Wie Fehler Kinder motivieren können

Nur durch Fehler wird man klug! Warum Fehler Kinder motivieren können, sie schlauer machen und sich Pädagogen eine "positive Fehlerkultur" wünschen.


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Junge bildet Brille mit seinen Händen

"Das einzige Mittel, den Irrtum zu vermeiden, ist die Unwissenheit." (Jean-Jacques Rousseau, Philosoph)


Aus Fehlern werden Kinder klüger

"Trial and error" – ausprobieren, Fehler machen, besser machen. So geht das eigentlich immer, wenn wir Menschen etwas richtig lernen möchten, glauben moderne Pädagogen: mit Gefühl und Verstand. Denn aus Fehlern werden Kinder klüger. Sie müssen Fehler machen dürfen und sie verstehen. Wir Großen sollten uns hüten, zu viel zu verraten von unseren "So geht das richtig"- und "Das macht man so"- Einsichten. Fehler sind "Freunde" Denn das Lernen mit dem Selber-daraufkommen- Effekt, es hält länger und stärkt die Persönlichkeit. Bei den Kleinsten finden wir das ganz normal – niemand würde einem Lauflernkind die Gebrauchsanweisung des Gehens vortragen. Unermüdlich erstolpert und erschwankt es sich seinen Weg, bis alle unbrauchbaren Ideen vom aufrechten Gang aussortiert sind. Ähnlich ist es mit der Sprache. Typische Fehler kommen und gehen. Doch für das dauerhafte Lernen ist es wichtig, sie gemacht zu haben. Allerdings müssen wir selber umlernen, um uns den Fehler zum Freund zu machen, mahnt der Schweizer Psychologe und Pädagogikprofessor Fritz Oser. "Fehlerkultur" für sich entdecken Er warnt vor dem "Bermuda-Dreieck" des Lernens und illustriert das mit dieser Szene: Eine Lehrerin fragt die Kinder nach der Lösung einer Aufgabe. Einige Ideen kommen, aber keine ist "die richtige Lösung". Deshalb werden sie ignoriert, bis ein Kind die erwartete Antwort sagt. "Wenn der Schüler oder die Schülerin mit der falschen oder nicht ganz richtigen Antwort übergangen wird, lernt er oder sie nichts. Zusätzlich geht dem Unterricht verloren, was dieser Schüler oder diese Schülerin gemeint hat", erläutert Oser. So gehen Chancen zur Einübung der Urteils- und Entdeckerkraft verloren. Und es sind oft gerade diese Kompetenzen – eigene Wege finden, im Team die Lösung herausschälen –, die in der Welt von Morgen begehrt sein werden, glauben Bildungsforscher. Deshalb raten sie allen, eine „Fehlerkultur“ für sich zu entdecken.

Junge mit Reagenzgläsern

"Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind." (Alber Einstein, Physik-Nobelpreisträger)


Erst mal machen lassen Der erste Schritt: Im Wissen oder Tun die Kinder viel selber machen lassen. Und die "Manöverkritik" in Bezug auf Fehler auf hinterher verschieben. Das ist manchmal nicht so einfach. Mit unserem großen Vorsprung an gelebten Erfahrungen sind wir gefühlte "Besserwisser". Doch bereits vor hundert Jahren wusste der Vater des späteren Verhaltensforschers und Nobelpreisträgers Konrad Lorenz: Zurückhaltung ist gefragt. Als Konrad im Garten einen Maikäfer findet, verrät der Papa ihm nicht, was es ist. Er lässt sein Kind im Käferbuch fahnden. Das dauert eine ganze Stunde, immer wieder muss der Junge per Versuch und Irrtum den Käfer und das Bild vergleichen. Erst dann passt es: "Es ist ein Maikäfer". Welch eine Freude! Fehler fördern eigenes Entdeckergefühl Hier hatte der Vater erkannt, worauf es beim Lernen wirklich ankommt: Nicht nur, dass Kinder dann wie in diesem Fall ein Leben lang wissen, dass ein bestimmtes Krabbeltier auf Deutsch "Maikäfer" genannt wird. Sondern darauf, dass sie Kompetenzen bekommen, ihr Lernen selbst in die Hand nehmen. Natürlich treffen sie auf dem Weg durchs dicke Tierlexikon Dutzende "falsche" Käfer. Doch auch von ihnen können sie jede Menge lernen. Und am Ende triumphiert das eigene Entdeckergefühl, das Fundament lebenslangen Lernens.




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