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Giraffe statt Wolf

Gewaltfreie Kommunikation: 10 Tipps, wie wir wertschätzend mit unseren Kindern sprechen

Gewaltfreie Kommunikation

Im Zusammenleben mit Kindern gibt es fast täglich kleinere oder größere Konfliktsituationen, in denen unterschiedliche Bedürfnisse aufeinandertreffen. Dann wird schon mal gemeckert, gebrüllt und die Türen zugeschlagen. Ihr wollt das nicht mehr? Eine Möglichkeit, diese Konflikte friedlich und für beide Seiten zufriedenstellend zu lösen, ist die gewaltfreie Kommunikation, kurz GFK. Welche Grundannahmen und Regeln der gewaltfreien Kommunikation zugrunde liegen, warum sie so wichtig für die Entwicklung unserer Kinder ist und wie ihr üben könnt, sie in eure alltägliche Familiensprache zu integrieren.

Was bedeutet gewaltfreie Kommunikation?

Der Begriff "Gewaltfreie Kommunikation" wurde von dem US-amerikanischen Psychologen Marshall B. Rosenberg geprägt. Man versteht darunter ein Kommunikationskonzept, das zum Ziel hat, einander vertrauensvoll und wohlmeinend zu begegnen und mit diesem Verhalten die Welt als einen lebenswerten Ort zu gestalten. Im Fokus steht dabei die Entwicklung von Beziehungen, die von gegenseitiger Wertschätzung geprägt sind und bei denen alle Beteiligten gerne und freiwillig dazu beitragen, dass es allen gut geht. Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg kann damit zur Konfliktlösung sowohl im privaten, als auch im beruflichen oder politischen Bereich zum Einsatz kommen.

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Gewaltfreie Kommunikation: Grundbegriffe

Bevor wir zum Thema "Gewaltfreie Kommunikation mit Kindern" kommen, klären wir kurz die wichtigsten Grundbegriffe der GFK:

  • Empathie (Einfühlungsvermögen) gilt als Grundvoraussetzung für die GFK. Rosenberg geht davon aus, dass Menschen grundsätzlich empathisch für ihr Gegenüber sind.
  • Bedürfnisse: Mit Hilfe der GFK soll es sowohl gelingen, die eigenen Bedürfnisse deutlich auszudrücken als auch dem anderen mit Empathie zuzuhören. Die GFK legt die Annahme zugrunde, dass Bedürfnisse der Grund für alle menschlichen Handlungen sind.
  • Gefühle: Ziel ist, dass die Gefühle und Bedürfnisse beider Seiten verstanden und berücksichtigt werden können.

Als weitere Grundannahme der GFK gilt, dass Menschen grundsätzlich gerne dazu bereit sind, etwas für den anderen zu tun. Hierzu müssen allerdings einige Bedingungen erfüllt sein:

  • die Anfrage muss als Bitte, nicht als Forderung formuliert sein
  • man darf nicht den Eindruck haben, eine Pflicht abzuarbeiten

Gewaltfreie Kommunikation bei Konflikten

Die GFK ist eine Strategie zur Konfliktlösung. Nach Rosenberg ist der häufigste Grund für Konflikte, dass Bedürfnisse falsch kommuniziert werden. Schuld daran sei eine wertende und verurteilende Sprache als Ursache für Gewalt. Durch sie reagieren viele Menschen entweder damit, sich zu verteidigen oder mit einem Gegenangriff. Die Bereitschaft zur Empathie sinkt gleichzeitig hierdurch. Im Umkehrschluss hat Sprache nach Rosenberg aber auch die Macht, Gewalt zu verhindern.

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Gewaltfreie Kommunikation: Giraffensprache vs. Wolfssprache

Um die Unterschiede in der Kommunikation zu verdeutlichen, wird die GFK oft mit Hilfe der "Giraffensprache" im Gegensatz zur "Wolfssprache" erklärt. Dabei steht die Sprache der Giraffe, des Landtiers mit dem größten Herzen, für die gewaltfreie Kommunikation, auch "Herzenssprache" genannt. Die Sprache des Wolfes hingegen steht für die sog. "lebensentfremdete Kommunikation". Laut Rosenberg führt die Wolfssprache zu Konflikten, die psychische oder physische Gewalt nach sich ziehen können.

