oder selbst nicht so recht wissen, wie sie zu der Situation stehen sollen.“

Auch sehr beliebt, aber ganz besonders unwirksam: Ein kleines „okay?“ an die Sätze hängen. Also: „Wir gehen gleich mal nach Hause, okay?“ Nein, nicht okay, Mama. Spielen macht doch viel mehr Spaß.

So werden Sie gehört
  • 1 / 7

    Wird oft überhört:  „Das Zimmer sieht ja immer noch so chaotisch aus“.

    Besser:  Lieber das Erfreuliche betonen als das Schlechte. Also: Loben, wenn es was zu loben gibt. „Prima, wie du schon die Sachen auf deinem Schreibtisch sortiert hast.“

  • 2 / 7

    Wird oft überhört: „Liebling, magst du zum Essen kommen?“

    Besser: Keine Frage stellen, wenn es nicht als Frage gemeint ist. Also: Den Satz als Aussage formulieren. „Das Essen ist fertig. Komm bitte an den Tisch.“

  • 3 / 7

    Wird oft überhört: „Nein, das möchte ich eigentlich nicht“. Tipp: Nicht so schwammig formulieren, das lädt zum Diskutieren ein.

    Besser: Eindeutig und konsequent sein. „Nein, vor dem Essen gibt es keine Bonbons mehr, das weißt du doch.“

  • 4 / 7

    Wird oft überhört: „Hüpf nicht auf dem Sofa herum!“.

    Besser: Das Wörtchen „nicht“ überhören Kinder oft. Lieber positiv formulieren. Also: „Geh da bitte runter, das Sofa ist zum Sitzen da“ oder, anderer Fall: „Die Füße gehören unter den Tisch.“

  • 5 / 7

    Wird oft überhört: „Wie oft soll ich dir noch sagen, dass…“

    Besser: Bei gebetsmühlenartigen Wiederholungen schalten Kinder ab. Besser: „Ich sage es dir maximal zwei Mal, und wenn das nichts nützt, dann…“ und logische Konsequenz nennen.

  • 6 / 7

    Wird oft überhört: „Sei jetzt mal leise!“

    Besser: Wenn möglich eine Alternative suchen, wann man es denn machen kann. Also: „Hier im Laden musst du die Tröte in der Tasche lassen. Auf dem Spielplatz holen wir sie wieder heraus.“

  • 7 / 7

    Wird oft überhört: „Stocher nicht im Essen herum, die armen Kinder in … würden sich darüber freuen.“

    Besser: Nicht moralisch anklagen. Dass es Menschen gibt, die hungern, ist ein großes Thema. Aber ein Bildungsthema und kein Mittel zur Erziehung.



Wenn das Kind nicht hört: Konsequenzen sind wichtig
Kinder sollten wissen, was es ihnen nützt, wenn sie mit Mama und Papa kooperieren: Vielleicht bleibt noch Zeit für eine Runde Domino, wenn sie jetzt schnell den Schlafanzug anziehen und die Zähne putzen? Die Konsequenzen müssen möglichst „natürlich“ sein – und die Eltern sich vorher in einer ruhigen Stunde überlegen. Denn Stress ist der Killer für konsequentes Verhalten, wenn das Kind nicht hört, wie Erziehungsberater Plass weiß. Wenn das Kind morgens endlos herumtrödelt, ist die Drohung: „Dann gehe ich gleich ohne dich los“ wenig glaubhaft. Und dass man den Fernseher bald aus dem Fenster schmeißt, sorgt auch bloß für Gähnen. Die Ansage aber: „Wenn du dir jetzt die Schuhe anziehst, dann können wir im Schaufenster des Tierladens noch kurz den Mäusen zugucken“ wirkt hingegen sehr. Das Kind hört nicht? Dann erfährt es echte Konsequenzen – nämlich, dass es schnurstracks daran vorbeieilen muss.
Loben bringt mehr als Schimpfen

Und noch etwas ist dem Erziehungsberater aufgefallen: Es stimmt, dass Kinder oft weghören, wenn Eltern etwas sagen. Aber manchmal reagieren sie eben doch. Und dieses eine Mal, wenn alles klappt, sollte gut beachtet werden. „Eltern belohnen oft das unerwünschte Verhalten – durch Aufmerksamkeit“, sagt Plass. „Richtiges Verhalten wird dagegen oft ignoriert, weil wir es selbstverständlich finden. Etwa, wenn die Zähne tatsächlich gleich geputzt werden. Aber dann lohnt es sich für das Kind gar nicht, es in Zukunft noch mal so toll zu machen“. Und er ergänzt: „Lob ist der Königsweg zur Veränderung.“ 

 Das könnte Sie interessieren: Kinder richtig loben

Lob ist für Kinder wichtig, aber es muss "echt" sein. Was damit gemeint ist und wie Kinder von Lob profitieren.


Lachen entspannt die Lage

Prima für alle Seiten ist, wenn es uns Eltern gelingt, innerlich einen Schritt zurückzutreten und die Sache mit Humor zu sehen. Zum Beispiel, indem wir die eigenen Wünsche in das Spiel der Kinder einbeziehen, wie die Pädagogin Monika Kiel-Hinrichsen empfiehlt. Eine Fünfjährige, die ins Puppenspiel vertieft ist, obwohl es Zeit für den Kindergarten ist, ließe sich etwa so sanft in die Wirklichkeit holen: „Achtung, Achtung, schnell den Puppenkoffer packen, der Zug zum Kindergarten fährt gleich ab“.

Richtig viel Spaß macht es kleinen Kindern übrigens, wenn sie zur Abwechslung mal nicht von Mama und Papa aufgefordert werden, sondern direkt mit Kuscheltier, Zahnbürste & Co. kommunizieren dürfen. Oder, in den Worten einer einsatzwilligen Zahnbürste: „Hey, mach mal den Mund auf, was sind denn das für weiße Dinger da? Die muss ich mir aus der Nähe angucken.“ Lachen entspannt Kinder und macht sie aufgeschlossener für unsere Wünsche. Das klappt nicht nur bei Dreijährigen, sondern auch bei den Großen.
Wenn nix geht: Locker bleiben!
Gegen Wände reden nervt, schnell wird der Ton lauter und schärfer. Aber nützt das was? Eher nicht, außer dass bald alle schlechte Laune haben. Hier drei einfache Übungen aus dem Yoga, die uns im Nu wieder lockerer für den nächsten Anlauf machen:

• Zwei Minuten ruhig ein- und ausatmen, dabei jeweils langsam bis fünf zählen.
   Bei jeder Ausatmung bewusst jede Anspannung loslassen.
• In kleinen Schlucken ein Glas Wasser trinken – spült den Ärger spürbar herunter.
• Die Arme seitlich ausstrecken, die Brust weit öffnen, tief atmen, mit jedem
   Einatmen neue Kraft aufnehmen.




mehr zum Thema
Erziehung Streit
Artikel kommentieren
Login