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Einschlafrituale und andere Routinen fürs Baby: Warum sie so wichtig sind

Einschlafrituale und andere Routinen fürs Baby: Warum sie so wichtig sind

Schlaf gut!

Seid ihr strukturiert oder eher chaotisch? Ich bin, ehrlich gesagt, letzteres. Schon der Gedanke, Dinge – oder gar den ganzen Tag – strukturiert angehen zu müssen, macht mich fertig. Als ich Mutter wurde, hieß es: Babys brauchen Rituale, Routinen, Struktur. Ja herzlichen Glückwunsch. Ich sah schwarz für unsere Familie.

Vorweg gesagt, nicht jeder Mensch und so auch nicht jedes Kind, braucht dasselbe Maß an Struktur. Einige Kinder schlafen wann und wo sie müde werden, bei anderen müssen Bett, Kuscheltier und Raumtemperatur immer gleich sein. Zu welcher Sorte ihr und euer Baby gehört, könnt nur ihr selbst herausfinden. Ein wenig Struktur tut aber allen Babys gut, sogar meinen. Und es ist auch für die größten Chaoten im Grunde gar nicht so kompliziert.

"Rituale" müssen nicht zu groß gedacht werden. Schon Kleinigkeiten geben eurem Baby ein Gefühl der Regelmäßigkeit und mit ein paar einfachen Tricks lässt sich der Alltag mit Baby ein wenig strukturieren. Warum das doch ganz nützlich ist, habe ich in den ersten Jahren als Mama schnell herausgefunden.

Babys brauchen feste Rituale

Für ein Baby sind Rituale mehr als lieb gewonnene Lieder, Spiele und Schmuse-Einheiten. Sie helfen, dem Tagesablauf eine verlässliche Struktur zu geben. Das Baby kann sich so sicher und geborgen fühlen. „Wieviel äußere Struktur nötig ist, hängt allerdings vom Kind selbst ab“, erklärt Diplom-Psychologe Jörn Borke, Autor des Ratgebers "Babysprechstunde".

Warum sind Rituale für Babys und Kinder so wichtig?

Rituale, Handlungsmuster oder einfach Dinge, die ihr immer wieder tut, geben Babys und Kindern Sicherheit, Stabilität und Geborgenheit. Geborgenheitsempfindungen sind ganz entscheidend für Entwicklung von Wahrnehmung und Persönlichkeit. Ein Baby kann noch keine Regeln verstehen. Aber es kann sie später leichter lernen, wenn es von Geburt an einen gewissen Rhythmus erlebt. Regelmäßigkeit ist sozusagen die Vorform von Regeln.

Rituale und Beständigkeiten in eurem Tagesablauf

  • geben Halt und Orientierung
  • schaffen Zusammenhalt
  • fördern Selbständigkeit
  • stärken die Verbundenheit in der Familie
  • fördern Konzentration
  • entlasten und schaffen Ordnung
  • reduzieren Ängste und machen stark für Krise.

„Rituale sind gut, weil sie Halt geben und so Ängste reduzieren können“, resümiert der Psychologe Jörn Borke. Und sie können auch den Familienzusammenhalt fördern: Beim gemeinsamen, langen Sonntagsfrühstück, dem ein toller Ausflug oder Spiele-Nachmittag folgt. Da findet jede Familie ihre eigenen, festen Abläufe - genauso wie für Feier- und Geburtstage. Und die bleiben schließlich bis ins Erwachsenenalter wichtig.

Ab wann sollten Rituale fürs Baby eingeführt werden?

Nicht nur für das Baby, auch für euch ist es einfacher, wenn ihr die Rituale von Anfang an in euren Alltag mit aufnehmt. In den ersten Wochen wird euer Baby im wesentlichen nur schlafen und trinken. Doch auch hier könnt ihr schon schauen, ob ihr ein oder zwei Dinge einfließen lassen könnt, die ihr immer wieder tut. Sucht euch zum Beispiel einen festen Platz zum Stillen oder Fläschen geben oder eine andere winzige Kleinigkeit, die eurem Baby signalisiert: "Wenn Mama das macht, bekomme ich etwas zu trinken."