Giraffe

Wolf

Überblickt die Situation

Überblickt die Situation nicht, hat nur eigene Perspektive

Wertschätzt sein Gegenüber

Sieht sich selbst im Zentrum

Sucht Kooperation mit anderen

Will seine Ziele durchsetzen

Hört empathisch aber neutral zu und beobachtet ohne zu werten

Urteilt über das Gegenüber: Beobachten und Bewerten werden vermischt

Konzentriert sich nur auf die konkrete Situation

Vergleicht: Damit geschieht bereits eine Verurteilung

Reflektiert die eigenen Gefühle. Beispiel: "Ich bin sauer, weil ich Verlässlichkeit brauche."

Es wird keine Verantwortung für eigene Handlungen oder Gefühle übernommen. Der andere ist "schuld" an den Gefühlen. Beispiel: "Ich bin sauer, weil du zu spät gekommen bist."

Vermittelt Wertschätzung

Vermittelt negative Gefühle

Formuliert Bitten. Wenn diesen nicht nachgekommen wird, gibt es einen weiteren Weg, die Situation bedürfnisorientiert zu lösen.

Formuliert Forderungen. Wenn diese nicht erfüllt werden, drohen Sanktionen.

Am Ende gibt es zwei Gewinner

Am Ende gibt es einen Gewinner und einen Verlierer

Wichtig: Nach der GFK stecken in jedem von uns sowohl Wesenszüge der Giraffe als auch des Wolfes, was völlig in Ordnung ist. Wünschenswert ist es allerdings, die Wolfssprache innerlich in Giraffensprache zu verwandeln und nach ihr zu kommunizieren. Also zunächst innezuhalten und zu reflektieren, dass man eigentlich gerne motzen und schimpfen möchte und sich stattdessen mit GFK zu äußern. Die Stimme des Wolfes hingegen macht uns auf unbefriedigte Bedürfnisse aufmerksam.

Die 4 Schritte der gewaltfreien Kommunikation

So wendet ihr die GFK in einer Konfliktsituation konkret an:

  1. Beobachtung: Diese ist klar von der Bewertung zu trennen. Beispiel: "Du bist in dieser Woche dreimal zu spät nach Hause gekommen."
  2. Gefühl: Die Beobachtung resultiert in einem Gefühl, das wiederum mit einem Bedürfnis in Verbindung steht. Beispiel: "Ich fühle mich unwohl."
  3. Bedürfnis: Gefühle sind ein Zeichen dafür, ob ein Bedürfnis momentan erfüllt ist oder nicht. Beispiel: "Ich wünsche mir Verlässlichkeit."
  4. Bitte: Aus dem Bedürfnis geht eine Bitte zu einer konkreten Handlung hervor. Die Bitte sollte positiv formuliert sein. Es sollte also ausgedrückt werden, was man möchte, nicht, was man nicht möchte. Beispiel: "Kannst du dich bitte bemühen, heute Abend pünktlich zu Hause zu sein?"
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Der Leitsatz der gewaltfreien Kommunikation

Die 4 Schritte resultieren im Leitsatz der GFK:

"Wenn ich a sehe (Beobachtung), dann fühle ich b (Gefühl), weil ich c brauche (Bedürfnis). Deswegen möchte ich jetzt gerne d (Bitte)."

Gewaltfreie Kommunikation mit Kindern

Vor allem um innerhalb der Familie zu kommunizieren, ist GFK eine wertschätzende, verständnis-, respekt- und liebevolle Art, miteinander umzugehen. Wie bei den Erwachsenen liegt der GFK mit Kindern die Annahme zugrunde, dass auch die Kids grundsätzlich gute Wesen sind und freiwillig kooperieren wollen.

Für GFK in der Familie ist es wichtig, Wege zu finden, die die Bedürfnisse aller Familienmitglieder befriedigen, nicht nur die der Kinder. Hierzu ist viel Empathie, aber auch viel Selbstreflexion notwendig. Fragt bei euren Kindern also immer wieder nach, wieso sie sich gerade in einer bestimmten Weise verhalten und was sie fühlen. Wenn die Kids noch zu klein sind, um ihre Bedürfnisse und Gefühle zu formulieren, versucht, euch in ihre Situation zu versetzen. Selbstverständlich könnt ihr nicht nur mit den Kindern gewaltfrei kommunizieren, sondern auch mit eurem Partner oder eurer Partnerin.

