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Nach Start-up-Gründung: „Kinder und Karriere gehen für mich Hand in Hand!“

Interview

Nach Start-up-Gründung: „Kinder und Karriere gehen für mich Hand in Hand!“

Am Ende ihres Medizinstudiums wurde Dr. Michaela Hagemann zum ersten Mal Mutter. Da sie mit den damals verfügbaren Pflegeprodukten für Kinder nicht zufrieden war, nutzte sie ihr medizinisches Wissen und entwickelte eine eigene Pflegeserie. Das war der Beginn ihres Start-ups das boep – abgeleitet von „Babyölprodukt“.  Wie Michaela Hagemann ihre drei Kinder und ihre Selbstständigkeit unter einen Hut bringt, warum mehr Frauen sich selbstständig machen sollten und wie sie sich selber als Chefin wahrnimmt, hat sie uns im Interview verraten.

Dieses Interview führte unsere Kollegin Ricarda Biskoping und es erschien zuerst auf desired.de.

Weil sie aus medizinischer Sicht und aus der Sicht einer Neu-Mama keine passenden Pflegeprodukte für ihre Tochter fand, entwickelte Michaela Hagemann nach der Geburt eigene Produkte für Babys. Ihr Anspruch: Eine natürliche Pflege, frei von synthetischen Düften, Mineralölen oder Parabenen. Ebenfalls wichtig: ein angenehmer Duft. Und damit traf sie einen Nerv bei vielen Eltern. Die Produkte stießen schnell auf großes Interesse, mittlerweile sind sie in zahlreichen Drogeriemärkten gelistet. Das Besondere an ihnen ist, dass sie im Austausch mit der Community stets weiterentwickelt werden.

desired: Du hast dich nach der Geburt deines ersten Kindes dazu entschlossen, eigene Babyprodukte auf den Markt zu bringen. Warum warst du mit den schon vorhandenen Produkten nicht zufrieden? Und welche Vorteile bringen deine Produkte mit sich?

Dr. Michaela Hagemann: Für meine kleine Tochter wollte ich natürliche Pflegeprodukte verwenden, weil ich von dem Einsatz von Mineralölen und synthetischen Düften auf der Babyhaut nicht so überzeugt bin und fand aber, dass die herkömmlichen Naturkosmetika zu stark nach ätherischen Ölen und irgendwie altmodisch rochen. Also habe ich eine eigene Serie kreiert, die nicht nur die besten natürlichen Inhaltsstoffe verwendet, sondern auch noch dezent gut riecht und modern aussieht.

Wie kann man sich den Beginn deines Startups vorstellen? Hast du zu Hause in den eigenen vier Wänden die erste Creme gemischt? Und wann warst du das erste Mal mit einem Produkt so zufrieden, dass du überlegt hast, es zu verkaufen?

Von Beginn an wollte ich die Cremes professionell herstellen lassen, sonst hätte ich sie nicht guten Gewissens bei meiner Tochter anwenden können. Also habe ich einen Lohnhersteller gesucht, der schon lange mit viel Expertise Naturkosmetik herstellt und habe mit seinem Labor zusammen die ersten Muster kreiert. Besonders über dem Duft saßen wir lange zusammen, denn ich wollte, dass jeder ihn sofort mit dem natürlichen Duft von Babys assoziiert. Ich hatte eine Gruppe von Frauen aus meinem Geburtsvorbereitungskurs, die ich regelmäßig getroffen habe und die sehr unterschiedlich waren – als sie dann aber alle ausnahmslos den gleichen Duft gut fanden, wusste ich, dass ich ihn gefunden hatte. Sie bestärkten mich darin, dass es einen Markt für moderne Babypflege abseits der großen Marken gibt.

Hast du damit gerechnet, dass deine Produkte auf so große Nachfrage stoßen werden?

Mit dieser großen Nachfrage habe ich ehrlich gesagt nie gerechnet. Wir verkaufen die Produkte mittlerweile in über 2.500 Geschäften in Deutschland, Österreich und der Schweiz und haben über 500.000 Produkte verkauft. Ich freue mich riesig, dass wir scheinbar einen Nerv getroffen haben und vor allem, dass wir die ersten waren, die es mit den großen Marken im Regal aufgenommen haben.

Wie hat dein Umfeld darauf reagiert, als du zum ersten Mal von deiner Startup-Idee berichtet hast?

