Wie schlimm ist es, sein Kind anzuschreien?

Der letzte Schrei: Wie sich Schreien und verbale Angriffe auf Ihr Kind auswirken und wie Sie aus der Schrei-Falle herauskommen.


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Wie schlimm ist, sein Kidn anzuschreien?

Schreien wird oft als Bagatelle abgetan, kann aber schwerwiegende Folgen für die Entwicklung des Kindes haben


© iStock
Unsere Kinder sind in vielen Dingen Weltklasse: Im Kuscheln, im Toben, im Lachen – und leider auch darin, uns Eltern zur Weißglut zu bringen. Ob absichtlich oder ohne Hintergedanken, die Kleinen wissen, wie sie uns Großen ganz schön wütend machen können. Und bevor wir es wissen, reagieren wir so, wie wir es eigentlich nie wollten: Wir schreien unsere Kinder an.

Unsere Nerven gehen mit uns durch und wir wissen uns einfach nicht mehr anders zu helfen. Was Schreien mit Kindern macht und wie Sie aus der Schrei-Falle herauskommen.

Schreien ist so schlimm wie Schlagen


Sie bereuen es sofort. Die Wut ist mit Ihnen durchgegangen und Sie sind laut geworden. Zu laut. Ihr Kind sieht Sie aus verletzten – gar verängstigten – Augen an und Sie wissen: Sie sind einen Schritt zu weit gegangen.

So eine Situation kennen viele Eltern. Es kommt bei den meisten nicht nur einmal vor, dass sie aus Verzweiflung oder Hilflosigkeit laut werden und Ihr Kind damit verletzen.
US-Psychologen der University of Pittburgh haben in einer großen Studie untersucht, was es mit Kindern macht, wenn sie von ihren Eltern angeschrien werden. Die verherende Zusammenfassung: Schreien ist im Prinzip so schlimm wie Schlagen. Kinder, die von ihren Eltern regelmäßig angeschrien, beleidigt oder herabgesetzt werden, verhalten sich auffällig. Sie neigen häufiger zu Depressionen als andere Kinder und haben diverse Probleme in der Schule. "Es ist ein Teufelskreis", fasst Ming-Te Wang, der die Studie leitete, zusammen. "Und es ist ein Aufruf an die Eltern, weil es in beide Richtungen geht: Problemverhalten von Kindern erzeugt den Wunsch, harte verbale Disziplin zu üben, aber diese Disziplin kann Jugendliche dazu bringen, dieselben problematischen Verhaltensweisen zu übernehmen."

Auch eine Studie, die in der Fachzeitschrift “Psychological Trauma: Theory, Research, Practice, and Policy” erschienen ist, bescheinigt, dass emotionaler Missbrauch – also Beschimpfungen, Schreie und Beleidigungen –  ähnliche Schäden wie körperlicher Missbrauch hinterlassen kann.

Schreien verletzt Kinder in ihrem Innersten. Es verletzt sie in ihrem Selbstbewusstsein und macht, dass sie sich klein und wertlos fühlen. Das Vertrauen, das zwischen Eltern und Kindern herrschen sollte, wird gebrochen.

Das Gehirn von Kindern befindet sich noch mitten in der Entwicklung, deswegen sind sie besonders anfällig für alle Formen der Gewalt. Es gibt mehr und mehr Hinweise darauf, dass auch verbale Angriffe die Art verändern, wie sich das Gehirn vernetzt. Für ihre Entwicklung brauchen Kinder Eltern, die ihnen Wertschätzung und Vertrauen entgegen bringen, nicht Eltern, die sie durch Schreie und verbale Attacken klein halten. Wird ihnen Schreien als Form der Kommunikation vorgelebt, übernehmen sie diese Verhaltensweise. Sie verankern sich unbewusst und begleiten das Kind sein Leben lang. Eine Studie hat die Gehirne von Menschen untersucht, die in ihrer Kindheit Erfahrungen mit verbalen Attacken ihrer Eltern machen mussten und diese mit den Gehirnen von Menschen ohne einen solchen Hintergrund verglichen. Die Forscher fanden deutliche physische Unterschiede in den Teilen des Gehirns, die für die Verarbeitung von Lauten und Sprache zuständig sind.

Eine Studie, die Eltern-Kind-Beziehungen untersucht hat, attestiert auch, dass Schreien als Erziehungsmaßname genau den gegenteiligen Effekt erzielt: Jugendliche, die von ihren Eltern angebrüllt wurden, reagieren mit noch schlechterem Verhalten. Auch vermehrte Zuneigung der Eltern nach solchen verbalen Ausreißern schwächte die negativen Auswirkungen der Schreie auf die Teenager nicht.

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Macht mich Schreien zu einer schlechten Mutter / einem schlechten Vater?

Nein. Auch wird Ihr Kind wahrscheinlich keinen bleibenden Schaden davontragen, wenn Sie es einmal im Eifer des Gefechts anschreien.

Es ist normal, dass Sie nicht immer perfekt reagieren können. Doch gute Eltern macht aus, dass sie es immer und immer wieder probieren. Gute Eltern wollen sich verbessern. Sie wollen verständnisvoller auf ihre Kinder reagieren. Sie haben Erwartungen an sich und ihre Kinder. Und manchmal werden diese Erwartungen nicht erfüllt. Trotzdem bleiben gute Eltern am Ball. Sie geben nicht auf. Schlechte Eltern dagegen versuchen es erst gar nicht.

Eltern sind auch nur Menschen. Sie machen Fehler – und lernen daraus. Und genau das macht uns zu guten Menschen und Eltern. Kinder dürfen und sollen ihre Eltern ruhig als echte und emotionale Menschen kennenlernen, doch muss ihnen auch vermittelt werden, dass es nicht (nur) ihre Schuld ist, wenn ihre Eltern unwirsch oder verärgert reagieren.

Wie Sie am besten mit der Situation umgehen, wenn Sie die Kontrolle verloren und Ihr Kind angeschrien haben, haben wir hier für Sie zusammengefasst:

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Wie kann ich mit dem Schreien aufhören?

Schreien macht es nicht besser, sondern schlimmer … und trotzdem: Wenn wir uns nicht mehr zu helfen wissen, greifen wir oft darauf zurück, um so irgendwie wieder Herr über die Situation zu werden.

Hier allgemeingültige Hinweise oder Tipps zu geben, ist schwierig und wenig hilfreich. Am besten hilft wohl, in sich selbst hineinzuhören. Warum möchte ich jetzt schreien? Ist es eine Reaktion darauf, die Kontrolle über die Situation zu verlieren? Wie kann ich die Lage wieder zu fassen bekommen ohne zu schreien? Impulskontrolle und Mediation sind hier die Schlagwörter. Meistens hat das Schreien nämlich wenig mit dem konkreten Anlass oder dem Verhalten des Kindes zu tun, sondern spiegelt eher Ihre eigene Gefühlslage wider. Fühlen Sie sich überfordert? Müde oder erschöpft? Hören Sie in sich hinein und versuchen Sie, Ihre Gefühle zu artikulieren – für sich selbst und auch für Ihr Kind, das so lernt, Sie besser zu verstehen.

Wenn Sie merken, dass Sie Ihre Wut nicht ablegen können oder sich dasselbe Verhalten wiederholt, sollten Sie darüber nachdenken, sich professionelle Hilfe zu holen. Denn nur, wenn Sie mit Ihren eigenen Problemen vernünftig umgehen, können Sie auch Ihren Kindern ein gutes Vorbild sein.

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von Nicole Metz




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