Gewaltfreie Kommunikation mit Kindern: 10 Tipps für Formulierungen

Diese 10 Ausdrucksformen und Verhaltensmuster solltet ihr vermeiden oder zumindest reduzieren, wenn ihr innerhalb eurer Familie nach GFK leben möchtet:

  1. Wenn-dann-Sätze: "Wenn du deine Jacke jetzt nicht anziehst, geh ich ohne dich zum Einkaufen." Solche Sätze drücken immer die Androhung einer Sanktion aus und setzen das Kind massiv unter Druck.
  2. "nicht": "Pass bitte auf, dass du den Saft nicht verschüttest". Formuliert euer Anliegen lieber positiv: "Achte bitte darauf, dass der Saft im Glas bleibt."
  3. "aber": "Du möchtest hier noch spielen, ich will aber zuhause das Abendessen vorbereiten." Hiermit werden die eigenen Bedürfnisse über die des Kindes gestellt. Um sie gleichberechtigt auszudrücken, besser das Wort "gleichzeitig" verwenden: "Du möchtest hier noch spielen, gleichzeitig möchte ich zuhause das Abendessen vorbereiten."
  4. Verallgemeinerungen: "immer", "dauernd", "schon wieder". Stattdessen auf die konkrete Situation beziehen.
  5. Eigenschaften zuschreiben: Durch Worte wie "schlampig", "unordentlich", "unzuverlässig", "frech" zieht ihr aus Handlungen Schlüsse auf den Charakter eines Kindes. Stattdessen solltet ihr euch auf die konkrete Situation beziehen: "Räum bitte die Bauklötzchen in die Kiste" ist wesentlich erfolgversprechender als "Du bist total chaotisch."
  6. Unterstellungen: "Du hast die Hausaufgaben doch bestimmt schon wieder nicht gemacht." Das Kind fühlt sich vorverurteilt und geht in eine Abwehrhaltung.
  7. Befehle: Für GFK solltet ihr keine Befehle oder Anweisungen geben, sondern Bitten äußern.
  8. Bestrafungen: Negative Sanktionen führen nicht zu einer beidseitigen Bedürfnisserfüllung. Außerdem wird die gesunde Entwicklung des Kindes durch die Furcht vor Strafe gestört.
  9. Belohnungen: Aber auch Belohnungen sind nach der GFK nicht wünschenswert. Sie können dazu führen, dass das Kind sich nach einem extern aufgedrängten Muster verhält. Seine Motivation soll aber von innen, vom Kind selbst kommen.
  10. Lob: Sogar Lob ist nicht im Sinne der GFK. Durch Lob werden die Kategorien "Beobachtung" und "Bewertung" vermischt. Dies heißt allerdings natürlich nicht, dass du deinem Kind kein positives Feedback geben darfst. Statt "Du hast ganz toll deinen Teller abgeräumt" ist "Du hast deinen Teller abgeräumt. Da bin ich ganz glücklich, denn mir ist es wichtig, dass alle mithelfen. Danke, dass du das gemacht hast" im Sinne der GFK zielführender. Lob sollte also durch Wertschätzung ersetzt werden.
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Daniela Hamburger

Ganz schön viel Wolf

Huiuiui, ich fürchte, aus mir spricht leider schon ganz schön oft der Wolf. Ich selber, wie wahrscheinlich die meisten meiner Generation, bin mit viel Wolfssprache aufgewachsen. Auf die Idee, sie als gewalttätig zu bezeichnen, bin ich bisher nicht gekommen. Aber es stimmt schon: Da gibt es einiges zu hinterfragen. Und vor allem einiges, in dem ich in Zukunft lieber Giraffe statt Wolf sein möchte.

Daniela Hamburger

"Gefahren" der gewaltfreien Kommunikation mit Kindern

Bei der GFK ist eine Bitte wirklich eine Bitte, keine Forderung. Es besteht also die "Gefahr", dass das Kind deiner Bitte nicht nachkommt. Und: Das solltest du akzeptieren. Gerade, wenn du erst mit der GFK anfängst, ist es nicht außergewöhnlich, dass das Kind zunächst nicht kooperiert. In diesem Fall solltest du versuchen, nochmal empathisch in dein Kind hineinzuhören. Was ist sein Bedürfnis, das deiner Bitte entgegensteht? Ist seine Kooperationsbereitschaft heute z. B. in der Schule oder im Kindergarten schon ausgereizt worden? Ist sein Bedürfnis nach Ruhe, nach Spiel etc. im Moment einfach viel größer? Mit der Zeit wirst du aber (wahrscheinlich) feststellen, dass es deinen Bitten immer öfter nachkommt. Der Grund: Die GFK geht davon aus, dass Kinder von Natur aus kooperativ und bindungsorientiert sind und gerne und freiwillig mit anderen zusammenarbeiten.

