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Tag der Entschuldigung: Wie Kinder lernen einander zu verzeihen

Tag der Entschuldigung: Wie Kinder lernen einander zu verzeihen

Tut mir Leid!

Sich zu entschuldigen ist wohl eines der schwersten Dinge überhaupt. Es zeigt anderen aber auch, dass man nicht perfekt ist. Doch andere um Verzeihung zu bitten, will auch gelernt sein. Gerade zum heutigen Internationalen Tag der Entschuldigung ist das ein großes Thema und es fängt schon bei Kindern an. Ich habe meine Kolleginnen in der Familie-Redaktion gefragt, wie sie ihren Kindern beibringen sich zu entschuldigen und wie auch sie ihre Fehler eingestehen.

Auch Eltern machen Fehler

Auch Eltern sind nur Menschen. Sie sind gestresst, fühlen sich manchmal überfordert und das bekommen auch die Kinder mit. Denn manchmal sagen Mama und Papa Dinge, die sie gar nicht so meinen. Gerade dann ist es wichtig, sich zu entschuldigen, denn Eltern sind den Kindern Vorbilder. Auch meine Kolleginnen haben sich schon mal bei ihren Kindern entschuldigt. Mir haben sie verraten, wann und wieso sie ihre Kinder um Verzeihung gebeten haben.

Meine Kollegin Jennifer ist Mama von zwei Jungs (1 und 4 Jahre alt). Das kann ganz schön stressig sein. "Bei zwei Jungs bin ich manchmal abgelenkt, höre nicht richtig zu oder muss mich um den Kleinen kümmern, obwohl ich dem Großen Mama-Zeit versprochen hatte. Wenn ich wegen solcher Sachen etwas falsch gemacht habe, entschuldige ich mich so bei meinen Kids, dass sie es nachvollziehen können: "Entschuldige, ich denke ich habe einen Fehler gemacht. Ich habe nochmal darüber nachgedacht und möchte es wieder gutmachen."

Katja erzählt über ihre 2-jährige Tochter Lea: "Im Alltag, wenn's stressig ist und sich Lea nicht anziehen will oder mitkommen möchte, werde ich als Mama schon öfter mal laut und sage nicht gerade kindgerechte Dinge. Vor allem, wenn sie sich so absolut weigert, obwohl wir es eilig haben oder wenn sie aus dem Nichts einen Gefühlsausbruch bekommt. Wenn ich dann verbal etwas laut und grob werde, erklär ich ihr kurze Zeit später, dass es mir leid tut und warum ich so reagiert habe. Meist drückt sie sich dann an mich und ich mich an sie und wir verstehen uns."

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Wie lernen Kinder, sich zu entschuldigen?

Wenn Kinder erstmal verstanden haben, dass auch die Eltern Fehler machen, fällt es ihnen leichter, anderen zu verzeihen. Doch wie lernen Kinder, sich selbst zu entschuldigen? Denn nicht immer reicht es, wenn Mama und Papa das vormachen!

Meine Kollegin Jennifer versucht, das ohne Zwang zu regeln: "Für mich ist es wichtig, dass meine Kids lernen, echte Empathie und Reue zu zeigen, statt einfach nur unter Druck "Entschuldigung" zu sagen. Für kleine Kinder ist es ja oft überfordernd, wenn sie impulsiv handeln und dann auch noch etwas von ihnen erwartet wird. Wenn sie es nicht selber sagen, entschuldige ich mich (aufrichtig) an ihrer Stelle bei dem anderen Kind, so sehen sie, wie's geht."

