Familie: Eigene Regeln entwickeln

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Familie: Eigene Regeln entwickeln

Familie: Eigene Regeln zu entwickeln erleichtert unserer Ratgeber. Jede Familie hat ihre eigenen Regeln - und diese Vielfalt tut allen gut

Wir alle staunen gern darüber, wie das Babyleben in fernen Weltgegenden aussieht - dort, wo es etwa Brauch ist, die Jüngsten jederzeit am Mutterleib zu tragen, ganz egal, was gerade anliegt. Wo die Buggys aus Bambus sind und die Windeln aus Blättern und sich das ganze Dorf um die Geburtshütte versammelt. Oder wo die ganze Nation vor ihren flimmernden Fernsehschirmen zusammenkommt, um eine werdende Mutter namens Christina Aguilera zum Stramplerkauf zu begleiten. Aha, sagen wir uns: Die anderen machen es anders. Wie schön! Eigenartigerweise klappt das aber oft nicht ganz so gut, wenn es um unsere nächste Umgebung geht: Unsere Nachbarn sitzen nie im Garten? Befremdlich. Ben und Natascha dürfen Burger futtern? Bedenklich. Doch wir sind eben auch verschieden - wenn wir uns ein bisschen selbst betrachten, dann merken wir bald: Jede Familie hat eine eigene Familienidentität, ein wenig abweichende Sitten und Rituale, eine eigene Spaß- und Kummerkultur. Und das ist gut so.

Aus der Familie wird eine verschworene Gemeinschaft

Wie aus der Familie eine verschworene Gemeinschaft wird

Was Ihnen dabei hilft, zu vermitteln, warum in ihrer Familie eigene Werte und Mentalitäten zählen:

  • Selbstvertrauen zeigen: Mit Ihren Instinkten liegen Sie meist richtig – denn was für Ihr Kind gut ist, erkennen Sie am besten. Niemand kennt es so genau wie Sie.

  • Familienidentität stärken: Zeigen Sie schon den Kleinsten, dass es toll ist, eine Familie zu sein: eine verschworene, souveräne Gemeinschaft, die Dinge auf ihre Art regelt.

  • Nicht zu ängstlich sein: Gerade beim 1. Kind droht Übervorsicht. Sie kann Spielmöglichkeiten beschränken. Bleiben Sie gelassen, das tut auch Ihrem Kind gut.

  • Nicht spalten: Dass andere Kinder beneidet werden, können Sie nicht dadurch abstellen, dass Sie die Art der anderen Familien andauernd schlechtreden. Stehen Sie zu den Unterschieden.

  • Vielfalt erklären: Mithilfe von Bilderbüchern, Beispielen aus dem Tierreich und der weiten Welt können Sie schon früh zeigen, wie verschieden es sich leben lässt – und dass es doch tiefe Gemeinsamkeiten gibt.

Eigene Familienregeln erfordern Mut zum Kompromiss

Eigene Familienregeln erfordern Mut zum Kompromiss

Der ist zum Beispiel dann gefordert, wenn es auf Besuch geht. Vielleicht haben die anderen ein großzügigeres Kontingent an süßen Sachen, Spielzeug, das wir nicht so schätzen, oder sie erlauben statt 15 Minuten Teletubbies 25. Dann heißt es, locker bleiben. Denn im Prinzip ist es dasselbe wie in der großen weiten Welt: Es gelten die Gebräuche des Gastlandes, beziehungsweise der Gastwohnung. Das bereitet meistens auch keine Schwierigkeiten, außer wenn es um Dinge geht, die uns zu Recht Unbehagen bereiten könnten - zum Beispiel das ganz unterschiedliche Sicherheitsbedürfnis von Eltern beim Toben oder Klettern. Manch einem wird es rasch unheimlich, wenn die Kleinen so richtig aufdrehen dürfen, anderen dagegen überhaupt nicht.