Wenn das Kind deine Bitte nicht erfüllt, die Angelegenheit dir aber sehr wichtig ist, gilt es manchmal, kreativ zu werden. Ist es dir z. B. sehr wichtig, dass wirklich jeden Morgen und Abend die Zähne gründlich geputzt werden, versuche zunächst, das Kind mithilfe der GFK von diesem beidseitigen Bedürfnis zu überzeugen. Es will aber einfach nicht? Indem du beispielsweise einen großzügigen zeitlichen Rahmen dafür lässt, gewährst du dem Kind trotzdem gewisse Entscheidungsfreiheit. Äußere auch Verständnis dafür, wenn dein Kind keine Lust zum Zähneputzen hat und ermutige es z. B. mit dir gemeinsam und einem Zahnputzlied zu putzen. So entsteht ein Miteinander statt ein Gegeneinander.

Wenn ihr mal eine App ausprobieren wollt, damit das mit dem Zähneputzen entspannter abläuft, haben wir im Video einige Vorschläge:

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Daniela Hamburger

Schwierig aber lohnenswert

Seit ich für diesen Artikel recherchiert habe, beschäftige ich mich auch privat mit der gewaltfreien Kommunikation. Mein (Zwischen-)Fazit: Es kann sich durchaus lohnen, die GFK einmal auszuprobieren. Auch, wenn sie absolut nicht immer gelingt, stehen die Chancen doch gut, dass das Zusammenleben in der Familie verständnisvoller und harmonischer wird. Meine dreijährige Tochter jedenfalls kooperiert tatsächlich erstaunlich oft. Wenn sie meine Bitten nicht erfüllt – was zugegebenermaßen auch sehr häufig ist – beobachte ich, dass ich mit der GFK im Hinterkopf doch deutlich geduldiger und empathischer reagiere. Was mir aber wirklich schwerfällt und für mich auch nicht authentisch ist, ist auf das Lob zu verzichten. Das kann ich nicht.

Mein Tipp: Seid nicht frustriert, wenn ihr die GFK nicht immer anwenden könnt oder die Kids nicht kooperieren. Wir sind alle nicht perfekt, sondern einfach nur Menschen. Und ganz wichtig: Wenn es euch wirklich mal gar nicht danach ist, gewaltfrei zu kommunizieren, sondern ihr lieber schimpfen wollt, muss das vielleicht auch einfach mal sein.

Daniela Hamburger
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Vorteile der gewaltfreien Kommunikation mit Kindern

Wenn ihr mit eurem Kind auf Augenhöhe sprecht, fühlt es sich in seinen Bedürfnissen ernstgenommen. Es weiß, dass seine Sicht der Dinge genauso wichtig ist wie die der Eltern, was dazu führt, dass es sich wertgeschätzt fühlt und weiß, dass seine Entscheidungen Gewicht haben.

Langfristig soll das Kind so kooperativer werden und ein stabiles Selbstwertgefühl aufbauen können. Somit hat es die besten Voraussetzungen für eine gesunde Entwicklung seiner Persönlichkeit.

Grenzen der gewaltfreien Kommunikation mit Kindern

Droht unmittelbare Gefahr, ist die GFK natürlich erstmal nicht geeignet: Wenn du zum Beispiel siehst, dass dein Kind mit dem Laufrad auf die rote Ampel zurollt und keine Anstalten macht zu bremsen, ist es keine gute Idee, in aller Ruhe die 4 Schritte der GFK anzuwenden. Da hilft dann wirklich nur ein lautes, unmissverständliches "Stopp!" oder ein beherzter Griff.

Und wie sieht es zum Beispiel aus, wenn Geschwisterkinder sich streiten und im Begriff sind, sich ernsthaft zu verletzen? Dann kommt das Prinzip der beschützenden vs. bestrafenden Macht ins Spiel.

