Reden? Kein Bock!

Anton, 14, ist wortkarg geworden. Fragen werden nur noch mit demonstrativem Augenrollen in knappen Sätzen beantwortet. Tipps für Eltern mit Kindern, die auf Konfrontationskurs sind.


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Anton (14) ist auf dem Weg zur Tür: „Tschüs, ich geh jetzt!“. Seine Mutter: „Wohin gehst Du?“ Anton, genervt die Kopfhörer aus den Ohren pulend: „Zu Freunden.“ Mutter: „Was für Freunde?“ Anton: „Kennst Du eh nicht!“ „Du bist bitte zum Abendessen wieder da!“ „Jaaa, wenn's sein muss. Kann ich jetzt endlich gehen?“

Nina (13): „Ich geh jetzt in die Stadt.“ Ihr Vater: „He, warte mal. Hast Du für Deine Englischschulaufgabe morgen gelernt?“ Nina: „Ja, ja.“ Vater: „Wie läuft‘s denn überhaupt so in der Schule?“ Nina: “Geht schon.” Vater: „Was heißt geht schon? Geht’s auch etwas konkreter?“ Nina: „Wieso willst Du das überhaupt wissen? Tu doch nicht so, als würdest Du Dich für mich interessieren!“, schreit Nina und schlägt die Haustür hinter sich zu.

So oder so ähnlich laufen die typischen Gespräche mit Teenagern ab. Entweder wortkarg und trotzig, gepaart mit demonstrativem Augenrollen, das signalisiert „Bist Du endlich fertig?“. Oder voll auf Konfrontationskurs, mit einer erschreckenden Portion Aggressivität, Gemotze und dem unbedingten Willen zur Provokation, um dann in einer 180-Grad-Kehrtwende in abgrundtiefes Selbstmitleid zu verfallen: „Ihr-interessiert-Euch-nicht-für-mich-dann-verreck-ich-halt!“


Konflikte in der Pubertät: Gespräche


© Thinkstock

Lösungsvorschlag


Die Pubertät ist ein wilder Drahtseilakt, mit seelischem Ungleichgewicht über die Wogen der Hormonschübe. Das einzige Auffangnetz, das Eltern bieten können ist das der, zugegeben schwierigen, Kommunikation. Wichtig ist, immer das Interesse an den aktuellen Themen im Leben Ihres Kindes behalten, auch wenn sie Eltern oft nicht so wichtig erscheinen, man erst mal zurückgewiesen oder sogar provoziert wird. Seien es Daddelspiele auf dem Computer oder Social Media-Portale, das Outfit oder die blöde beste Freundin.

Beweisen Sie Geduld und Ausdauer, entwickeln Sie eine Sensibilität für die richtigen Momente, wann und wie Sie fragen dürfen und hören Sie zu. Gute Gespräche zwischen Eltern und Kindern laufen in dieser Zeit oft eher nebenbei, beim Einkaufen oder im Auto. Auch vor dem Schlafengehen kann eine gute Gelegenheit zum Reden sein, wenn das Kind schon im Bett liegt und der Druck des Tages abfällt. Dennoch, versuchen Sie auf keinen Fall, sich mit Ihren Kindern auf die gleiche Stufe zu begeben. Interesse heißt nicht, dass Sie alles toll finden müssen, was Teenies mögen. Das ist unglaubwürdig.

Lassen Sie ihren Heranwachsenden auch ihre Privatsphäre, halten Sie die Balance zwischen Neugier und taktvoller Zurückhaltung.