Tagesablauf durch Rituale gestalten

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Tagesablauf durch Rituale gestalten

Durch Rituale lässt sich der Tagesablauf für das Baby angenehm gestalten und strukturieren. Wie Sie tägliche Rituale etablieren können und was Sie nützen.

Ein Baby braucht feste Rituale

Für ein Baby sind Rituale mehr als lieb gewonnene Lieder, Spiele und Schmuse-Einheiten. Sie helfen, dem Tagesablauf eine verlässliche Struktur zu geben. Das Baby kann sich so sicher und geborgen fühlen. „Wieviel äußere Struktur nötig ist, hängt allerdings vom Kind selbst ab“, erklärt Diplom-Psychologe Jörn Borke, der die Babysprechstunde an der Universität Osnabrück leitet.
„Manche Babys haben schon früh relativ gute Selbstregulationsfähigkeiten.“ Denn laut Borke ist es eine zentrale Aufgabe für das Baby im ersten Lebensjahr, mit den drei großen Regulationsaufgaben umgehen zu lernen: die Übergänge
• zwischen Schlaf- und Wachphase,
• zwischen inneren Ruhe- und Unruhezuständen sowie
• zwischen Hunger- und Sättigungsgefühl.
Für manche Kinder sind dabei ein klar strukturierter Tag und viele kleine Rituale hilfreich, andere kommen damit auch ganz von selbst klar.
Schließlich strukturieren Rituale nicht nur den Tagesablauf für das Baby, sie sollen vor allem Spaß machen - dem Baby und der ganzen Familie. Etwa, wenn das Baby fröhlich in seiner Badewanne planscht oder sich über das gemeinsame Bilderbuchanschauen am Nachmittag freut.„Wichtig ist, dass Eltern ausprobieren, was ihnen und dem Kind gefällt, und auf diese Weise etwas finden, das zur Familie passt“, sagt Borke. Meist spüren das die Eltern intuitiv.
Viele andere Rituale entstehen ganz unbewusst. Zum Beispiel, wenn Papa abends nach Hause kommt und erst ein wenig mit dem Nachwuchs spielt, bevor das Abendessen serviert wird. Manchmal braucht es gar nicht viel, um etwas als kleines „Ritual“ bezeichnen zu können: Für Babys reicht es zum Beispiel schon, wenn sie Mama mit dem Lätzchen kommen sehen. Dann wissen sie: „Jetzt gibt's gleich Essen.“

Badespaß fürs Baby

Badespaß fürs Baby
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Was Einschlafrituale fürs Baby nutzen

Wer geht schon gern ins Bett? Kinder meistens nicht. Und auch Babys fällt es schwer, sich zur Schlafenszeit von der Mama zu lösen. Einschlaf-Rituale können da helfen. Wie, das verraten wir Ihnen hier.

Einschlafrituale fürs Baby

Einschlafrituale sorgen für eine ruhige Nacht - für Eltern und das Baby. Bei dem Baby sorgt ein langsam mit schönen Ritualen ausklingender Tag für ein sicheres Gefühl, das auch noch andauert, wenn es allein im Bettchen liegt. Schon das Anziehen des Schlafanzugs bereitet ein Baby aufs Zubettgehen vor. Dann noch etwas Knuddeln, ein Milchfläschchen, ein kleines Gutenachtlied oder Musik aus der Spieluhr - und das Baby kann einschlummern. Wichtig ist, dass man das Ritual nicht zu lange ausdehnt. Natürlich muss der Ablauf nicht ewig gleich bleiben. Das ergibt sich zum Beispiel, weil das Baby schlicht aus dem Fläschchenalter herauswächst. Oder wenn Sie die Lieder variieren und zum Vorlesen wechseln. Kann Ihr Baby seine Wünsche schon selbst äußern, darf es sich ein Lied oder eine Geschichte selbst aussuchen. Oft ist der Einfallsreichtum der Eltern gefragt, um eine schöne Einschlafgeschichte zu erfinden! Geschichten und Märchen für jedes Alter finden Sie zum Beispiel in unserer Märchen-Datenbank!
Doch ein Baby braucht die Gutenachtgeschichte nicht mehr nur, um beruhigt einschlafen zu können, sondern auch, um sich aufs Bett zu freuen. Dann gibt es auch kaum Widerrede, wenn Mama ans Zähneputzen erinnert - die Geschichte wartet, da will man nichts verpassen!
Umständliche Einschlafrituale wie die berühmte Runde mit dem Auto um den Block oder das Wachen am Bettchen, bis das Baby eingeschlafen ist, sollte man dagegen gar nicht erst einführen. Sie sind dem Baby nur schwer wieder "abzutrainieren".

