Kann man ein Baby verwöhnen?

Viele Eltern haben Angst, ihr Baby zu verwöhnen, indem sie ihm zu viel Aufmerksamkeit schenken. Ist das überhaupt möglich?

Kind verwöhnen

Zu viel Zuwendung? Zu viel Liebe? Damit kann man sein Kind gar nicht genug versorgen.


Säuglinge kann man nicht verwöhnen …

Im Zusammenhang mit der Schreienlassen-Debatte äußern viele Eltern auch die Angst, ihre Kinder zu sehr zu verwöhnen. Doch auch hier gibt es Entwarnung: Säuglinge und Kinder unter einem Jahr kann man kaum verwöhnen. „Bei den ganz Kleinen stehen körperliche Bedürfnisse im Vordergrund - da ist es nur natürlich, auf sie einzugehen und sie nicht allein zu lassen“, meint die Psychologie-Professorin Sabina Pauen dazu.

Im ersten Lebensjahr stehen vor allem die Versorgung der Grundbedürfnisse und liebevolle Fürsorge im Mittelpunkt, ein Verwöhnen ist hier kaum möglich
. Ein Entziehen der Pflege kann dagegen fatal sein. Nähe und Körperkontakt zu einer Bezugsperson ist für Babys eine Art Normalzustand, es kommt praktisch mit dieser Erwartung zur Welt. Spürt es diese Nähe nicht, fehlt ihm Sicherheit. Es weiß nicht einmal mehr, ob seine Eltern überhaupt noch existieren. Nähe gibt dem Baby also Sicherheit. Es knüpft nicht die Verbindung: „Aha, wenn ich schreie, kommt jemand. Also schreie ich einfach ganz viel, damit Mama macht, was ich will.“
Die Auswirkungen von ständigem Körperkontakt von Kind und Bezugsperson wurden in einer lang angelegten Studie untersucht. Die Wissenschaftler verglichen das sogenannte Känguruhen, also intensiven und ständigen Körperkontakt mit Frühchen, mit traditioneller Versorgung von zu früh geborenen Kindern. Die Studie betrachtete dabei nicht nur die unmittelbaren Effekte des Känguruhens, sondern auch die Auswirkungen im Verlauf von 20 Jahren. Das Ergebnis: Die Frühchen, die das Känguruhen erfahren haben, wiesen 20 Jahre später einen höheren IQ und sogar besser bezahlte Jobs vor als die Kinder der Kontrollgruppe.
Ein „zu viel“ an Fürsorge oder Pflege kann es im ersten Leben des Babys also kaum geben.

… Kleinkinder schon

Wird das Kind allerdings älter, wird das Risiko, dass es verwöhnt werden kann, größer. Das tritt vor allem dann ein, wenn aus Zuwendung Verhätscheln wird. Eltern wollen ihr Kind schützen, das ist normal. Mit der Zeit müssen sie allerdings auch lernen, ihrem Kind mehr Verantwortung zu geben und es einfach mal selbst machen zu lassen. „Schon Babys wollen selbstständig werden. Sie wachsen nicht nur am Behütetsein. Wer seinem Kind zu wenig zutraut, verwöhnt es und hält es in Abhängigkeit,“ erläutert Erziehungswissenschaftler Markus Höffer-Mehlmer.
Viele Eltern verwöhnen ihre Kleinkinder also, ohne es zu merken, indem sie ihnen Aufgaben abnehmen, die die Kleinkinder schon alleine schaffen. „Vergessen Sie Ihren fürsorglichen Service, sonst schaffen Sie damit nicht nur passive und verwöhnte Kinder, sondern fördern ihre Bequemlichkeit und Hilflosigkeit“, schreibt der Sozialpädagoge Peter Angst in seinem Buch „Verwöhnte Kinder fallen nicht vom Himmel“. Man müsse auf die Kräfte der Kinder vertrauen, so der Schweizer. „Sie lernen vorwiegend über das eigene Tun. Wer etwas für Kinder tut, was sie selbst tun können, nimmt ihnen eine wichtige Lernerfahrung."
Während Neugeborene also von einer Rund-um-die-Uhr-Betreuung durch Mama und Papa profitieren – sie sogar brauchen, lernen ältere Kinder mit der Zeit, kleine Verzögerungen auszuhalten und sich ein Weilchen alleine zu beschäftigen.
Wichtig ist, dass Eltern ihr Kind auf dessen Weg zu Selbstständigkeit beobachten, die sich ständig verändernden Bedürfnisse und Möglichkeiten ihres Kindes wahrnehmen und danach handeln.


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