Familie: Regeln für Besuch und außerhalb absprechen

Familie: Regeln für Besuch und außerhalb absprechen

Da heißt es: Absprachen treffen. Wir sind schließlich zum Spielen da, und Spiele folgen Regeln, die wir mit den anderen vereinbaren können. Reden hilft! Sich überspitzt gesagt um der Freundschaft willen leise betend in einen Winkel zurückzuziehen, während die Zweijährigen die Schrankwand hinaufkraxeln, das würde auch niemandem helfen. Kann es sein, dass die anderen es nicht etwa anders machen, weil sie tollkühn sind oder nachlässig, sondern weil sie aus einer jahrhundertealten Bergsteiger-Dynastie stammen? Wer nicht fragt, der wird es nicht erfahren, und das Beispiel zeigt: Mit Humor wird auch das nicht peinlich. Ein ganz klein bisschen spötteln über die anderen dürfen wir am Ende schließlich doch, sobald wir wieder in unseren eigenen vier Wänden sind. Auch vor den Kindern - denn insgeheim, aber das muss wirklich unser Geheimnis bleiben, machen wir es ja doch am allerbesten!

So entwickelt sich eine Familie

So entwickelt sich eine Familie

Mit dem Baby wachsen auch wir - und finden uns gemeinsam immer besser zurecht

  • Am Anfang: Das 1. Baby ist das größte Abenteuer. Schon lange vor der Geburt suchen wir Rat und Erfahrung, um gut klarzukommen. Das Wichtigste: Nicht verwirren lassen, wir möchten ja nicht andere kopieren, sondern ihr Wissen in unsere Entscheidung einbeziehen.

  • An der Wiege: In den 1. Monaten kann die Außenwelt ruhig hinter das wichtigste Ziel zurücktreten: Lernen, wie das Baby tickt. Patentrezepte braucht es nicht, wir lernen durch Tun.

  • Krabbelalter: Spätestens jetzt bemerken wir, was die anderen alles anders machen. Wir können den Blick darauf richten, was uns ausmacht und was uns besonders gut gelingt.

  • Auf eigenen Füßen: Der Übergang vom supersüßen Baby zum aktiven, selbstbewussten Kind ist eine Herausforderung. Jetzt schält sich heraus, wo wir Grenzen setzen. Dabei gibt es Unterschiede. Darauf sollten wir aber nur bestehen, wenn es wirklich ernst wird - beim Klettern zum Beispiel.

  • Im Gespräch: Sprechen können macht Kinder noch selbstsicherer - sie werben für ihre Interessen und formulieren ihre Bedürfnisse. Jetzt können wir erklären, warum wir so sind, wie wir sind. Und stolz darauf.

Eigene Regeln mit denen anderer Familien vergleichen

Eigene Regeln mit denen anderer Familien vergleichen

An diesem Beispiel können wir ihnen dann auch erklären, warum wir uns von anderen Leuten unterscheiden, einander aber dennoch brauchen: Denn kein Club ist sich selbst genug. Damit alle Spaß haben und fröhliche Fans sein können, braucht es eine Liga. Und als Vereinspräsidentinnen und Manager in der Familien-Liga sind wir dafür verantwortlich, dass es fair und regelgerecht zugeht, wenn wir auswärts spielen: Kummer entsteht dabei oft dadurch, dass mancher nicht widerstehen kann, ein kleines bisschen anzugeben. „Bei einer Freundin von mir gibt es ein einziges Problem“, erzählt etwa Elke, „Äußerlichkeiten. Es gibt kein Treffen ohne Klamotten-Kommentare wie: ,Oh, dein Junge hat heute aber wieder eine extreme Hochwasser-Hose an.'“ Das nagt natürlich, obwohl Elke weiß, dass „Na und?“ die einzig passende Antwort wäre. Schließlich sind die kurzen Hosenbeine ja keine Lifestyle-Inszenierung, sondern der ausdrückliche Wunsch des bewegungsfreudigen Sohnemanns, der keine langen Hosen leiden mag. Beliebte Felder ganz unnötiger Reibereien sind auch

  • Ernährung und

  • Heilkunde, gerade bei den Kleinsten.

Gern vertreiben sich viele Eltern die Zeit damit, einander vorzuspielen, wie toll sie „Bio“ draufhaben, wie wunderbar sie Babys Bewegung fördern und seinen hellen Verstand wach kitzeln und was für eine hochdifferenziert-kritische Einstellung sie sich zur Frage der Sechsfach-Impfstoffe erarbeitet haben. Aber mal ehrlich: Viel spannender werden Freundschaften und das Zusammenleben doch, wenn wir den kleinen Missionar in uns auch einmal zu ausgedehnten Schweige-Exerzitien schicken.