Wie Sie dem Baby Einschlaf-Rituale abgewöhnen

Manchmal können Rituale auch störend sein. Hat sich Ihr Baby zum Beispiel daran gewöhnt, dass Sie sich an sein Bettchen setzen, bis es einschläft, können Sie der lieb gewonnenen Gewohnheit entgegensteuern:
Langsam entwöhnen - Radikalkuren sind nicht angebracht! Vielleicht halten Sie zu Beginn noch Babys Hand, dann sitzen Sie nur noch neben dem Bett, dann bleiben Sie kurz in der Tür stehen… bis Ihr Baby nach ein paar Wochen alleine einschläft.
Ersatzrituale finden - Gemeinsam ein schönes Lied hören, eine Geschichte vorlesen - angenehme Rituale gibt es viele. Versuchen Sie, unliebsame Gewohnheiten allmählich zu ersetzen.

Rituale fürs Essen, fürs Kranksein und für Abschiede

Auch beim Essen, bei Krankheiten und bei Abschieden können Sie Rituale einführen, die Ihrem Baby helfen. Wir geben Tipps dazu.

Rituale fürs Baby bei Essen und Krankheit

Bei Säuglingen wird sich die Mutter zum Stillen eher noch zurückziehen. Aber mit der ersten Beikost bekommt das Baby einen Platz am Familientisch! So bekommt es alles mit und fühlt sich mehr als Teil der Familie, als wenn es allein im Hochstuhl gefüttert wird. Aber Vorsicht: Außergewöhnliche Situationen beim Essen prägen sich bei Babys und Kleinkindern sehr schnell ein. Achten Sie darauf, dass problematische Essgewohnheiten nicht zur Fütterstörung bei Ihrem Kind führen. Wichtig sind also feste Regeln, wenn es ums Essen geht (z.B. wenn gegessen wird, bleibt der Fernseher aus).
Größere Kinder dürfen beim Kochen, Tischdecken und Essenrichten helfen und den Tischspruch aus dem Kindergarten zum Besten geben.
Rituale können sogar eine heilsame Wirkung haben: Zum Beispiel, wenn der Nachwuchs krank geworden ist. Dann gibt's eben mal eine Portion Gummibärchen extra, der kleine Patient darf im Bett essen, bekommt die Lieblingsbücher vorgelesen und ist für kurze Zeit der Familienmittelpunkt. „Rituale sind gut, weil sie Halt geben und so Ängste reduzieren können“, resümiert der Psychologe Jörn Borke. Und sie können auch den Familienzusammenhalt fördern: Beim gemeinsamen, langen Sonntagsfrühstück, dem ein toller Ausflug oder Spiele-Nachmittag folgt. Da findet jede Familie ihre eigenen, festen Abläufe - genauso wie für Feier- und Geburtstage. Und die bleiben schließlich bis ins Erwachsenenalter wichtig.

Abschiedsrituale erleichtern Trennungen

Das Schlafengehen ist für das Baby so etwas wie eine erste Trennung von den Eltern. Einschlafrituale bedeuten hier für ein Baby wie für Eltern Erleichterung und Sicherheit. Und dieses Prinzip gilt auch dann, wenn das Baby zum ersten Mal in die Kita, zur Tagesmutter oder in den Kindergarten geht.
Bei einem kleinen Abschiedsritual kommt dem Lieblingsstofftier eine große Bedeutung zu. Das sogenannte „Übergangsobjekt“ macht den Abschied fürs Baby erträglich - und damit die langsame Abnabelung von Mama: „Es kann Kindern den Schritt von der Mutter-Kind-Beziehung hin zu anderen Beziehungen erleichtern“, erklärt der Psychologe Jörn Borke. „Kinder suchen sich ihr Lieblingsstofftier selbst aus, das fängt etwa zwischen vier und zwölf Monaten an. Eltern sollten die Wahl des Kindes respektieren.“ Auch wenn es sich ein vielleicht weniger ansehnliches Exemplar als „Übergangsobjekt“ aussucht. Wie das Einschlaf-Ritual sollten Abschiedsrituale nicht zu lange dauern. Ein Kuss, ein kurzes „Tschüss, bis nachher!“ - und Mama kann gehen. Das können Sie zunächst auch üben, indem Sie den Nachwuchs zur Oma bringen oder die Babysitterin für ein, zwei Stunden kommen lassen. Dann lernt Ihr Kind früh: Mama geht für eine Weile weg, aber sie kommt auch immer zurück!
Umso ausgiebiger darf dafür das Begrüßungsritual nach überstandener Trennung ausfallen!

Bildquelle:

ulza - stock.adobe.com

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