Geborgenheitsempfindungen sind ganz entscheidend für Entwicklung von Wahrnehmung und Persönlichkeit.“ Ein Baby kann noch keine Regeln verstehen. Aber das Baby kann sie später leichter lernen, wenn es von Geburt an einen gewissen Rhythmus erlebt. Regelmäßigkeit ist sozusagen die Vorform von Regeln.

Laut Borke ist es eine zentrale Aufgabe für das Baby im ersten Lebensjahr, mit den drei großen Regulationsaufgaben umgehen zu lernen: Die Übergänge

• zwischen Schlaf- und Wachphase,
• zwischen inneren Ruhe- und Unruhezuständen
• zwischen Hunger- und Sättigungsgefühl

Für manche Kinder sind dabei ein klar strukturierter Tag und viele kleine Rituale hilfreich, andere kommen damit auch ganz von selbst klar.

Ein Rhythmus, der Eltern und Kindern guttut, entsteht am ehesten, wenn ihr euer Baby und seine Bedürfnisse aufmerksam beobachtet. Schon nach einigen Wochen stellen die meisten Eltern fest, dass ihr Baby so etwas wie Schlaf- und Trinkzeiten entwickelt und zu bestimmten Zeiten besonders wach und aufmerksam ist. Wenn ihr euer Baby darin unterstützt, indem ihr zu den entsprechenden Zeiten mit ihm spielt, es hinlegt oder eine Mahlzeit plant, pendelt sich ein immer festerer Tagesablauf ein. Rituale sind dabei eine prima Unterstützung.

Welche Rituale eignen sich für den Alltag mit Baby?

Rituale können in fast jedem Bereich des Alltags vorkommen. Dazu gehören auch kleine "Familientraditionen", wie das gemeinsame Abendessen, eine feste Sitzordnung am Tisch, Buchangucken im Bett am Sonntagmorgen oder die allabendliche Gute-Nacht-Geschichte. Ihr braucht also keinen zehn-Punkte-Plan für das Einschlafritual und müsst auch nicht alle Mahlzeiten genau nach der Uhr einnehmen. „Wichtig ist, dass Eltern ausprobieren, was ihnen und dem Kind gefällt, und auf diese Weise etwas finden, das zur Familie passt“, sagt Borke. Meist spüren das die Eltern intuitiv.

Wie schon gesagt, müsst ihr euch keine großen Zeremonien oder 10-Punkte-Pläne ausdenken. Schließlich strukturieren Rituale nicht nur den Tagesablauf für das Baby, sie sollen vor allem Spaß machen - dem Baby und der ganzen Familie. Etwa, wenn das Baby fröhlich in seiner Badewanne planscht oder sich über das gemeinsame Bilderbuchanschauen am Nachmittag freut.

Viele andere Rituale entstehen ganz unbewusst und manchmal braucht es gar nicht viel, um etwas als kleines „Ritual“ bezeichnen zu können: Zum Beispiel, dass die letzte Mahlzeit des Tages von Papa kommt (vorausgesetzt, es wird nicht gestillt...). Dass Papa die Kinder zur Kita bringt und Mama sie nachmittags wieder abholt. Dass Papa später nach Hause kommt und erst ein wenig mit dem Nachwuchs spielt, bevor das Abendessen fertig ist. Für Babys reicht es zum Beispiel schon, wenn sie Mama mit dem Lätzchen kommen sehen. Dann wissen sie: „Jetzt gibt's gleich Essen.“

In den meisten Kitas gibt es klare Strukturen und Programmpunkte, wie zum Beispiel gemeinsame Mahlzeiten oder der Morgenkreis. Das Kinderturnen beginnt und endet meist mit einem gemeinsam gesungenen Lied im Kreis. All das hilft den Kindern, sich im Alltag zu orientieren, Anfang und Ende eines Tagesabschnitts zu erkennen. Überlegt euch solche kleinen Rituale auch für euren Tagesablauf.

Schlafrituale fürs Baby: Ein Tag mit Happy End

"So, und jetzt ab ins Bett!" Gut, ganz so schnell geht es bei den meisten dann doch nicht. Die Einschlafbegleitung kann schon mal etwas dauern. Vielen Babys fällt es schwer, sich zur Schlafenszeit von Mama zu lösen. Einschlaf-Rituale können da helfen.