Verständnis für die Regeln der anderen Familien

Verständnis für die Regeln der anderen Familien

Denn erst dann öffnen sich die Augen so richtig dafür, was die anderen anders machen - und warum. Der Sozialpädagoge Raafat Matar, Erziehungsberater in Berlin, sieht das Tag für Tag. Der gebürtige Ägypter berät viele Familien, in denen sich ganz unterschiedliche Kulturen, Werte und Regeln überschneiden: „Häufig ist es dann so, dass jeder glaubt, an seinen Vorstellungen festhalten zu müssen“, sagt er. „Die eine Tradition möchte das Kind in ihrem Sinne prägen, die andere anders.“ Lösen lässt sich das nur, wenn wir üben, Verständnis zu bilden, warum die Dinge anders gemacht werden. „Und das führt dann zu der Einsicht: ,Perfekt' gibt es nicht.“ Matar rät: Wir dürfen ruhig glauben, dass auch die anderen ihre Kinder lieben und dass sie eine gute Zukunft für sie möchten - und dennoch bei unseren Prinzipien bleiben. „Dabei hilft der Mut zum Kompromiss.“

Familie: Regeln von anderen Familien abschauen

Familie: Regel am Anfang von anderen Familien abschauen

Junge Eltern können sich selbst und einander übermäßig Stress bereiten. Sie möchten, in der Regel gut gemeint, die Welt erklären, und vergessen darüber gerne, dass die anderen anders sind. „Gerade die 1. Schwangerschaft ist aufregend. Und natürlich weiß man vieles nicht und möchte es bei anderen abgucken: ,Mach dies so, mach das so'“, sagt Elke. Und das ist erst einmal nicht nur praktisch, sondern auch „wirtschaftlich“, denn so muss nicht jeder von uns das Familien-Rad neu erfinden. Mögliche Nebenwirkung ist aber, dass manche ein wenig zu stolz darauf werden, was sie im Baby-Business schon alles im Griff haben. Und dann kommen manchmal Fragen wie: „Was, du warst noch nicht beim PEKiP?“ - Nein. Wir machen es anders. So wie es für uns passt, so wie wir es gut finden. Das ist die richtige Antwort. Denn als Familie regieren wir uns schließlich selbst. Und die anderen dürfen das auch. Von dieser Einstellung profitieren alle, denn so geht es friedlich zu. Und schließlich können wir viel besser voneinander lernen, wenn wir die verschiedenen Eigenheiten und Lebensmodelle auch wirklich erkennen können und nicht ein jeder versucht, sich um die Wette anzupassen.

Jede Familie eine eigene Welt mit eigenen Regeln

Jede Familie eine eigene Welt mit eigenen Regeln

Innerhalb der Familie verstehen wir das intuitiv. Mama ist anders als Papa, und jedes Kind tickt ein wenig auf seine eigene Weise. Erst die Summe der Teile macht das Ganze aus: unsere Familie. Der Autor und Journalist Andreas Lebert, der gerade mit seinem Bruder Stephan für alle Papas eine „Anleitung zum Männlichsein“ geschrieben hat, sagt: „Väter müssen sich doch nicht ständig fragen: ,Wie muss ich dieses machen oder das, wie machen es die anderen, wie kann ich sie gar übertreffen?' Es macht doch gar nichts, wenn der eine Papa überall dafür bekannt ist, dass er es überhaupt nicht mag, vor 8 Uhr früh angesprochen zu werden. Und ein anderer Vater ist eben dafür bekannt, dass er um 6 Uhr schon fröhlich singt und die Kinder aus dem Bett holt, um mit ihnen Drachen steigen zu lassen - es ist einfach unser Papa!“ Wie aber finden Kinder diese Unterschiede wirklich? Meist einfach klasse! Sie sind stolz auf uns Große und auf ihre Familie. Kaum etwas auf der Welt wird ihre „Meine Mama hat aber gesagt“-Loyalität ins Wanken bringen. Schon für die Kleinsten ist ihre Familie das Zentrum der Welt, und zu ihr stehen sie auch später wie die größten Fans zu ihrem Verein.

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