Sehr unterschiedlich. Viele fanden es super und haben es sehr unterstützt, für einige aus unserem Umfeld war das Babythema aber auch noch weit weg. Besonders einige meiner Mediziner-Freunde konnten mit der Idee nichts anfangen. Heute aber beglückwünschen sie mich zu dem Schritt und wünschen sich in manchen Nachtdiensten, sie wären auch einen anderen Weg gegangen.

Dein Startup ist rasant gewachsen, mittlerweile beschäftigst du acht MitarbeiterInnen. Wie schaffst du es, dein Leben als Mama und deinen Job unter einen Hut zu bringen?

Das erfordert viel Organisation und auch die Zuversicht, dass nicht immer alles gleichzeitig perfekt sein kann. Man kann sich nicht zerreißen, muss lernen zu delegieren und akzeptieren, dass man auf beiden Seiten Kompromisse machen muss. Zum Glück wuppen mein Mann und ich unseren Alltag gemeinsam und auch unsere Familien unterstützen uns sehr, das hilft enorm.

Hattest du keine Angst davor, dir als frischgebackene Mama mit einem Startup zu viel zuzumuten?

Nein, im Gegenteil habe ich mich gefreut etwas eigenes aufzubauen. Ich habe den Onlineshop selbst gebaut, die Produkte entwickelt und getestet und das hat mir große Freude bereitet. Das Medizinstudium ist geprägt vom Auswendiglernen und nun hatte ich etwas, wo ich viel neues lernen konnte: angefangen von Businessplänen über Logistikmanagement bis hin zu Marketingstrategien. Es war eine sehr spannende Zeit.

Glaubst du, dass sich vor allem junge Mamas oft nicht trauen, ihre beruflichen Träume zu verwirklichen, weil sie Angst haben, ihre Kinder könnten dann zu kurz kommen?

Würde sich eine solche Frage je ein ambitionierter junger Mann stellen? Für mich gehen Kinder und Karriere Hand in Hand, auf beides könnte ich nicht verzichten und ich denke, das ist auch heutzutage nicht nötig.

Ich glaube Kinder brauchen Bezugspersonen, ein stabiles familiäres Umfeld und zufriedene Eltern, die ihnen Vorbilder sind - und nicht zwingend eine 24/7 Betreuung durch die Mama.

Dr. Michaela Hagemann

Sollten Frauen in beruflicher Hinsicht mehr an sich glauben, öfter den Schritt wagen, sich selbstständig zu machen?

Auf jeden Fall! Die Selbstständigkeit ermöglicht einem auch viele Freiräume, gerade wenn man Kinder hat. Man muss beispielsweise keinem Vorgesetzten mehr Bescheid sagen, dass das Kind krank ist und kann sich seine Arbeit selber einteilen. Im Gegenzug hat man natürlich viel Verantwortung und kann selten abschalten. Ich würde es aber immer wieder tun, ich bin gerne meine eigene Chefin.

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Wie würdest du dich selber als Chefin beschreiben?

In unserem Start-Up versuchen wir vieles umzusetzen, was wir uns für unseren eigenen Arbeitsplatz immer gewünscht haben: Respekt, Perspektiven, Feedback, Flexibilität für Teilzeit- oder Homeoffice-Modelle und den offenen Austausch. Ich versuche für meine MitarbeiterInnen ein Vorbild zu sein und sie darin zu bestärken sich ihren Kompetenzen entsprechend stetig weiterzuentwickeln.

Welche beruflichen Ziele möchtest du in den nächsten 5 Jahren noch verwirklichen?

Wir wünschen uns, dass unsere Produkte weiterhin in den Pflegeroutinen vieler junger Familien zum Einsatz kommen und möchten vor allem durch Qualität und innovative Konzepte überzeugen. Ich freue mich, wenn meine Gründung auch andere zu der Selbstständigkeit animiert und unsere Produkte auch in 5 Jahren noch europaweit in den Regalen stehen.

Danke für das spannende Interview!

Dr. Michaela Hagemann ist diesem Jahr übrigens Finalistin beim „Digital Female Leader Award"! Mit dem Award, der von Global Digital Women ins Leben gerufen wurde, werden jedes Jahr Frauen in der Digitalwirtschaft für ihre besonderen Projekte ausgezeichnet. Ziel ist es, Frauen mehr Sichtbarkeit in der Branche zu geben, ihre Geschichten zu erzählen und dadurch auch andere zu inspirieren und motivieren. Weitere spannende Interviews mit inspirierenden Frauen findest du in unserer Themenreihe „empowHER"„

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Bildquelle: Dr. Michaela Hagemann

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