Abendrituale fürs Baby

Einschlafrituale sorgen für eine ruhige Nacht – für Eltern und das Baby. Bei eurem Baby sorgt ein langsam, mit schönen Ritualen ausklingender Tag für ein sicheres Gefühl, das auch noch andauert, wenn es allein im Bettchen liegt. Auch hier braucht ihr keinen ausgeklügelten 10 Punkte-Plan. Schon das Anziehen des Schlafanzugs bereitet euer Baby aufs Zubettgehen vor. Dann noch etwas Kuscheln, ein Milchfläschchen oder stillen, ein kleines Gutenachtlied oder Musik aus der Spieluhr – und schon fallen die Augen zu. So zumindest die Theorie.

Natürlich muss der Ablauf nicht ewig gleich bleiben. Das ergibt sich zum Beispiel, weil euer Baby schlicht aus dem Fläschchen- oder Stillalter herauswächst. Oder wenn ihr die Lieder variiert und zum Vorlesen wechselt. Kann euer Baby seine Wünsche schon selbst äußern, darf es sich ein Lied oder eine Geschichte selbst aussuchen.

Einschlafrituale für's Baby: Ab wann machen sie Sinn?

Auch hier gilt, je eher desto besser. Aber ihr solltet am Anfang noch nicht zu viel erwarten. In den ersten 3 Monaten gibt es noch keine Regelmäßigkeit, erst ab dem 4. Monat entwickelt sich das Schlafzentrum langsam so weit, dass sich so etwas wie ein Rhythmus zeigt. Aber auch darauf kann man sich nicht verlassen. Mal schläft das Baby drei Tage hintereinander um die gleiche Zeit ein, dann wieder nicht.

Die Reifung des Schlafzentrums ist genetisch bedingt. Ab etwa dem 4. Monat verlagert sich der Schlaf langsam in die Dunkelheit. Bei dieser „Anpassungsarbeit“ könnt ihr euer Baby sanft unterstützen, indem ihr es füttert und wickelt und es dann mit einem Einschlafritual ins Bettchen legen. Es ist aber noch zu früh, um Einschlafen zwingend zu erwarten. Erst ab dem 6. Monat können Kinder langsam feste Schlafenszeiten mitmachen.

Einschlaf-Rituale abgewöhnen: Zeit für Neues

Manchmal ändert sich unser Leben und es gibt die verschiedensten Gründe, warum ihr ein einmal eingeführtes Abendritual ändern oder abschaffen wollt oder vielleicht müsst. Dazu empfehlen sich zwei Vorgehensweisen:

Langsam entwöhnen - Lasst euch, wenn möglich, Zeit. Gerade eingespielte Gewohnheiten lassen sich nicht so gern von heute auf morgen absetzen.Radikalkuren sind nicht angebracht! Habt ihr bisher immer neben eurem Baby gelegen, bis es eingeschlafen ist, entfert euch schrittweise. Legt euch zusammen hin, steht aber auf, solange euer Baby noch wach ist. Bleibt aber bei ihm und haltet vielleicht seine Hand. Dann sitzt ihr nur noch neben dem Bett und entfernt euch jeden Abend ein kleines Bisschen schneller. Bis euer Baby nach ein paar Wochen alleine einschläft.

Ersatzrituale finden - Waschen statt baden, Gemeinsam ein schönes Lied hören, eine Geschichte vorlesen - angenehme Rituale gibt es viele. Versucht, unliebsame Gewohnheiten allmählich zu ersetzen.

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Rituale fürs Essen, Kranksein und  Abschiede

Auch beim Essen, bei Krankheiten und bei Abschieden könnt ihr Rituale einführen, die eurem Baby helfen.

Rituale fürs Baby bei Essen und Krankheit

Beim Familienessen Stillen oder die Flasche geben ist nicht unbedingt das praktischste. Macht es euch in den erstem Monaten zur Fütterungszeit lieber richtig gemütlich. Mit der ersten Beikost kann euer Baby aber seinen Platz am Familientisch einnehmen. So bekommt es alles mit und fühlt sich mehr als Teil der Familie, als wenn es allein im Hochstuhl gefüttert wird. Wenn ihr breifrei startet oder neben dem Brei Fingerfood anbietet, kann es herrlich matschen und probieren und ihr habt im besten Fall ein paar Minuten um selbst in Ruhe zu essen.

