Trotzphase: Trotz lass nach!

Trotzanfälle sind zwischen zwei und fünf Jahren völlig normal. Angenehm sind sie trotzdem nicht. Woher der Trotz kommt und wie Eltern darauf reagieren, das erfahren Sie hier! Und wir verraten Ihnen die positiven Seiten der Trotzanfälle plus Überlebensstrategien für strapazierte Nerven.


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„Ich will aber!!!!!!!!“ „Ich kann das schon alleine!“ „Neinnnnnnnnnnnnn!“ – Bei Trotzanfällen sind Kleinkinder in drei Sekunden von 0 auf 100. Die Situationen sind klassisch:
➤ Jona will unbedingt Orangensaft statt Apfelsaft. Er schmeißt sich auf den Boden und tobt.
➤ Laura will weiter schaukeln und nicht nach Hause. Sie macht sich steif und lässt sich partout nicht in den Fahrradsitz heben.
➤ Norina will bei Regenwetter unbedingt in den Ballerinas in den Kindergarten. Sie trommelt wütend auf den Fußboden ein und wirft die Gummistiefel wütend durch den Flur.

Trotzige Kinder - zwischen zwei und fünf Jahren total normal!


© Thinkstock
Kommt Ihnen das bekannt vor? Dann ist Ihr Kind höchstwahrscheinlich zwischen zwei und fünf Jahren alt und mitten in der Trotzphase.

Warum sind Kinder trotzig?



„Trotz ist ein Verhalten des Widerstands, welches sich in hartnäckigem, oft auch von heftigen Gefühlsausbrüchen begleitetem Beharren auf einer Meinung oder einem Recht äußert....”

von Wikipedia über Trotz

Was passiert in den oben geschilderten Situationen? Wie können Eltern mit ihrem „Elternblick“ verstehen, was sich bei einem gepflegten Wutanfall im Kopf ihres Kindes abspielt? Folgende Vorstellung bringt es ganz gut auf den Punkt: Ein Trotzanfall ist mit einer durchgebrannten Sicherung zu vergleichen. Das Ergebnis: Ein Kurzschluss, bei dem sich aufgestauter Frust, zum Teil in Kombination mit Sorgen oder Ängsten, explosionsartig entlädt. Die Ursache mag oft klein und nichtig erscheinen – aber sie ist die Initialzündung, die zum großen Knall führt. Ihr Kind wird von einem inneren Zorn überwältigt, den es in diesem Moment selbst nicht kontrollieren kann. Deshalb hilft bei Trotzanfällen weder geduldiges auf das Kind Einreden noch die große Schimpftirade. Für Sie eine nervenzehrende Situation. Für Ihr Kind aber genauso.
Wann beginnt die Trotzphase?
Die allerersten Trotzanfälle haben Kinder teilweise bereits im Babyalter – aber so richtig aktiv werden die kleinen Trotzköpfe im Alter von etwa zwei Jahren.

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Die Kinder beginnen einen eigenen Willen zu entwickeln und das heißt: Jetzt wird versucht, den eigenen Kopf durchzusetzen. Koste es was es wolle! Auf dass die elterlichen Nerven dem eigenwilligen Kind Stand halten. Die Bandbreite von kindlichen Trotzanfällen ist groß: von sporadischer Bockigkeit über nicht enden wollendes „Ich will aber!“ bis hin zu Wutausbrüchen der Meisterklasse mit hysterischem Geschrei, Treten, Schlagen – alles ist dabei, nichts ist unmöglich. Die meisten Trotzanfälle haben einen gemeinsamen Nenner: Sie beginnen ohne Frühwarnsystem, wie der Blitz aus heiterem Himmel.
Trotzphase lehrt Kinder Durchhaltevermögen
Für Eltern ist die Trotzphase in erster Linie eines: Nervig. Anstrengend. Und manchmal auch peinlich. Aber für Kinder ist diese Entwicklungsphase immens wichtig. Eine ungeheure Beharrlichkeit und Frustrationstoleranz ist für Kinder die Voraussetzung, um gut durch die ersten Lebensjahre zu kommen. Der Ulmer Hirnforscher Prof. Manfred Spitzer beschreibt das so: „Wenn Sie wissen wollen, was Frustrationstoleranz ist, schauen Sie kleinen Kindern beim Laufen lernen zu - die ziehen sich am Tischbein hoch, plumpsen wieder hin, ziehen sich wieder hoch, plumpsen wieder hin. Und das machen sie ein paar Wochen lang. Dann können sie laufen.“ Sie lernen jetzt gerade: Im Leben muss man durchhalten, nicht nachlassen, bis man geschafft hat, was man schaffen will. Dann kann man laufen und ist schrecklich stolz.

