Tod und Trauer - Wie erkläre ich das meinem Kind?

Sollte man Kinder vor diesem schwierigen Thema "Tod und Sterben" beschützen? Wie trauern Kinder eigentlich - und wie können Eltern sie dabei unterstützen? Antworten zu einem heiklen Thema.


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden

Tod und Sterben - schwere Themen nicht ausklammern!


Beim Thema Sterben und Tod sind schon viele Erwachsene überfordert. Wie kann man da einem Kind erklären, dass der Opa gestorben ist oder ein geliebter Mensch todkrank ist? Es geht darum, Rituale zu schaffen, sagen Experten. Sie helfen den Kleinen, mit ihrer Trauer umzugehen. Eltern sollen das Thema nicht von ihren Kindern fernhalten. Vielmehr gilt es, sich kindgerecht damit auseinanderzusetzen.

Kinder das Thema Tod und Sterben erklären


© iStock
Eltern denken oft, Kinder sollten mit dem Thema Tod und Sterben am besten noch gar nicht konfrontiert werden. Sie wollen sie beschützen, sie fernhalten von solch schweren und unangenehmen Themen. Häufig hört man dann: "Kinder können das doch noch gar nicht verarbeiten, die können noch nicht trauern." Manch einer befürchtet, damit ginge die Leichtigkeit und Fröhlichkeit eines Kindes verloren.

Doch das ist ein Irrtum. Experten sind sich sicher: Kinder können durchaus trauern. Mehr noch, ihre Trauererfahrungen in der Kindheit legen den Grundstein dafür, wie sie in Zukunft mit einem Verlust umgehen. Das betont auch Corinna Hirschberg in ihrer Broschüre "Wie Kinder trauern" des Diakonischen Werks der EKD.

Ab wann haben Kinder eine Vorstellung vom Tod?


Grundsätzlich gehen Kinder je nach Alter ganz unterschiedlich mit dem Thema um. In der Fachliteratur werden hier grob vier Phasen der Todesvorstellung genannt. Kinder im Vorschulalter verstehen meist noch nicht, dass der Tod nicht umgekehrt werden kann und etwas Endgültiges ist. Das liegt daran, dass unter Fünfjährige noch kein ausgeprägtes Verständnis von Zeit und Dauer haben. Für sie ist Tod so etwas wie ein langer Schlaf. „Sie erwarten, dass der Verstorbene wieder zurückkommt“, sagt Hirschberg.

Erst Schulkinder können nachvollziehen, dass jemand, der tot ist, nicht wiederkommt. Sechs- bis Neunjährige verstehen den Tod vor allem ganz praktisch, zum Beispiel durch Unfälle. Krankheiten oder das Sterben aufgrund hohen Alters ist für sie meist noch nicht nachvollziehbar, weil es zu abstrakt und nicht greifbar ist. Ebenso verstehen sie oft noch nicht, dass sie selbst sterben können. Kinder in diesem Alter leben im Hier und Jetzt. Für sie hat nur die Gegenwart Bedeutung. Was in der Zukunft kommt, können sie sich noch nicht vorstellen. Das lernen und begreifen Kinder erst etwa ab dem zehnten Lebensjahr. In dieser Phase beschäftigen sie sich vielleicht vermehrt mit der Frage, was nach dem Tod geschieht.

Dann kommt das Interesse am Tod aber vor allem erst wieder in der Pubertät auf, wenn die Suche nach der eigenen Identität beginnt. Die Auseinandersetzung mit dem Ende des Lebens ist hier zwangsläufig. Denn gerade der Übergang vom Jugendlichen zum Erwachsenen ist mit vielen Ängsten und Unsicherheiten verbunden. Auch das Thema Suizid spielt hier eine Rolle.

 Das könnte Sie interessieren: Eines der einfachsten Bücher

Wie ist es, für Kinder über ein schwieriges Thema wie den Tod zu schreiben? Wir haben die Autorin Britta Teckentrup gefragt.


Kinder trauern anders – aber wie?

Egal, wie alt ein Kind ist: Eltern sollten sich bewusst sein, dass die Kleinen anders trauern als Erwachsene. So kann es vorkommen, dass ein Kind auf eine Todesnachricht beispielsweise zunächst gar keine Reaktion zeigt. Die Eltern sind überrascht, wenn es dann erst später ganz unvermittelt aus ihm herausbricht.

Ebenso befremdlich wirkt es auf Erwachsene, wenn die Kleinen spielen, malen, toben - anstatt zu weinen. Einfach machen lassen, raten hier Experten. Denn Kinder sind meist noch nicht in der Lage, ihre Gefühle richtig zu sortieren und sie zum Ausdruck zu bringen. Das geschieht dann eben meist nonverbal und spielerisch. Das Kind verarbeitet auf diese Weise seine Trauer und stellt sein seelisches Gleichgewicht wieder her.

Außerdem wechseln sich bei Kindern scheinbar fröhliche Phasen mit Trauerphasen ab. In einem Moment sind sie traurig, ziehen sich zurück und sind vielleicht sogar verzweifelt, im nächsten sind sie lustig, spielen und lachen. Für uns Erwachsene ist das oft nicht nachvollziehbar. Doch das ist ganz normal und übrigens auch gut so, sagen Experten und Trauerbegleiter. Kinder lassen sich leicht ablenken und schaffen es so, sich Erholungsphasen zu gönnen. „Dieses Verhalten schützt sie vor Überbeanspruchung“, sagt die Pädagogin Gertrud Ennulat. Denn diese Art, von der Trauer abzuschalten, ist im Grunde nur gut für die Seele.




mehr zum Thema
Erziehung Psychologie
Artikel kommentieren
Login