Beschützende vs. bestrafende Macht

Die GFK lebt von ihrer Kommunikation auf Augenhöhe. Trotzdem gibt es Situationen, in denen du als Erwachsene*r deine Macht nutzen solltest. Hierbei unterscheidet die GFK allerdings beschützende von bestrafender Macht.

Beispielsituation: Die Geschwisterkinder streiten. Max zieht Moritz an den Haaren, Moritz weint vor Schmerzen.

Beschützende Macht: Du löst Max' Hände von Moritz' Haaren und trennst die beiden voneinander. Du schützt also Moritz, ohne Max für sein Verhalten zu verurteilen.

Bestrafende Macht: Du trennst die beiden voneinander und schickst Max zur Strafe für sein Verhalten in sein Zimmer. Dabei sagst du: "Du bist immer so aggressiv. Du solltest dich schämen." Du bestrafst also Max mit dem Ziel, dass er sich in Zukunft bessert. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Max auf die bestrafende Macht mit Verweigerung reagiert. Selbst wenn er Moritz beim nächsten Streit nicht mehr an den Haaren zieht, kommt die Motivation dafür aus der Angst vor Bestrafung, nicht aus Max' Einsicht.

Gewaltfreie Kommunikation üben

Gewaltfreie Kommunikation als Erwachsene*r üben

Die GFK klingt kompliziert? Ist sie zunächst auch. Es braucht zugegebenermaßen viel Übung, gewaltfreie Kommunikation wirklich flüssig in die Alltagssprache zu integrieren. Vor allem, weil viele der heutigen Eltern selbst mit "Wolfssprache" aufgewachsen sind und diese so in Fleisch und Blut übergegangen ist, dass wir das "Gewalttätige" an ihr erstmal gar nicht realisieren.

Auch fällt es uns im stressigen Familienalltag oft schwer, so ruhig, empathisch und reflektiert aufeinander zuzugehen. Wenn du innerlich brodelst, wird es dir kaum gelingen, geduldig mit deinem Kind zu sprechen. Und es würde auch merken, dass du nicht authentisch bist. Gib dir dann einen Moment Zeit, dich zu beruhigen und geht die Situation später nochmal an. Sag ruhig: "Ich bin gerade wütend, ich muss erstmal wieder runterkommen." So lernen Kinder gleichzeitig, dass negative Gefühle ganz normal sind und man mit ihnen trotzdem gut umgehen kann. Denn Kinder reagieren sehr sensibel darauf, wie mit ihnen gesprochen wird. Auf "Wolfssprache" reagieren sie oft bockig, mit Verweigern oder mit Weinen.

Damit GFK in der Familie leichter gelingt, könnt ihr die Umsetzung üben, am besten, indem ihr erstmal die einzelnen Schritte trainiert und sie gerne auch schriftlich festhaltet:

1. Beobachten: Versuche, eine Situation möglichst neutral zu beobachten. Ohne zu bewerten. Also nicht: "In der Küche hast du wieder alles liegengelassen. Es ist ein totales Chaos." Stattdessen: "In der Küche steht das gebrauchte Geschirr vom Mittagessen und auf dem Herd liegen Krümel." Dir fällt das schwer? Dann hilft es dir vielleicht, dich in die Rolle eines Reporters oder einer Reporterin hineinzuversetzen. Versuch, nur zu beschreiben, was du siehst, ohne Interpretation.

2. Gefühle: Du bist gereizt und gestresst? Versuche herauszufinden, welche konkreten Gefühle dem wirklich zugrunde liegen. Vielleicht bist du traurig, frustriert, besorgt, überfordert? Übe, diese Gefühle dir gegenüber herauszufinden und zu benennen. Die Situation in der Küche führt möglicherweise zu Überforderung bei dir.
Achtung! Achte bitte in diesem Schritt darauf, nur deine Gefühle zu formulieren, ohne das Gegenüber einzubeziehen. Wenn du sagst: "Ich fühle mich enttäuscht" implizierst du schon einen Vorwurf.