Und so wie man das Laufen lernen muss, muss ein Kind auch lernen, die eigenen Emotionen zu regulieren und Geduld zu haben, wenn Bedürfnisse nicht sofort befriedigt werden. In der Trotzphase pendeln Kinder zwischen dem Wissen „Ich bin ich. Und ich habe einen eigenen Willen!“ und den noch unzureichend ausgebildeten motorischen oder sprachlichen Fähigkeiten, die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen, die eigenen Vorstellungen umzusetzen. Kleinkinder entwickeln einen Plan und wollen diesen dann hochmotiviert und voll Stolz umsetzen. Leider scheitern sie dann entweder am mangelnden Können – oder die Eltern machen ihnen einen Strich durch die Rechnung. „Nein, mit Hausschuhen kannst Du nicht in den Kindergarten gehen!“ „Nein, den Schokoriegel kaufe ich Dir jetzt nicht!“
Trotzphase sorgt für unverzichtbare Lernschritte
Kinder in der Trotzphase lernen viel für ihr späteres Leben: Sie lernen, ihre Gefühle in den Griff bekommen, und sie üben sich kontinuierlich im Umgang mit Stress und Frustration – alles Dinge, die für das soziale Miteinander unerlässlich sind. Und allein deshalb lohnt es sich für uns Eltern, dass wir die Trotzanfälle unserer Kinder aushalten und ihnen auf ihrem Weg des Lernens und Übens geduldig zur Seite stehen.
Trotz hat nichts mit bösem Willen und Erziehung zu tun
Für Eltern ist es wichtig zu wissen: Wenn sich das kleine Wutmonster schreiend auf dem Boden wälzt, ist das weniger ein taktisches Manöver, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen – die Kinder selbst erleben diesen Zustand vielmehr als eine Naturgewalt, die gerade über sie hereinbricht. Kein Kind im Trotzalter möchte seine Eltern durch Trotz beleidigen oder ihre Liebe und Geduld auf die Probe stellen.

Erste Hilfe bei Trotzanfällen
  • 1 / 8

    Achten Sie darauf, dass Ihr Kind sich in seiner unermesslichen Wut nicht verletzen kann.

  • 2 / 8

    Manchen Kindern tut es gut, wenn sie sanft festgehalten werden. Der Körperkontakt und die Botschaft „Ich bin bei Dir, ich hab Dich lieb“ lässt es schneller wieder zur Ruhe kommen.

  • 3 / 8

    Wenn Ihr Kind nicht festgehalten werden möchte, zwingen Sie es nicht.

  • 4 / 8

    Reden Sie während eines Wutanfalls nicht auf Ihr Kind ein. Das ist völlig nutzlos! Warten Sie, bis es sich beruhigt hat.

  • 5 / 8

    Bleiben Sie selbst nach Möglichkeit ruhig. Ganz ruhig. Nicht schreien, nicht schimpfen, nicht die Geduld verlieren.

  • 6 / 8

    Dramatisieren Sie den Wutanfall nicht. Wenn Sie dem Wüten und Toben nicht allzuviel Aufmerksamkeit widmen, ist er oft auch schnell wieder vorüber.

  • 7 / 8

    Machen Sie sich nicht für den Wutanfall verantwortlich und nehmen Sie ihn nicht persönlich.

  • 8 / 8

    Versuchen Sie nicht, Wutanfälle vorherzusehen – und zu vermeiden. Ihr Kind wird diesen Plan durchschauen und die Situationen ausnutzen.


Wer das begriffen hat, der weiß: in ein paar Minuten ziehen die Wolken vorüber. Dann nehmen wir uns in die Arme und reden darüber. Und morgen gibt es ein neues Spiel.
 


© Thinkstock
Das zu begreifen ist das eine. Das andere sind die Gefühle, mit denen Eltern konfrontiert werden, wenn sich der niedliche Junior in ein rasendes Ungeheuer verwandelt. Hilflosigkeit. Wut. Unverständnis. Hier kommt vier Mal Trost:
 
1. Alles ganz normal! Allen Eltern geht es in diesen Situationen ähnlich.
2. Die Wutanfälle haben definitiv nichts mit schlechter Erziehung zu tun.
3. Kinder bekommen ihre Trotzanfälle nur bei Menschen, zu denen sie volles Vertrauen haben und sich sicher fühlen.
4. Vielleicht tröstet Sie ja auch diese Theorie: Je mehr Trotzanfälle im Kleinkindalter, desto gemäßigter fällt die Pubertät aus. Wir können allerdings leider Verantwortung für die die Richtigkeit dieser These übernehmen...
Im Trotzalter schnell wieder vertragen
Wenn wir als Eltern cool bleiben und aus dem Trotzanfall keine große Sache machen, flaut die Trotzwelle innerhalb weniger Minuten wieder ab. Ja, wir wissen: Das ist leichter gesagt als getan! Nichtsdestotrotz lautet Ihre elterliche Aufgabe jetzt: Selbstkontrolle – die Kraft dazu liegt in der Ruhe, die es zu bewahren gilt. Und selbst wenn die Trotzattacke der Kinder mal einen richtigen Streit verursacht hat, ist das kein Drama. Denn kleine Kinder im Trotzalter sind nicht nachtragend - tagelanges Schmollen liegt ihnen nicht, sie sind geborene Meister im sich Vertragen.

