Kinderwunsch beim Mann

Die meisten Männer setzen sich erst relativ spät mit dem Thema Familienplanung auseinander. Aber der Wunsch nach einem Kind wird kommen - wenn sie bereit dafür sind.


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Männer wünschen sich später Kinder als Frauen


„Wann ist ein Mann ein Mann?“ fragt der Sänger Herbert Grönemeyer in seinem Song „Männer“ und listet gleich ein paar der wichtigsten Eigenschaften auf: „Männer nehmen in den Arm, Männer geben Geborgenheit“.

Laut der Studie „männer leben“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus dem Jahr 2006 lassen sich Männer aber eher viel Zeit damit, Geborgenheit zu geben - zumindest, was die Familienplanung angeht: So sind 60 Prozent der 25- bis 34-Jährigen kinderlos, die meisten gewollt. Nur jeder dritte der rund 1.500 befragten Männer ist verheiratet und hat Kinder. Ganz oben stehen auf der Prioritätenliste zunächst andere Dinge: Ausbildung, Geld verdienen, das Leben genießen.

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Biologisch gesehen, können sich die Väter in spe auch noch Zeit lassen. Ihre Zeugungsfähigkeit nimmt erst mit 35 Jahren ab, während Frauen ab diesem Alter schon „Risikoschwangerschaften“ haben. Ein weiteres Ergebnis der Studie: „Je berufsorientierter Männer sind und je zufriedener im Beruf, desto eher wünschen sie sich Kinder.“

Die Familientherapeutin Saskia zur Nieden kennt einen weiteren Grund für die männliche Zurückhaltung: „Viele befürchten, dass sie mit einem Baby in der Partnerschaft zurückstecken müssen.“ Männer wollten erst mal ihr Leben leben, sich austoben - das durchaus aber mit einer festen Partnerin. „Es ist daher wichtig, dass ein Paar schon vor einer Schwangerschaft klärt, wie es sich die Zukunft mit Kind vorstellt.“ 
Kinderwunsch beim Mann muss erst reifen
Häufig liest man, dass der Kinderwunsch beim Mann in erster Linie von der Partnerin abhängig ist. So verbinden Frauen mit einem eigenen Baby vor allem sinnliche Erfahrungen: Sie möchten etwas von sich weitergeben, ihrem Leben mehr Sinn geben, sich weiterentwickeln. Sie freuen sich, gebraucht zu werden und einem kleinen Menschen den Weg ins Leben weisen zu können. „Viele Männer dagegen sagen, dass sie sich ein Kind wünschen, weil es der Beziehung guttut. Sie wünschen sich ein Kind, weil sie glauben, ihre Traumfrau gefunden zu haben“, sagt Psychologin Angela Voß.

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Auch die Soziologin Dr. Diana Baumgartner hat die Themen Kinderwunsch bei Männern und Vatersein eingehend untersucht. Und sie ist sich sicher: Männer werden nicht „einfach so“ Väter. Sie hegen genauso den Wunsch für ein Kind (oder auch nicht) wie Frauen. Ihr Wille zum Vaterwerden ist dabei vor allem abhängig von verschiedenen Faktoren:

➤ von den Erfahrungen aus der eigenen Familie und Kindheit
➤ vom Alter
➤ von der aktuellen Lebensphase
➤ von der sozioökonomischen Situation (Bildung, Beruf, Einkommen, Wohnort usw.)

Dazu kommt, dass jeder Mann eine ganz persönliche Vorstellung vom „Mannsein“ und vom „Vatersein“ hat und beide Vorstellungen für sich selbst erst vereinen muss. Da werden Wünsche und Erwartungen Ängsten und Unsicherheiten gegenübergestellt. Und je nachdem, wie dieser meist unbewusste Abwägungsprozess ausgeht, ist der Mann bereit für Kinder – oder eben (noch) nicht.
Männer mit Kinderwunsch sind später bessere Väter

Kinderwunsch bei Männern

Wer sich die Vaterrolle wünscht, genießt sie später umso mehr.


© Thinkstock
Es liegt also in der Natur der Männer, sich sozusagen seelisch und moralisch erst auf das Vatersein vorzubereiten. Haben sie das für sich geschafft, dann wächst auch in ihnen der Wunsch nach eigenen Kindern.

Eigentlich logisch, dass Väter, die sich Kinder gewünscht haben, dann auch bessere Väter sind. Baumgartner stellt fest: „Je klarer der Kinderwunsch eines Mannes ist, desto engagierter setzt er sich für die (Herstellung der) Vater-Kind-Beziehung ein.“ (1) Außerdem, sind sie eher dazu bereit, auch den Aufwand und die Einschränkungen der Vaterschaft in Kauf zu nehmen, wie zum Beispiel eine verlangsamte Karriereentwicklung.

Das bedeutet aber nicht gleichzeitig, dass Männer, die ungeplant zum Vater werden, diese Rolle immer schlecht annehmen. Sie brauchen dann häufig einfach mehr Zeit, sich nachträglich auf die Vaterrolle einzulassen.

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(1) (Nicht) Vater werden und (nicht) Vater sein heute - Beitrag von Dr. Diana Baumgarten auf der Webseite der Bundeszentrale für politische Bildung



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