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Welche Möglichkeiten gibt es noch, seine Kinder behutsam an Entschuldigungen heranzuführen? Wir haben da ein paar Tipps:

  • Noch nicht zu früh zu viel erwarten! Gerade Kleinkinder haben noch nicht dieses ausgeprägte Verständnis für Fehler und die Gefühle anderer. Ungefähr ab dem 3. Lebensjahr beginnen sie, andere Sichtweisen und so auch Fehler wahrzunehmen. Eine ernsthafte Entschuldigung schon vorher zu erwarten, ist daher nur selten sinnvoll. Hier kann es helfen, es meiner Kollegin Jennifer gleichzutun.
  • Aktiv mit den Kindern über ihre Fehler sprechen. Im Kindergarten gab es eine Rauferei? Dein Kind hat etwas Fieses zu einem anderen Kind gesagt? Sprich es an und zeige dem Kind anhand von Beispielen, dass sein Verhalten falsch war. Vielleicht ist deinem Kind schon mal ähnliches passiert. Versuche, es an diese Momente zu erinnern und frag nach: "Dir ging es auch nicht gut, als ... dich geschubst hat. Möchtest du, dass andere sich auch so fühlen?" So zwingst du dein Kind nicht, sich zu entschuldigen, aber du verbindest bestimmtes Verhalten mit spezifischen Gefühlen.
  • Das Kind muss sich nicht immer entschuldigen! Als Elternteil neigt man vor allem bei älteren Kindern schnell dazu, für jedes Fehlverhalten eine Entschuldigung zu fordern. Doch das ist manchmal kontraproduktiv. Denn es gibt nicht immer nur Täter und Opfer. Hat sich das eigene Kind vielleicht nur gewehrt, als jemand anders gemein wurde? Es ist wie im normalen Alltag: Nicht immer ist alles schwarz und weiß. Daher gilt: Warum nicht mit den beteiligten Kindern sprechen? Da kann auch eine Erzieherin oder ein Elternteil der anderen Kinder dabei sein. Die Kinder können und sollen erzählen, was und wie alles passiert ist. Oft erkennt man schnell: Beide sind nicht ganz unschuldig.

Entschuldigen sich Kinder bei den Eltern?

Dass es auch innerhalb der Familie Konflikte und Streitigkeiten gibt, steht außer Frage. Aber nicht immer sind es nur die Eltern, die etwas falsch gemacht haben. Wenn ein Kind erstmal Empathie, aber auch die richtigen Normen und Werte (Immer Bitte und Danke sagen, Nicht lügen etc.) gelernt hat, kann es viel einfacher reflektieren, was es falsch gemacht hat. Zwar passiert das erst ab dem 3. Lebensjahr, aber dann ist es auch einfacher für Eltern, ihrem Kind zu zeigen, dass es gegenüber den Eltern einen Fehler gemacht hat. Nicht mit Vorwürfen, aber in Gesprächen. Was, wenn das Kind einfach die Mama haut? Was, wenn es mit Absicht Dinge kaputtmacht? Da ist es wichtig die eigenen Gefühle zu zeigen: "Mir hat es sehr wehgetan, als du mich gehauen hast. Möchtest du denn anderen mit Absicht wehtun?" oder auch "Ich war sehr traurig, dass du dein Spielzeugauto kaputtgemacht hast. Wir haben damit beide gerne gespielt und jetzt geht das nicht mehr."

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Der Internationale Tag der Entschuldigung gilt natürlich nicht nur für Eltern und ihre Kinder. Er gilt für jeden. Und doch waren wir alle mal klein und wussten noch nicht, wie eine Entschuldigung funktioniert. Deshalb gibt es viele Wege Kindern zu zeigen, wie wichtig es ist sich zu entschuldigen. Schließlich werden auch sie irgendwann erwachsen, bekommen eigene Kinder, denen sie selbst ein Vorbild sein sollen. Wer sich entschuldigt, erntet aber auch den Respekt anderer, die sich selbst vielleicht nicht getraut hätten, eigene Fehler einzusehen. Also egal, ob Eltern oder Kind: Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung (und zur Entschuldigung).

Gerade bei Kinder kommt es vor, dass sie einander ohne Empathie begegnen. Das kann schnell ins Mobbing übergehen und dann wird es gefährlich. Im Video zeigen wir dir ein paar Tipps gegen Mobbing.

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Bildquelle: Unsplash/Alvin Mahmudov

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