Sobald Ihr Kind sich wieder beruhigt hat, sollten Sie ihm erklären, warum Sie beide gerade eine Meinungsverschiedenheit hatten. Stellen Sie sich darauf ein, dieselben Erklärungen in den nächsten Tagen, Wochen und Jahren noch viele, viele Male in ähnlicher Form wiederholen zu müssen. Denn wie beim Laufen lernen lautet die Devise auch hier: Übung macht den Meister.
Wutanfälle begrenzen
Völlig vermeiden lassen sich die ungeliebten Anfälle nicht. Aber die Zahl lässt sich dezimieren und auch die Heftigkeit des Ausbruchs lässt sich begrenzen.

Wutanfälle begrenzen
  • 1 / 5

    Müde, hungrig, überfordert: Viele Ausbrüche entstehen in Situationen, in denen Kinder müde, hungrig oder überfordert sind. Gehen Sie also nicht mit einem hungrigen Kind zum Einkaufen, richten Sie die Kleidung für den nächsten Tag gemeinsam nach dem Abendessen raus und reduzieren Sie die Auswahlmöglichkeiten beim Essen und Spielen.

  • 2 / 5

    Ruhe am Abend: Halten Sie sich an feste Abendrituale und sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind genug Schlaf hat. Beides hilft, abendlichen Wutanfällen vorzubeugen. Wenn bestimmte Abläufe immer gleich sind, lernen Kinder schnell, dass es keinen Sinn macht dagegen anzukämpfen.

  • 3 / 5

    Verlässliche Regeln: Wenn Sie verlässliche Regeln aufstellen und an diesen ohne Ausnahmen und Diskussionen festhalten, gibt dieser fixe Rahmen ihrem Kind Halt. Es kommt erst gar nicht auf die Idee, hier die Grenzen auszureizen.

  • 4 / 5

    Ablenkung: „Schau mal, da drüben ist ein großer Bagger!“ „Hilf mir doch mal, das Regal mit den Eiern zu finden!“ Kleinkinder lassen sich in manchen Situationen noch leicht ablenken. Die Chance besteht, dass der Sturm so vorüberzieht.

  • 5 / 5

    Raus mit der Wut! Aber richtig! Helfen Sie Ihrem Kind herauszufinden, wie es mit seiner Wut umgehen kann: Wenn die Wut raus muss, hilft es auf ein dickes Kissen einzuschlagen. Sagen Sie ihm deutlich, was erlaubt ist – und was nicht. Schlagen und Treten ist verboten. Den dicken Softball gehen die Tür zu schmeißen ist okay. Loben Sie Ihr Kind, wenn es diese Regeln umsetzt.


Was Sie vermeiden sollten: Situationen zu umgehen, in denen es häufig zu einem Trotzanfall kommt. Oder nachgeben. Schnell lernt Ihr Kind, auf welchem Weg es sich den geliebten Schokoriegel erfolgreich ertrotzen kann. Wutanfälle in der Öffentlichkeit sind die schlimmsten, keine Frage. Und garantiert steht eine Oma daneben, wenn sich der Junior brüllend auf der Erde wälzt und gibt entweder ihre klugen Tipps zum Besten und oder murmelt etwas Unverständliches von wegen „schlecht erzogen“ vor sich hin. Da hilft nur eins: Augen zu und durch! Nicht ausflippen, nicht schreien – aber auch nicht nachgeben. Das souveräne Mamalächeln aufsetzen und schnellstmöglich den Schauplatz des Zorns verlassen. Manchmal hilft auch der Blick von außen: Schauen Sie sich die Szene kurz von außen an. Manchmal muss man da fast ein kleines Lächeln unterdrücken. Denn eigentlich ist so viel geballte Energie und so viel Wut aus so nichtigem Anlass fast schon wieder lustig. Okay: Nur fast…
Auch die Trotzphase hat ein Ende
Die heftigen Ausbrüche der zweijährigen Kinder in der Trotzphase sind tatsächlich eine spezifische Entwicklungsphase - und jede Phase hat einen Endpunkt. Fast wie eine erste kleine Pubertät sehen Entwicklungsforscher das Trotzalter heute als Übergang vom Babyalter in die Kindergartenzeit. Das heißt mit spätestens vier Jahren sollte die schlimmste Trotzphase überstanden sein.

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