Bedürfnisorientierte Erziehung: Hör auf dein Bauchgefühl!

Be- oder Erziehung?

Bedürfnisorientierte Erziehung: Hör auf dein Bauchgefühl!

Wir lesen darüber in Blogs oder diskutieren mit der Tragetuch-Mama aus der Krabbelgruppe: Bedürfnisorientierte Erziehung ist jetzt der Weg, um starke Kinder großzuziehen. Sollen wir denn nur noch auf die Bedürfnisse unserer Minis hören oder haben wir Eltern auch noch ein Wörtchen mitzureden?

Das Baby will non-stop getragen werden, das Tragetuch vor Mamas Bauch ist der erwählte Schlafplatz und auch sonst dreht sich der ganze Tag nur ums Wickeln, Füttern, Kuscheln... Und was machen wir Eltern, damit das Baby entspannt bleibt? Alle Bedürfnisse an Ort und Stelle stillen. Ist das jetzt bedürfnisorientierte Erziehung? Was steckt hinter dem Erziehungstrend, der verspricht, dass unsere Kids zu selbstbewussten Individuen werden, wenn wir uns nur nach ihren Bedürfnissen richten.

Mama stillt im Tragetuch
Mama stillt die Bedürfnisse des Babys

Schimpfen ist out, kuscheln ist in

Bei der bedürfnisorientierten Erziehung, auch Attachment Parenting genannt, geht es darum, allen Signalen des Babys mit ganz viel Verständnis und Körperkontakt zu begegnen. In Zeiten von Tragetuch, Familienbett und Co. voll im Trend, stammt der Erziehungsstil des Attachment Parenting eigentlich aus den Achtziger Jahren, vom amerikanischen Kinderarzt William Sears. Sein Credo: Möglichst viel Körperkontakt, möglichst lange stillen, immer sofort aufs Baby reagieren - eben stets bedürfnisorientiert und bemüht handeln. Ein Handeln, das heute von Eltern gefragt ist. Ratgeber wie „Erziehen ohne Schimpfen“* und „artgerecht. Das andere Babybuch“ von Nicola Schmidt* oder „Bedürfnisorientiertes Stillen“ von Lena Glodde* treffen einen Nerv und landen auf den Bestsellerlisten. Bedürfnisorientierte Erziehung: Ein Thema, das uns Eltern mehr denn je bewegt, aber wie macht man es richtig?

Bedürfnisorientierte Erziehung: richtig oder falsch?

Mit richtig und falsch ist es in puncto Kindererziehung nicht immer ganz so einfach. Klar, Gewalt geht gar nicht, aber dem Kind Grenzen setzen, mal laut werden oder sogar schimpfen – ist uns allen schon passiert, oder? Alles halb so wild, denn auch wenn wir nicht der Typ für Tragetuch-all-day-long und Familienbett all-night-long sind, heißt das noch lange nicht, dass wir schlechte Eltern sind. Auch Buchautorin Lena Glodde rät von Extremen ab, meist reicht es schon auf sein natürliches Bauchgefühl zu hören. Klar, wer mag, der kann Beistellbett und Kinderwagen aus dem Haushalt verbannen und sein Kind stillen bis es 4 Jahre alt ist. Aber: „Wenn ein Kind fröhlich und friedlich im Kinderwagen liegt oder im eigenen Bett schläft ist das auch völlig okay. Nur, wenn es nicht funktioniert, sollte man umdenken.“ Von Schlaflernprogrammen oder Methoden wie Schreien lassen halten die Verfechter der bedürfnisorientierten Erziehung gar nichts. Wer hingegen auf die Signale seines Babys und auf seine Intuition vertraut, der hat das Konzept schon ganz gut verstanden.

Baby schreien lassen stört die Mutter-Kind-Bindung

„Es geht bei der bedürfnisorientierten Erziehung um die Erfüllung der Grundbedürfnisse des Kindes“, erklärt Autorin Lena Glodde weiter. „Schutz steht im Mittelpunkt. Für ein Baby ist beispielsweise ein Schlaflernprogramm nicht nachvollziehbar. Ein Baby schreit nicht, weil es die Eltern ärgern oder verwöhnt werden will. Es fordert lediglich ein Grundbedürfnis wie Körperkontakt und den Wunsch nach Bindung ein.“ Stattdessen geht es beim Attachment Parenting darum, Ruhe zu bewahren. Das Kind erklärend zu begleiten, anstatt es durch Strafen belehren zu wollen, und dem Baby damit Sicherheit zu geben. „Die sichere Bindung zu mindestens einer Bezugsperson ist wirklich überlebenswichtig. Das prompte, angemessene und feinfühlige Reagieren und auf ein Baby und Kleinkind schafft eine sichere Bindung.“ Und eine sichere Mutter-Kind-Bindung im ersten Lebensjahr führt automatisch zu einem psychisch gesunden, selbstsicheren Kind. „Das erste Lebensjahr ist bei der bedürfnisorientierten Erziehung das wichtigste“, so Glodde, „allerdings ist es auch wichtig, weiterhin auf die Grundbedürfnisse des Kindes einzugehen – zum Beispiel für das Kind da zu sein, wenn es emotional aufgewühlt ist. Das Bedürfnis nach Schutz und Begleitung bleibt.“

Bedürfnisorientierte Erziehung: So kann sie gelingen

Attachment Parenting kommt von der englischen Vokabel „attach“ (anhängen, anhaften) – doch heißt das automatisch, dass uns das Kind permanent am Hosenbein hängt und wir das einfach akzeptieren müssen? Die Anhänger von bedürfnisorientierter Erziehung sind sich da manchmal selbst nicht so ganz einig: Die einen richten ihr Leben komplett nach den Bedürfnissen der Kids aus und zelebrieren diese Form von Selbstaufgabe, die anderen schaffen es eben nicht, die eigenen Bedürfnisse ganz zurückzustellen. Doch auch das ist bedürfnisorientierte Erziehung! Denn schließlich haben alle Familienmitglieder eigene Bedürfnisse, die auch gestillt werden sollten, damit das Attachment Parenting letztlich nicht zur totalen Erschöpfung führt, sondern alle zufrieden sind.

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Gesine Engels-Krone
Das sagtGesine Engels-Krone:

In Erziehungsfragen locker bleiben!

Wir recherchieren, wir wälzen Ratgeber, wir vergleichen uns - und im Grunde genommen wollen wir alle doch nur dasselbe: Schlaf! Nein, Spaß beiseite: das Beste für unsere Babys! So lange man aus der bedürfnisorientierten Erziehung kein allzu großes Dogma macht, bin ich auf jeden Fall dabei und dafür. Ist aber auch Typfrage. Kein Bock auf ständiges Gruppenkuscheln auf der Toilette? Dann bist du trotzdem keine schlechte Mami. Handle einfach nach Bauchgefühl und du praktizierst schon mehr bedürfnisorientierte Erziehung als du denkst!

Bildquelle: GettyImages/lolostock

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