3. Bedürfnis: Frage dich: Wieso möchtest du, dass die Küche aufgeräumt ist? Was würde die aufgeräumte Küche bei dir bewirken? Welche Gefühle hättest du dann? Würde das die Stimmung für die ganze Familie verbessern? So wirst du dir über deine Bedürfnisse im Klaren. Formuliere das Bedürfnis klar, z. B.: "Mir ist Hygiene in der Küche wichtig, damit wir alle gesund bleiben." Die Begründung ist unglaublich wichtig, damit dein Kind dein Bedürfnis versteht.

4. Üben, die Bitte zu formulieren. Sie sollte:

  • machbar sein
  • positiv formuliert sein
  • neutral überprüfbar sein

Also: "Bitte räum dein Geschirr nach dem Mittagessen in die Spülmaschine ein. Und wisch auch den Herd ab. Dankeschön." Nicht: "Du sollst nicht immer so ein Chaos in der Küche hinterlassen."

Wie gesagt, GFK braucht viel Übung. Wenn ihr sie erlernen möchtet, alleine aber nicht klarkommt, könnt ihr euch an ausgebildete GFK-Trainer wenden. Es gibt sie in ganz Deutschland.

Gewaltfreie Kommunikation mit Kindern üben

Für die GFK ist es nicht zwingend notwendig, dass beide Parteien nach ihren Regeln kooperieren. Meist reicht es, wenn eine Seite nach GFK kommuniziert, um den Konflikt friedlich zu regeln. Besonders toll aber ist es natürlich, wenn alle Beteiligten die "Giraffensprache" sprechen. Ihr könnt dies mit euren Kindern zuhause üben – macht euch dazu gerne den Vergleich von Giraffe und Wolf, idealerweise mit Handpuppen, zu eigen. Indem ihr den Kindern die 4 Schritte der GFK erklärt, lernen auch sie, empathisch zuzuhören und sich klar zu äußern.

Für Grundschulkinder kann das zum Beispiel so aussehen:

  1. Beobachtung: Formt mit euren Händen ein Fernglas und schaut mal, was ihr seht und hört.
  2. Gefühl: Legt jetzt eine Hand auf euer Herz und sagt, was ihr fühlt.
  3. Bedürfnis: Nun legt ihr eine Hand auf den Bauch und sagt, was ihr braucht, um euch gut zu fühlen.
  4. Bitte: Nun bringt ihr die Hände vor der Brust zusammen und sprecht aus, worum ihr den anderen bittet.

Klar, das braucht viel Übung. Aber bestimmt nützt es schon etwas, wenn ihr eure Kinder an die Giraffe erinnert, wenn sie wie Wölfe agieren. Nach und nach werden sie die GFK immer öfter und selbstverständlicher anwenden.

Was brauchst du? Giraffensprache

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Kritik an der gewaltfreien Kommunikation

Als Kritikpunkt an der GFK wird oft geäußert, dass es nicht immer möglich sei, einen Kompromiss zu finden, der die Bedürfnisse aller Beteiligten berücksichtigt. Außerdem wird bisweilen die Grundannahme bezweifelt, dass alle Parteien grundsätzlich wohlwollend aufeinander zugehen möchten.

Hinzu kommt, dass sich viele Menschen zunächst schwer tun mit dem Begriff "gewaltfrei". Die meisten Leute sind sich nicht darüber im Klaren, dass unsere Sprache voller Gewalt ist. Im Gegenteil, sie halten Sprache für das friedliche Gegenteil von physischer Gewalt. Deswegen wird die GFK alternativ auch "wertschätzende" oder "verbindende Kommunikation" genannt.

Ein weiterer Kritikpunkt an der GFK ist, dass sie eine Methode sei, andere Menschen zu manipulieren. Dem entgegnen Fürsprecher der GFK, dass es nicht darum gehe, dem oder der anderen seinen Willen aufzuzwängen, sondern unter Berücksichtigung der beidseitigen Bedürfnisse zu agieren.

Gewaltfreie Kommunikation interessiert dich und du möchtest gerne mehr darüber erfahren? Dann können wir dir diese Medien ans Herz legen:

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GFK mit Kindern

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Hörtipp: Besonders praxisorientiert und voll von Beispielen aus dem Familienalltag ist der kostenlose Podcast "FamilieVerstehen: Das ABC der gewaltfreien Kommunikation" von GFK-Trainerin Kathy Weber.

Welcher Mama-Typ bist du oder wirst du vielleicht sein?

Bildquelle: The Image Bank / Marc Debnam

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