Aber Vorsicht: Außergewöhnliche Situationen beim Essen prägen sich bei Babys und Kleinkindern sehr schnell ein und was einmal angewöhnt wurde muss eventuell mühsam wieder abgewöhnt werden. Problematische Essgewohnheiten können im schlimmsten Fall zu einer Fütterstörung führen. Wichtig sind also feste Regeln, wenn es ums Essen geht. Der Fernseher sollte zum Beispiel während des Essens aus bleiben. Spielzeug und Nahrung nicht vermischt werden.

Wenn eure Kinder größer sind, könnt ihr sie spielerisch in die alltäglichen Aufgaben mit einbinden. Lasst sie beim Kochen und Tischdecken helfen und vielleicht den Tischspruch aus dem Kindergarten zum Besten geben.

Rituale können sogar eine heilsame Wirkung haben, zum Beispiel, wenn der Nachwuchs krank ist. Dann gibt's eben mal eine Portion Gummibärchen extra, der kleine Patient darf im Bett essen, bekommt die Lieblingsbücher vorgelesen oder darf (je nach Alter) den Lieblingsfilm gucken und ist für kurze Zeit der Familienmittelpunkt.

Abschiedsrituale erleichtern Trennungen

Das Schlafengehen ist für das Baby so etwas wie eine erste Trennung von den Eltern. Einschlafrituale bedeuten hier für ein Baby wie für Eltern Erleichterung und Sicherheit. Und dieses Prinzip gilt auch dann, wenn das Baby zum ersten Mal in die Kita, zur Tagesmutter oder in den Kindergarten geht.

Bei einem kleinen Abschiedsritual kommt dem Lieblingsstofftier eine große Bedeutung zu. Das sogenannte „Übergangsobjekt“ macht den Abschied fürs Baby erträglich - und damit die langsame Abnabelung von Mama: „Es kann Kindern den Schritt von der Mutter-Kind-Beziehung hin zu anderen Beziehungen erleichtern“, erklärt der Psychologe Jörn Borke. „Kinder suchen sich ihr Lieblingsstofftier selbst aus, das fängt etwa zwischen vier und zwölf Monaten an. Eltern sollten die Wahl des Kindes respektieren.“ Auch wenn es sich ein vielleicht weniger ansehnliches Exemplar als „Übergangsobjekt“ aussucht.

Wie das Einschlaf-Ritual sollten Abschiedsrituale nicht zu lange dauern. Ein Kuss, ein kurzes „Tschüss, bis nachher!“ - und Mama kann gehen. Das könnt ihr zunächst auch üben, indem ihr eure Kleinen zur Oma bringen oder den Babysitter für ein, zwei Stunden kommen lassen. Dann lernt euer Kind früh: Mama geht für eine Weile weg, aber sie kommt auch immer zurück!

Umso ausgiebiger darf dafür das Begrüßungsritual nach überstandener Trennung ausfallen!

Ausversehen doch strukturiert

Wie gesagt, wir sind eher der Typ Chaos-Familie. Nach gut vier Jahren kann ich sagen, dass die Kinder sich da bestens eingefügt haben. Aber wenn ich unseren Alltag einmal genauer unter die Lupe nehme, finde auch ich viele dieser kleinen "Rituale" und Regelmäßigkeiten.

Sie kamen ganz automatisch. Weil sie Spaß machen ("Badeparty" mit Schaum und Musik am Sonntag), weil die Kinder sie einfordern (feste Sitzordnung am Esstisch) oder weil sie wunderbar kuschelig sind (Gemeinsam erzählte Einschlafgeschichte). So haben sich, entgegen meiner Sorge, mich mit Kindern fürchterlich verbiegen und strukturieren zu müssen, heimlich, still und leise Struktur und Regelmäßigkeit in unseren Alltag eingeschlichen. Und um ehrlich zu sein – mir gefällt's!

 

Bildquelle: Getty Images /Paulaphoto

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